Alpine - Formel 1 - GP Spanien 2021 xpb
Mercedes - Unterboden - F1-Test - Bahrain - 2021
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Red Bull - Unterboden - F1-Test - Bahrain - 2021 25 Bilder

Analyse der Aero-Regeln: Autos 3 Zehntel langsamer

Analyse der neuen Aero-Regeln Drei Zehntel langsamer pro Kilometer

Die Aerodynamik-Beschränkungen der FIA zeigen Wirkung. Auch die neuen Pirelli-Reifen spielen eine Rolle. Nach vier Rennen zeigt sich, dass die 2021er Autos im Schnitt drei Zehntel pro Kilometer auf ihre Vorgänger verlieren.

Das wird wohl nichts mit neuen Rekorden in diesem Jahr. Jedenfalls nicht in der ersten Saisonhälfte. Zum ersten Mal seit 2017 ist die Formel 1 wieder langsamer geworden. Die Maßnahmen der FIA die Autos einzubremsen um die Pirelli-Reifen vor Überlastung zu schützen, zeigen Wirkung. Die Autos sind auf der Qualifikationsrunde im Schnitt pro Kilometer drei Zehntel langsamer als im Vorjahr. In der schnellsten Rennrunde fällt das Delta etwas geringer aus.

Die Länge der Rennstrecke und ein bisschen auch die Bedingungen bestimmen den absoluten Wert. In Bahrain fehlte auf die Pole Position zum Vorjahr 1,733 Sekunden. Macht pro Kilometer 0,320 Sekunden. In Imola kamen die 2021er Autos der Quali-Bestzeit von 2020 am nächsten. Lewis Hamilton war nur um 0,802 Minuten langsamer als Valtteri Bottas sechs Monate zuvor. Auf den Kilometer umgerechnet bedeutete das eine Differenz von lediglich 0,164 Sekunden.

Portimao war dann schon eher wieder der Normalfall. 1,696 Sekunden pro Runde, 0,364 Sekunden pro Kilometer. Der ultimative Test von Barcelona fügte sich in das Bild. Hamilton verfehlte seine Bestzeit von 2020 um 1,157 Sekunden, woraus sich auf den Kilometer ein Defizit von 0,247 Sekunden errechnet. Der Circuit de Catalunya war in diesem Jahr allerdings 20 Meter länger, doch die neue Linie durch Kurve 10 war auch um 35 km/h schneller. Das kann ein Zehntel zugunsten der aktuellen Variante gebracht haben.

Mercedes - Technik-Details - Formel 1 - 2021
xpb/Motorsport Images
Der Einschnitt am Unterboden hat wohl am meisten Zeit gekostet.

Drei Faktoren für verlorene Zeit

Für den Ausreißer in Imola gibt es nur eine Erklärung. Imola war im Herbst letzten Jahres für alle Neuland. Vor der Qualifikation fand nur ein freies Training statt. Diesmal konnten sich Fahrer und Ingenieure vor der Qualifikation über drei Stunden auf die Eigenheiten der Strecke einschießen und das Setup der Autos entsprechend feintunen.

Bei Barcelona muss man erwähnen, dass der GP Spanien 2020 schon früh im Jahr stattfand und die Autos im Gegensatz zu den späten Rennen Portimao, Imola und Bahrain noch nicht auf dem letzten Entwicklungsstand waren.

Die verlorene Zeit ist auf drei Faktoren zurückzuführen, die schwer voneinander zu trennen sind. Da sind einmal die neuen Pirelli-Reifen mit ihrer stabileren Konstruktion Ursprünglich gingen die Teams von einer Sekunde Zeitverlust aus. Das ist wahrscheinlich übertrieben.

Pirelli erlaubt um 1,5 bis zwei PSI geringere Reifendrücke. Die dadurch vergrößerte Auflagefläche kompensiert einen Teil des Defizits wieder. Da der Vorderreifen eine andere Form bekam hat er aber auch Einfluss auf die Aerodynamik. Und die ist noch aus anderen Gründen gestört.

Lance Stroll - Formel 1 - GP Spanien 2021
Aston Martin
Wie viel vom Zeitverlust auf die neuen Pirelli-Reifen zurückgeht, lässt sich schwer sagen.

Abtriebsverlust noch nicht wettgemacht

Der größte Zeitvernichter ist der angeschrägte Boden vor den Hinterrädern. Aerodynamische Fläche ist durch nichts zu ersetzen. Und der Einschnitt verändert die Strömung um die Hinterräder und macht den Diffusor verwundbarer gegen die Turbulenzen, die von den Hinterreifen produziert werden. Diese haben einen großen Einfluss auf die Strömung zum Diffusor.

