Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Belgien 2017 sutton-images.com
Felipe Massa - Williams - GP Belgien - Spa-Francorchamps - Formel 1 - 25. August 2017
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Dilemma mit Spa-Setup

Welcher Heckflügel ist der richtige?

Spa war für die Ingenieure immer schon eine knifflige Aufgabe. Wie viel Abtrieb muss man opfern, um auf den Geraden nicht verwundbar zu sein? Wie viel Anpressdruck braucht man, um die Reifen zu schonen? Die Antwort fiel so schwer wie noch nie.

Spa war immer schon ein Balanceakt. Sektor 1 und Sektor 3 sind Vollgasabschnitte. Zwischen La Source und Les Combes und Stavelot und Busstop-Schikane kann man gar nicht genug Top-Speed haben. Eau Rouge und Blanchimont gingen schon mit den Autos vor 2017 problemlos voll. Im zweiten Abschnitt mit seinen 10 Kurven ist Abtrieb gefragt. Wenn es nur nach Rundenzeit ginge, dann würde die Wahl immer auf mehr Abtrieb fallen. Doch dann wäre man im Rennen auf den Geraden verwundbar.

Das ist nichts Neues in Spa. „Doch in diesem Jahr ist es schwerer als je zuvor den richtigen Kompromiss zu finden“, erzählt Renault-Einsatzleiter Alan Permane. Das liegt an den neuen Autos und an der mutigen Reifenwahl von Pirelli. Zum ersten Mal gibt es die Typen ultrasoft, supersoft und soft zur Auswahl. Der Soft-Reifen ist eine Absicherung, die immer funktioniert. Doch bei den beiden weichsten Mischungen droht Blasenbildung. Je nachdem wie man das Auto abstimmt. „Die Wahl der Reifen wird auch über das Setup bestimmen“, erklärt Pirelli-Technikchef Mario Isola.

Mercedes mit Monza-Flügel in Spa

Zuerst einmal ging es bei den Teams darum, welche Flügel man in Spa einsetzt. Die 2017er Autos sind noch zu neu, um schon auf alles vorbereitet zu sein. „Unser Simulator sagt, dass wir Abtrieb rausnehmen sollen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob er damit richtig liegt“, rätselt Nico Hülkenberg. Force India-Technikchef Andy Green sagt: „Wir sind noch im Probierstadium mit den neuen Autos. Es gibt eine größere Auswahl von Abtriebseinstellungen als im letzten Jahr. In einem Jahr werden wir besser vorbereitet nach Spa kommen.“

Force India hat in dieser Saison bereits vier unterschiedliche Heckflügel-Familien gebaut. Von jeder gibt es drei Einstellungen. Der neueste Flügeltyp kommt nächste Woche in Monza zum Einsatz. In Spa tritt Force India mit einer Baku-Variante an, die speziell für den belgischen GP-Kurs eingestellt ist. Auch Ferrari hat den Baku-Flügel im Gepäck. Maranello wird dann bei seinem Heimspiel vermutlich auch mit einem speziellen Monza-Flügel antreten.

Andere Teams sparen sich die Übung, für einen Flügel, der nur in Monza gefahren werden kann, 25 Prozent der Windkanalzeit eines Monats zu opfern. Mercedes und Red Bull fahren schon in Spa mit Monza-Flügeln. Wobei der Zwitter von Mercedes besser für Spa als für die schnellste Strecke im Kalender passt.

Red Bull fuhr zweigleisig mit Flügelfamilien für Baku und Monza. „Wir haben Ricciardo mit dem absoluten Minimum rausgeschickt, weniger geht nicht. Eigentlich ist das kein Flügel, sondern ein Flap. Verstappen war mit etwas mehr Abtrieb unterwegs. Das Setup von Verstappen war einen Tick besser“, verrät Red Bull-Sportdirektor Helmut Marko. Und fügt hinzu: „Ideal wäre ein Mix aus beiden Flügeln. Wir untersuchen jetzt, ob wir auf den Ricciardo-Flügel etwas Abtrieb draufpacken oder von dem Verstappen-Teil etwas Anpressdruck wegnehmen können.“

Auch HaasF1 hatte zwei unterschiedliche Flügeltypen dabei. „In der Simulation war der Baku-Flügel um 15 Hundertstel schneller. Aber am Ende entscheidet das Gefühl der Fahrer und die tatsächliche Rundenzeit“, erklärt Teamchef Guenther Steiner.

Jeder Setup-Fehler wird mit Blasen auf den Reifen bestraft

Auch die Reifenwahl diktierte den Teams die Abstimmung. Wer wie Red Bull und Williams hauptsächlich auf neun Satz Ultrasoft-Reifen und nur eine Garnitur Soft gesetzt hatte, braucht ein Mindestmaß an Abtrieb, um die weichste Mischung am Leben zu halten. Es ist eine Gratwanderung. „Die Strecke ist aus Sicht der Reifen ziemlich ausbalanciert. Es gibt ähnlich viele Links- wie Rechtskurven. Der Vorderreifen ist so stark belastet wie der Hinterreifen“, erklärt Isola die Pirelli-Sicht.

Die Pokerspieler unter den Teams erlebten in Spa eine böse Überraschung. Der Asphalt wurde innerhalb eines Jahres um 15 Prozent rauer. Das stresst die Reifen, je weicher umso mehr. Wer die Hinterreifen schützen will und hinten zu viel Abtrieb draufpackt, provozierte Untersteuern und Blasenbildung vorne. Weil dann das Auto zu stark über die Vorderachse rutscht. Andersherum riskiert man, dass die Hinterreifen überhitzen.

Mercedes und Ferrari setzen im Gegensatz zu Red Bull auf die sichere Variante. Sie haben sich mit mindestens jeweils drei Garnituren Soft-Reifen eingedeckt. Was ihnen mehr Spielraum bei der Fahrzeugabstimmung gibt. Urteil eines Mercedes-Ingenieurs: „Red Bull hat sich mit seiner Reifenwahl in eine Einbahnstraße manövriert.“

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