Andrea Stella - McLaren - GP Australien 2020 xpb
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020
Max Verstappen & Alex Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020
Max Verstappen & Alex Albon - Red Bull - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020 42 Bilder

Donnerstags-Check GP Australien

Überall Krisenherde im Feld

Wir haben die zehn Teams auf Neuigkeiten abgecheckt und stellen fest, dass es überall im Fahrerlager Krisenherde gibt. Das Corona-Virus bedroht den Grand Prix. Red Bull positioniert sich gegen Mercedes und alle schießen gegen Ferrari.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. auto motor und sport stöbert für Sie im Fahrerlager Geschichten und Gerüchte auf. Wir fragen bei den Ingenieuren nach, was es Neues an den Autos gibt, und bei den Fahrern, wie sie das anstehende Rennen im Melbourne einschätzen. Hier ist unser Streifzug durch die zehn Garagen:

Mercedes

Mercedes hat die Radträger der Hinterradaufhängung nach der Technischen Direktive der FIA umgebaut. Das Austrittsloch des illegalen Schachts in der verbotenen Zone ist jetzt so groß wie der Einlass und es lenkt die Luft weg vom Rad.

Mit dieser Übergangslösung wird Mercedes bis zum GP Bahrain fahren. Dann kommt eine permanente Lösung. Nach Aussage der Ingenieure wird der Umbau kaum Rundenzeit kosten. Ob das wirklich so ist, muss bezweifelt werden. Man hat die Konstruktion ja nicht ohne Grund so konzipiert.

Ob „DAS“ im Freien Training getestet werden soll, wird erst in der Nacht davor entschieden. Red Bull hat für Freitag bereits einen Protest angekündigt, sollte Mercedes mit dem System fahren. Ursprünglich war geplant: Wenn sich die aktive Spurverstellung im freien Training bewährt, kommt sie auch in der Qualifikation und im Rennen zum Einsatz. Protestrisiko hin oder her.

Valtteri Bottas meint: „Es liegt am Team abzuschätzen, wie hoch das Risiko ist. Wir können auch ohne das System fahren. Das wäre für uns kein Weltuntergang.“ Doch will Mercedes in der brisanten Lage der Formel 1 einen weiteren Kriegsschauplatz aufmachen?

In der Diskussion um die Ferrari-Schummeleien aus dem Vorjahr gibt sich Mercedes relaxt, obwohl man weiterhin die FIA und Ferrari unter Druck setzen will, und sei es nur aus Gründen der Fairness und der Transparenz.

„Wir sind die einzigen, die von einem Ferrari-Ausschluss nicht profitieren. Im Gegenteil. Wenn Ferrari disqualifiziert würde und alle einen Platz aufrücken, müssten wir mehr Nenngeld bezahlen.“ Das bemisst sich auch an den WM-Punkten aus dem Vorjahr. Bis jetzt hat Mercedes schon 5.490.802 US-Dollar an die FIA entrichtet.

Esteban Ocon - GP Australien 2020
Aktuell

Ferrari

Ferrari hat es mit Sondergenehmigung geschafft, Italien zu verlassen. Jetzt ist das Team erst einmal zwei Wochen im Ausland. Keiner weiß, was bei der Rückreise passiert. Nach derzeitigem Stand leben alle Angestellten aus Maranello unter Hausarrest. Weil es bald keine Flüge mehr in die Heimat gibt, planen die Italiener im Feld nach Bahrain eine gemeinsame Heimreise in einem gecharterten Jet.

Ferrari weht derzeit ein scharfer Wind um die Ohren. Sieben Teams haben schon zwei Protestnoten an die FIA geschickt. Sie verlangen Aufklärung in der Frage, ob Ferrari im letzten Jahr mit dem Motor betrogen hat. Und sie wollen, dass Ferrari dafür bestraft wird.

