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Elektronik-Teufel

Fehler im System

Viel wurde vor der Saison über die neue Einheitselektronik von McLaren-Tochterfirma MES geschimpft. Auch nach drei Rennen gibt es noch Kritik und Probleme mit dem Steuergerät.

Schon beim ersten Rennen hatten viele Teams mit den Tücken des Systems zu kämpfen. Vor allem die mangelnde Kompatibilität mit den eigenen Komponenten wurde beklagt. Bei Honda gab es Probleme mit dem Tempomat, bei Glock muckte plötzlich das Getriebe und bei Piquets Renault ging von der einen auf die andere Sekunde gar nichts mehr – Systemabsturz. Auch der missglückte Start von Sebastian Vettel und das verpatzte Qualifying von Kimi Räikkönen gingen auf das Konto der neuen Komponente.

Problem: Anwenderfehler

Zwar waren meist Fehler bei der Programmierung oder der Interpretation der Daten verantwortlich für die Probleme, wie Williams-Technikchef Sam Michael erklärt, sei der Umgang mit der neuen Technik jedoch nicht ohne Tücke. Vor allem bei der Eingabe der Parameter gebe es Probleme: "Wir müssen zwei- dreimal checken, ob die Daten auch wirklich im Programm gespeichert sind."

Selbst McLaren hat sich damit schon selbst ausgetrickst, obwohl Software und Steuergerät von der Tochterfirma MES stammen. So hätte es nie passieren dürfen, dass Kovalainen in Melbourne bei voller Fahrt den Tempomaten für die Boxengasse aktiviert. Normalerweise haben die Teams eine Sicherung eingebaut, durch die der Limiter erst ab einer bestimmten Geschwindigkeit aktiviert werden kann.

Spareffekt nicht zu sehen

Streitpunkt ist, dass die Teams den Algorithmus der Software nicht kennen. Wenn MES eine aktualisierte Version liefert, müssen die Motor- und Getriebeingenieure auf den Prüfstand, um negative Auswirkungen abzufedern. "Das geht ins Geld", klagt BMW-Teamchef Mario Theissen. "McLaren ist fein raus. Die kennen ihre Software ganz genau."

Auch Toyota-Motorenchef Luca Marmorini stimmte zuletzt in das Klagelied ein. "Wenn wir was verändern, müssen wir nicht nur auf den Prüfstand, sondern auch auf die Strecke." Wie die Konkurrenz berichten die Japaner von Kompatibilitätsproblemen zu Beginn der Saison. Und längst sind nicht alle Fragen beantwortet: "Es gibt noch viel zu lernen, um die Standard-Elektronik vollständig zu optimieren." Auch der Toyota-Mann beklagt die Kosten: "Durch den eingefrorenen Motor und der Standard-Elektronik scheint es, als ob überhaupt keine Entwicklung mehr nötig wäre. Der Aufwand ist jedoch enorm und mit der Entwicklung eines neuen Motors vergleichbar."

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