Donnerstag-Check GP Singapur

„Bin mir selbst mein größter Feind“

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Singapur - 13. September 2018 Foto: sutton-images.com 122 Bilder

Am Donnerstag vor einem Rennwochenende checken wir wie üblich die 10 Teams auf Neuigkeiten ab, und fragen die Fahrer, was sie vom Rennen erwarten. Sebastian Vettel nimmt sich in Singapur selbst in die Pflicht und Daniel Ricciardo trainiert in der Sauna.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. auto motor und sport stöbert für Sie im Fahrerlager Geschichten und Gerüchte auf. Wir fragen bei den Ingenieuren nach, was neu am Auto ist und bei den Fahrern, wie sie das Rennen einschätzen. Hier ist unser Streifzug durch die zehn Garagen.

Mercedes

Mercedes hat für das Angstrennen in Singapur nur ein kleines Aero-Upgrade mitgebracht. Nichts, was Ferrari erschrecken müsste. „Der Schlüssel wird sein, die Hinterreifen im Fenster zu halten“, prophezeit Teammanager Ron Meadows. Das hängt auch von den Bedingungen ab. Letztes Jahr war Lewis Hamilton in der zweiten Rennhälfte der schnellste Mann auf der Strecke. „Nach dem Regen waren die Temperaturen kühl. Das hat uns geholfen“, erklärt Chefingenieur Andrew Shovlin.

Der Wetterbericht wird Mercedes gefallen. Jeden Tag ist Regen zwischen 15 und 20 Uhr vorhergesagt. Hamilton hat wieder eine halbe Weltreise mit dem Umweg über NewYork auf dem Weg nach Singapur hinter sich. Der Titelverteidiger rechnet auch mit Red Bull auf dem Stadtkurs: „Sie haben zwar vor einiger Zeit schon ihre Entwicklung eingestellt, aber auf dieser Strecke sollten sie stark sein. Singapur verlangt viel Abtrieb, und hier kommt es darauf an, die Hinterreifen gut in Schuss zu halten. In beiden Disziplinen ist Red Bull stark.“

Ferrari

Ferrari - Formel 1 - GP Singapur - 13. September 2018 Foto: ams
Ferrari hat neue Heckflügel-Endplatten für Singapur im Gepäck.

Wird Kimi Räikkönen dem Teamkollegen in Zukunft helfen? „Ich kann nur ein Auto fahren“, kam als Antwort zurück. Das mit dem Helfen, sei auch nicht so einfach, wie es von außen aussieht, meinte Räikkönen. „Du kannst so etwas nicht planen. Es hängt immer von der Rennsituation ab.“ Auch Sebastian Vettel macht seinem Teamkollegen im Rückblick auf Monza keine Vorwürfe. „Jedes Team handhabt es anders. Es gibt Konstellationen, wo es Sinn macht. So etwas ist immer auch situationsbedingt. Monza war vielleicht nicht optimal, und ich habe meine Meinung dazu gesagt. Das hat aber nichts mit meinem persönlichen Verhältnis zu Kimi zu tun. Wir sind beide erwachsen. Wenn man es genau nimmt, dann habe ich ihn in unseren Ferrari-Jahren auch schon zwei Mal abgeräumt.“

Ferrari geht als Favorit in den Stadt-Grand Prix von Singapur. Vettel sieht darin aber keinen Automatismus: „Das Auto ist gut, aber es wird kein Spaziergang. Red Bull hat vielleicht ein bisschen nachgelassen, aber Mercedes ist nach wie vor stark. Wir können uns nicht darauf ausruhen, dass wir ein gutes Auto haben.“ Und dann sagt der WM-Zweite noch einen interessanten Satz: „Ich habe jetzt ein Auto, mit dem ich spielen kann. Wenn meine Leistung stimmt, ist alles möglich. Der größte Feind bin ich mir selbst.“ Spielt er damit auf seine Ausrutscher in Paul Ricard, Hockenheim und Monza an?

