Verstappen vs. Hamilton - Formel 1 - GP Frankreich 2021 Motorsport Images
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Verstappen & Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - GP Frankreich 2021 48 Bilder

Rennanalyse GP Frankreich 2021: Verstappen-Erfolg

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GP Frankreich

Red Bull und Mercedes lieferten sich die nächste Taktik-Schlacht. Max Verstappen und Lewis Hamilton das nächste Rad-an-Rad-Duell auf der Strecke. Der WM-Führende entschied es dank der frischeren Reifen für sich. Ferrari schmierte aufgrund von Reifenproblemen ab, McLaren drehte auf.

Red Bull feierte den dritten Saisonsieg von Max Verstappen und den vierten 2021 für das Team. Lewis Hamilton musste einsehen, dass am Rennsonntag von Frankreich der große Rivale die bessere Arbeit ablieferte. Zu Beginn sah es nicht unbedingt nach einem Highlight aus, sondern nach der üblichen Prozedur in Paul Ricard. Das Gegenteil trat ein. In unserer Rennanalyse klären wir die wichtigsten Fragen.

Warum verbockte Mercedes die Strategie?

Das Rennen kannte kein Safety Car, keine VSC-Phase, keine Unfälle oder Ausfälle. Die Protagonisten der Weltmeisterschaft kämpften auf der Strecke, ihre Teams duellierten sich am Kommandostand, ihre Helfer nahmen eine tragende Rolle ein. Sergio Perez verhalf Max Verstappen mitunter zum Sieg, weil er Mercedes das Boxenstoppfenster versperrte. So konnten die Strategen des Weltmeisters nicht die Taktik des GP Spanien anwenden. Genau wie damals hatte Lewis Hamilton nach Rennhalbzeit hinter Max Verstappen gelegen, ihn aber durch einen zweiten Boxenstopp und dadurch den frischeren Reifen kurz vor Rennende noch überholt.

Red Bull spielte seinen zweiten Fahrer. Der Mexikaner blieb auf dem Startreifen länger auf der Bahn, um sicher mit einem Stopp durchzukommen. So hatte er auch ausreichend frische harte Reifen, um sich bei einem möglichen zweiten Mercedes-Stopp zu wehren. "Ohne ihn im Dunstkreis von Mercedes wäre es sehr schwer geworden mit dem Sieg", sagt Red Bulls Sportchef Helmut Marko.

Red Bull - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Red Bull
Red Bull bejubelte den vierten Sieg der Saison. Drei Mal hat Verstappen zugeschlagen, ein Mal Perez.

Mercedes verzichtete wegen Perez darauf, die Strategie von einem auf zwei Reifenwechsel umzustellen. Die Weltmeister hatten Angst, nie mehr am zweiten Red Bull vorbeizukommen. Die Furcht war so groß, dass man den Versuch nicht einmal mit einem Fahrer wagte. Der W12 war am Rennsonntag in Paul Ricard eine Schnecke geradeaus. Bottas und Hamilton schafften trotz DRS und Windschatten auf der Mistral-Gerade nur 321,2 respektive 320,7 km/h. Zum Vergleich: Verstappen erreichte 337 km/h, Perez 336,4 km/h.

Was Mercedes nicht tat, machte Red Bull. Der Herausforderer bestückte den Spitzenreiter in Runde 32 mit dem dritten Reifensatz – der zweiten Medium-Garnitur des Tages. Red Bull wollte unter allen Umständen vermeiden, ein zweites Barcelona zu erleben. Die Taktik ging schlussendlich auf. Verstappen hatte 21 Runden, um 18,160 Sekunden aufzuholen. Er brauchte eine weniger. In der vorletzten Runde war Hamilton in Kurve acht fällig. "Es hat keinen Sinn gemacht, sich groß zu wehren.".

Der alles entscheidende Fehler war Mercedes weit vorher unterlaufen. Das Team zockte, weil Hamiltons Vorsprung groß genug schien, den Boxenstopp um eine Runde rauszuzögern. Gleich nach Bottas zu stoppen, wäre die sichere Variante gewesen. So durfte trotz eines Polsters von 3,1 Sekunden nichts schiefgehen. Es ging aber schief. Hamilton bezahlte mit dem Verlust der Führung, die ihm Verstappen am Start mit einem Fehler geschenkt hatte.

