Entscheidung im Diffusor-Streit

Schlechte Chancen für Protestierer

Boxengasse Foto: Wolfgang Wilhelm 55 Bilder

Der Diffusor-Protest vor dem FIA-Berufungsgericht in Paris hat kaum eine Chance auf Erfolg. Deshalb arbeiten die Teams eifrig am Nachbau der umstrittenen Diffusoren. Wir sagen Ihnen, wann die Kopien fertig sind.

Am 14. April fällt das FIA-Berufungsgericht in Paris ein vorentscheidendes Urteil. Es geht um die doppelstöckigen Diffusoren von Brawn GP, Toyota und Williams. Werden die Urteile der Sportkommissare von Melbourne und Australien bestätigt, dann steht Ferrari, BMW, McLaren, Renault, Red Bull, Toro Rosso und Force India viel Arbeit bevor. Sie müssen so schnell wie möglich den Trick kopieren, sonst sind sie chancenlos.
 
Experten schätzen, dass der umstrittene Diffusor bis zu 20 Punkten Abtrieb bringt. Das entspricht ungefähr 7,5 Prozent des Gesamtabtriebes. Folgen die Berufungsrichter den Argumenten der Protestfront, wird es für Brawn GP, Toyota und Williams ungemütlich. Sie können zwar schnell auf einen konventionellen Diffusor zurückrüsten, doch der würde wahrscheinlich auf Anhieb nur mangelhaft funktionieren. Der Diffusor ist Teil eines aerodynamischen Gesamtkonzepts. Da kann man nicht einfach so etwas wegschneiden oder hinzufügen.

In FIA-Kreisen gibt man den Diffusor-Kritikern wenig Chancen. Sechs Sportkommissare haben den Doppel-Diffusor bereits für legal erklärt. Die drei Herren in Malaysia machten sich die Mühe, den neuen Protest von BMW noch einmal genau durchzulesen. Auch er wurde einstimmig abgeschmettert. FIA-Rennleiter Charlie Whiting hält den Diffusor-Trick für regelkonform. Der technische Delegierte der FIA, Jo Bauer, hatte bei keiner der technischen Abnahmen Einwände.

Keine überzeugenden Argumente

Keine der bis zu 120 Seiten dicken Protestschriften bringt überzeugende Argumente, die sich auf einen spezifischen Punkt im Reglement beziehen. Die Dokumentation von Ferrari soll so unpräzise sein, dass man vermuten muss, die Verfasser wüssten gar nicht genau, was Brawn GP, Toyota und Williams wirklich machen.

Der Protest richtet sich deshalb hauptsächlich gegen allgemeine Punkte. Die drei Teams hätten mit ihren Diffusoren gegen den Geist des Reglements verstoßen. Die gestiegenen Geschwindigkeiten seien ein Sicherheitsrisiko. Der doppelstöckige Diffusor produziere unerwünschte Turbulenzen, was das Überholen erschwere.
 
Red Bull und Renault wollen bei der FIA bereits 2007 auch angefragt haben, ob man Löcher im Unterboden anbringen darf, seien aber abgewiesen worden. Antwort der FIA: Die Fragen waren anders gestellt, deshalb gab es eine andere Antwort.

Die meisten Protestierer haben sich offenbar damit abgefunden, dass die Schlacht verloren geht. Sie arbeiten bereits seit zwei, drei Wochen mit Hochdruck an ähnlichen Lösungen:

Ferrari:

Bei Ferrari sind die unteren Querlenker der Hinterachse zu hoch angebracht. Das Getriebegehäuse ist zu breit. Technikchef Aldo Costa schätzt, dass sechs Rennen vergehen, bis das komplette Heck umgebaut ist. Frühestmöglicher Termin wäre also der GP Türkei.

McLaren-Mercedes:

Schon für Shanghai planen die Silberpfeile eine Diffusor-Notlösung mit doppeltem Boden. Zuletzt hat die gebeutelte Truppe aus Woking zwei Diffusor-Programme parallel betrieben. Whitmarsh: "Bis Mitte Mai haben wir eine 80-Prozent Lösung. Im Sommer würde Phase zwei folgen. Für diesen Eingriff müssten wir das Getriebe und die Hinterradaufhängung ändern."

Red Bull:

Beim Red Bull stehen die Aufnahmepunkte der Zugstreben der Hinterachse im Weg. Auch die hintere Crashstruktur muss völlig neukonzipiert werden. Genau wie bei Ferrari gibt es frühestens in der Türkei eine Lösung.

Toro Rosso:

Da das Schwesterauto fast baugleich mit dem Red Bull ist, dauert es auch bei Toro Rosso noch eine Weile, bis der Diffusor eine zweite Etage erhält. Red Bull hat bei der Entwicklung und der Produktion neuer Teile Priorität. Deshalb dauert es wohl noch ein Stück länger.
 
BMW-Sauber:
 
Bei BMW-Sauber sieht die Lage etwas freundlicher aus. Einen genauen Zeitplan gibt es allerdings noch nicht. Aus dem BMW-Lager war nur zu hören: "Bis Barcelona haben wir irgendwas."
 
Renault:
 
Renault arbeitet schon länger an einem Nachbau des Doppelstock-Diffusors. Ähnlich wie McLaren wollen auch die Franzosen noch vor Barcelona eine Notlösung präsentieren.
 
Force India:
 
Der Force India ist relativ freundlich auf den neuen Unterboden umzurüsten. Die Ingenieure wollen in Barcelona die nächste Aerodynamik-Stufe zünden - wahrscheinlich mit einem neuen Diffusor.

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