Das exklusivste Dinner der Formel 1

Vettel konnte nur noch staunen

Hamilton - Alesi - Lauda - Hamilton - Champions Dinner - GP Österreich 2015 Foto: FOM 13 Bilder

Bernie Ecclestone hatte geladen, und alle kamen. Im Hotel Steirerschlössl trafen sich 18 WM-Titel und ein Teil Motorsportgeschichte. auto motor und sport hat die Fotos und die Stories der Superstars.

An diesem Tisch wäre jeder Fan gerne gesessen. Die Formel 1-Elite traf sich zwei Tage vor dem GP Österreich zu einem exklusiven Dinner. Bernie Ecclestone hatte die Superstars von gestern und heute ins Hotel Steirerschlössl geladen. Und alle kamen. Insgesamt 18 WM-Titel versammelten sich an einem Tisch, der für einen Abend die Probleme der Königsklasse vergessen ließ. Und man fragte sich: Warum kann es nicht immer so locker zugehen?

Die Liste der Gäste las sich wie das Who is who der GP-Geschichte. Zuerst die Legenden, die beim GP Österreich die Turbo-Autos der Vergangenheit pilotierten. Niki Lauda, Alain Prost, Nelson Piquet, Gerhard Berger, Riccardo Patrese, Jean Alesi, Christian Danner und Pierluigi Martini. Dazu die drei Mehrfach-Weltmeister der Gegenwart: Lewis Hamilton, Fernando Alonso und Sebastian Vettel.

War das wirklich alles wahr?

Es war ein vergnüglicher Abend unter Gleichgesinnten, wenn man den Beteiligten glauben darf. Die aktuellen Fahrer lauschten begeistert den Erzählungen ihrer Vorgänger, und sie wunderten sich, wie locker es die Helden der Vergangenheit nahmen. Vettel fragte Piquet verwundert: "Ist das alles wahr?" Der Brasilianer gab trocken zurück: "Ich habe dir nur ein Prozent von dem erzählt, was wirklich gelaufen ist."

Es war eine unbeschwerte Zeit, und so mancher Fahrer aus der Gegenwart mag sich gefragt haben, warum das heute nicht mehr möglich ist. Die Antwort ist einfach. Weil die Teams von ihnen Stromlinienförmigkeit verlangen. Helden gibt es nur, wenn die Fahrer auch Helden sein dürfen. Politisch korrekt verkauft sich nicht.

Piquet und der Boxenstopp für die Galerie

Vettel erfuhr von Piquet erstaunt, dass er Vater von Zwillingen sei. Von zwei verschiedenen Müttern. Die Kinder wurden zur gleichen Zeit geboren. Gerhard Berger stellte belustigt fest: "Es dauerte eine Weile, bis alle kapierten, was Nelson damit meint." Der Brasilianer lief an dem Abend zur Hochform auf. Er erzählte, wie er sich einst in Hockenheim für einen Boxenstopp einbremste, die Brabham-Mechaniker in Rekordzeit vier Reifen wechselten und dann verwundert mit ansahen, wie Piquet plötzlich aus dem Auto stieg. Mit einem Lachen im Gesicht: "Sorry Jungs. War ein toller Boxenstopp, aber das Getriebe ist kaputt."

Alain Prost brachte die alte Geschichte zur Sprache, dass Brabham-BMW 1983 nur deshalb zum ersten Mal Turbo-Weltmeister wurde, weil Wintershall für BMW einen speziellen Sprit gemixt hatte. Nach Meinung von Renault illegal. Bernie Ecclestone meinte verschmitzt: "Sorry Alain, wir hatten keine Ahnung davon. Das Benzin kam nicht von uns."

Berger gab Schuld an Estoril-Crash zu

Jeder am Tisch bekam sein Fett weg. Jean Alesi brachte seinen eigenen Wein mit. Gerhard Berger erinnerte seinen Kumpel am Tag danach: "Wegen dir haben wir heute alle Kopfweh. War da Frostschutzmittel drin?" Riccardo Patrese brachte gegenüber Berger noch einmal den Unfall beim GP Portugal 1992 zur Sprache. Der Williams-Pilot war damals am Hinterrad des McLaren aufgestiegen und 300 Meter weit durch die Luft geflogen.

Patrese blieb heil. Er gab Berger damals die Schuld. Offiziell wurde der Italiener in die Pflicht genommen. Berger gab 23 Jahre nach dem Zwischenfall gegenüber Patrese zu: "Ricciardo, ich nehme die Schuld auf mich. Aber die ist inzwischen verjährt." Zum Schluss hatte Piquet noch eine Anekdote parat. Sie zeigt, wie herrlich unperfekt die erste Turbo-Ära noch war. "Bei den Wintertests vor der Saison 1982 sind wir einmal in Donington gefahren. Auto und Motor liefen perfekt. Der BMW-Turbo hatte soviel Power wie nie zuvor, und das Ansprechverhalten war wie bei einem Saugmotor. Ich habe den Jungs gesagt: Wir gewinnen die WM 1982 mit links. Genau so will ich den Motor haben. Dann hat einer von Bosch das Steuergerät mit der falschen Spannung angeschlossen und alle Daten gelöscht. Wir hatten keine Kopie und haben erst Mitte der Saison wieder auf diesen Stand von Donington zurückgefunden."

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