Druck auf CVC wächst

Formel 1 ohne Ecclestone?

Bernie Ecclestone 2013 Foto: xpb 52 Bilder

Die Staatsanwaltschaft München erhebt Anklage gegen Bernie Ecclestone. Das ist aber nur eine Vorstufe, kritisch wird es, wenn das Gericht die Klage annimmt. Was passiert dann mit der Formel 1? Ecclestones Arbeitgeber CVC ließ verkünden: "Wir beobachten die Situation." Das klang schon einmal freundlicher.

Kaum hatte die Staatsanwaltschaft München ihre Anklage gegen Bernie Ecclestone wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue öffentlich bestätigt, da wurden bereits erste Szenarien über eine Formel 1 ohne Bernie Ecclestone gestrickt. Doch so weit ist es noch nicht.

Bernie Ecclestones Anwälte haben jetzt einen Monat Zeit zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Dann muss das zuständige Gericht entscheiden, ob es die Klage anhand der Faktenlage zulässt. Erst dann ist die Klage gegen Ecclestone amtlich.

Ecclestone sucht die Herausforderung

Offenbar ist der Formel 1-Chef davon überzeugt, dass er das Gericht von seiner Version einer subtilen Erpressung durch den ehemaligen Vorstand der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky, überzeugen kann. Gerüchten zufolge gab es mehrfach die Möglichkeit eines außergerichtlichen Vergleichs.

Ecclestone ist ein alter Gambler, doch diesmal ist der Einsatz so heiß, dass selbst er davor zurückschrecken müsste, wenn er sich nicht sicher sein kann, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Sein alter Kompagnon Max Mosley hat einmal über ihn gesagt: "Bernie ist ein genialer Pokerspieler, aber als solcher weiß er auch, wann das Spiel vorbei ist."

Vergleich kam nie zustande

Die Bank und die ebenfalls an der Angelegenheit interessierten Erben des Kirch-Imperiums seien dem Vernehmen nach nur daran interessiert gewesen, sich das Geld zurückzuholen, das ihnen durch die angebliche Bestechung von Gribkowsky beim Verkauf der Aktien an CVC Capitals durch die Lappen gegangen ist. An einer Verurteilung von Ecclestone hätten sie kein Interesse gehabt, wenn sie nur an ihr Geld gekommen wären, hieß es.

Ecclestone erhielt offenbar von der gegnerischen Partei mindestens zwei Mal das Angebot, gegen Zahlung eine Klage nicht weiter zu verfolgen. Zuletzt war von einer Vergleichssumme von 500 Millionen Euro die Rede. Ecclestone gab auf die Frage, warum ein Vergleich nicht zustande gekommen sei, stets die stereotype Antwort: "Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen. Also gibt es auch nichts zu vergleichen."

CVC ändert Tonlage im Fall Ecclestone

Was, wenn aber doch? Wie geht die Formel 1 damit um, wenn ihr Chefbroker Mitte August vom Gericht Post mit einer Vorladung bekommt? Die Aasgeier kreisen bereits. Dann, so das allgemeine Urteil, könne sich die Formel 1 Ecclestone nicht mehr leisten.

CVC Capitals, mit 35,1 Prozent Hauptaktionär der Formel 1-Holding und damit Arbeitgeber des 82-jährigen Briten, hatte seinem Geschäftsführer lange den Rücken gestärkt. Eine Ablösung von Ecclestone komme erst in Frage, wenn er rechtskräftig verurteilt sei. Solange gelte die Unschuldsvermutung.

Nach den jüngsten Bewegungen in dem Fall heißt es plötzlich bei CVC: "Der Vorstand des Unternehmens wird den Fortgang der Dinge weiter beobachten." Das klingt schon nicht mehr nach bedingungsloser Unterstützung. Eher nach einem Lippenbekenntnis für einen Trainer, der bereits auf der Abschussliste steht.

Sir Martin Sorrell schärfster Ecclestone-Kritiker

Bernie Ecclestone hatte schon vorher nicht nur Freunde bei CVC. Einer seiner schärfsten Kritiker ist Sir Martin Sorrell, Chef der Werbeagentur WPP und bei CVC im Vorstand. Er soll zuletzt zwei weitere Versuche unternommen haben, Ecclestones Stellung bei CVC zu unterminieren. Zum Beispiel dadurch, dass er Ecclestones Kontakte zu Flavio Briatore und dessen zwielichtigem Umfeld anprangerte.

Doch es ist nicht so einfach, Ecclestone kaltzustellen, selbst wenn man das wollte. Der große Formel 1-Zampano ist über die Bambino Treuhand mit 8,5 Prozent und unter eigenem Namen zu 5,3 Prozent an der Formel 1-Holding beteiligt. Und er soll seine Finger in vielen Deals haben, die mit den Rennstreckenbetreibern, Sponsoren und Partnern gemacht worden sind. Ihn einfach so entlassen, käme einem Selbstmord gleich.

Druck auf CVC und Geschäftspartner wächst

Andererseits wächst der Druck auf CVC mit jedem Tag, an dem die Affäre in den Medien steht. Kommt es zum Prozess, wird es zum Tagesgespräch. Dann wird es auch für Firmen wie Mercedes oder Ferrari eng. Auch wenn ihr Vertragspartner streng genommen CVC ist und nicht Ecclestone, kommen die so genannten Compliance-Regeln ins Spiel. Die verbieten es Geschäfte mit Personen zu machen, die krimineller Handlungen beschuldigt sind.

Für Mercedes ist die Nummer ein ganz heißes Eisen. Noch immer gibt es kein Concorde Abkommen. Damit gilt auch die Antrittsgarantie bis 2020 nicht. Ein Ausstieg wäre also einfach gemacht. Vor allem jetzt, wo es im eigenen Formel 1-Team drunter und drüber geht und keiner aus dem Vorstand den Mumm aufbringt, die nötigen Entscheidungen zu treffen. Die Formel 1-Gegner beim Daimler haben jedenfalls wieder Aufwind.

Börsengang in Gefahr

Bernie Ecclestones Gerichtsfall kommt zur dümmsten Zeit. Sie könnte die ganze Formel 1 ins Wanken bringen, denn gerade jetzt bräuchte der Sport einen Mann, der wie Ecclestone früher alles in die Hand nimmt. Martin Sorrell ist wohl kaum der geeignete Nachfolger dafür. Ihm fehlt in diesem komplexen Zirkus das Stehvermögen und die nötigen Kontakte.

CVC will so schnell wie möglich an die Börse, um zu vergolden, was sich noch vergolden lässt. Man hat Angst, die Königsklasse könnte vorher auf Talfahrt gehen. Der Sport produzierte in letzter Zeit zu viele schlechten Nachrichten.

Teams, die vor dem Bankrott stehen. Ferrari und Red Bull, die längst das Ruder übernommen haben und die Formel 1 in eine Richtung zwingen wollen, die ihren Zwecken dient aber nicht denen des Sports. Der angeschlagene Riese Mercedes, dessen Verbleib nicht in Stein gemeißelt ist.

Rennstreckenbetreiber, die sich die Kosten für einen Grand Prix nicht mehr leisten können. Ein Weltverband, der Teile seiner Macht für Geld an die Teams und die Rechteinhaber abgibt. Ein Börsengang ist aber nur möglich, wenn der Geschäftsführer unbeschädigt dasteht. Deshalb sind Kurzschlussaktionen nicht ausgeschlossen.

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