Ferrari - GP Österreich - Spielberg - Donnerstag - 27. Juni 2019 ams

Donnerstags-Check GP Österreich

Diskussion über Reifen und Hitze

Donnerstag ist die Ruhe vor dem Sturm. Wir checken die zehn Teams auf Neuigkeiten ab und erklären, wovor Mercedes in Spielberg Angst hat und warum Nico Hülkenberg noch nicht weiß, ob er eine Motorstrafe bekommt.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. auto motor und sport stöbert für Sie im Fahrerlager nach den neuen Geschichten und den letzten Gerüchten. Wir fragen bei den Ingenieuren nach, was neu am Auto ist und bei den Fahrern, wie sie das Rennen einschätzen. Hier ist unser Streifzug durch die zehn Garagen.

Mercedes

Lewis Hamilton warnt wieder einmal, Mercedes schon zum Sieger auszurufen. „Hier werden am Wochenende extrem heiße Temperaturen erwartet. Das verlangt dem Auto und dem Motor besonders viel ab. Die Maschine leidet mehr als der Mensch. Alle werden ihre Autos für bessere Kühlung öffnen müssen, und keiner kann voraussagen, wer damit am besten zurechtkommt. Die Bremsen sind noch mehr gefordert als im letzten Jahr, weil die Autos wieder mal schwerer geworden sind. Wir sind hier letztes Jahr mit beiden Autos ausgefallen. Deshalb werden unsere Ingenieure sicher etwas angespannt sein.“

Die Ingenieure bestätigen. „Die Strecke liegt 670 Meter über dem Meer. Das bedeutet dünnere Luft und schlechtere Kühlung. Die Geraden sind zu kurz, um alle Systeme richtig runter zu kühlen. Wenn es am Sonntag 35 Grad heiß wird, dann wird dieses Rennen für alle zur Zitterpartie.“ Hamilton fürchtet, dass es im Rennen hauptsächlich darum geht, das Auto über die Runden zu bringen: „Wir werden nicht wie in Montreal jede Runde am Limit fahren können. Ich erwarte viel Lift and Coast.“

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Österreich - Spielberg - Donnerstag - 27. Juni 2019
Motorsport Images
Lewis Hamilton kam ganz in Pink nach Österreich.

Teamkollege Valtteri Bottas bemüht sich derweil ruhig zu bleiben um nicht ins gleiche Fahrwasser zu geraten wie letztes Jahr. Kühl analysiert er: „Ich habe in Frankreich mit dem Reifenmanagement einen schlechteren Job gemacht als Lewis. Deshalb konnte Leclerc so stark aufholen.“ In den letzten beiden Rennen ging Bottas jeweils mit einem anderen Setup ins Rennen als Hamilton. Der Finne will deshalb aber nicht von seiner Abstimmungsphilosophie lassen. „Ich lasse mein Gefühl sprechen. Es hat mich am Anfang der Saison ja auch nicht betrogen. Nur weil ich jetzt zwei Mal hinter Lewis gelandet bin, wäre es falsch daran zu zweifeln.“

Hamilton erklärt sich seine ständig ansteigende Formkurve unter der Saison so: „Zu Beginn der Saison bin ich immer etwas eingerostet. Doch je mehr ich Auto und Reifen verstehe, desto besser werde ich.“ Entwarnung gibt es für den Motor von Bottas. Der litt in den letzten 7 Runden des GP Frankreich an Fehlzündungen. „Wir haben die entsprechenden Teile im Rahmen der Regeln getauscht. Ich mache mir keine Sorgen“, erklärt der WM-Zweite.

Ferrari

Ferrari unternimmt einen weiteren Anlauf mit dem Unterboden. In Spielberg kommt eine weitere neue Version an den SF90. „Wir hoffen, dass uns dieser Test die Antwort gibt, die wir suchen. Im Moment verstehen wir noch nicht ganz, was da nicht funktioniert“, gibt Sebastian Vettel zu. Unter dem Strich wird es aber wieder darauf ankommen, ob Ferrari die Reifen in das Arbeitsfenster bringt oder nicht. Das ist in Paul Ricard zumindest bei Vettel auf zwei der drei Reifentypen nicht gelungen.

