Das McLaren-Wunder

Temperatursturz hilft Hamilton

Lewis Hamilton - GP Deutschland - Nürburgring - 22. Juli 2011 Foto: xpb 64 Bilder

Der zweite Startplatz von Lewis Hamilton kam nach zwei mittelmäßigen Rennen und einem schwachen Freitagstraining wie eine kleine Sensation. Hamilton sprach von der besten Runde seines Lebens. Die niedrigen Temperaturen leisteten Hilfestellung.

Am Freitag sah es für McLaren bitterböse aus. Lewis Hamilton und Jenson Button fehlte über eine Sekunde auf die Red Bull und Ferrari. "Wir fanden keine Balance", klagte Button. "Null Abtrieb, null Grip, egal auf welchem Reifen", jammerte Hamilton. Die eher durchwachsenen Leistungen der McLaren-Mercedes von Valencia und Silverstone schienen sich am Nürburgring fortzusetzen. Doch dann kam am Samstag alles anders.

Hamilton lobt sein Team

Lewis Hamilton machte sogar die Red Bull-Fahrer nervös. Der Rückstand auf den Trainingsbesten Mark Webber betrug nur 0,055 Sekunden. Ferrari wurde abgehängt. "Die erste Runde im Q3 war schon fantastisch", schwärmte Hamilton. "Die zweite dann noch besser. Ich würde sagen eine der besten meines Lebens. Mehr ging einfach nicht." Dann machte der in letzter Zeit viel gescholtene Engländer seinem Team ein Kompliment: "Toll, wie sie den Spieß umgedreht haben. Wir haben einige Änderungen am Auto vorgenommen, und ich habe es nicht wiedererkannt."

Hamilton sieht die Rückkehr zu den alten Auspuffregeln als einen Grund für das Comeback von McLaren. "Sie haben uns in Silverstone zurückgeworfen. Das Auto fühlte sich in den Kurven dort total instabil an." Das ist aber nur die halbe Wahrheit. McLaren profitierte am Nürburgring von den niedrigen Temperaturen. Auf dem Asphalt wurden nur 21 Grad gemessen. Der Nürburgring bietet kaum langgezogene Kurven, in denen sich der Reifen schnell erwärmt. Kein Auto im Feld generiert zur Zeit so schnell Reifentemperatur wie der McLaren.

Zehn Grad zu kalt für Ferrari

Das ist immer dann wichtig, wenn die Rundenzeit in der ersten Runde kommen muss, weil der Gummi in der zweiten zwar mehr Temperatur aber schon nicht mehr soviel Haftung hat. "Das hat uns zurückgeworfen", glaubt Ferrari-Pilot Felipe Massa. "Mit zehn Grad mehr auf dem Belag wäre es heute eine andere Geschichte geworden."

McLaren investierte am Nürburgring extra Arbeit in die Reifenvorbereitung und die Fahrzeugabstimmung. Die Analyse der letzten beiden GP-Wochenenden hatte ergeben, dass die Reifentemperaturen nicht im optimalen Fenster gelegen sind. "In Valencia haben die Reifen überhitzt, in Silverstone waren sie zu kalt. Zumindest im Training. Im Rennen konnten wir das einigermaßen korrigieren", verrät Teamchef Martin Whitmarsh.

Whitmarsh wittert Chance auf Sieg

Er sieht gute Chancen, dass McLaren am Nürburgring sein drittes Saisonrennen gewinnt. "Mit Lewis in der ersten Startreihe haben wir eine gute Chance, weil wir im Rennen immer stärker sind als im Training. Uns wäre ein Trockenrennen allerdings lieber als Regen."

Jenson Button ist mehr auf Schadensbegrenzung aus. "Am Morgen lief mein Auto noch rund. Im Zeittraining ging gar nichts mehr. Ich kann mich nicht mal auf technische Probleme herausreden. 1,1 Sekunden Abstand zu Lewis sind indiskutabel. Wir suchen aktuell noch nach dem Grund. Ich bin etwas ratlos. Vielleicht hatte es etwas mit dem Reifendruck zu tun."

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