Red Bull

Daniel Ricciardo will dieses Rennen endlich gewinnen. Der Australier stand vier Mal in Folge auf dem Podium, drei Mal als Zweiter. „Wir sind nicht die Favoriten hier, aber mit einem weiteren zweiten Platz wäre ich nicht zufrieden.“ Ist der Marina Bay Circuit nicht eine Red Bull-Strecke? Max Verstappen ist vorsichtig mit Prognosen: „Uns haben schon letztes Jahr drei Zehntel auf Ferrari gefehlt. Und die haben beim Motor noch zugelegt.“ Ricciardo gibt interessante Einblicke, wie er sich für die größte Hitzeschlacht des Jahres vorbereitet: „Ich trainiere in der Sauna. Im Fitnessraum drehe ich die Heizung an und habe sieben Lagen Klamotten an, damit ich genau dieses beengte Gefühl simuliere, das du hier im Auto hast.“

Force India

Force India - Formel 1 - GP Singapur - 13. September 2018 Foto: ams
Der Force India zeigte sich in vielen Details verändert.

Force India bringt sein großes Upgrade nach Singapur. Frontflügel, Unterboden und Leitbleche sind neu, dazu noch viele Kleinigkeiten rund um das Auto verteilt.. „Es ist unser größter Schritt in diesem Jahr“, freut sich Technikchef Andy Green. Wenn er so groß wird wie das Singapur-Upgrade im letzten Jahr, müssen sich Renault und HaasF1 warm anziehen. Damals brachte das Aero-Paket fast eine halbe Sekunde.

Sergio Perez ist optimistisch: „Jetzt ist die Zeit gekommen, in der wir liefern müssen. Die Zahlen sind gut. Das sollte uns einen guten Schritt vorwärts bringen, auch wenn Singapur nicht unsere stärkste Strecke ist.“ Das Saisonziel ist jedenfalls hoch gesteckt. „Wir sind jetzt Siebter. Also muss unser nächstes Ziel Platz 6 sein. McLaren zu schlagen ist eine große Aufgabe. Aber ich werde am Ende des Jahres meine eigene Bilanz mit allen Punkten ziehen. Und da wollen wir Vierter werden.“

Williams

Williams rechnet sich auch für Singapur gewisse Chancen aus. Weil die Kurven auf dem Stadtkurs kurz sind. „Wir beginnen in Kurven zu leiden, deren Winkel größer als 120 Grad ist“, verrät Einsatzleiter Rob Smedley. Auf dem Marina Bay Circuit weisen 16 der 23 Kurven einen Winkel von 90 Grad und weniger auf. „Trotzdem wird es hier schwieriger für uns als in Monza“, warnt Smedley. „In Singapur spielt der Motor nur eine geringe Rolle. Dafür macht der Abtrieb fast alles aus. Und da fehlt uns im Vergleich zur Konkurrenz auch noch ein gutes Stück.“

McLaren

Fernando Alonso war zwischen Monza und Singapur noch schnell in Alabama, um einen Dallara-Honda des Andretti-Teams im Barber Motorsports Park zu testen. Es hat ihm offenbar Spaß gemacht: „Es war anders, aufregender, physisch anstrengender als die Formel 1 und hat mir gezeigt: Es gibt noch ein Leben außerhalb der Formel 1.“ Einer Entscheidung, ob er 2019 nur das Indy 500 fährt oder die gesamte Saison ist Alonso noch nicht näher gekommen. „Ich entscheide mich im Oktober. Der Test war nicht dazu da, um mir Antworten auf meine Fragen zu geben.“

Fernando Alonso - Formel 1 - GP Singapur - 13. September 2018 Foto: ams
Ist Alonso mit seinen Gedanken schon in der IndyCar-Serie?

Der GP Singapur ist für Alonso der Auftakt eines Marathons zwischen Formel 1 und WEC: „An den nächsten neun Wochenenden sitze ich nur im Rennauto.“ Die Strecke an der Marina Bay sollte dem McLaren vom Restprogramm am besten liegen. Doch Alonso ist skeptisch: „Unser Auto ist nicht mehr so gut wie im letzten Jahr. Da war ein Platz in den Top Ten in Singapur gesetzt. Diesmal wird viel davon abhängen, wie wir uns in der Qualifikation schlagen. Die bestimmt leider die Reihenfolge im Rennen.“

Stoffel Vandoorne macht sich langsam mit dem Gedanken vertraut, dass er 2019 keinen Formel-1-Sitz hat. „Es ist noch nichts entschieden, aber es spricht Einiges dafür, dass ich in ähnlichen Schwierigkeiten wie Ocon stecke. Jeden Tag schließt sich ein weiteres Cockpit für mich.“ Im Gegensatz zu Ocon hat Vandoorne einen Plan B außerhalb der Formel 1. Der Belgier will unbedingt fahren. Notfalls auch in der IndyCar-Serie. „Das Indy 500 übt einen großen Reiz auf alle Fahrer aus, weil es so ein wichtiges Rennen ist. Doch wenn du dir dann den Unfall von Robert Wickens anschaust, beginnst du allerdings nachzudenken, ob es das Risiko wert ist.“