Der Diskussion über eine Rückkehr zu den 2018er Reifen sieht Vettel mit gemischten Gefühlen entgegen: „Da ist so viel Politik im Spiel, dass nichts Gescheites dabei rauskommen kann. Fakt ist, dass Mercedes mit diesen Reifen einen guten Job macht, und wir aufholen müssen. Fakt ist auch, dass wir zu den Teams zählen, die mehr Probleme haben, diese Reifen zum Arbeiten zu bringen.“ Auf die Frage, ob die Reifen mit der dickeren Lauffläche die Probleme von Ferrari lösen könnten, weiß Vettel auch keine Antwort: „Wir sind die 2018er Reifen nie mit den 2019er Autos gefahren.“

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Österreich - Spielberg - Donnerstag - 27. Juni 2019
Motorsport Images
Kommt Vettel in Spielberg nicht nur schnell über die Geraden sondern auch schnell durch die Kurven?

Trotz der fast aussichtslosen Lage in der WM weigern sich beide Fahrer, den Titel schon abzuschreiben. „Ich schaue nicht zurück, sondern nur vorwärts. Wir hoffen, dass unsere Upgrades funktionieren. Dann sehen wir weiter“, meint Vettel tapfer. Auch Charles Leclerc wehrt sich gegen eine Kapitulation: „Der Rückstand ist groß, die Aufgabe sehr schwierig. Aber wir geben erst auf, wenn es mathematisch nicht mehr möglich ist.“

Während Ferrari am Auto arbeitet, nimmt sich Leclerc selbst in die Pflicht: „Ich hatte zu Beginn der Saison besonders auf Strecken Probleme, auf denen der Effekt von mehr Gummi auf dem Asphalt am größten ist. Da habe ich vom Q1 bis ins Q3 nicht den Sprung gemacht, der nötig gewesen wäre. Jetzt konzentriere ich mich darauf, im Q3 meine beste Leistung abzurufen.“

Red Bull

Pierre Gasly steht unter Druck. Der Franzose war bei seiner Pressekonferenz in der Red Bull Energy Station ziemlich kleinlaut. „Ich muss mich verbessern, und die Ingenieure müssen das Auto besser auf meine Bedürfnisse anpassen.“ Für das schwache Abschneiden bei seinem Heimrennen in Paul Ricard gab es offensichtlich auch technische Gründe. Gasly will sie nicht verraten: „Ich gehe nicht ins Detail, was da schiefgelaufen ist. Wir müssen sicherstellen, dass uns das hier in Österreich nicht mehr passiert.“

Max Verstappen zweifelt, ob er seinen Vorjahressieg wiederholen kann: „Da bräuchten wir schon wahnsinnig viel Glück dafür.“ Der Holländer kam in allen acht Rennen in die Punkte, stand aber nur zwei Mal auf dem Podium. Dafür wurde er fünf Mal Vierter. Der Frust hält sich in Grenzen: „Wir sind ja nicht meilenweit weg, Mercedes mal ausgenommen.“ Der Vorjahressieger nimmt beide Parteien in die Pflicht. „Wir müssen beim Chassis und beim Motor aufholen. Auf den Geraden fehlt uns was auf Ferrari, in den Kurven ist uns Mercedes voraus.“

Racing Point

Lance Stroll fährt seinen 50. Grand Prix. Der Kanadier will endlich den Bann brechen und nach zwölf Mal Scheitern im Q1 diesmal den Aufstieg in die nächste Runde schaffen. Stroll sieht bei sich das geringste Problem: „Es waren die Umstände, das falsche Setup, Pech, Verkehr und technische Probleme. Ich muss schaffen, alle Sektoren besser zusammenzubringen.“ So lange der Sohn des Teambesitzers von so weit hinten startet, muss er mit der Strategie einen völlig anderen Weg gehen. „Wir müssen alle Chancen nutzen. Deshalb fahren wir immer zwei Risiko-Strategien, um alles abzudecken.“

Sergio Perez würde nach drei zwölften Plätzen gerne mal wieder in die Punkte fahren. „Wir werden langsam etwas besser. In Frankreich hätte ich ohne die Strafe Punkte geholt.“ Noch sieht der Mexikaner seine Felle nicht davonschwimmen: „Im Mittelfeld geht es so eng zu, dass eine kleine Veränderung einen großen Sprung bedeuten kann.“ Zwei Rennen müssen sich Perez und Stroll noch gedulden. Für Hockenheim hat Racing Point ein großes Upgrade angekündigt. Man könnte fast von einer B-Version sprechen.

