Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - GP Singapur 2019 xpb
Safety-Car - GP Singapur 2019
Sebstian Vettel - GP Singapur 2019
Charles Leclerc - GP Singapur 2019
Max Verstappen - GP Singapur 2019 22 Bilder

Nur ein Punkt für Alfa Romeo

Die Führung als Fluch

Alfa Romeo sammelte in Singapur Führungskilometer. Man hätte lieber mehr Punkte erzielt. Antonio Giovinazzi beendete das Rennen auf Platz zehn. Kimi Räikkönen legte sich mit Daniil Kvyat an.

Sechs Fahrer haben in dieser Saison mindestens einmal einen Grand Prix angeführt. Lewis Hamilton kommt auf 360 Führungsrunden. Charles Leclerc auf 226, Valtteri Bottas auf 111, Sebastian Vettel auf 104 und Max Verstappen auf 99. Sie sehen: Mercedes, Ferrari und Red Bull dominieren die Formel 1. Es gibt seit dem GP Singapur aber eine Ausnahme. Antonio Giovinazzi lenkte seinen Alfa Romeo für vier Runden an der Spitze des Feldes.

Start auf Medium-Reifen

Das gab es seit über vier Jahren nicht mehr. Beim Rennen in Silverstone 2015 hatte zuletzt ein Nicht-Mercedes, Nicht-Ferrari, Nicht-Red-Bull Führungsarbeit geleistet. Damals grüßte Williams von der Spitze. „Ich hoffe, zu Hause hat jemand einen Screenshot des Zwischenergebnisses gemacht“, flachste Giovinazzi.

Die Führung brachte mehr Leid als Freud für Alfa Romeo. Sie bescherte dem Team zwar Schlagzeilen und mehr TV-Zeit als üblich. Doch sie verschlechterte das Gesamtergebnis. Alfa Romeo sah sich auf dem Weg zu einem siebten Platz. Stattdessen kreuzte Giovinazzi den Zielstrich als Zehnter. Teamkollege Kimi Räikkönen schied nach einem Unfall aus.

Giovinazzi war der erste Fahrer mit freier Reifenwahl am Start. Alfa Romeo entschied sich für die Medium-Mischung. Der Italiener startete als Zehnter und beendete die erste Rennrunde als Achter nach dem Scharmützel zwischen Carlos Sainz und Nico Hülkenberg. Besser hätte es kaum laufen können. Giovinazzi fuhr ungefährdet. Vor ihm Lando Norris im McLaren, hinter ihm Kevin Magnussen im Haas.

Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - GP Singapur 2019
xpb
Das Ende der kurzen Schauspiels: Sebastian Vettel holt sich die Führung von Antonio Giovinazzi.

Reifen kühlen aus

Doch es lief nicht nach Plan. Die Schleichfahrt der Spitze störte. „Uns wäre es lieber gewesen, die fahren volle Attacke und lösen sich vom Mittelfeld“, sagte Alfa-Teammanager Beat Zehnder. „Sie fuhren aber drei Sekunden langsamer. Die Abstände im Feld blieben gering. Wir mussten um einen Undercut unserer Verfolger fürchten.“

Daniil Kvyat und Sergio Perez wagten frühe Boxenstopps. Alfa reagierte mit Kimi Räikkönen in der 15. Runde und hielt sich gerade so vor dem Duo. Auf den harten Reifen hatte das Auto mit der Startnummer 7 zu kämpfen. Sie bauten nicht die entsprechende Haftung auf. Das bestärkte den Schweizer Rennstall darin, Giovinazzis ersten Rennteil wie nach Plan auszudehnen.

Deshalb übernahm der Italiener ab Runde 27 für vier Umläufe die Spitzenposition. 1,3 Sekunden vor Pierre Gasly im Toro Rosso auf Platz zwei. 2,6 Sekunden vor Daniel Ricciardo auf Rang drei. 5,2 Sekunden vor Lance Stroll auf Platz fünf. Und 17,4 Sekunden vor Lando Norris auf Platz 12, der zu diesem Zeitpunkt bereits die Reifen gewechselt hatte. Die Männer in den Mittelfeldautos waren seine Gegner, und nicht die Spitzenfahrer, die sich dazwischen aufhielten.

