Ericsson holt Punkte in Bahrain

Erstes Lebenszeichen von Sauber

Marcus Ericsson - Formel 1 - GP Bahrain 2018 Foto: sutton-images.com 34 Bilder

Für das in den letzten Jahren so schwer gebeutelte Sauber-Team geht es wieder nach vorne. Der Anschluss ans Mittelfeld ist hergestellt. In Bahrain spiegelte sich der Aufwärtstrend auch in WM-Punkten wider. Marcus Ericsson fuhr auf Rang 9.

Nach der Zieldurchfahrt in Bahrain wurde über der Strecke ein großes Feuerwerk ab. Es hab vierlorts Grund zu feiern. Bei Ferrari wurde der Sieg von Sebastian Vettel bejubelt, bei Toro Rosso stieg dank des vierten Platzes von Pierre Gasly eine große Party und auch ganz am Ende der Boxengasse, beim kleinen Sauber-Team, lagen sich die Mechaniker in den Armen. Marcus Ericsson wurde nach seiner Fahrt auf Platz 9 von allen beglückwünscht.

Der Schlüssel zu den ersten WM-Punkten des Schweden nach 49 Rennen war eine alternative Einstopp-Strategie. „Wir wussten, dass wir gegen den Strom schwimmen müssen, wenn wir irgendwas erreichen wollen. Wir haben deshalb wie schon im letzten Jahr von Anfang an mit nur einem Stopp geplant“, erklärte Teammanager Beat Zehnder den Grund für die Erfolgstaktik.

Ericsson setzt Einstopp-Taktik perfekt um

Beat Zehnder & Frederic Vasseur - Formel 1 - GP Bahrain 2018 Foto: sutton-images.com
Teammanager Beat Zehnder und Teamchef Frederic Vasseur feierten in Bahrain die ersten Punkte der Saison für Sauber.

2017 hatte Pascal Wehrlein die Punkte auf Rang 11 noch knapp verpasst. Dieses Jahr fuhr Ericsson endlich die Früchte ein. „Wir haben schon im Training gesehen, dass die Longrun-Performance gegenüber der Konkurrenz ganz anständig ist“, verrät Zehnder. „Wir wussten, dass etwas drin ist, wenn wir reifenschonend über die Distanz kommen. Da hat Marcus wirklich einen super Job erledigt. Er ist genau nach Vorgabe gefahren.“

Der Schwede, der in der Öffentlichkeit immer etwas unterschätzt wird, ist teamintern sehr beliebt. Das liegt nicht nur daran, dass die neuen Sauber-Investoren aus Schweden kommen. „Er ist ein harter Arbeiter. Er hat einmal mehr über den Winter viel investiert. Er hat Gewicht verloren. Und er ist aktuell extrem konzentriert“, lobt Zehnder seinen Schützling.

In Bahrain zeigte der 27-jährige das ganze Wochenende eine fehlerfreie Leistung. Vor allem zu Beginn des Rennens schaffte es der Mann aus Kumla trotz Spritsparen und Reifenschonen eine gute Pace auf den Asphalt zu legen. Ericsson hielt die Pirelli-Gummis clever auf Temperatur. Dank verbessertem Equipment und intensiverem Training verlor Sauber im Gegensatz zu früher auch beim Boxenstopp zur Rennmitte (Runde 23) nichts an Boden.

Ericsson verstrickt sich nicht im Duelle

So begann der Traum von Punkten schon vor dem Ausfall von Kimi Räikkönen konkreter zu werden. „Wir wussten, dass wir Hülkenberg und Alonso nicht halten können. Deshalb haben wir Marcus angewiesen, dass er sich nicht wehren soll. Auch bei Vandoorne, der erst kurz vor Schluss vorbei ist, haben wir ihm gesagt, dass er nichts riskieren soll. Der neunte Platz ist immer noch besser als ein verlorener achter Platz“, berichtet Zehnder von der Kommunikation über Funk.

Leclerc hatte weniger Glück. Schon früh beraubte sich der monegassische Rookie aller Chancen. Ein Bremsplatten aus der Startrunde führte zu starken Vibrationen. „In der VSC-Phase haben wir ihn reingeholt. Er konnte dann sehr schnelle Rundenzeiten fahren, aber mit einem Boxenstopp in der dritten Runde ist natürlich nicht mehr viel drin. Er hat gut gekämpft und ist immerhin vor beiden Williams ins Ziel gekommen“, lobte Zehnder den Zwölftplatzierten.

