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Renault-Sportchef Cyril Abiteboul im Interview

„Müssen es jetzt selbst richten“

Cyril Abiteboul - Renault - F1 2018 Foto: sutton-images.com 19 Bilder

Renault-Sportchef Cyril Abiteboul ist ein Mann klarer Worte. Wir haben uns mit ihm über das Saisonziel 2018 unterhalten, die Trennung von Red Bull und Renaults Pläne für die Zukunft.

12.08.2018 Michael Schmidt

Renault hatte vor der Saison zwei Ziele: Platz 4 und der Spitze näherkommen. Wo stehen Sie gerade?

Abiteboul: Wir haben bis jetzt fast alle unsere Ziele erfüllt. Nur eines nicht. Wir sind der Spitze nicht nähergekommen. Das ist ein wichtiges Element. Wir müssen prüfen, warum das noch nicht geklappt hat. Dazu zwei Dinge: Erstens befindet sich unser Team noch in der Aufbauphase. Das sollte uns in diesem Jahr helfen, Vierter zu werden. Man sieht es auch an unserer Konstanz. Wir machen sehr wenige Fehler. Uns hilft, dass unsere Gegner größere Schwankungen haben als wir. Andererseits sind wir nicht in der Lage, schnell genug zu entwickeln, um die Lücke nach vorne zu schließen. Der Abstand ist seit Saisonbeginn gleich geblieben. Das spiegelt den Zustand der Formel 1 wider. Du brauchst bestimmte Faktoren, um erfolgreich zu sein. Investitionen, Geld, Leute, Ressourcen. Da sind wir noch nicht dort, wo wir sein wollen. 2018 ist das letzte Jahr unserer Wachstumsphase. Wir stocken immer noch Leute auf, verbünden uns mit neuen Partnern, haben die Managementstruktur umgebaut, die Ressourcen vergrößert. Im Moment haben wir noch nicht die Größe erreicht, um aufzuholen.

Wo müssen Sie mehr aufholen. Beim Auto oder beim Motor?

Abiteboul: Ganz klar, beim Auto. Der Motor ist gut genug, um damit ein Auto auf die Pole Position zu stellen, Siege einzufahren und um den WM-Titel zu kämpfen. Red Bull beweist es. Ohne deren Probleme wären sie jetzt voll drin im Titelkampf. Und nur zwei ihrer Probleme hatten mit dem Motor zu tun. Hier sind wir im Fahrplan mit unserer Aufholjagd. Ich bin überzeugt, dass wir 2019 Mercedes und Ferrari einholen, vielleicht sogar überholen. Mit dem Leistungszuwachs bin ich zufrieden. Mit der Zuverlässigkeit noch nicht. Auf der Chassis-Seite sind wir aerodynamisch noch im Hintertreffen.

Eigentlich sieht Ihr Auto gar nicht so viel anders aus als ein Mercedes, Ferrari oder Red Bull. Wo geht die Sekunde verloren?

Nico Hülkenberg - Renault - GP Ungarn - Budapest - F1-Test - 31. Juli 2018 Foto: Jerry André
Renault entwickelt intensiv, um den Rückstand auf die Top-Teams zu verringern.

Abiteboul: Wenn ich das wüsste, wären wir eine Sekunde schneller. Es geht hier um Details. Dieses Reglement belohnt ständige Verbesserung im Detail. Bis hin zu den Oberflächen des Autos. Und dann gibt es noch viele Dinge unter der Verkleidung, die den Unterschied ausmachen. Auch sehr komplexe Aufhängungssysteme. Mechanischer Grip und Reifenmanagement sind Bereiche, in denen wir hinterherhinken. Wir können noch nicht genügend schnell Änderungen an das Auto bringen. Der Weg vom Konzept zum Windkanalmodell und zur Rennstrecke dauert zu lang. Wir haben hart gearbeitet, das Designbüro aufzustocken. Jetzt ist die Produktionskapazität an der Reihe.

Red Bull und Renault trennen sich nach der Saison. Wo sehen Sie die positiven und negativen Punkte?

Abiteboul: Es ist eine Entscheidung, die wir so erwartet haben. Nach der Trennung von Toro Rosso in einem ersten Schritt mussten wir damit rechnen, dass auch Red Bull folgen würde, um ein gemeinsames Projekt mit Honda zu starten. Wir haben ja noch McLaren für drei Jahre. Positiv sehe ich, dass die Trennung ein klares Signal an alle im Team ist, dass wir es jetzt selbst richten müssen. Red Bull hat uns vorgemacht, dass man mit unserem Motor Rennen gewinnen kann, wenn man ein gutes Chassis baut. Das ist eine Herausforderung für die Mannschaft in Enstone. Die Ehe mit Red Bull war fordernd und auch manchmal sehr anstrengend für uns. Negativ ist, dass Red Bull für uns eine fantastische Messlatte abgab. Die Plattform gab uns die Möglichkeit, unseren Motor mit den anderen zu vergleichen. Leider ist es uns noch nicht gelungen, mit diesem Motor eine Konstrukteurs-WM zu gewinnen.

Wie groß ist der Wunsch Red Bull zu zeigen, dass es die falsche Entscheidung war?

