Das Geheimnis des Ferrari-Aufschwungs

Joker in der Hinterhand

Vettel & Räikkönen - Ferrari - Formel 1 - GP Malaysia - 28. März 2015 Foto: Wilhelm 36 Bilder

Ferrari hat den Rückstand auf Mercedes über den Winter halbiert. Technikchef James Allison verteilt die Fortschritte zu je 50 Prozent auf Auto und Motor. Und er sieht noch viel Spielraum zur Verbesserung.

Ferrari ist einer der Aufsteiger dieser Saison. Von Platz 4 auf Rang 2. Die Roten haben den Rückstand auf Mercedes über den Winter halbiert. Im Renntrim mehr als auf eine Runde. Technikchef James Allison verrät: "Wir haben in Melbourne im ersten Renndrittel hinter Williams 20 Sekunden verschenkt."

50 Prozent Auto, 50 Prozent Auto

Das würde bedeuten, dass Sebastian Vettel im Ziel lediglich 15 statt 35 Sekunden Rückstand auf Sieger Lewis Hamilton gehabt hätte. Mercedes-Strategiechef James Vowles hatte schon im Vorfeld des GP Malaysia gewarnt: "Räikkönens zweiter Stint in Australien war verdammt schnell. Auch unter der Maßgabe, dass er auf einer anderen Strategie unterwegs war."

Doch wie war das Wunder von Maranello in nur einem Winter möglich? Ferrari investiert seit einem Jahr viel Geld in die Aufrüstung von Technik und Personal. Die italienische Sportzeitung "Gazetta dello Sport" beziffert den Einsatz auf 100 Millionen Euro obendrauf. Windkanal und Simulator wurden modernisiert, die Motorabteilung bekam modernste Prüfstände. Klar, dass Allison sich mit Red Bulls jüngsten Sparvorschlägen nicht anfreunden kann. "Ein Windkanalverbot käme zu früh. CFD ist ein wunderbares Werkzeug, aber ohne die Absicherung im Windkanal wäre die Fehlerquote zu hoch."

Allison verteilt den Fortschritt zu je 50 Prozent auf Auto und Motor. "Beim Auto gehen 80 Prozent auf die Aerodynamik und der Rest auf eine effizientere Kühlung." Der SF15-T ist laut Allison ein Auto, das "normal geboren" wurde. Soll heißen: Die Entwicklungsarbeit begann wie üblich im Juni. "Beim Vorgänger haben wir die Entwicklung trotz der großen Regeländerung erst im November 2013 gestartet." Und dafür bezahlt.

Keine ultrakurze Nase für Ferrari

Allison ist seit der großen Restrukturierung der Chef des Gesamtprojekts. Damit liegt auch die Antriebsquelle in seiner Verantwortung. Die Motorenabteilung bekommt großes Lob: "Sie hat früh die Schwachstellen gefunden und bei der Entwicklung des Motors viel Knowhow und Mut bewiesen. Fehler können in diesem Bereich gefährlich sein, weil man sie schwerer korrigieren kann als beim Auto."

Die Ferrari-Ingenieure haben sich für den Rest der Saison 3 Entwicklungs-Token mehr in der Hinterhand gehalten als Mercedes. Das hört sich nach wenig an, ist aber eine Menge, wenn man sie richtig einsetzt. Allison erklärt: "Man kann mit 3 Token den kompletten Zylinderkopf modifizieren. Die extra Token sind natürlich nur ein Vorteil, wenn wir sie auch in extra Leistung umsetzen können."

Bei der Aero-Entwicklung gibt Ferrari ebenfalls Gas. Auch wenn bis jetzt noch nicht viele neue Teile ans Auto gekommen sind. "Wir haben ein aggressives Programm", verspricht Allison. Auch die kurze Nase ist ein Thema. Auch Ferraris-Technikchef glaubt, dass eine kurze Nase aerodynamische Vorteile bringt. Er schränkt aber ein: "Bei uns wird sie wegen der Position des vorderen Chassis-Schotts nicht ultrakurz sein. Da würden wir den Crashtest nicht schaffen." Genau das ist auch das Problem von Red Bull.

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