F1-Architekt Hermann Tilke über Mexiko

"Gänsehaut schon bei der Fahrerparade"

Hermann Tilke - Formel 1 2015 Foto: xpb 75 Bilder

Formel 1-Architekt Herrmann Tilke erntete viel Lob für den Umbau der Strecke in Mexiko. Im Interview mit auto motor und sport verrät der Bauingenieur, warum der Asphalt so rutschig war, warum die Zielgerade einen Knick hat und wer auf die Idee mit dem Podium kam.

Wie fällt das Fazit nach dem Rennen aus?

Tilke: Toll! Das war so emotional. Ich hatte schon bei der Fahrerparade Gänsehaut. Das war schon irre.

Haben Sie sich vorstellen können, dass die Strecke bei Fans und Fahrern so gut ankommt?

Tilke: Nicht in dem Ausmaß. Ich habe eher mit ein bisschen mehr Kritik gerechnet. Aber bis auf die Tatsache, dass der Asphalt etwas rutschig war, kam da eigentlich nichts.

Warum hatte die Strecke denn so wenig Grip?

Tilke: Weil die Zeit hier besonders knapp war. Der Asphalt wurde erst vor 3 Wochen gelegt, musste aber in einigen Bereichen eine Woche später repariert werden, weil er sonst aufgebrochen wäre.

Kann man auch Asphalt verlegen, der schon nach ein paar Wochen besseren Grip bietet?

Tilke: Kann man. Das haben wir zum Beispiel in Bahrain gemacht. Das ist aber ziemlich aufwändig. Das war hier von vornherein nicht geplant. Es war auch nicht geplant, dass es so eng wird.

Warum hat die Zielgerade einen Knick?

Tilke: Weil wir die Geraden von 9 auf 15 Meter verbreitert haben. Auf der einen Seite gab es mit den Grundstücksgrenzen Probleme. Nicht das ganze Land gehört der Rennstrecke.

Wann kam der Einfall mit dem Podium im Stadion?

Tilke: Das war nicht von Anfang an geplant. Das kam kurzfristig. Das war auch nicht unsere Idee. Das kam von der FOM (Formula One Management).

Und die VIP-Logen drumherum?

Tilke: Das kam alles erst ganz zum Schluss. Das Paddock-Club-Zelt wurde nur errichtet, weil das andere an der Boxengasse so schnell ausverkauft war. Am Ende war das aber viel besser als das Originale. Es haben jetzt schon Leute beim Veranstalter angefragt, die das Ding für kommendes Jahr komplett kaufen wollen.

Wie waren Sie mit der Rennaction zufrieden?

Tilke: Man hat gesehen, dass man schon überholen kann. Man muss aber zugeben, dass es nicht das interessanteste Rennen war. Das Wetter war auch sehr gut - zu gut eigentlich. Pirelli hatte sicherlich eine sehr konservative Wahl der Reifen. Man konnte ja auch schon in Russland sehen: Da gab es am Anfang nicht so spannende Rennen und dieses Jahr war es auf einmal super interessant. Warten wir mal zwei, drei Jahre, dann wird das hier sicher auch so sein.

Sie haben gesagt, dass es etwas spät fertig geworden ist. Muss für nächstes Jahr noch einmal Hand angelegt werden?

Tilke: Nein, es fehlt nichts Großes. Nur ein bisschen Farbe an einigen Stellen.

Erwarten Sie, dass es wieder ausverkauft ist?

Tilke: Ja, das denke ich schon. Ich komme auf jeden Fall wieder.

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