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GP Saudi Arabien
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen xpb
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Verstappen - Hamilton - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Mick Schumacher - Haas - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen 61 Bilder

Wie kam es zum Crash der WM-Stars in Jeddah?

Wie kam es zum Crash der WM-Stars? Wildwest in Jeddah

GP Saudi-Arabien 2021

Diese WM-Story wird immer verrückter. Nach zwei roten Flaggen und drei Autoscooter-Aktionen von Max Verstappen fährt Lewis Hamilton dem Red Bull ins Heck. Weil er nichts davon wusste, dass Verstappen ihn vorbeilassen muss.

Besser geht es nicht. Lewis Hamilton und Max Verstappen fahren punktgleich zum WM-Finale nach Abu Dhabi. Damit ist klar: Wer auf der Rennstrecke gewinnt, ist Weltmeister. Ein Doppelausfall hilft nur Verstappen, weil er dann einen Sieg mehr auf seinem Konto hätte. Doch nach dem vorletzten WM-Lauf in Jeddah muss man sich die Frage stellen, ob es überhaupt zu einer Entscheidung auf der Strecke kommt. Gut möglich, dass sie im Kiesbett oder im Büro der Sportkommissare fällt.

Mercedes-Teamchef Toto Wolff hofft: "Es gab heute genug Warnschüsse, dass es in Abu Dhabi hoffentlich nicht eskalieren wird. Niemand kann sich ein Saisonende leisten, in dem der WM-Kampf nicht auf der Rennstrecke ausgetragen wird." Kollege Christian Horner versprach: "Wir wollen diese WM auf der Rennstrecke gewinnen und nicht anderswo."

Die GP-Premiere von Saudi-Arabien begann eigentlich ganz friedlich mit einer Doppelführung der beiden Mercedes vor Max Verstappen. Doch dann stellten ein Safety Car und zwei rote Flaggen alles auf den Kopf. Während Mercedes nach dem Crash von Mick Schumacher beide Autos an die Boxen holte, entschied sich Red Bull zu einem Poker mit hohem Risiko und ließ Verstappen auf der Strecke. Es zahlte sich voll aus. Das Safety Car verwandelte sich in einen Abbruch, Verstappen bekam die Führung geschenkt und durfte in der Pause auch noch den obligatorischen Reifenwechsel abwickeln.

Verstappen - Hamilton - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Motorsport Images
Hamilton krachte seinem Rivalen in der 37. Runde ins Heck.

Kuhhandel zwischen Rennleitung und Red Bull

Der Holländer verspielte das Geschenk auf den ersten 220 Metern. Was jetzt passierte, war eine Kopie der Szene von Brasilien, die damals trotz Nachspiel nicht geahndet wurde. Hamilton war schon vorbei, doch sein Gegner bremste auf der letzten Rille und drängte den Mercedes so ab, dass Esteban Ocon als Nutznießer zwar die Führung übernahm, Verstappen aber wenigstens als Zweiter vor Hamilton aus der Kurve kam. Dann erneut Rot und ein zweiter Re-Start.

In der zweiten Pause wurde zwischen Rennleitung und dem Kommandostand von Red Bull hektisch verhandelt. FIA-Rennleiter Michael Masi wollte zuerst, dass Verstappen einen Platz hergibt, dann zwei. Teammanager Jonathan Wheatley willigte ein. "Der Fall wäre sonst bei den Sportkommissaren gelandet, und da hätten wir eine Strafe bekommen. Es war das geringere Übel, hinter Ocon und Lewis zu starten", erklärte Horner. Und wieder nahm Red Bull volles Risiko. Die Strategen wählten den Medium-Reifen, dem Mercedes maximal 30 Runden bei gut dosiertem Tempo zutraute. Es waren aber noch 34 Runden zu fahren und vorne wurde gnadenlos Tempo gebolzt. Red Bull war der Startvorteil wichtiger.

Auch beim zweiten Re-Start zeigte Verstappen aus welchem Holz er gestrickt ist. Er nahm Hamilton in den Schwitzkasten zwischen sich und Ocons Alpine und hatte am Ende erneut die Nase vorn. Als die beiden WM-Kandidaten Ocon abgeschüttelt hatten, begann der lange Showdown. Schnell wurde klar, dass Hamilton mit seinen harten Reifen die besseren Karten in der Hand hielt, und dass der Mercedes im Renntrim das schnellere Auto hatte. "Sie haben uns in den Vollgaspassagen mit DRS eine Sekunde abgenommen. Das konnten wir in den Kurven 5 bis 9 nicht gutmachen", bedauerte Horner.