Sauber-Wende braucht noch Zeit

Alfa Romeo Sauber C37 - F1-Auto 2018 Neuer Alfa Romeo Sauber C37 Sauber zeigt Auto mit Nasenlöchern

Auch wenn noch nicht alles immer reibungslos klappt, ist bei Sauber ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Der Schweizer Traditionsrennstall schwimmt finanziell wieder in ruhigem Fahrwasser. Langsam berappelt sich auch die Technikabteilung wieder. Laut Zehnder wird man die negativen Folgen der Krise aber wohl noch etwas länger spüren. Das Urgestein im Team bittet um etwas Geduld.

„Wir haben in der Zeit von 2014 bis Mitte 2016 viel Know-how verloren, weil wir nichts entwickelt haben bzw. nichts umsetzen konnten. Die Ingenieure hatten zwar Ideen, die im Computer gut ausgesehen haben, doch die konnten wir aus Geldmangel noch nicht einmal im Windkanal ausprobieren.“

Sauber verlor viel Personal, das nun erst mühsam wieder rekrutiert werden muss. „Wir bauen das Team immer noch auf. Wir wollen auf über 400 Mitarbeiter gehen. Es kommen monatlich Leute dazu“, verrät Zehnder. Technik-Direktor Jörg Zander muss seine Mannschaft nun zu einer schlagkräftigen Truppe formen. „Das wird noch dauern. Es wird nicht so sein, dass wir dieses Jahr plötzlich vorne im Mittelfeld herumfahren. Unser Anspruch ist es, jetzt die Lücke zum Rest zu schließen. Nächstes Jahr soll es dann richtig nach vorne gehen.“

Mit dem aktuellen Sauber C37 befinde man sich laut Zehnder noch in der Lernphase. „Wir haben sehr viel verändert im Vergleich zum letzten Jahr. Alleine in der Setup-Arbeit und dem richtigen Umgang mit den Reifen steckt noch viel Potenzial. Wir wissen nicht genau warum, aber tendenziell geht unser Auto mit mehr Benzin an Bord besser als im Qualifying. Insgesamt fehlt es uns vor allem noch an Antrieb. Wir sind aber viel näher dran am Mittelfeld als letztes Jahr. Drei, vier Zehntel schneller und wir wären mitten im Pulk mit Force India und auch McLaren. Da wollen wir hin und da arbeiten wir hart dran.“

Neuester Kommentar

Tja, so schnell dreht sich der Wind. Jetzt ist Team Sauber wieder da wo es schon immer war, am Ende des Feldes! Ericsson ist mit Abstand der unfairste Fahrer, und Leclerc verschwendet in diesem Looser Team sein Talent.

alexpower 17. April 2018, 10:57 Uhr
Neues Heft
Top Aktuell Fernando Alonso - McLaren - GP Italien 2018 - Monza Was macht Alonso? Entscheidung im Oktober
Beliebte Artikel Sebastian Vettel - Formel 1 - GP Bahrain 2018 Taktikcheck GP Bahrain Die langsamere Taktik gewann Charles Leclerc Porträt von Charles Leclerc So tickt Saubers neue Hoffnung
Anzeige
WhatsApp Newsletter
WhatsApp Newsletter
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Sportwagen Erlkönig Chevrolet Corvette C8 Chevrolet Corvette C8 Zora Mittelmotor-Sportler im Vergleich zum C7-Vorgänger VLN 7 - Nürburgring - 22. September 2018 VLN, 7. Lauf 2018 Black Falcon siegt vor Frikadelli
Allrad Kia Niro EV Elektro-SUV Kia e-Niro (2019) Elektro-SUV mit 485 km Reichweite Seat Tarraco, SUV, Offroad, Allrad, 7-sitzer Seat Tarraco (2019) Lesen Sie hier alles zum neuen Seat-SUV
Oldtimer & Youngtimer 50 Jahre Opel GT Hockenheimring 50 Jahre Opel GT Grand Tour mit Röhrl und 75 GT VW Käfer 1302 LS Cabriolet, Frontansicht Top 10 Ranking H-Kennzeichen Die Oldtimer-Charts 2018