Leclerc & Vettel - GP Italien 2019 Motorsport Images
Red Bull - Formel 1 - GP Italien - Monza - 5. September 2019
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Donnerstags-Check GP Italien 2019

Vorteil für Hamilton und Leclerc

Vor dem Rennwochenende in Monza haben wir die zehn Teams auf Neuigkeiten abgecheckt. Wir erklären, wer neue Motoren bekommt, wer Strafen und wer nicht, wer bei den beiden Topteams in der Qualifikation den Windschatten bekommt.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. auto motor und sport stöbert für Sie im Fahrerlager Geschichten und Gerüchte auf. Wir fragen bei den Ingenieuren nach, was neu am Auto ist und bei den Fahrern, wie sie das Rennen einschätzen. Hier ist unser Streifzug durch die zehn Garagen.

Mercedes

Mercedes weiß, was im Antrieb in Spa kaputtgegangen ist, man kennt aber immer noch nicht die Gründe dafür. Bei Sergio Perez brach der Antrieb der MGU-K, bei Robert Kubica brannte ein Kolben durch. Da beide Schäden nicht bei voller Power auftraten, macht es für Mercedes wenig Sinn weiterhin Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. In Spa hatte man noch auf den Q3-Modus verzichtet.

Aerodynamisch gibt es nicht viel Neues im Lager der Silberpfeile. Man tritt mit den Flügeln von Spa an, ändert lediglich die Anstellung der Flaps. „Wegen der knappen Windkanalzeiten macht es wenig Sinn, extra Zeit für ein Aerodynamikpaket zu verschwenden, das nur in einem von 21 Rennen eingesetzt werden kann“, erklärt ein Ingenieur.

Lewis Hamilton fürchtet, dass Ferrari auch in Monza schwer zu schlagen sein wird. Zumindest in der Qualifikation. Er fühlt sich fast an seine Kart-Zeit erinnert. „Da war mein Kart nicht das Beste im Feld. Aber ich konnte den Unterschied ausmachen. Jetzt bin ich auf Strecken wie Spa und Monza in einer ähnlichen Situation. In Spa konnte ich zu Leclerc noch aufschließen. Leider erst in der letzten Runde. Ich hoffe, dass es diesmal früher passiert.“

Am Samstag wird laut Hamilton wieder der Windschatten eine Rolle spielen. In Monza hat er das Recht zu entscheiden, ob er vor oder hinter Valtteri Bottas auf die schnelle Runde geht. Man kann darauf wetten, dass er Bottas den Vortritt lässt. „In diesem Jahr hat der Windschatten eine noch größere Wirkung als im letzten Jahr. Deshalb wird es noch wichtiger sein, ihn zu nutzen.“

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Italien - Monza - 5. September 2019
ams
Vettel muss im Qualifying vor Leclerc fahren. Das könnte ein Nachteil sein.

Ferrari

Pünktlich für Monza bekommt Ferrari neue Motoren. Es soll übrigens nicht die Version sein, die Haas und Alfa Romeo mit Giovonazzi in Spa eingesetzt haben. Die Kundenteams mussten mit einer neuen alten Spezifikation vorliebnehmen, die lediglich länger in der höchsten Power-Stufe gefahren werden kann. Die letzte Entwicklungsstufe bleibt dem Werksteam vorenthalten. Theoretisch könnten Alfa Romeo und Haas diesen Motortyp auch verlangen, aber das würde sie Startplatzstrafen und eine extra Gebühr kosten. Die dürfte bei rund drei Millionen Euro liegen.

Für Ferrari ist Monza mehr als nur ein Heimspiel. Es ist aus Sicht der Tifosi die Kathedrale des Motorsports. „Unser wichtigstes Rennen im Jahr“, gibt Sebastian Vettel zu. Er sieht Ferrari auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Monza wieder in einer starken Rolle: „Ich hoffe, wir sind so stark wie in Spa. In der Qualifikation scheinen wir einen kleinen Vorteil zu haben. Aber Spa hat auch gezeigt, dass wir eine gute Fahrzeugbalance für das Rennen finden müssen, um die Reifen zu schonen.“

Der Ex-Champion geht bereits mit einem Handikap in das Wochenende. Er hat in der Qualifikation wieder das Vorrecht als erster der beiden Ferrari auf die Strecke zu gehen. In Monza ist das ein Nachteil. Damit spielt er automatisch das Zugpferd für Charles Leclerc. Windschatten kann in Monza wie bereits erwähnt ein Matchwinner sein.

Red Bull

Max Verstappen wird beim Start das Feld vor sich haben. Er bekommt den neuen Honda-Motor, den Alexander Albon schon in Spa ausprobiert hat. Da es die vierte Einheit in Verstappens Pool ist, muss er ans Ende der Startaufstellung. Der Holländer rechnet bestenfalls mit Platz fünf beim GP Italien. Der Holländer hat Erfahrung mit Starts aus der letzten Reihe nach Motorstrafen.

