EU-Kommission prüft Formel 1

Besuch bei Force India

Force India - Basis - Silverstone Foto: Force India

Die Politik interessiert sich für die Formel 1-Verträge. Geht es jetzt der Geldverteilung an den Kragen? Und damit auch dem Abkommen zwischen FIA, FOM und den Teams? Dazu braucht es eine formale Beschwerde eines Teams. Wie zu hören ist, steht das kurz bevor.

Bis jetzt war es nur ein Papiertiger. Die englische Labour-Abgeordnete Anneliese Dodds wies die Wettbewerbsbeauftragte der EU Margrethe Vestager schriftlich auf mögliche Missstände in der Formel 1 hin. Ausgelöst durch die Insolvenzanträge von Marussia und Caterham Ende letzten Jahres. Dodds sah einen Zusammenhang zwischen der ungerechten Geldverteilung und der finanziellen Not einiger Teams. Und sie warnte, dass daraus ein Verlust von vielen Arbeitsplätzen im Südosten von England resultieren könnte.

In der Zwischenzeit versorgten Force India, Sauber und Lotus die englische Politikerin mit ausreichend Informationen über die ungleiche Ausschüttung der Einnahmen durch die Rechteinhaber und über den Regelfindungsprozess, der wiederum den großen Teams Vorteile verschafft. Sie können im Rahmen der Strategiegruppe Themen abwürgen, die gegen ihre eigenen Interessen gehen. Sie kommen dann gar nicht erst zur Abstimmung.

Die jüngste Sitzung des Gremiums offenbarte, wie abgeschnitten die nicht in der Strategiegruppe vertretenen Teams sind. Sauber mahnte 4 Tage nach der Sitzung das Protokoll der Verhandlungen an. Laut Vertrag steht ihnen das zu. Für die Strategiegruppe besteht eine unmittelbare Informationspflicht.

EU-Beschwerde noch in diesem Monat

Das Interesse der EU-Kommission an den Vorgängen in der Formel 1 sorgt bei den Drahtziehern für Unbehagen. Würde die Kommission Verletzungen des Wettbewerbsrechts feststellen, wären alle Verträge bis 2020 null und nichtig und müssten dementsprechend geändert werden. Um der von den kleinen Teams angezettelten Revolte mehr Druck zu verleihen, besuchte Anneliese Dodds am 10. Juli die Fabrik von Force India. Um sich ein Bild von dem zu machen, was ihrer Meinung nach auf dem Spiel steht.

Sie begründete die Dringlichkeit damit, dass Lotus in Kürze eine Zwangsvollstreckung durch einen der Gläubiger bevorstehe. Nach ihrem Besuch erklärte die Labour-Abgeordnete: "Ich habe Sorge, dass die augenblickliche Situation in der Formel 1 noch mehr Teams in Schwierigkeiten bringt. Dabei stehen jedes Mal Arbeitsplätze auf dem Spiel. Der Besuch bei Force India hat mir gezeigt, welche Rolle die Formel 1 bei der Schaffung von hochqualifizierten Arbeitsplätzen spielen kann."

Dodds stellte jedoch auch klar, dass der entscheidende Anstoß von den Teams selbst kommen muss. "Ich habe das Thema mehrmals in Brüssel angesprochen um herauszufinden, ob hier ein Fall von Wettbewerbsverzerrung vorliegt. Die verantwortliche Kommissarin hat zu verstehen gegeben, dass sie nichts tun kann, solange die Teams nicht selbst eine formale Beschwere einreichen. Wenn die Teams das Gefühl haben, dass etwas getan werden muss, dann sollen sie es tun." Nach Informationen von auto motor und sport, soll die Beschwerde noch in diesem Monat in Brüssel eingehen.

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