Fernando Alonso - GP Australien 2017 xpb
Sebastian Vettel - GP Australien 2017
Daniel Ricciardo - GP Australien 2017
Esteban Ocon - GP Australien 2017
Gruppenfoto - GP Australien 2017 65 Bilder

Wie gut ist die neue Formel 1?

5 statt 37 Überholmanöver

Die Formel 1 hat uns die schnellsten und spektakulärsten Autos aller Zeiten versprochen. Doch hat auch der Sport etwas davon? Wir haben Melbourne 2016 mit Melbourne 2017 verglichen.

Selten wurde eine Formel 1-Saison mit so viel Spannung erwartet. Man hat uns das größte Wagenrennen seit Ben Hur versprochen. Mit den schnellsten und geilsten Formel 1-Autos aller Zeiten. Autos, die die Fahrer wieder ans Limit treiben und die Spreu vom Weizen trennen. Es wurde gut getrommelt. 297.000 Zuschauer wollten den Saisonauftakt in Melbourne sehen. Im letzten Jahr waren es nur 227.000 an drei Tagen.

Doch hat die neue Ära die Vorschusslorbeeren auch eingelöst? Nach dem ersten Rennen des Jahres sind wir schlauer. Der Zeitgewinn zu 2016 fiel überraschend gering aus. 1,649 Sekunden im Training, 2,459 Sekunden in der schnellsten Rennrunde. Immerhin: Nie fuhr ein Mensch schneller im Albert Park als Lewis Hamilton. Er unterbot den absoluten Trainingsrekord von Sebastian Vettel aus dem Jahr 2011 um 1,341 Sekunden.

In der Schikane um 23 km/h schneller

Es lag wohl am Streckenlayout, dass die Autos nicht 4 bis 5 Sekunden schneller waren als im Vorjahr. So hatten es optimistische Schätzungen prophezeit. Melbourne ist viel Stop-and-Go. Beim genaueren Hinschauen entdecken wir weitere Anomalien. Die Autos sollten mit 10 Prozent mehr Luftwiderstand auf der Geraden eigentlich langsamer werden. Doch im Training verfehlte Lance Stroll den Vorjahreswert von 330,3 km/h nur um 1,7 km/h. Im Rennen übertrumpfte Daniil Kvyat mit 320,8 km/h den besten Top-Speed von 2016 sogar um 5,2 km/h.

Marcus Ericsson - Sauber - GP Australien - Melbourne - 25. März 2017
Wilhelm
Am meisten gewinnen die neuen Autos in schnellen Kurven.

Sauber erlaubte uns einen Blick auf die Kurvengeschwindigkeiten in einer schnellen Trainingsrunde von 2016 und 2017. In den langsamen Kurven ist der Speedgewinn moderat: von 138 auf 145 km/h in Turn 1, von 87 auf 92 km/h in Turn 3, von 143 auf 147 km/h in Turn 4, von 110 auf 116 km/h in Turn 9, von 131 auf 135 km/h in Turn 13 und von 83 auf 85 km/h in Turn 15.

In den schnellen Ecken fällt der Zuwachs größer aus. Von 165 auf 183 km/h in Turn 2, von 183 auf 199 km/h in Turn 14, von 155 auf 164 km/h in der Zielkurve. Besonders krass ist der Vergleich in der schnellen Schikane am Ende der Gegengerade. Eingangs in Turn 11 klettert die Geschwindigkeit von 217 auf 226 km/h, ausgangs in Turn 12 von 209 auf 232 km/h. Hier machen sich rund 25 Prozent mehr Abtrieb bemerkbar.

An der Spitze ist der Abstand geschrumpft

Auch andere Parameter ändern sich mit den breiteren Autos. Der Benzinverbrauch auf eine Runde stieg von 2,32 auf 2,45 Liter. Die Sauber-Piloten mussten in einer Runde sechs Mal häufiger schalten als 2016. Gesamtzahl der Gangwechsel: 46. Der Volllastanteil stieg auf dem 5.303 Kilometer langen Kurs von 67 auf 75 Prozent. Das längste Vollgasstück wuchs von 635 auf 710 Meter. Warum? Die Fahrer stehen früher auf dem Gas und steigen später auf die Bremse.