„Normalerweise ist selbst dann immer noch ein Podium möglich. Doch Monza ist vom Streckentyp her nicht unser bester Kurs. Da sind Ferrari und Mercedes so stark, dass die ersten vier Plätze wohl besetzt sind. Bis ich mich mal durch das Feld gekämpft habe, werden die schon zu viel Vorsprung haben.“

Albon hat seine Strafe schon in Belgien abgedient. Er wird in Monza seine erste echte Qualifikation im Red Bull bestreiten. In Spa machte es wegen der Motorstrafe keinen Sinn, auf Bestzeitjagd zu gehen. „Das wird ein normaleres Rennwochenende für mich. Ich brauche das, weil ich mich noch an mein neues Auto gewöhnen muss. Der Red Bull verlangt einen anderen Fahrstil als der Toro Rosso.“

Max Verstappen hofft, dass seine Startprobleme mit dem Spec4-Motor von Honda gelöst sein werden. „Mit den alten Versionen hatte ich oft im zweiten und dritten Gang Probleme mit zu viel Schlupf. Habe ich einen guten Start, kann ich meine Position halten, bei einem schlechten verliere ich zwei oder drei Plätze.“ Honda hat darauf hingearbeitet, dass die Power bei bestimmten Drehzahlen nicht mehr so abrupt einsetzt.

Racing Point - GP Italien 2019
ams
Für Sergio Perez gibt es in Monza keinen neuen Motor. Mercedes kann nicht liefern.

Racing Point

Sergio Perez hat jetzt endlich Ruhe. Er bleibt bis 2022 bei Racing Point und ist damit einer der ersten Fahrer, die über den Neubeginn der Formel 1 hinaus einen Vertrag haben. „Das Team und ich haben jetzt Klarheit. Das bringt Ruhe. Ich glaube, dieses Team hat großes Potenzial, speziell vor dem Hintergrund, dass die kleinen Teams ab 2021 eine bessere Chance haben werden als je zuvor“, erklärte der Mexikaner.

Mit dem Auto geht es im Moment nur in kleinen Schritten vorwärts. Die Leistungssteigerung in Spa hatte mehr mit dem Streckenlayout zu tun als mit der neuen Nase und den modifizierten Leitblechen. „Es fühlte sich besser an, aber nicht in dem Ausmaß wie erwartet. Das Upgrade wird auf einigen Strecken besser funktionieren als auf anderen.“

Bis zum nächsten Schritt muss Perez nicht lange warten. In Singapur zünden Andy Green und seine Truppe die nächste Ausbaustufe. Perez wird übrigens nicht wie geplant in Monza einen neuen Motor einsetzen. Der Grund ist einfach: Mercedes hat nicht genügend Exemplare der aktuellen Spezifikation.

Williams

George Russell und Robert Kubica rechnen mit einem noch schwierigeren Rennen als in Spa. „Die Leute denken immer, uns fehlt Abtrieb. Das stimmt. Was aber vergessen wird ist, dass unser Auto auch jede Menge Luftwiderstand hat“, warnt Russell die Optimisten im Team. „Monza wird ganz hart für uns. Wir haben in Spa nur auf den Geraden zwei Sekunden auf die schnellsten Autos verloren und eine Sekunde auf die langsamsten. Damit wird auch klar, warum wir in Budapest so stark waren. Weil es da nur eine Gerade gibt“, führt Russell aus.

Kollege Kubica hätte sich eigentlich gerne ein neues Exemplar des Phase 3-Motors von Mercedes gewünscht, doch der Pole muss weiter mit einem Uralt-Motor fahren. „Der hat schon sechs Rennen auf dem Buckel.“ Der Pole ärgert sich ein bisschen: „Wir haben von unseren Startpositionen sowieso nichts zu verlieren. Warum also nicht einen neuen Motor in Monza nehmen? Wenn du Power irgendwo brauchst, dann hier.“ Der Grund ist der gleiche wie bei Perez: Mercedes kann nicht rechtzeitig neue Motoren liefern.

Nico Hülkenberg - GP Italien 2019
Motorsport Images
Nico Hülkenberg geht erstmals mit dem neuen Renault-Motor ins Rennen.

Renault

Renault will in Monza nachholen, was dem Team in Spa verwehrt blieb. „Unser Rennen war eigentlich schon beim Start zu Ende. Das eine Auto wurde von einem anderen getroffen, das andere musste ausweichen und verlor viele Plätze. Der Speed war da, aber wir waren am falschen Ende des Feldes“, ärgert sich Einsatzleiter Alan Permane.

Er sieht keinen Grund, warum man sich in Monza nicht revanchieren sollte. „Wir haben einen sehr guten Top-Speed, und die Streckencharakteristik passt unserem Auto.“ Renault wird den neuen C-Spec Motor diesmal in der Qualifikation und im Rennen einsetzen. Die Strafen sind aus dem Weg.

Toro Rosso

Ähnliches Spiel wie bei Red Bull: Daniil Kvyat diente seine Motorstrafe schon in Spa ab. Jetzt ist Pierre Gasly dran. Der degradierte Red Bull-Pilot verliert aber nur fünf Startplätze, weil er schon bis zu fünf Elemente in seinem Antriebskontingent stehen hat. Es lohnt sich. Der neue Honda-Motor soll drei Zehntel extra bringen.

