F1-Architekt Hermann Tilke exklusiv

"Mussten um jeden Meter kämpfen"

Hermann Tilke - GP Russland 2014 Foto: xpb 79 Bilder

Formel 1-Architekt Hermann Tilke im Gespräch mit auto motor und sport über die mangelnde Action bei der GP Russland-Premiere im Sochi Autodrom, ein mögliches Nachtrennen im Olympiapark und den Umbau der engen Boxeneinfahrt.

Wie hat Ihnen der erste Grand Prix von Russland persönlich gefallen?

Tilke: Ich bin zufrieden, wenn die Zuschauer glücklich sind, wenn die Fahrer glücklich sind und wenn es den Teams und die Organisatoren gefallen hat. Das ist das Ziel. Es kann so viel schiefgehen. Eine neue Strecke ist wie ein großer Prototyp, der zum ersten Mal fährt. Da kann immer alles passieren. Aber hier ist ab Donnerstag nichts mehr schiefgegangen.

Fahrer haben sich zufrieden gezeigt, aber von Fans gab es etwas Kritik, weil das Rennen nicht so viel Action und Spannung bot.

Tilke: In den ersten 3 Runden war das Rennen gut. Da hat man gesehen, dass man auch ohne DRS sehr gut überholen kann. Aber danach war das Feld so gut sortiert, dass immer ein Schnellerer vor einem Langsameren fuhr. Wenn da nichts Außergewöhnliches passiert, dann ist es eben wie es ist. Nico Rosberg hat aber eine gute Show geboten. Und es gab einige spannende Zweikämpfe. Das war in Ordnung.

Wie sehr haben die Reifen zu dem spannungsarmen Rennen beigetragen?

Tilke: Es war natürlich so, dass Pirelli sehr konservative Mischungen gebracht hat. Wenn die etwas mutiger mit der Auswahl der Reifen sind, dann sieht das schon wieder anders aus.

Wir haben auch in Austin im ersten Jahr geringen Reifenverschleiß gesehen. Wird das mit der Zeit mehr?

Tilke: Hier in Russland war der Grip eigentlich von Anfang an erstaunlich gut. Der Asphalt verändert sich sicherlich im ersten Jahr. Der muss erst mal einen Winter durchlebt haben. Dann werden wir mal sehen, wie sich das auswirkt.

Die Veranstalter planen in Zukunft auch mit einem Nachtrennen. Wie sieht da der Stand aus?

Tilke: Es ist geplant, aber ich weiß nicht, ob es schon beschlossen ist. Es ist im Gespräch. Es wäre neu für mich, dass es schon 100-prozentig fix ist.

Wie soll das Flutlicht dann aussehen? So wie in Bahrain mit Lichtmasten oder wie in Singapur mit einem Leuchtband direkt an der Strecke?

Tilke: Da müssen wir erst einmal ein Konzept machen. Das Licht muss so angebracht sein, dass man die Stadien noch sieht. Die Stadien selbst müssten auch noch mehr beleuchtet werden, als sie jetzt schon sind. Das ist für uns noch einmal ein richtig großes Projekt.

Sebastian Vettel hat sich gewundert, warum bei so einem großen Gelände die Boxeneinfahrt so klein ausgefallen ist.

Tilke: Es ist leider nicht so, dass hier viel Platz ist. Wir mussten beim Bau immer auf Olympia Rücksicht nehmen. Und da war der Raum wirklich sehr begrenzt. Auch die Freiflächen, die man jetzt als Freiflächen sieht, waren keine Freiflächen. Die Situation war damals anders. Wir haben um jeden Meter kämpfen müssen. Jetzt ist die Boxeneinfahrt ein bisschen eng. Mal sehen, was man da noch machen kann.

Gibt es schon Pläne über eine Änderung?

Tilke: Man kann immer etwas tun.

In unserer Bildergalerie nehmen wir Sie mit auf eine Runde im Sochi Autodrom.

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