Abiteboul: Es wäre falsch sich etwas zu wünschen, was wir nicht mehr zurückholen können. Red Bull hatte seine Gründe sich so zu entscheiden, und das müssen wir akzeptieren. Für sie ist es besser zusammen mit Toro Rosso etwas um Honda herum aufzubauen, das einem Werksstatus gleichkommt. Das konnten wir ihnen nicht mehr bieten. Bei uns wäre Red Bull nur Kunde gewesen. Wir werden uns bei der Integration des Motors in das Chassis auf uns konzentrieren.

Wie weit ist Renault in Sachen Leistung noch weg von Mercedes und Ferrari?

Abiteboul: Das ist schwer in Zahlen auszudrücken, weil jeder andere Zahlen hat. Wir glauben, dass wir im Rennen noch fünf bis zehn Kilowatt hinter Ferrari und Mercedes und zwischen 20 und 30 Kilowatt vor Honda liegen. Ein bisschen schwieriger zu quantifizieren ist es im Qualifying. Da spielt das Chassis eine zu große Rolle, und mit Red Bull ist der Vergleich unfair, weil die bei der Kraftstoffentwicklung im Vergleich zu uns hinterherhinken.

Sind Sie für ein Einfrieren der Motorenentwicklung, wenn Sie die Lücke zu Mercedes und Ferrari schließen können?

Daniel Ricciardo & Nico Hülkenberg - GP Ungarn 2018 Foto: Wilhelm
Die Ricciardo-Verpflichtung zeigt, dass es Renault ernst meint mit den Ambitionen.

Abiteboul: Wir sehen in einem Einfrieren der Entwicklung ab einem bestimmten Zeitpunkt eine absolute Notwendigkeit. Besser als 2021 mit einem komplett neuen Motor den gleichen Fehler zu machen als 2014. Das können wir den Fans nicht antun. Wir sind jetzt in der glücklichen Lage, dass sich drei Motorenhersteller und neun Teams vom Motor her in einem kleinen Fenster bewegen. Deshalb halten wir es für falsch, die Regeln schon wieder zu ändern. Das Beste wäre es, die aktuellen Regeln zu behalten und sie leicht zu modifizieren so dass die Fahrer ohne Restriktionen frei ihre Rennen fahren können. Wir können die Durchflussmenge und die Drehzahl erhöhen, um den Sound zu verbessern. Ich verstehe nicht, warum wir einen neuen Motor brauchen. Der kostet jeden Hersteller mindestens 50 Millionen Euro.

Sind Sie auch gegen eine Budgetdeckelung?

Abiteboul: Enstone hat in der Vergangenheit gezeigt, dass in dieser Fabrik siegfähige Rennautos entstehen können. Wir werden dort am Ende des Jahres 700 Leute beschäftigen und wir verfügen über ein gutes Budget dank unseres Hauses und guter Sponsoren. Trotzdem sind wir nicht in der Lage um den Titel zu kämpfen. Ist das gesund? Ich glaube nicht. Ich glaube, wir stellen uns nicht dumm an und sollten deshalb in der Lage sein, wenigstens um Podiumsplätze zu fahren. Was aber auch nicht der Fall ist. Da stimmt etwas mit diesem Sport nicht mehr. Es muss also etwas getan werden. Ich persönlich unterstütze mehr eine Gleichstellung über Anpassungen des Reglements. Also mehr Vereinheitlichung und Homologation um die Notwendigkeit zu unterbinden unsinnige Summen an Geld für Dinge auszugeben, die für den Zuschauer nicht relevant sind. Wenn das nicht funktioniert, dann soll es meinetwegen auch eine Budgetdeckelung richten. Doch dazu braucht es aber ein gutes Reglement zur Einhaltung des Finanzplans.

Müssten Sie bei einer Deckelung von 150 Millionen Dollar wieder abrüsten?

Abiteboul: Ein bisschen. Wir liegen gerade leicht darüber, aber immer noch massiv unter dem, was die drei Top-Teams ausgeben.

Was bedeutet die Unterschrift von Daniel Ricciardo für Renault?

Abiteboul: Seine Verpflichtung beweist unseren Willen, den Aufholprozess zu den Top-Teams zu beschleunigen. Es ist auch eine Anerkennung der Arbeit, die wir in den letzten zweieinhalb Jahren geleistet haben. Das Talent und die Ausstrahlung von Daniel sind ein großer Bonus für das Team. Wir müssen sein Vertrauen in uns zurückzahlen, in dem wir ihm das bestmögliche Auto zur Verfügung stellen.

Neuester Kommentar

Somit sind wir wieder bei Stand von vor einer Woche.
Manche behaupten die anderen würden nicht verstehen, dabei können sie selber nichts vorbringen was man verstehen könnte.

"Könnt Ihr bitte mal irgendwie erklären/ belegen, warum FA so viel besser sein soll in Sachen Schnelligkeit, Taktik, Fahrzeugentwicklung,... als andere Top Fahrer?
Ich denke auch, dass FA ein Top Fahrer ist, aber auch er braucht ein überlegenes Fahrzeug, Glück und beste Renntaktik um ganz nach vorne zu kommen"

Auto_MG 19. August 2018, 20:25 Uhr
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