Gasly macht aus seinen Gefühlen von Spa kein Geheimnis: „Es war ein extrem hartes Wochenende für mich. Neues Auto, neue Crew, der Unfall meines Freundes. Ich wollte für das Team und Anthoine das Beste geben. Deshalb bin ich happy, dass ich zwei Punkte holen konnte.“

Haas

Die Haas-Piloten fuhren in Spa unterschiedliche Rennen. Romain Grosjean schien lange auf Punktekurs unterwegs zu sein. Kevin Magnussen fiel chancenlos schnell ins Feld zurück. Der Grund dafür war ein minimaler Setup-Unterschied. Grosjean durfte in Spa das Hydraulik-Fahrwerk fahren. Das erlaubt ein bisschen mehr Abtrieb, weil die Hydraulik das Auto auf den Geraden automatisch absenkt und somit Luftwiderstand abbaut.

Mit diesem Abtrieb konnte Grosjean die Reifen in ihrem Arbeitsfenster halten. Bis er auf Daniel Ricciardo traf und hinter ihm verhungerte. Irgendwann fiel die Karkassentemperatur der Reifen in den Keller. Magnussen überhitzte die Reifen, weil ihm ein Quäntchen Anpressdruck fehlte. Doch der Däne darf aufatmen. In Monza bekommt er die hydraulische Aufhängung.

Grosjeans VF-19 ist mit dem konventionellen Fahrwerk ausgerüstet. Im Moment hat das Team nur ein Kit von der Neuentwicklung. Die zweite gibt es erst 2020. In Monza will Haas im Gegensatz zu Spa den Abtrieb reduzieren, um auf den Geraden nicht so verwundbar zu sein. „Das sollte gehen. Hier gibt es keinen Sektor 2 wie in Spa, wo du Anpressdruck brauchst“, erklärt Teamchef Guenther Steiner.

Bei der Fahrerbesetzung für 2020 gibt es noch keine Neuigkeiten. „Idealerweise haben wir bis zum GP Singapur Klarheit“, hofft Steiner. Die Kandidaten für das Cockpit neben Kevin Magnussen sind Romain Grosjean oder Nico Hülkenberg. Während der US-Rennstall Druck macht, spielt Hülkenberg auf Zeit: „Es finden Gespräche statt, doch es wird eine Weile dauern. Es muss der richtige Deal sein mit einer guten sportlichen Perspektive.“

Lando Norris - GP Italien 2019
McLaren
Lando Norris fährt in Monza mit einem Helm im Valentino-Rossi-Design.

McLaren

Lando Norris bekommt seine vierte Antriebseinheit und startet von ganz hinten. Carlos Sainz wird am Freitag den Motor ausprobieren, der ihn das Rennen in Spa gekostet hat. Er war reparabel, und Renault will sehen, ob man ihn noch im weiteren Verlauf der Saison einsetzen kann. Die Motoren-Misere in Spa brachte McLaren seit langer Zeit wieder mal einen Nuller ein. „Unsere Zuverlässigkeit ist nicht brillant, aber auch nicht so schlecht, wie es in Spa aussah“, verteidigt Sainz sein Team und Motorenpartner Renault. Der Spanier merkt an: „Renault hat über den Winter einen riesigen Power-Sprung gemacht. Da fehlt nicht mehr viel zu Mercedes und Ferrari.“

Auch Norris nimmt bei der Standfestigkeit Renault in Schutz: „Der größere Anteil der Probleme lag bei uns.“ Zu seinem Motorschaden meinte der 18-jährige Engländer: „Der Fehler ist gefunden. Das Problem ist vorher nie aufgetreten und kann offenbar einfach korrigiert werden. Ob ich zuversichtlich bin, dass es nie mehr passiert? Das müssen sie die Ingenieure fragen.“ Norris wird in Monza übrigens einen Helm tragen, der in den Farben gelb und blau seines Idols Valentino Rossi lackiert ist.

Alfa Romeo

Kimi Räikkönen bekommt vorerst keinen neuen Motor, weil es keinen neuen Motor gibt. Ferrari hat nur einen neuen alten Motor im Angebot. Räikkönen hat bereits drei Einheiten in seinem Pool. Ihn erwartet noch eine Motorstrafe im Rest der Saison. Wo er sie nimmt, will das Team nach der Qualifikation entscheiden. Bei einem schlechten Resultat im Training tut die Strafe weniger weh.

Antonio Giovinazzi muss in Monza endlich Leistung zeigen. Mit seinem Unfall in der vorletzten Runde hat sich der Italiener keine Freunde im Team gemacht. Er ist der erste Italiener seit 2011, der in Monza antritt. Für das Heimspiel der Marke Alfa Romeo bekommt das Auto einen neuen Look mit grünen Akzenten, die dem Auto das Farbschema der italienischen Flagge verleihen.

In der Galerie zeigen wir Ihnen die Bilder des Tages.

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