Bellof, Schumacher, Vettel und Co.

Die Deutschen in der Formel 1

Deutsche Fahrer - GP Korea 2010 Foto: Wolfgang Wilhelm
1000. GP

Der deutsche Beitrag zur Formel 1 fiel 31 Jahre lang ziemlich bescheiden aus. Dann kam Michael Schumacher und mit ihm viele deutsche GP-Sieger und drei Weltmeister. Insgesamt traten 47 Fahrer aus der Autonation in der Formel 1 an.

Deutschland und die Formel 1: Bei dieser Assoziation fällt meistens ein Name: der von Michael Schumacher. Für viele beginnt die Formel 1 erst mit dem Jahr 1991. Dabei war Michael Schumacher beileibe nicht der erste deutsche Formel 1-Pilot, noch nicht einmal der erste Sieger.

Wolfgang Graf Berghe von Trips löste 1961 eine ähnliche Begeisterung aus wie sein berühmter Nachfolger. Doch der Traum währte nur kurz. Der Graf griff nach dem WM-Titel, als er beim GP Italien in Monza tödlich verunglückte.

Nach dem Unfall entstand ein Vakuum, das Gerhard Mitter, Rolf Stommelen, Jochen Mass, Hans-Joachim Stuck, Stefan Bellof und Manfred Winkelhock nur bis zum einem bestimmten Grad füllen konnten. Jedes Mal keimte Hoffnung auf, es könnte etwas werden mit der großen Karriere, doch genauso oft kam etwas dazwischen. Ein Unfall, das falsche Team, die Umstände.

21 deutsche Fahrer mit WM-Punkten

Deutschland stellte seit 1950 insgesamt 47 Formel 1-Piloten mit mindestens einem Start. 21 davon haben WM-Punkte auf ihrem Konto, nur sieben sind mit einem GP-Sieg dekoriert. Viele der Namen kennen nur Experten. Ernst Klodwig, Toni Ulmen, Oswald Karch oder Helmut Niedermayr traten in den 50er Jahren ausschließlich am Nürburgring an. Es war der nationale Beitrag des Veranstalters, der auf der langen Nordschleife des Nürburgrings froh um jeden Starter war.

Die Autonation musste elf Jahre lang warten, bis zum ersten Mal bei einem Grand Prix die deutsche Nationalhymne ertönte. Wolfgang Graf Berghe von Trips gewann 1961 die Grand Prix von Holland und England. Nach seinem Tod passierte neun Jahre lang nicht viel. Hans Herrmann und Gerhard Mitter hätten die Qualität zu guten GP-Piloten gehabt, aber sie bekamen keine konkurrenzfähigen Autos. Mitter starb in seinem BMW Formel 2 im Training um GP Deutschland 1969. Herrmann zog sich nach seinem Le Mans-Sieg 1970 zurück.

Rolf Stommelen zeigte zwischen 1970 und 1975 hin und wieder gute Leistungen, kam aber bei Brabham, Surtees und Hill auf keinen guten Zweig. Sein Teamkollege war immer der Chef. Als er dann endlich mal 1975 beim GP Spanien ein Rennen anführte, war es auch schon wieder fast vorbei. Stommelen flog nach einem Heckflügelbruch über die Absperrungen. Fünf Besucher starben, er selbst wurde schwer verletzt.

Sechs Deutsche im Feld

Jochen Mass gewann den unglückseligen Grand Prix Spanien 1975. Es war kein Durchbruch. Mass blieb in seinen McLaren-Jahren die Nummer zwei hinter Emerson Fittipaldi und James Hunt. Danach bekam er nur noch schlechtes Material. Auch Hans-Joachim Stuck konnte seine Chance nicht nutzen. Sie tat sich auf, als Brabham 1977 einen Ersatz für den bei einem Flugzeugabsturz getöteten Carlos Pace suchte. Stuck fuhr zwei Mal aufs Podium, er führte den GP USA im Regen an, doch Bernie Ecclestone behielt für 1978 lieber John Watson als den langen Bayern aus Grainau.

Stefan Bellof und Manfred Winkelhock, die deutschen Formel 1-Hoffnungen der 80er Jahre starben bei Sportwagen-Rennen, bevor sie in der Formel 1 glänzen konnten. Highlight war der dritte Platz von Bellof 1984 in Monte Carlo, der ihm aber im Nachhinein wegen eines illegalen Autos wieder aberkannt wurde. Christian Danner mühte sich in Autos wie Osella, Arrows, Rial oder Zakspeed ab. Vier Punkte waren ein magerer Lohn für viel Kampf mit mäßigem Material.

Dann kam Michael Schumacher. Und in seinem Sog eine ganze Armada von Nachahmern. Über Jahre hinweg stellte Deutschland die meisten GP-Piloten im Feld. Höhepunkt war das Jahr 2011 mit sechs deutschen Stammpiloten und einem Reservefahrer.

Die deutsche Titel-Fabrik

In der Schumacher-Ära wurden deutsche GP-Siege zur Normalität. Nicht nur der Meister selbst gewann Rennen am Fließband und sieben WM-Titel. In der ersten Phase krönten sich auch Bruder Ralf und Heinz-Harald Frentzen zu GP-Siegern. In der zweiten Sebastian Vettel und Nico Rosberg zu Weltmeistern.