Toro Rosso

Singapur müsste ein guter Boden für Toro Rosso sein. In Monte Carlo und Budapest hat Red Bulls Juniorteam seine besten Rennen gezeigt. Strecken mit viel Abtrieb liegen dem Auto. Brendon Hartley fährt weiter um eine Vertragsverlängerung. „Ich brauche noch ein paar Punkte-Resultate, um Herrn Marko zu überzeugen.“

HaasF1

HaasF1 will es seinen Gegnern wieder auf der Rennstrecke zeigen. Teamchef Guenther Steiner nennt Renaults Protest in Monza eine „Verzweiflungstat“. Kämpferisch fügt der Südtiroler hinzu: „Wenn sie uns nicht auf der Rennstrecke schlagen können, versuchen sie es vor Gericht.“ HaasF1 hat mittlerweile Berufung eingereicht. „Wir wollen demonstrieren, dass wir uns nicht alles gefallen lassen“, so Steiner. HaasF1 präsentiert in Singapur das letzte große Upgrade der Saison. Unterboden und die Leitbleche unter der Nase und vor den Seitenkästen sind neu. Damit ist das auch wieder 100 Prozent legal.

Renault

Nico Hülkenberg - Formel 1 - GP Singapur - 13. September 2018 Foto: sutton-images.com
Hülkenberg hat ein klares Ziel für Singapur: Punkte müssen her!

Die schlimmsten Rennen sind geschafft. In Singapur will Renault auch auf der Strecke wieder in dem Kampf um Platz 4 eingreifen. Dazu haben die Techniker neue Leitbleche ausgepackt, die mit der jüngsten Stufe des Unterbodens besser harmonieren. Der debütierte in Spa und verbesserte vor allem die aerodynamische Stabilität in langsamen Kurven. „Das sollte uns in Singapur helfen. Die ersten positiven Effekte haben wir schon in Monza gesehen“, berichtet Einsatzleiter Alan Permane.

Nico Hülkenberg ist bei seinem 150. GP-Start froh, dass er nicht schon wieder Motorstrafen bekommt und nicht von hinten losfahren muss. „Das Ziel ist ein normales Wochenende und dass ich in den Punkten ankomme. Ich glaube, wir sind für Singapur gut aufgestellt. Der neue Unterboden funktioniert, Singapur ist keine Motorenstrecke, und wir haben noch ein kleines Aero-Upgrade dabei. Das alles sollte uns in die Karten spielen.“ Und was erwartet er sich nach dem 150. Grand Prix seiner Karriere? „Noch mal mindestens 75 Rennen.“

Sauber

Tagesgespräch bei Sauber ist immer noch der Platztausch zwischen Kimi Räikkönen und Charlers Leclerc. Und wer das zweite Cockpit bekommt. Hinter den Kulissen hören wir: Hauptsponsor Alfa Romeo, also Ferrari, besteht auf Antonio Giovinazzi. Wie weit reicht der Schutz für Marcus Ericsson durch die schwedischen Besitzer? Teamchef Frédéric Vasseur stellt klar: „Kimi war auf dem Markt.“ Soll heißen: Ferrari hat mit dem Transfer nichts zu tun. Räikkönen brachte seine Beweggründe auf einen einfachen Nenner: „Ich gehe zu Sauber, weil ich es will. Ferrari zu verlassen war nicht meine eigene Entscheidung. Zu Sauber zu gehen dagegen schon.“

Sauber packt in Singapur sein letztes Aerodynamik-Paket aus. „Es lief im Juni durch den Windkanal. Seitdem arbeiten wir nur noch am 2019er Auto“, verrät Vasseur. Der Grund, warum die Modifikationen am Unterboden und den Bremsbelüftungen erst jetzt zum Einsatz kommen, liegt in der Natur der Strecke. Es ist ein Paket für maximalen Abtrieb. Vasseur: „Es wurde schon nach der Sommerpause fertig, doch die letzten beiden Rennen in Spa und Monza konnten wir es nicht brauchen.“

In der Galerie zeigen wir Ihnen die Bilder des Tages.

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Lieber Nabob,

mittlerweile vielfach hast Du den Nachweis geschrieben, dass Dir selbst die geistige und soziale Reife fehlt.

Auto_MG 14. September 2018, 20:30 Uhr
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