Racing Point - GP Österreich 2019
ams
Die Racing-Point-Piloten müsssen noch auf das große Upgrade warten.

Williams

Robert Kubica erwartet auch in Spielberg kein Revival des Williams-Teams, das an dieser Stelle 2014 beide Autos in die erste Startreihe brachte. „Damals hat Williams von einem effizienten Auto profitiert. Unser aktuelles Auto hat viel zu viel Luftwiderstand, um auf den Geraden Zeit gutzumachen. Selbst wenn es bei uns perfekt läuft und bei allen anderen maximal schlecht, wären wir immer noch nicht dran am Feld.“ So bleibt dem Polen wieder nur der interne Zweikampf mit Teamkollege George Russell: „Es ist besser, ein echtes Duell wie in Paul Ricard zu haben als hinten alleine herumzufahren. Aber ich wäre lieber allein auf der Strecke und würde dafür weiter vorne im Feld herumfahren.“

Für Kubica wurde in Paul Ricard der schnellste Boxenstopp gemessen. Die Williams-Crew wechselte vier Reifen in 1,97 Sekunden. Kubica relativiert: „Es ist eine tolle Leistung von den Jungs. Und wenn du als Team hinten herumfährst, richten solche Highlights die Mannschaft auf. Aber im Rennsport geht alles darum, dass du vorne fährst. Bei drei Runden Rückstand bringen dich auch die schnellsten Boxenstopps nicht weiter.“ Der Streit um die Reifen lässt Kubica kalt: „Die Reifen sind nicht unser Problem. Wir brauchen ein schnelleres Auto. Im Moment macht es keinen Unterschied aus, auf welchen Reifen wir fahren.“

Renault

Nico Hülkenberg muss noch zittern. Der neue Motor, den er für den GP Österreich bekommen sollte, lief gestern noch auf dem Prüfstand. „Er ist noch nicht einmal da. Es könnte eng werden, ob wir ihn noch fertig kriegen.“ Hülkenberg würde die Strafe am liebsten in Österreich kassieren. „Das ist von den nächsten Rennen die Strecke, auf der man am besten überholen kann.“

Außerdem haben auch Alexander Albon und Carlos Sainz Motorstrafen zu erwarten. Da würde Hülkenberg vielleicht nicht ganz so viele Plätze verlieren. Renault weiß inzwischen, wie man das große Aerodynamik-Paket beim GP Frankreich besser hätte nutzen können: „Wir hätten mit mehr Abtrieb fahren müssen.“

Renault - GP Österreich - Spielberg - Donnerstag - 27. Juni 2019
ams
Bekommt Hülkenberg einen neuen Motor, oder nicht?

Toro Rosso

Nicht nur Red Bull hat ein Heimspiel in Spielberg. Auch Toro Rosso erwartet extra Unterstützung von den Fans. Daniil Kvyat kehrt gerne auf den Red Bull-Ring zurück: „Es gibt hier ein paar Kurven, da spürst du wirklich, was ein Formel 1-Auto kann. Dazu noch ein paar harte Bremspunkte. Überholen ist hier möglich.“ Auch wegen der drei DRS-Zonen.

Alexander Albon kennt den Red Bull-Ring von seinen Formel-2-Rennen. Er wird wegen eines Motorwechsels von hinten starten. „Die Strecke sollte uns liegen. Aber da Renault und McLaren richtig zugelegt haben, wird es immer schwerer in die Punkte zu fahren.“ Die ersten sechs Plätze sind normalerweise an die drei Top-Teams vergeben.