Mercedes fiel taktisch doppelt auf die Nase. Der Undercut mit Bottas gegen Verstappen misslang. Stattdessen flutschte Hamilton der Rivale durch. "Wir dachten, wir haben genug Puffer gegen den Undercut, um Lewis länger draußen zu halten. Das war eine Fehleinschätzung", tadelte Teamchef Toto Wolff. Bottas verpasste, 2,7 Sekunden vor dem Stopp in einen Vorsprung danach umzuwandeln. Hamilton scheiterte, 3,1 Sekunden zu verteidigen. Im Vergleich der Inlaps verlor er 0,6 Sekunden auf Verstappen. In der Boxenstraße mehr als eine halbe Sekunde. In der Beschleunigung drehten ihm am Ausgang für 200 Meter die Reifen durch. Danach wirkte der Champion zu zögerlich. Trotzdem bleibt es ein Mysterium, warum drei Sekunden nicht ausreichten.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Frankreich 2021
xpb
Nadelstiche von Red Bull: Die FIA soll sich den Mercedes-Frontflügel ansehen.

Welchen Auswirkungen hatten die Technischen Direktiven?

Christian Horner stellte genüßlich fest: "Unsere Performance ist nicht abhängig von einem flexiblen Frontflügel oder den Reifendrücken." Die FIA hatte die Daumenschrauben für beides angezogen. Doch das stutzte Red Bull nicht die Flügel. Der RB16B war in den Händen von Verstappen in der Qualifikation schneller. Im Renntrimm war Mercedes mindestens gleichauf. Toto Wolff meinte sogar eine Spur schneller. Das konnte man so sehen, weil Hamilton im ersten Stint eine kleine Lücke aufriss und im zweiten dem Red Bull trotz verwirbelter Luft im Heck klebte. Da nahm er natürlich auch die Reifen hart ran. Der Saft fehlte hinten heraus. "Mit dem Wind fühlten sie sich komfortabler als wir mit unserer Aerodynamik-Konfiguration für weniger Abtrieb", sagte Horner.

Red Bull fuhr zwar mit wenig Flügel, generierte jedoch aufgrund der massiven Anstellung des Hecks viel Abtrieb. "An ihrer Leistung sieht man mal, wie viel", staunt der Mercedes-Teamchef. Deshalb waren die Bullen in den Kurven genauso schnell und pflegten obendrein die Reifen. Mit dem neuen Honda-Motor ist ein Power-Sprung gelungen. "Unser Motorenvorteil ist weg", sagt Wolff. Und Red Bull holt bereits zum nächsten Schlag aus. Man hat die FIA gebeten, den augenscheinlich sehr flexiblen Frontflügel des Rivalen zu untersuchen. "Die schauen sich den Fall an."

Wieso ging Bottas nicht auf die schnellste Runde?

Bottas hätte Verstappen den Extra-Punkt für die schnellste Rennrunde klauen können. Doch Mercedes verzichtete darauf, den Finnen nach dem Verlust der dritten Position gegen Perez mit neuen Reifen auszurüsten. Die Lücke nach hinten zu den McLaren wäre ausreichend gewesen. "Wir haben noch mit einer Strafe gegen Sergio spekuliert", rechtfertigt Bottas.

Der Baku-Sieger hatte den Mercedes in Runde 49 überholt und war dabei in Kurve zehn neben die Strecke geraten. Die Sportkommissare schritten nicht ein. "Das Manöver war schon vorher abgeschlossen", rechtfertigt Perez. "Ich habe Valtteri zur Sicherheit viel Platz gelassen, um eine Kollision ja zu vermeiden, und bin deswegen neben die Piste getragen worden." Mercedes wird sich ärgern. Bottas sah die Zielflagge 5,807 Sekunden hinter dem Red Bull. Selbst eine Fünfsekunden-Strafe hätte also nicht genutzt. Da wäre Bottas lieber auf die schnellste Rennrunde gegangen, um Verstappen einen Zähler abzunehmen.

Ricciardo vs. Leclerc - McLaren & Ferrari - Formel 1 - GP Frankreich 2021
Motorsport Images
McLaren war im Renntrimm klar die dritte Kraft. Ferrari fog mit beiden Autos aus den Punkten.

Warum war McLaren so schnell?

McLaren sammelte von den Start-Positionen acht und zehn 18 WM-Punkte. Ferrari von einer besseren Ausgangslage keinen. Die um zehn Grad gefallenen Asphalttemperaturen gegenüber dem Samstag halfen den Papaya-Rennern. In der Qualifikation waren die McLaren etwas aus der Balance geraten. Hinzu kommt, dass die Explosion auf eine Runde nicht in den Genen des MCL35M steckt.

