Esteban Ocon 2019 ohne F1-Cockpit?

"Chancen werden immer weniger“

Esteban Ocon - Lance Stroll - Formel 1 - 2018 Foto: sutton-images.com 14 Bilder

Lange hat Esteban Ocon versucht, den Gedanken zu verscheuchen. Doch jetzt realisiert der Franzose langsam, dass er 2019 möglicherweise ohne Cockpit dasteht. Und er rechnet mit einem System ab, das hochtalentierte Fahrer wie ihn im Regen stehen lässt.

Man mag es kaum glauben. Esteban Ocon gilt als eines der größten Talente der Formel 1. Ein Fahrer, der im richtigen Auto um GP-Siege und vielleicht einmal um WM-Titel fahren kann. Der Force India-Pilot schloss die Saison 2017 mit 87 Punkten auf dem 8.Platz ab. Aktuell liegt er mit 45 Zählern auf Rang 10. Ocon ist Mitglied des Mercedes-Fahrerkaders und für die Saison 2020 im Werksteam eine mögliche Alternative zu Valtteri Bottas. Doch für 2019 ist der bald 22-jährige Franzose momentan ohne Job.

Ocon ist der Ärger darüber ins Gesicht geschrieben. In Singapur spricht er zum ersten Mal ganz offen über die Situation, in der er momentan steckt. „Wenn ich wüsste, wo ich nächstes Jahr fahre, würde ich es sagen. Es gibt noch Hoffnung, aber die wird weniger und weniger.“

Im Augenblick ist Williams der letzte Zufluchtsort. Toro Rosso hätte noch ein freies Cockpit, doch da kommt ein Fahrer mit dem Mercedes-Stempel auf der Brust nicht einmal in die weitere Auswahl. Sauber vergab seinen freien Platz lieber an Kimi Räikkönen. Ein Mercedes-Schützling in einem Ferrari-Team: Das wäre auch bei gutem Willen nicht gut gegangen. Das gleiche Problem hätte HaasF1 mit Ocon.

Vom Renault-Vertrag ins Nichts

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Die Rolle der Politik und die Aufteilung der Cockpits nach Interessen von Sponsoren und milliardenschweren Mäzenen lässt Ocon am System der Formel 1 zweifeln. „Eigentlich sollten nur die Resultate und deine Arbeit zählen. Alles andere dürfte keine Rolle spielen.“ Über seine Arbeit, so Ocon, könne sich keiner beschweren: „Ich hatte eine gute erste Saison bei Force India und habe mich in diesem Jahr noch gesteigert. Das Trainingsduell gegen Perez steht 11 zu 3 für mich, und ich fahre regelmäßig in die Punkte. Was soll ich noch mehr zeigen?“

Besonders ärgerlich ist, dass Ocon vor zwei Monaten schon einen halben Renault-Verrtrag in der Tasche hatte. Doch diese Option zerplatzte in dem Moment, in dem sich Renault überraschend für Daniel Ricciardo entschied. „Vor zwei Monaten stand mir noch alles offen, und jetzt stehe ich mit leeren Händen da. Es gibt nichts, was ich mir vorwerfen könnte. Gleichzeitig sitzen meine früheren Kart-Kumpels Max Verstappen und Charles Leclerc in Top-Autos. Das macht die ganze Sache umso ärgerlicher.“

Rückendeckung von Perez

Noch hat Ocon die Hoffnung, dass Mercedes-Teamchef Toto Wolff einen Platz für ihn findet, nicht aufgegeben. Vielleicht bei Williams. „Meine letzte Option.“ Wenn gar nichts geht, spielt Ocon zur Not auch den Reservefahrer. „Ich will auf jeden Fall in der Formel 1 bleiben. Sie ist mein Leben. Darauf habe ich hingearbeitet, seit ich Kart fahre.“ Dann macht sich der lange Franzose Mut: „Ich hatte in meiner Karriere schon mehrere harte Momente, und habe sie alle irgendwie gemeistert. Das wird mir auch diesmal helfen.“

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Auch Teamkollege Sergio Perez kann mitfühlen: „Wenn Esteban kein Cockpit bekommen würde, wäre das extrem schade. Er ist ein großes Talent und verdient einen Platz in der Formel 1. Es ist ein hartes Geschäft, und es passiert nicht zum ersten Mal. Hülkenberg hatte ein großartiges erstes Jahr bei Williams und saß plötzlich ohne Cockpit da.“

„Alles kommt auf das Timing an. Siehe Leclerc. Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich war einmal ein Fahrer der Ferrari-Akademie. Dann kam das McLaren-Angebot, und ich flog aus der Ferrari-Förderung. Ich habe alle Hoffnungen in McLaren gesetzt. Doch mein Jahr in Woking war ein Rückschritt. Ich hatte großes Glück, dass ich trotzdem wieder Tritt gefasst habe in der Formel 1.“

Die Plätze bei Force India sind für 2019 bereits vergeben. Der neue Besitzer Lawrence Stroll wird seinen Sohn im Team unterbringen, und Perez wird dafür belohnt, dass er die Insolvenz mit seiner Forderung auf noch ausstehendes Gehalt ausgelöst hat. Es war der einzige Weg das Team zu retten. Gerüchte sagen, dass ab dem GP Russland schon Lance Stroll im zweiten Force India sitzt. Ocon winkt ab: „Ich habe einen Vertrag bis zum Saisonende und werde den auch erfüllen.“

Neuester Kommentar

Würde ich so nicht sagen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Force India nächstes Jahr deutlich lieber Ocon im zweiten Auto sitzen hätte als Stroll. Wenn aber der neue Besitzer zufällig dessen Vater ist, kann Ocon so gut fahren wie er will und wird das Cockpit nicht bekommen.
Ähnliches gillt für Toro Rosso. Die würden ihn wahrscheinlich sofort für Hartley ins Auto stecken wenn Ocon nicht zum Mercedes Juniorkader gehören würde.
Politik ist auch in der Formel 1 ein wichtiges Werkzeug.
Ob Ocon herausragend ist, will ich nicht beurteilen, ich halte ihn für einen talentierten Fahrer mit dem Potential sehr gut zu werden, wenn er das richtige Auto bekommt.
Auf jedenfall besser als Hartley oder Stroll, für den er ja platz machen muss, und den du in demfall ja als besser als Ocon einstufst weil ja sonst Ocon den Platz behalten hätte oder was ;)

Shibata 14. September 2018, 11:48 Uhr
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