Haas

Haas will keine Prognosen mehr abgeben. Wenn man glaubt, die Strecke passe dem Auto, geht alles schief. Umgekehrt sind die Autos schneller als gedacht. Teamchef Guenther Steiner schiebt viel auf die Reifen. „Es gibt kein Muster, wann sie funktionieren. Ich wette, dass selbst die Teams, die keine Probleme haben, nicht wissen warum das so ist.“ Der Südtiroler räumt aber auch ein: „Wir müssen mit der Abstimmung des Autos wieder eine Basis finden. Vielleicht haben wir uns da bei der Suche nach dem Reifenfenster verirrt.“

Diesmal wird Romain Grosjean das hydraulische Fahrwerk testen. Deshalb hat das Team den Franzosen beim GP Frankreich aus dem Rennen genommen. Damit darf er in Spielberg mit einem neuen Getriebe fahren. Um das Getriebe herum werden auch gleich die Hydraulik-Elemente mit aufgebaut. Kevin Magnussen kehrt zur konventionellen Aufhängung zurück. „Zurzeit haben wir nur ein Exemplar. Die Teile sind teuer, und bevor wir zwei kaufen, wollen wir die Aufhängung voll verstehen“, erklärt Steiner.

Lando Norris - McLaren - GP Österreich - Spielberg - Donnerstag - 27. Juni 2019
Motorsport Images
Geht Norris am Start des GP Österreichs etwas mehr Risiko als zuletzt?

McLaren

Carlos Sainz droht möglicherweise eine Motorenstrafe. Der Spanier soll beim neunten Rennen seinen vierten Motor bekommen. Es ist bereits die jüngste Ausbaustufe von Renault, die Daniel Ricciardo in Frankreich noch exklusiv hatte. Lando Norris war vor einer Woche der „Mann des Rennen“. Der 19-jährige Engländer hofft: „Wir wollen in Österreich weitermachen, wo wir in Frankreich aufgehört haben.“

Auf seine Startschwäche angesprochen, meinte Norris: „Der Start selbst war in Paul Ricard nicht schlecht. In der ersten Kurve ist es immer eine Abwägung zwischen Risiko und Ertrag. Im Moment versuche ich lieber ins Ziel zu kommen als zu viel zu riskieren. Vielleicht wird sich das mit mehr Erfahrung und mehr Vertrauen am Ende der Saison etwas anders.“

Alfa Romeo

Alfa Romeo macht kurz Pause. Bevor man bei nur vier Tage Pause zwischen zwei Grand Prix ein zweites Mal in Folge neue Teile ans Auto bringt, hebt man sich den zweiten Schritt lieber für Silverstone auf. In Spielberg tritt der Sauber C38 an wie in Paul Ricard. Kimi Räikkönen schiebt das gute Ergebnis in Frankreich nicht unbedingt auf die jüngsten Maßnahmen am Auto. „Wir haben nichts anderes gemacht als in den Rennen zuvor. Der Schlüssel war wahrscheinlich, dass wir von Anfang an ein gutes Setup hatten. Uns fehlt aber immer noch Abtrieb.“

Räikkönen reiht sich nicht in die Reihe der Reifenkritiker ein: „Es ist das gleiche für alle. Mal passen die Reifen, mal nicht. Am Ende tut sich der am leichtesten, der den meisten Abtrieb hat. Das war doch schon immer so.“ Der Finne zählt zu den wenigen Fahrer, die glauben, dass die neue Aerodynamikformel Erfolg hatte. „Zumindest in den ersten Rennen hatte ich das Gefühl, dass es leichter geworden ist, anderen Autos zu folgen. Vielleicht verwässert das jetzt wieder, je mehr die Autos entwickelt werden. Ich hatte allerdings schon lange mehr keinen vor mir, um das herauszufinden.“

In Paul Ricard hatte der dienstälteste Formel-1-Pilot dafür einen Fahrer das ganze Rennen im Rückspiegel. Räikkönen hielt Hülkenberg 52 Runden lang in Schach. „Er war die ganze Zeit an mir dran. Ich musste jede Kurve absolut perfekt kriegen. Früher wäre dein Verfolger nach ein paar Runden zurückgefallen und du hättest Ruhe gehabt. Doch Nico konnte dranbleiben. Vielleicht ist das auch ein Indiz dafür, dass sich etwas geändert hat.“

GP Österreich 2019: Die Bilder vom Donnerstag

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