Doch macht das alles auch bessere Rennen? Ein Ziel des Neubeginns war es die Vormachtstellung von Mercedes zu brechen. Das ist für den Anfang gelungen. Mercedes hat mit Ferrari wieder einen Gegner. Und Red Bull könnte in fünf oder sechs Rennen dazu stoßen. Es stärkt die Aufmerksamkeit, wenn nicht nur immer der Gleiche gewinnt. Das ist eine positive Erkenntnis des Saisonstarts.

Der Abstand an der Spitze ist geschrumpft. Ferrari fehlte im Training auf Mercedes 0,268 Sekunden. Im letzten Jahr waren es 0,838 Sekunden. Dafür fällt das Mittelfeld deutlicher ab. Die Differenz des viertbesten Teams zur Spitze beträgt 1,886 statt 1,597 Sekunden. Das hintere Ende des Mittelfelds rückte dagegen näher an Mercedes heran: 3,380 statt 3,598 Sekunden. Der Beweis dafür, dass es zwischen Williams, HaasF1, Force India, Toro Rosso und Renault enger zugeht als vor einem Jahr. Dem Schlusslicht auf Platz 20 fehlten 6,056 Sekunden auf die Pole Position. 2016 waren es 5,768 Sekunden zwischen Startplatz 1 und 20.

Sergio Perez - GP Australien 2017
xpb
Perez gegen Sainz - eines der wenigen Überholmanöver in Melbourne.

Nur 20 statt 45 Boxenstopps

Das Rennen war schön übersichtlich. Es gab nur 20 statt 45 Boxenstopps. Lediglich 4 Fahrer kamen zwei Mal an die Box. Drei davon gezwungenermaßen. Wie befürchtet ist das Überholen deutlich schwieriger geworden. Es wurden nur 5 statt Überholmanöver gezählt. Im Vorjahr waren es 37. Wir können uns an die einzelnen Positionswechsel sogar erinnern. Stroll gegen Ericsson in Runde 9. Perez gegen Sainz in Runde 18. Kvyat gegen Sainz in Runde 41. Ocon und Hülkenberg gegen Alonso in Runde 51. Da war der McLaren-Pilot aber schon ziemlich wehrlos.

Melbourne ist wegen seiner kurzen Geraden und DRS-Zonen sicher keine ideale Überholstrecke, doch der Trend ist an die Wand geschrieben. Die Rennen entscheiden sich beim Start und bei den meisten Rennen bei dem einzigen Boxenstopp. Will die FIA das ändern, muss sie die DRS-Zonen verlängern. Schon in China will man die Situation analysieren.

Die Fahrer können wieder voll attackieren. Auch im Rennen. Trotzdem zeigte kein Pilot Anzeichen einer Erschöpfung. Heute sitzen Athleten im Cockpit. Die sind einfach zu gut trainiert. Die neuen Autos sollten schwerer zu fahren sein und mehr Fehler provozieren. Es gab trotzdem nicht mehr Unfälle als sonst. Jolyon Palmer, Lance Stroll, Marcus Ericsson und Daniel Ricciardo legten sich im Training ab.

Im Rennen kam es nur in der Startrunde zu einer Kollision: Kevin Magnussen gegen Marcus Ericsson. Die Sportkommissare wollten beim Duell der Nordmänner nicht eingreifen. Sie werteten die Schuldfrage 60:40 für Magnussen. Zu wenig für eine Strafe. Beim Start kam es auch nicht zu mehr Verschiebungen als in der abgelaufenen Saison. Die ersten 5 Fahrer hielten ihre Position. Der größte Gewinner war Stroll, der größte Verlierer Ericsson.

Was halten Sie von der neuen Formel 1? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Umfrage

Ist die Formel 1 2017 besser oder schlechter als früher?
0 Mal abgestimmt
Besser! Die schöneren Autos machen den Nachteil der mangelnden Rennaction wett. Und künstliche Überholmanöver und Reifenwechsel-Orgien will sowieso keiner sehen.
Schlechter! Was nützen schöne Autos, wenn man nicht mehr überholen kann und die Reifen ewig halten?
Das lässt sich nach einem Rennen noch nicht sagen. Melbourne ist eine spezielle Strecke.
Motorsport Aktuell Sebastian Vettel - GP Australien 2017 Rennanalyse GP Australien 2017 So zwang Ferrari Mercedes in die Knie

Der Ferrari-Sieg in Melbourne war kein Zufallstreffer.

Mehr zum Thema GP Australien (Formel 1)
Formel Schmidt
Aktuell
Kimi Räikkönen - GP Australien 2019
Aktuell
Charles Leclerc - GP Australien 2019
Aktuell