Brasilien-Kopie in Zeitlupe

Vier VSC-Phase retteten Verstappen bis zur 37. Runde. Dann startete Hamilton am Ende der Zielgerade seinen ersten Angriff. Wieder war er vorbei, wieder bremste sich Verstappen aus dem Nichts heran, wieder mussten beide durch den Notausgang und wieder behielt der Holländer die Oberhand. "Das war Brasilien mit weniger Geschwindigkeit", ärgerte sich Wolff. Verstappen sah es anders: "Warum bekomme ich eine Strafe, wenn wir beide neben die Strecke fahren?"

Seit dem Disput nach dem GP Brasilien sind die Regeln klar. Der Aggressor bekommt eine Fünfsekunden-Zeitstrafe. Oder er gibt den Platz wieder her. Red Bull entschied sich für Platz hergeben. Bis die Nachricht bei Mercedes-Teammanager Ron Meadows ankam, hatte es schon gekracht. Verstappen demonstrierte auch hier, was für ein harter Knochen er sein kann. Er wählte den Ort des Vorbeilassens ganz bewusst kurz vor Kurve 26, um dann sofort auf der Zielgerade mit offenem DRS zu kontern. Zwischen den Kurven 26 und 27 liegt die Linie, an der gemessen wird, ob das nachfolgende Auto auf der Zielgerade DRS aktivieren darf.

Doch so weit kam es gar nicht. Stattdessen krachte Hamilton dem Red Bull voll ins Heck. Verstappen erzählte den Vorfall aus seiner Sicht: "Ich habe vor Kurve 22 erfahren, dass ich den Platz hergeben muss. Vor Kurve 26 bin ich nach rechts und habe gewartet, dass Lewis vorbeifährt. Er wurde aber wie ich immer langsamer. Ich wundere mich noch, schalte runter und plötzlich hängt er mir im Heck."

Verstappen - Hamilton - GP Saudi-Arabien 2021 - Jeddah - Rennen
Wilhelm
Hamilton und Verstappen waren sich mehrmals nicht über die Vorfahrt einig.

Hamilton tappt ahnungslos in Falle

Hamilton sprach in der ersten Erregung von einem Bremstest. Als er über den wahren Hintergrund aufgeklärt wurde, entschuldigte er sich: "Ich wusste nichts davon." Tatsächlich hatte Mercedes-Teammanager Ron Meadows erst eine Sekunde vor dem Crash von der Rennleitung erfahren, dass Verstappen zum Platztausch bereit war. Die Mercedes-Ingenieure wollten Verstappen daraus keinen Strick drehen. "Max wusste offensichtlich nicht, dass Lewis nichts wusste."

Hamilton hatte wieder einmal Glück. Während an Verstappens Red Bull der Diffusor gebrochen war und ein Hinterreifen zwei tiefe Schnitte aufwies, brach am Mercedes mit der Nummer 44 nur die rechte Frontflügelendplatte ab. Nach Aussage der Ingenieure ein Handikap von drei Zehntelsekunden. Es reichte, um damit noch die schnellste Rennrunde zu drehen.

Verstappen bekam zwei Stunden nach dem Rennen die Quittung für den Auffahrunfall nachgereicht. Die Sportkommissare addierten ihm noch einmal zehn Sekunden auf, weil sie die Hauptschuld bei dem Holländer sahen. Demnach hat Verstappen zuerst verlangsamt, dann aber mit einem Druck von 69 Bar gebremst und mit 2,4 g verzögert. Hamilton hätte zwar schon beim ersten Verlangsamen vorbeifahren können, man müsse aber verstehen, dass er das vor dem DRS-Messpunkt nicht wollte, argumentierten die Schiedsrichter. Hier liegt ein klarer Denkfehler. Wenn Hamilton nicht wusste, dass Verstappen ihn freiwillig vorbeilässt, hätte er auch vorbeifahren können.