Dafür aber schont das Auto die Reifen. "Es geht gut mit der Herausforderung von Verschleiß um", erklärt Teamchef Andreas Seidl. Wer so ein Auto hat, kann im Rennen attackieren. Daniel Ricciardo stoppte in Runde 16 früh, um den Undercut gegen Pierre Gasly und Carlos Sainz zu machen. Lando Norris in Runde 24 spät, um die Taktik zu splitten. Der Engländer überrollte auf den harten Reifen den Alpha Tauri sowie die beiden Ferrari und schnappte sich zudem den Teamkollegen. "Auf dem Medium waren wir gut, auf dem harten Reifen bin ich geflogen."

Ricciardo stellte in Frankreich eine weitere Leistungssteigerung fest. Das Niveau des Teamkollegen hat er noch lange nicht, doch das Vertrauen ins Auto steigt. Das Gefühl auf der Bremse wird besser. "Spanien war auf dem Papier besser. In Sachen Konstanz war das mein bestes Wochenende für McLaren."

Ein reifenschonendes Auto hatte auch Aston Martin. Das wundert ein bisschen, weil das in den ersten Rennen nicht unbedingt eine Stärke des AMR21 war. Sebastian Vettel legt sein Veto ein. "Da hingen wir oftmals im Verkehr." In turbulenter Luft rutscht das Auto mehr, was die Reifen stärker belastet. Er und Teamkollege Lance Stroll kletterten mit der Monaco/Baku-Taktik – Start auf harten Reifen – in die Punkte. Vettel legte seinen einzigen Reifenwechsel in Runde 37 ein. Kein Pilot zögerte den ersten Besuch bei seiner Mannschaft länger heraus.

Was war mit Ferrari los?

Ferrari fiel in sich zusammen. Auf einem Asphalt mit wenig Haftung, einer Strecke mit zwei Kurven, die den linken Vorderreifen malträtieren, überfiel die Autos akutes Graining. Das passiert, wenn das Verhältnis aus Temperatur im Reifenkern und -Oberfläche nicht zusammenpasst. Auf der heißen Lauffläche körnt das Gummi.

Haben die hohen Luftdrücke ihren Teil beigetragen? Teamchef Mattia Binotto verneint. "Uns sind nicht die Hinterreifen eingebrochen, sondern die Vorderreifen. Und da blieb der Druck gleich." Stimmt: bei 21 PSi. An der Hinterachse erhöhte Pirelli vor dem Wochenende den Luftdruck von 19,5 auf 21,5 PSi.

Die Fahrer meldeten: "Unser Auto ist nur in einem ganz kleinen Fenster gut zu den Reifen. Das haben wir verfehlt. Egal, ob Medium oder harter Reifen. Nach wenigen Runden hat uns das Graining gekillt." Der Asphalt war für den SF21 nach einem Regenguss am Vormittag zu rutschig. Es fehlte der Grip. "Das darf aber keine Ausrede sein", sagen Carlos Sainz und Charles Leclerc. "Den anderen erging es genau so. Sie haben es besser hinbekommen." Teamchef Mattia Binotto fürchtet. "Um unser Reifenproblem aus der Welt zu schaffen, bräuchten wir neue Hardware. Zum Beispiel andere Felgen. Das ist nicht möglich. Wir müssen deshalb Wege finden, um die Probleme herum zu arbeiten auf den Strecken, die uns wehtun."

GP Frankreich 2021 - Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Max Verstappen Red Bull 1:27:25.770 h
2. Lewis Hamilton Mercedes +2.904s
3. Sergio Perez Red Bull +8.811s
4. Valtteri Bottas Mercedes +14.618s
5. Lando Norris McLaren +64.032s
6. Daniel Ricciardo McLaren +75.857s
7. Pierre Gasly Alpha Tauri +76.596s
8. Fernando Alonso Alpine +77.695s
9. Sebastian Vettel Aston Martin +79.666s
10. Lance Stroll Aston Martin +91.946s
11. Carlos Sainz Ferrari +99.337s
12. George Russell Williams +1 Runde
13. Yuki Tsunoda Alpha Tauri +1 Runde
14. Esteban Ocon Alpine +1 Runde
15. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo +1 Runde
16. Charles Leclerc Ferrari +1 Runde
17. Kimi Räikkönen Alfa Romeo +1 Runde
18. Nicholas Latifi Williams +1 Runde
19. Mick Schumacher Haas +1 Runde
20. Nikita Mazepin Haas +1 Runde
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