Schumacher, Vettel, Trips und Co.: Deutsche Fahrer in der Formel 1

Sebastian Vettel - Michael Schumacher - Abu Dhabi 2010 Hans Herrmann - Avus 1959 - Formel 1 Hans Herrmann - GP Schweiz 1954 - Bremgarten Wolfgang Graf Berghe von Trips - Rennfahrer Wolfgang von Trips - Ferrari Dino 156 - Zandvoort 1961 Gerhard Mitter - Rennfahrer - Deutschland 1965 Rennfahrer - GP Italien 1954 - Monza Hans-Joachim Stuck - Niki Lauda - Jody Scheckter - GP Deutschland 1977 - Hockenheim Niki Lauda - Jochen Mass - GP Monaco 1982 Jochen Mass - McLaren-Ford M23 - GP Spanien 1975 - Montjuich Jochen Mass - Rennfahrer - 1977 Hans-Joachim Stuck - Brabham BT45B - GP Kanada 1977 - Mosport Park Heinz-Harald Frentzen - Jordan - Michael Schumacher - Ferrari Michael Schumacher - Ferrari - Ralf Schumacher - Toyota Michael Schumacher - Ferrari Michael Schumacher - Ferrari Ralf Schumacher - Williams - Australien Ralf Schumacher - Williams Nick Heidfeld - Sauber Nick Heidfeld - BMW - Bahrain Timo Glock - Toyota - Valencia Timo Glock - Toyota Nico Hülkenberg - Renault - GP Kanada 2018 Nico Hülkenberg - Renault - GP Australien 2018 Adrian Sutil - Force India Sebastian Vettel - Ferrari - GP Monaco 2018 Sebastian Vettel - Ferrari - GP Bahrain 2018 Nico Rosberg - Mercedes - GP Abu Dhabi 2017

Vettel räumte vier Titel in Serie ab und versuchte sich danach an einer Neuauflage der Geschichte von Michael Schumacher bei Ferrari. Soweit liegt er im Plan. Vettel rannte vier Mal vergeblich dem großen Ziel hinterher. Sein Vorbild schaffte es auch erst im fünften Anlauf. Wenn sich Geschichte wirklich wiederholt, müsste es Vettel in diesem Jahr schaffen. „Ich kam ja im Vergleich zu Michael schon mit zwei Titeln Vorsprung zu Ferrari. Wenn ich mal mit Ferrari Weltmeister werden sollte, wäre für mich auch die Hälfte der Titel vom Michael okay.“

Nico Rosberg zeigte, wie wichtig es ist, zur richtigen Zeit den Absprung zu schaffen. Nach vier Jahren bei Williams, drohten plötzlich alle Türen zuzufallen. Vater Keke sah ihn schon bei Toyota landen, als sich plötzlich die Möglichkeit mit Mercedes auftat. Nico hatte in der Szene rechtzeitig Gerüchte gehört, dass Mercedes den Rennstall von BrawnGP übernehme wollte. Was dann auch passierte. „Ich hatte mit Ross Brawn schon unterschrieben, da war der Kauf noch nicht mal vollzogen.“

Die ersten drei Jahre im Silberpfeil weckten bei Rosberg nicht unbedingt die Hoffnung, jemals Weltmeister zu werden. „Ich hatte schon Angst, ich würde nicht mal einen Grand Prix gewinnen. Deshalb war ich so froh, dass ich das 2012 in China abhaken konnte.“ Erst 2013 zeichnete sich ab, dass Mercedes vielleicht doch noch ein Titelkandidat werden könnte. Chefdesigner Aldo Costa und Aerodynamiker Mark Ellis brachten frischen Wind in das Designbüro. 2016 wurde Nico Rosberg mit Mercedes Weltmeister und trat sofort zurück.

Die deutschen GP-Piloten

Fahrer

GP-Starts

WM-Punkte

GP-Siege

Michael Schumacher

307

1566

91

Sebastian Vettel

219

2745

52

Nico Rosberg

206

1594,5

23

Nick Heidfeld

183

259

0

Ralf Schumacher

180

329

6

Heinz-Harald Frentzen

157

174

3

Nico Hülkenberg

157

474

0

Adrian Sutil

128

124

0

Jochen Mass

105

71

1

Timo Glock

91

51

0

Hans-Joachim Stuck

74

29

0

Rolf Stommelen

54

14

0

Manfred Winkelhock

47

2

0

Pascal Wehrlein

39

6

0

Christian Danner

36

4

0

Wolfgang Graf Berghe von Trips

27

56

2

Stefan Bellof

20

4

0

Hans Herrmann

18

10

0

Karl Kling

11

17

0

Wolfgang Seidel

10

0

0

Bernd Schneider

9

0

0

Edgar Barth

5

0

0

Gerhard Mitter

5

3

0

Kurt Ahrens

4

0

0

Hubert Hahne

3

0

0

Hans Stuck

3

0

0

Paul Pietsch

3

0

0

Theo Helfrich

3

0

0

Toni Ulmen

2

0

0

Ernst Klodwig

2

0

0

Rudolf Krause

2

0

0

Gunther Bechem

2

0

0

Hermann Lang

2

2

0

Willi Heeks

2

0

0

Kurt Adolff

1

0

0

Oswald Karch

1

0

0

Ernst Loof

1

0

0

Helmut Niedermayr

1

0

0

Josef Peters

1

0

0

Erwinb Bauer

1

0

0

Fritz Riess

1

0

0

Theo Fitzau

1

0

0

Hans Klenk

1

0

0

Adolf Brudes

1

0

0

Hans Heyer

1

0

0

Markus Winkelhock

1

0

0

André Lotterer

1

0

0

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