Verstappen machte noch zwei Mal Platz

Damit war das Drama noch nicht vorbei. Verstappen glaubte, dass er genug guten Willen gezeigt hatte, und dass die Angelegenheit damit erledigt sein würde. Weit gefehlt. Aus Sicht der Rennleitung war gar nichts passiert. Verstappen wurde von seiner Box angewiesen, Gas zu geben, um die fünf Sekunden wettzumachen, doch mit seinem beschädigten Auto und den ausgelutschten Medium-Reifen war das eine Mission ohne Aussicht auf Erfolg.

In der Hoffnung, die Strafe noch abzuwenden, machte Verstappen ein zweites Mal Platz. Diesmal genauso wie er sich das beim ersten Mal vorgestellt hatte. Hamilton schoss vor dem DRS-Messpunkt vorbei und sein Rivale konterte noch vor Kurve 27. "Lewis war zwei Meter vorn, da ist Max schon wieder aufs Gas", monierte der Mercedes-Kommandostand.

Hamilton erinnerte an einen Fall 2008 in Spa, in den er selbst verwickelt war. Damals machte er das gleiche wie Verstappen, ließ Kimi Räikkönen auf Befehl der Rennleitung vor der Busstopp-Schikane kurz vorbei, kürzte durch die S-Kurve ab, um Schwung aufzunehmen und sofort danach wieder an dem Ferrari vorbeizugehen. Die Sportkommissare verdonnerten den damaligen McLaren-Piloten zu einer 25 Sekunden Strafe. "Das hat mich damals den Sieg gekostet."

Hamiltons versteckte Kritik

Nur eine Runde nach seinem Bauerntrick macht Verstappen ein drittes Mal Platz. Diesmal ließ sich Hamilton nicht verladen. Er drängte den Red Bull in der Zielkurve so weit ab, dass er keinen Gegenangriff mehr starten konnte. "Lewis darf das. Max wird wegen so etwas bestraft", ereiferte sich Horner. Das Rennen war zu dem Zeitpunkt ohnehin schon verloren. "Wir wussten, dass ein Reifen beschädigt war und wollten lieber die 18 Punkte nach Hause bringen als einen Ausfall riskieren."

Nach dem Rennen schlugen die Wogen hoch. Christian Horner und Sportdirektor Helmut Marko hatten das Gefühl, dass sämtliche Entscheidungen in der Rennleitung und im Gremium der Sportkommissare einseitig gegen sie getroffen werden. Verstappen maulte : "Ich will darüber nicht reden. Das würde Leuten Schlagzeilen bringen, die das nicht verdient haben. Wir reden hier mehr über Strafen als über Rennsport. Das ist nicht, was ich unter Formel 1 verstehe, aber ich muss mich wohl damit abfinden."

Lewis Hamilton sah den Schlüssel zu seinem 103. GP-Sieg darin, dass er und sein Team in den entscheidenden Momenten die Ruhe bewahrt haben. Und dass er im Rad-and Rad-Duell drei Mal einen Rückzieher machte statt bis zur letzten Konsequenz dagegen zu halten. "Für mich ist klar, dass ein Rennen zwischen den weißen Linien stattzufinden hat. Ich glaube, das verstehen alle Fahrer, nur einer nicht."

Bei Mercedes macht sich über die Fahrweise des Holländers Unmut breit. "Max fährt, als säße er noch im Kart. Er fährt im Zweikampf viel zu schnell in die Kurven rein und hofft auf das Beste. So als würde es ihn nicht kümmern, was dabei passiert." Horner widerspricht: "Die Fahrer von heute kommen alle aus dem Kartsport. Lewis fährt nicht anders, er stellt es höchstens geschickter an. Wir haben nichts gegen eine harte Fahrweise, wenn alle nach dem gleichen Maßstab bestraft werden. Und wer so etwas nicht will, soll Kiesbetten neben die Strecke bauen."

Toto Wolff versucht vor dem Herzschlag-Finale in Abu Dhabi zu de-eskalieren: "Vielleicht verstehen uns die Leute jetzt, warum wir den Fall in Brasilien noch einmal aufrollen wollten. Es muss klare Verhältnisse geben. Der schnellere Fahrer im schnelleren Auto soll die WM gewinnen, und nicht weil der eine den anderen von der Strecke boxt."

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