F1 Aerodynamik 2008

Von Finnen und Geweihen

Foto: Renault 16 Bilder

Das Formel 1-Reglement ist für alle Teams gleich. Trotzdem waren schon bei den ersten Tests viele eigenwillige Aerodynamik-Lösungen zu beobachten. Wir stellen noch einmal die interessantesten Design-Elemente vor.

Wer gedacht hat, dass sich die Formel 1-Boliden nach unzähligen Stunden in Windkanälen und Simulatoren mit der Zeit angleichen müssten, der sieht sich schon zu Beginn der Saison 2008 eines Besseren belehrt. Überall sprießen Luftleitbleche und Flügelelemente wie Geschwüre aus den Karosserien. Kaum ein Zentimeter an den Rennboliden bleibt ungenutzt, um entweder Abtrieb zu generieren oder den Luftstrom in die richtigen Bahnen zu lenken.

BMW-Sauber zeigt Front-Geweih

Das innovativste Auto 2008 ist dem Entwicklungszentrum im schweizerischen Hinwill entsprungen. Der BMW F1.08 trat zu den Testfahrten in Barcelona überraschend mit einer "Doppel-Horn"-Konstruktion auf. Zusätzlich zu den Flügeln an den Seiten der Airbox wucherte auch aus der Nase ein wellenförmiges Luftleitelement, an dessen Kanten zwei Stummelflügel wachsen.

BMW fuhr bei den Tests mal mit und mal ohne den Geweih-Aufsatz an der Front. Bei welchen Rennen diese eigenwillige Lösung zum Einsatz kommt, ist noch nicht bekannt. Die ersten Runden mit dem F1.08 waren allerdings noch nicht zufriedenstellend. Die Piloten klagten über ein unberechenbares Fahrverhalten und abwechselndem Unter- und Übersteuern.

Toyota mit "Ganz-weit-außen-Spiegel"

Beim neuen Toyota TF108 fällt vor allem die Position der Außenspiegel ins Auge. Sie sind ganz außen in den Luftleitblechen vor den seitlichen Lufteinlässen integriert. Bei den anderen Teams sind die Spiegel entweder direkt an der Cockpitwand (z.B. BMW) oder auf den Seitenkästen (Ferrari) montiert. Eine ähnliche Lösung wie bei Toyota präsentierte Renault bereits bei Tests im Vorjahr. Bei den Franzosen setzte sich das Design allerdings nicht durch. Hier sind die Spiegel konventionell an der Außenseite des Cockpits befestigt.

Dafür hat Renault an anderen Stellen Interessantes zu bieten. Von vorne betrachtet springt sofort der radikale Doppeldecker-Fronflügel ins Auge. An der Mitte des unteren Teils ist ein zusätzliches wannenförmiges Flügelelement montiert, das dicht über der Straße schwebt. Außerdem sind die Seitenkästen des R28 im Vergleich zur Konkurrenz ungewöhnlich klein ausgefallen.

Red Bull mit Airbox-Verlängerung

Auch Red Bull-Designer Adrian Newey war wieder einmal für eine sehr individuelle Aerodynamik-Lösung gut. Bei den letzten Tests gingen die Boliden von Mark Webber und David Coulthard mit einem radikalen Design der Motorabdeckung auf die Strecke. Ein lange Finne zieht sich dabei von der Airbox bis kurz vor den Heckflügel. Die Haifisch-Flosse soll den Luftstrom stabilisieren.

Der neue MP4-23 zeigt vor allem im Detail individuelle Lösungen. Über dem Helm des Piloten sitzt eine sehr weit nach hinten gezogene schnorchelförmige Airbox. Auch an den seitlichen Lufteinlässen hat sich das McLaren-Designteam etwas einfallen lassen. Vor dem Seitenkasten ist ein Zusatzflügel angebracht, der in einer Schleife quer zum Kühleinlass bis hinunter zur Bodenplatte reicht. Damit wird die Luft optimal über die Motorenabdeckung dirigiert.

Kopiergefahr ist groß

Wie gut die nun präsentierten Lösungen funktionieren, wird sich noch herausstellen. Die Wirksamkeit erkennt man meist daran, wie schnell sie von anderen Teams kopiert werden. So haben z.B. die 2007 von Ferrari entwickelten Felgenabdeckungen in diesem Jahr bereits einige Nachahmer gefunden. Unter anderem haben BMW, Toyota, Renault und auch McLaren die Radverkleidungen schon getestet.

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