Nico Müller - Audi - DTM - Nürburgring 2020 xpb

DTM Nürburgring 2020

Siege für Müller und Frijns

Nico Müller hat die DTM weiter fest im Griff. Am Samstag gewann der Schweizer haushoch überlegen. Am Sonntag hatte er Pech, was seinem Audi-Teamkollegen Robin Frijns den Weg zum Sieg ebnete. Nicht viel zu lachen gab es für BMW.

Nico Müller rast weiter scheinbar unaufhaltsam auf seinen ersten Meistertitel in der DTM zu. Auf dem Nürburgring holte der Schweizer in seinem Audi RS 5 am Samstag von der Pole-Position aus seinen vierten Saisonsieg und er watschte seine Gegner dabei ordentlich ab. Fast 16 Sekunden lag René Rast, der Zweitplatzierte, zurück. Der Dritte, Marco Wittmann im BMW kam mit 18 Sekunden Verspätung ins Ziel. "Das war einer jener Tage, wo alles passt", sagte der Sieger anschließend. "Leider sind solche Tage ziemlich selten."

Keine 24 Stunden später zeigte sich, wie recht er mit dieser pessimistischen Einstellung hatte. Dabei begann es ganz nach Wunsch für den Meisterschaftsführenden. Beim zehnten Rennen des Jahres holte er in seinem grün-weißen Audi zum dritten Mal die Pole-Position, die mit drei Zusatzpunkten vergütet wird. Auch in der ersten Hälfte des Rennens saß er scheinbar unangreifbar an den Schalthebeln der Macht.

Motorprobleme bei Müller

Das Rennen plätscherte zäh vor sich hin. Doch dann die Wende: Nach dem Stopp wurde Müller immer langsamer. Bis zu zwei Sekunden pro Runde verlor er auf die Verfolger, und am Schluss konnte er froh sein, hinter vier Audi-Markengefährten gerade noch als Fünfter über die Ziellinie zu huschen, ganz knapp vor dem BMW-Primgeiger, dem 21-jährigen Südafrikaner Sheldon van der Linde.

"Ein Temperatursensor am Motor ist kaputt gegangen", erklärte Müller später. "Dadurch hat die Elektronik die Leistung heruntergeregelt, um zu verhindern, dass der Motor hochgeht." Von den bis zu 640 PS des Vierzylinder-Turbo konnte man so getrost ein paar Dutzende Pferdchen subtrahieren. Für das Abt-Team gab es dennoch etwas zu feiern, denn Robin Frijns holte nach Assen vor einer Woche seinen zweiten DTM-Triumph. "Dieser Sieg fühlt sich aber nicht so gut an wie der erste", murmelte der Holländer. "Nico hatte ein Problem. Tut mir leid für ihn."

René Rast ist von Müllers augenblicklicher Dominanz genervt. "Schlaf war heute Nacht ein bisschen Mangelware", sagte er am Sonntagmorgen. Die fast 16 Sekunden Rückstand auf Müller ärgerten ihn mächtig. "Das ist schon eine Welt." Also war ausgiebiges Studium der Daten angesagt.

Doch trotz dieser Fleißaufgaben tritt Rast, der in seinen Meisterjahren des Öfteren von Stallregie profitiert hatte, auf der Stelle: Bei den beiden Nürburgring-Rennen holte er 39 Punkte, zwei weniger als Müller und zu allem Überfluss rangiert auch noch Frijns in der Tabelle vor ihm. "Ich gebe nicht auf", sagte er, und erinnerte an 2017. "Da habe ich am letzten Wochenende noch 30 Punkte auf Mattias Ekström gutgemacht."

Marco Wittmann - BMW - DTM - Nürburgring 2020
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Platz drei für Wittmann im ersten Nürburgring-Rennen: BMW kann das Tempo von Audi in dieser Saison nicht mitgehen.

Wundenlecken bei BMW

Müller hatte schon letztes Jahr beinahe die Hand am Meisterpokal. Doch als es hart auf hart ging, steckte er zurück und vermied es, dem damaligen Platzhirsch Rast,, DTM-Champion in den Jahren 2017 und 2019, allzu heftig einzuheizen. Manche nahmen Müller diese Zurückhaltung übel, andere zeigten Verständnis dafür, dass er im Sinne der Arbeitsplatzsicherung auf harte Attacken gegen einen Markenkollegen verzichtete. Doch in diesem Jahr sind die Karten neu gemischt: Audi-Sportchef Dieter Gass lässt seine Jungs an der langen Leine. Er kann sich diesen Großmut locker leisten, weil Audi die Konkurrenz von BMW nicht wirklich fürchten muss.

BMW-Sportchef Jens Marquardt holte tief Luft, bevor er sich am Sonntagabend der Analyse zuwendete. "Das war ein schwieriges Rennen nach einem schwierigen Qualifying. Von den Startplätzen, auf denen wir standen, war es natürlich im Rennen ein hartes Stück Arbeit", meinte der BMW-Oberste. "Wir mussten bei der Strategie etwas probieren. Sheldon van der Linde hat das gut gemacht und war an den Audis dran, aber es ist eben ein Unterschied, ob man dranbleibt oder überholen kann. Man macht sich beim Hinterherfahren unglaublich schnell die Reifen kaputt."

Am Samstag lief es besser für BMW: Platz drei für Marco Wittmann. "Das erste Podium in dieser Saison ist natürlich positiv", meinte der Franke. "Aber es sieht jeder, dass uns im Qualifying was fehlt – und zwar nicht wenig." Marquardt legte den Finger in die Wunde: "Wir müssen die Lücke im Qualifying schließen. Der Abstand zu Audi war am Sonntag sogar größer. Die Renn-Pace passte einigermaßen, der Speed auf eine Runde nicht."

Schon am nächsten Wochenende gibt es die Chance, sich zu rehabilitieren. Dann steht das nächste DTM-Gastspiel in der Eifel an. Dann wird aber nicht auf dem bei den Fahrern beliebten, schnellen GP-Kurs, sondern auf der eher öden Kurzanbindung gefahren.

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