Da FIA-Präsident Jean Todt zwei Mal Maßnahmen über den mit Ferrari getroffenen Vergleich hinaus abgelehnt hat, werden nur die sieben Rebellen einen dritten Brief aufsetzen und den Ton noch einmal verschärfen. Sebastian Vettel sagt zu dem Fall nur: „Ich muss meinem Team vertrauen, dass sie ein Auto an den Start bringen, das zu jeder Zeit legal ist.“

Was die sportlichen Chancen angeht, traut sich noch keine Aussage zu: „Testfahrten sind nie besonders aufschlussreich. Deshalb ist es gut, dass wir jetzt in Melbourne sind und herausfinden können, wo wir wirklich stehen. Ich kann nur sagen: Unser Auto tut, was es soll.“

Lewis Hamilton stichelte, dass der Ferrari-Motor deutlich an Leistung verloren habe. Darauf erwiderte Charles Leclerc: „Das kann ich nicht bestätigen. Wir haben mehr Abtrieb und damit mehr Luftwiderstand. Deshalb sind wir langsamer auf den Geraden.“

Red Bull

Red Bull hat in der Radträger-Frage erreicht, was man wollte. Mercedes muss umbauen. Der Herausforderer will dem Weltmeister nun auch das „DAS“-System streitig machen. „Wenn Mercedes das System am Freitag einsetzt, werden wir protestieren“, warnt Teamchef Christian Horner. Und er droht im Fall Ferrari nicht locker zu lassen. „Das geht in die nächste Runde.“

Max Verstappen sieht sich in seiner frühen Kritik an Ferrari nicht nachträglich bestätigt. „Ich mische mich da nicht ein. Das ist Sache des Teams.“ Der Holländer hat auch kein Gefühl dafür, wo Red Bull im Vergleich zur Konkurrenz steht: „Ich habe die Testergebnisse nicht mal miteinander verglichen. Dazu waren die einzelnen Testtage zu unterschiedlich. Ein Vergleich macht keinen Sinn. Wir fokussieren uns auf uns selbst und handeln nach dem Prinzip: Das Auto ist nie gut genug.“

Alexander Albon ist zuversichtlich, dass er in dieser Saison seinen Rückstand auf Max Verstappen verkürzen kann. „Ich weiß, woran ich arbeiten muss. Wenn ich mich darauf konzentriere, wird es ganz automatisch gehen, dass ich näher an Max dran bin. Deshalb habe ich mir auch kein Ziel in Form eines Mindestabstands gesetzt.“

Max Verstappen - GP Australien 2020
Wilhelm
Bei den Presserunden im Fahrerlager von Melbourne mussten die Medien-Vertreter Abstand halten.

Racing Point

Racing Point musste wie Mercedes die Hinterradaufhängung umbauen. Die nötigen Teile kamen erst in letzter Minute. Technikchef Andy Green hatte sie im Gepäck. Er ärgert sich: „Wir haben die gleiche Aufhängung wie Mercedes 2019. Letztes Jahr hat sich kein Mensch beschwert. Im Winter hat uns die FIA geschrieben, dass alle Radträgerkonzepte von letztem Jahr genehmigt sind. Warum jetzt diese Kehrtwende?“

Racing Point deckte den Luftschacht im V der Aufhängungselemente in dem Bereich ab, der in der verbotenen Zone liegt. Das ist alles oberhalb von 160 Millimeter über der Radmitte. FIA-Technikkommissar Jo Bauer wundert sich über die Aufregung: „Diese Regel ist uralt. Früher lag die Grenze sogar schon bei 140 Millimetern über Radmitte.“

Renault

Renault hat endlich seine Teamfarben präsentiert. Viel ist nicht neu. Viel Gelb, mit schwarz vermischt. Dafür hat Renault technisch mobil gemacht. Die vorderen Bremsverkleidungen und der Unterboden sind neu. „In Bahrain gibt es ein weiteres kleines Upgrade, in Zandvoort ein Großes“, verrät Einsatzleiter Alan Permane und fügt hinzu: „Wenn es dazu kommt.“

Daniel Ricciardo bestätigt noch einmal sein gutes Gefühl: „Die Testfahrten sind sehr gut für uns verlaufen, speziell der letzte Tag. Mein Gefühl ist gut. Wir gehen alle optimistischer in die Saison als noch im letzten Jahr.“

Williams

Claire Williams kann wieder lachen: „Unser neues Auto ist ein echter Schritt vorwärts. In den Longruns liegen wir nach unserer Rechnung auf Platz 8. Auf eine Runde werden wir noch hinten sein, aber viel näher dran am Feld.“ Besonders wichtig: „Die Verarbeitungsqualität der Teile ist viel besser geworden. Es wird nicht mehr so viel kaputtgehen wie im letzten Jahr.“

