Cyril Abiteboul - Renault - GP USA 2019 Wilhelm
Renault RS16 - Formel 1 - 2016
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Angst vor Corona-Fall im Team

Renault-Teamchef mit Sorgen

Die Formel 1 kehrt am Wochenende zurück auf die Rennstrecke.Trotz aller Vorkehrungen kann das Risiko auf Corona-Infektionen nicht auf Null gesenkt werden. Renaults Teamchef Cyril Abiteboul spricht von großen Herausforderungen – und der Sorge vor einem positiven Corona-Fall.

Es war ein langer Weg vom Stillstand bis zur Wiederaufnahme des Rennbetriebs. Mittlerweile sind ihn die FIA und die zehn Formel 1-Teams fast bis ans Ende gegangen. Es sind nur noch ein paar Tage bis zum Saisonstart im österreichischen Spielberg.

Keine Fans, keine Gäste, keine Sponsoren, Corona-Tests, abgespeckte Mannschaften, strenge Hygienevorschriften, Maskenpflicht, Blasenbildung: Die Formel 1 unternimmt alles, um das Risiko von Corona-Infektionen so gering wie möglich zu halten. Jeder trägt seinen Teil zu bei. "Sobald ich das Haus verlasse, ist alles anders. Ich war so lange weg und werde den Teufel tun, jetzt irgendwas aufs Spiel zu setzen", sagt Esteban Ocon, der sein Comeback nach eineinhalb Jahren auf der Ersatzbank gibt.

Renault-Teamkollege Daniel Ricciardo präzisiert: "Ich reise nur mit Maske. Ich reinige alles. Jede Packung wird nach dem Einkauf desinfiziert, bevor ich sie in den Kühlschrank oder das Regal lege." Doch trotz aller Vorkehrungen bleibt ein Restrisiko. "Leider gibt es null Risiko nicht", weiß Ocon. "Doch wir können mit unserem Verhalten so viel Risiko herausnehmen, wie nur irgendwie möglich."

Corona-Tests alle fünf Tage

In Australien im März brachte der positive Befund eines McLaren-Mechanikers die Domino-Steine zu Fall. Die Formel 1 sagte zehn Grands Prix ab oder verschob sie. Vier Monate lang drehte sich praktisch kein Rad.

Die Verantwortlichen beteuern, dass sie ein neuerlicher Corona-Fall dieses Mal nicht zur Aufgabe zwingen soll. Mit dem umfangreichen Schutz- und Hygienekonzept sieht man sich auf der sicheren Seite. Es darf nur ins Fahrerlager, wer einen negativ ausgefallenen Corona-Test vorweisen kann. "Der PCR-Test darf nicht älter als vier Tage sein", sagt Ferrari-Sportdirektor Laurent Mekies. PCR steht auf Deutsch für Polymerasekettenreaktion, mit der Erbgut des Virus nachgewiesen werden kann.

Vor Ort soll dann alle fünf Tage neu getestet werden. Ursprünglich war ein Rhythmus von alle zwei Tage angepeilt gewesen, was mit neuen Erkenntnissen wieder verworfen wurde. "Die Umwelt verändert sich schnell. Wir machen in der Formel 1 deutlich mehr, als von nationalen Regierungen gefordert wäre. Ob alle zwei oder fünf Tage: Das macht nicht den Unterschied", sagt Mekies. "Und sobald jemand Symptome hat, wird er ohnehin getestet."

Esteban Ocon - GP Australien 2020
Motorsport Images
Fahrer, Ingenieure, Mechaniker, Teamführung: Alle müssen die geltenden Corona-Regeln befolgen.

Die richtige Balance finden

Die Teams sind froh, wieder an die Rennstrecke zurückkehren zu können. Erstens, weil sie vom Wettbewerb getrieben sind. Zweitens, weil nur so wieder die großen Gelder der TV-Stationen und Serien-Sponsoren fließen. Deshalb kann und muss man mit den Einschränkungen leben. Auch wenn sie eine große Herausforderung darstellen.

Jedes Team lebt am Grand-Prix-Ort in seiner eigenen Blase. Kontakte zu anderen sind nur dann erlaubt, wenn zwingend erforderlich. Um das Risiko zu verkleinern, bilden die Rennställe innerhalb der eigenen Blase weitere Sub-Blasen, um Zusammentreffen einzuschränken. "Die Einführung von Untergruppen ist herausfordernd", sagt Renaults Teamchef Cyril Abiteboul.

Der Franzose gibt zu, dass ihn vor dem Saisonstart gewisse Sorgen umtreiben. Was passiert, wenn tatsächlich ein Teammitglied positiv auf Corona getestet wird, und es innerhalb der Gruppe zu Kontakten kam? Davor fürchtet sich die Renault-Führungsspitze. "Es besteht das Risiko, das bei einer Infektion das ganze Team außen vor bleibt. Der Basis-Test kann 24 Stunden bis zum Ergebnis brauchen. Solange müssen wir warten. Wenn das am Samstagmorgen passiert, kannst du unter Umständen nicht am Qualifying teilnehmen."

Abiteboul plädiert, nicht bis ins Kleingedruckte zu gehen, sondern ein vernünftiges Maß anzulegen. "Die Verhaltensregeln sind auf gewisse Weise immer noch ein Dokument, das mit neuen Erkenntnissen angepasst wird. Wir müssen die richtige Balance finden zwischen Risikominimierung, Praktikabilität und gesundem Menschenverstand."

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