In der 30. Runde war Giovinazzi seine Führung los. Erst quetschte sich Sebastian Vettel vorbei. Wenig später folgten Charles Leclerc, Max Verstappen und Lewis Hamilton. „Dadurch sind ihm die Reifen ausgekühlt“, fluchte Zehnder. Dadurch begann der Alfa Romeo mit der Startnummer 99 stärker zu rutschen. Dadurch verschlissen die Reifen stärker.

Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - GP Singapur 2019
Aktuell

Krumme Lenkung für Giovinazzi

Giovinazzi war in einem Teufelskreis gefangen. Alfa wünschte sich ein Safety-Car. Doch die Wundertüte Singapur brachte es zu spät heraus. Wäre es zum perfekten Zeitpunkt aufgetaucht, hätte Giovinazzi viel Zeit gespart beim Reifentausch. Dann wäre er vermutlich vor Lando Norris zurück auf die Strecke gekommen. Der Engländer wurde Siebter.

Im Nachhinein lässt sich sagen: Alfa Romeo spekulierte zu lange auf ein Safety-Car. „Wir hätten Antonio früher reinholen sollen.“ Erst nach dem Zusammenstoß mit Daniel Ricciardo zog Alfa die Reißleine. Giovinazzi musste abbiegen. Er hatte Ricciardo den rechten Hinterreifen aufgeschlitzt und selbst einen Reifenschaden davongetragen. Der 25-Jährige fiel auf den 19. Platz zurück.

Zwei Runden später tauchte Giovinazzi wieder bei seiner Mannschaft auf. Während des ersten Safety-Cars entschied sich Alfa, den harten Reifen direkt abzulegen und den Softreifen aufzuziehen. Volle Attacke. Es zahlte sich aus. Trotz einer krummen Lenkung brachte Giovinazzi den C38 noch auf den zehnten Rang. Die weichen Reifen ließen sich bei den Restarts schneller anzünden als die harten.

Kimi Räikkönen - Alfa Romeo - GP Singapur 2019 - Rennen
Wilhelm
Kimi Räikkönen: Aus in der 49. Rennrunde nach Kollision mit Daniil Kvyat.

Kvyat gegen Räikkönen

Dann gab es da noch einen Vorfall, über den gesprochen werden musste. Die Schiedsrichter ließen Fahrer und Teammanagement antanzen. Nach seinem zweiten Stopp kam Giovinazzi einem Bergekran gefährlich nah. Dieser stand zwischen den Kurven 8 und 9 auf der linken Seite und schleppte gerade das Auto von George Russell ab. Die Sportkommissare straften Giovinazzi mit zehn Sekunden.

Die Begründung: „Der Renndirektor hat alle Autos angewiesen, sich an dieser Stelle rechts zu halten, weil der Kran und die Streckenposten in der Umgebung gearbeitet haben. Es wurden doppelte gelbe Flaggen geschwenkt. Die Stewards akzeptieren die Begründung des Fahrers, der der Meinung war, ausreichend langsam gewesen zu sein, während er zu seiner Safety-Car-Delta-Zeit aufschloss. Jedoch fuhr er näher an den Kran und die Marshalls heran, als es sich für sie und den Renndirektor sicher angefühlt hatte. Die Stewards stimmen dem zu. Der Fahrer mag nicht bewusst gewesen sein, dass sich der Kran bewegte. Die Stewards halten diesen Zwischenfall für eine potentiell ernsthaft gefährliche Situation.“

Für den Teamkollegen endete das Rennen in der 49. Runde. Räikkönen rasselte in der ersten Kurve mit Daniil Kvyat zusammen. Der Russe attackierte den Routinier auf weichen Reifen aus dem Hinterhalt. „Ich hätte die Kurve bekommen“, betonte der Toro Rosso-Pilot.

Vor den Rennkommissaren sprachen beide Beteiligten Fahrer von einem Rennunfall. Zehnder verteidigt seinen Schützling: „Kimi hat Kvyat beobachtet. Er hat am Anfang und Mitte der Gerade in den Rückspiegel geschaut. Kimi fuhr die Kurven mit dem normalen Radius. Du kannst als Verfolger nicht erwarten, dass dein Vordermann einfach geradeausfährt, wenn du so spät den Angriff reitest.“

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