Das Zauberwort heißt bessere Planung. „Wir haben alle Prozesse in der Firma auf einen neuen Stand gebracht.“ George Russell hat für das erste Rennen ein klares Ziel: „Ich will wenigstens ein anderes Auto schlagen.“ Und wer könnte das sein? „Am ehesten Alfa Romeo.“

Nicholas Latifi - Test - Barcelona - Williams - 2020
Aktuell

Toro Rosso

Der Alpha Tauri AT01 ist eine Kopie des letztjährigen Red Bull RB15. Interessant ist, dass die Ingenieure vorne einen anderen Weg gegangen sind als das Vorbild. Die Nase trägt keinen Schnorchel, und das Frontflügel-Konzept erinnert eher an Ferrari als an Red Bull.

Im Vergleich zu den Testfahrten muss sich Alpha Tauri noch steigern. Große Hoffnung macht dagegen der Honda-Motor. Ein Mercedes-Ingenieur erzählt: „Kein Motor hat sich über den Winter so verbessert wie der von Honda.“

Haas

Haas macht sich Sorgen um seine Mitarbeiter. Vier Angestellte des Rennteams befinden sich in Isolation im Hotel. Sie warten immer noch auf das Ergebnis des Corona-Tests. Ansonsten ist die Stimmung im Team vorsichtig optimistisch. „Wir haben ein besseres Auto als im letzten Jahr und sollten im Mittelfeld mit McLaren und Renault mithalten können“, glaubt Teamchef Guenther Steiner.

Kevin Magnussen drückt sich vorsichtiger aus: „Wir haben ein komplett anderes Auto. Es ist das Ergebnis von einem halben Jahr Forschung im letzten Jahr. Wir haben dabei uns nicht mit Details verzettelt, sondern auf das große Bild geschaut.“ Hauptaugenmerk lag auf einer Verbesserung der aerodynamischen Stabilität.

In Melbourne lieferte der US-Rennstall meistens eine gute Figur ab, sieht man einmal von losen Rädern nach dem Boxenstopp ab. Magnussen warnt davor, sich von einem guten ersten Rennen blenden zu lassen. „Wir haben in den letzten Jahren gelernt, dass Melbourne selten ein guter Indikator für den Rest des Jahres ist.“

Guenther Steiner & Andreas Seidl - GP Australien 2020
Wilhelm
McLaren-Teamchef Andreas Seidl und Kollege Guenther Steiner von Haas hoffen, dass ihre Mitarbeiter, die unter Corona-Verdacht stehen, bald wieder zurück ins Fahrerlager dürfen.

McLaren

McLaren ist mit Corona-Verdachtsfällen vertraut. Man hatte schon einen bei den Testfahrten in Barcelona. Ergebnis: negativ. Teamchef Andreas Seidl geht davon aus, dass es auch diesmal nur eine normale Erkältung ist. Noch aber muss der Mann im Hotel ausharren.

McLaren hat seine Aero-Waffen schon beim Test verschossen. „Hier kommen nur noch kleine Flügelchen hier und da am Auto. Wir haben unsere großen Upgrades bereits in der zweiten Testwoche probiert“, erzählt Seidl.

Alfa Romeo

Die Ferrari-Kundenteams fürchten, dass Ferraris Motormisere auch sie trifft. Ferrari musste über den Winter auch als Reaktion auf die Betrugsverwürfe seine Antriebseinheit massiv umbauen. Laut Teamchef Mattia Binotto hat der neue Motor weniger Leistung als der alte. Man könne aus Zuverlässigkeitsgründen nicht volle Power fahren.

Das spüren auch Alfa Romeo und Haas. Nur viel schlimmer. Weil es im Mittelfeld viel enger zugeht als an der Spitze. Da können zwei Zehntel sechs Plätze bedeuten. Kimi Räikkönen hängt mit seiner Einschätzung in der Luft: „Unser neues Auto ist besser als das alte. Ich habe aber keine Ahnung, wo wir im Feld stehen.“

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