Mit der Kürzung der Finnen an den hinteren Bremsbelüftungen und der vertikalen Bleche im Diffusor machten die Regelhüter den Ingenieuren das Leben zusätzlich schwer. Sie halfen mit, die Strömung in geordnete Bahnen zu lenken.

Über den Winter sind die Autos noch einmal um sechs Kilogramm schwerer geworden. Das ist einfache Physik. Macht zwei Zehntel. Dafür haben die Motoren an Leistung zugelegt. Das eine könnte das andere aufwiegen.

Max Verstappen - Red Bull - GP Spanien - Barcelona - Formel 1 - Samstag - 8.05.2021
xpb
Die Top-Teams begeben sich am Ende des Rennens immer auf die Jagd nach der schnellsten Runde. Das verfälscht das Bild etwas.

Mehr Aufwand für den Extra-Punkt

In der Theorie sollten die Einschnitte in der Aerodynamik zehn Prozent Abtrieb kosten. Laut Pirelli haben die Ingenieure aber schon wieder vier bis sechs Prozent davon zurückgewonnen. McLaren-Technikchef James Key bezifferte den Zeitverlust der ersten Version auf rund eine Sekunde. Da ist man schon lange wieder weg. Und doch scheint es nicht so einfach zu sein, die verlorene Zeit aufzuholen. Die Autos werden nur in Trippelschritten schneller.

Das kann viele Gründe haben. Entweder waren die Maßnahmen doch so gravierend, dass die Ingenieure in ihren Korrekturmöglichkeiten eingeschränkt sind. Oder die Teams haben nicht mehr die Zeit, normale Entwicklungsarbeit zu betreiben.

Es ist bis jetzt zwar nur Haas voll auf 2022 abgefahren, aber alle anderen haben schon Arbeitsgruppen abgezweigt, die voll am 2022er Auto arbeiten. Und die fehlen in Zeit der Budgetdeckelung und begrenzter Windkanalzeiten am 2021er Modell.

Im Vergleich der schnellsten Rennrunden fallen die Unterschiede übrigens geringer aus. Wenn man Imola mal ausnimmt, doch da hat der Regen am Sonntag nicht vergleichbare Bedingungen geschaffen. In Portimao lag die schnellste Rennrunde dieses Jahr 1,115 Sekunden über Vorjahr, in Bahrain nur 0,076 Sekunden. Und Barcelona war um die Winzigkeit von 0,034 Sekunden schneller. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Dieses Jahr investieren die beiden WM-Gegner viel mehr Aufwand in den Extra-Punkt. Das sorgt für schnellere Runden.

F1 Zeitenvergleich 2020 vs. 2021

Pole Position 2020 2021 Differenz Differenz pro km
Bahrain 1.27,264 min 1.28,997 min 1,733 s 0,320 s
Imola 1.13,609 min 1.14,411 min 0,802 s 0,164 s
Portugal 1.16,652 min 1.18,348 min 1,696 s 0,364 s
Spanien 1.15,584 min 1.16,741 min 1,157 s 0,247 s
         
Schnellste Rd. 2020 2021 Differenz Differenz pro km
Bahrain 1.32,014 min 1.32,090 min 0,076 s 0,014 s
Imola 1.15,484 min 1.18,702 min 3,218 s 0,655 s
Portugal 1.18,183 min 1.19,865 min 1,115 s 0,239 s
Spanien 1.18,183 min 1.18,149 min -0,034 - 0,007 s
Pole Position 2020 2021 Differenz Differenz pro km
Bahrain 1.27,264 min 1.28,997 min 1,733 s 0,320 s
Imola 1.13,609 min 1.14,411 min 0,802 s 0,164 s
Portugal 1.16,652 min 1.18,348 min 1,696 s 0,364 s
Spanien 1.15,584 min 1.16,741 min 1,157 s 0,247 s
         
Schnellste Rd. 2020 2021 Differenz Differenz pro km
Bahrain 1.32,014 min 1.32,090 min 0,076 s 0,014 s
Imola 1.15,484 min 1.18,702 min 3,218 s 0,655 s
Portugal 1.18,183 min 1.19,865 min 1,115 s 0,239 s
Spanien 1.18,183 min 1.18,149 min -0,034 - 0,007 s