Die Geldverbrennungsmaschine Ferrari

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Kein Team verplant mehr Geld und Zeit für Testfahrten als Ferrari. Die Roten brechen sogar das Tabu, dass in der Sommerpause Testverbot herrschen soll. Doch die Erprobungswut der Weltmeister läuft bisher ins Leere.

Um sich vom Prügelknaben wieder zur Lichtgestalt zu wandeln, ist Ferrari-Teamchef Jean Todt fast jedes Mittel recht. Nicht nur, dass Ferrari aus der Reihe tanzte, als alle anderen Teams sich einer freiwillige Testbeschränkung für das laufende Jahr unterwarfen, nun bricht das vor der Entthronung stehende Weltmeister-Team auch das letzte Tabu: Das von den Teams selbst auferlegte Testverbot in der Sommerpause.

"Es gibt keine verbindliche Regel, Testen ist Privatsache", heißt es aus Maranello. 2001 war die dreiwöchige Pause eingeführt worden, um den Mechanikern eine Verschnaufpause zu verschaffen. Davon kann bei der Ferrari-Belegschaft keine Rede sein. Bereits 108 Testtage mit 50.459 Kilometern hat das Team 2005 auf dem Buckel, die gerade laufenden Tests mit dem V8-Modell für 2006 nicht eingerechnet. Zum Vergleich: Williams-BMW folgt auf Rang zwei mit gerade 51 Tagen.

50 Millionen Dollar vertestet

Doch der gewaltige Aufwand der Roten zeigt keine Wirkung. Michael Schumacher und Ferrari liegen in beiden WM-Wertungen weiter auf Rang drei, der Titel ist in unerreichbare Ferne gerückt, selbst die Siegfähigkeit aus eigener Kraft ist nicht wieder hergestellt. Für jeden der 86 errungenen WM-Zähler legte Ferrari durchschnittlich 587 Kilometer zurück. Dabei schönt der geschenkte Doppelsieg von Indianapolis noch die Zahlen.

Gemäß der Faustregel, dass jeder Testkilometer etwa 1.000 Dollar verschlingt, haben die Italiener bereits Anfang August rund 50 Millionen Millionen Dollar für die Erprobung von Reifen und Teilen verbraten. Bei einem kolportierten Gesamtetat von 300 Millionen Dollar ein Anteil von 16,8 Prozent. Kein Team gibt mehr für Tests aus. Einziges Trostpflaster: Alle Reifentests lässt sich Ferrari von Bridgestone bezahlen.

McLaren-Mercedes arbeitet am effizientesten

Die Meister des effizienten Geldeinsatzes heißen in diesem Jahr Renault und McLaren-Mercedes. Der Tabellenführer aus Frankreich kam mit 296 Testkilometern pro WM-Punkt aus. Bei den Silbernen sind es sogar nur 288 Kilometer. Damit ist die englisch-schwäbische Allianz in Punkto Sparsamkeit der Klassenprimus.

Ganz oben auf der Geldvernichtungsskala steht BAR-Honda. 44.000 Testkilometer an 49 Tagen stehen mageren 20 WM-Punkten entgegen. Wer beim Schummeln erwischt und für zwei Rennen gesperrt wird, rutscht in der Statistik böse ab - bis auf horrende 2.200 Kilometer pro Punkt. Auf Platz zwei, mit 997 Kilometern für jeden der 14 WM-Zähler, steht Sauber, gefolgt von Red Bull Racing mit 876 Kilometern. Aber bei der Mannschaft von Dietrich Mateschitz muss man den Euro nicht unbedingt zwei mal umdrehen.

Die Top Ten der Kilometerfresser:

# Team Testkilometer pro WM-Punkt Budget-Anteil*
1 BAR-Honda 2.200 14,7%
2 Sauber-Petronas 997 11,2%
3 Red Bull Racing 876 14,0%
4 Williams-BMW 651 11,3%
5 Jordan-Toyota 648 14,3%
6 Ferrari 587 16,8%
7 Toyota 482 9,3%
8 Minardi-Cosworth 429 8,6%
9 Renault 296 13,8%
10 McLaren-Mercedes 288 10,1 %

*bei 1.000 Dollar Kosten pro Testkilometer

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