Der Sturm im Yoghurt-Becher

Foto: Michelin 63 Bilder

Update ++ Michelin verdächtigt Bridgestone, mit verbotenen Chemikalien zu operieren. Die Sportbehörde hält die Affäre für lächerlich. Ein vermeintliches Beweisfoto wird für Michelin und Renault zum Bumerang.

Es war während des italienischen Grand Prix-Wochenendes, als den Michelin-Oberen ein Bild zugespielt wurde, das einen Bridgestone-Ingenieur mit Atemschutzmaske und Gummihandschuhen zeigt. Sofort wurde der Verdacht laut, Bridgestone betreibe in den Tiefen der Boxen geheime Praktiken, um mit vermultich giftigen Chemikalien die Reifen derart zu behandeln, dass sie schon auf der ersten schnellen Runde deutlich mehr Grip böten.

Michelin und Renault schwärzten den Konkurrenten bei der Sportbehörde an. Bei Bridgestone verteidigte man sich, man habe einen Reifen zur Untersuchung aufgeschnitten, und da gälten strenge Schutzvorschriften. FIA-Chefkommissar Charlie Whiting teilte Michelin-Rennchef Nick Shorrock und Renault-Chefingenieur Pat Symonds mit, man halte die Bridgestone-Aussage für plausibel und wollte den Fall zu den Akten legen.

Michelin: "Dämpfe oder Giftstoffe"

Doch die Ankläger legten nach. In einem Memo teilte Michelin mit, für das Aufziehen, Aufpumpen oder Demontieren eines Reifens sei ebenso wie beim Zerschneiden und Untersuchen eines Reifens eine wie bei dem betroffenen Bridgestone-Techniker gesehene Ausrüstung nicht üblich. Nach Absprache mit den eigenen Experten sei man vielmehr zu dem Schluss gekommen, "dass diese Art von Ausrüstung beim Benutzen von Substanzen nötig ist, die Dämpfe oder giftige Nebenprodukte abgeben."

Die Sportbehörde reagierte gelassen: "Wir haben das Foto zur Kenntnis genommen, den Fall begutachtet und keine Bedenken", sagte ein FIA-Sprecher. Wenig hilfreich für die Renault-Argumentation war dabei die Tatsache, dass der betreffende Bridgestone-Ingenieur auf dem angeblich so heiklen Foto einen Yoghurt isst. Jemand aus dem FIA-Umfeld ließ dazu gegenüber "Autosport" süffisant verlauten: "Die Sportbehörde ist nicht davon überzeugt, dass das Auftragen von Yoghurt auf die Reifenoberfläche zwangsläufig einen Wettbewerbsvorteil verspricht."

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