Hamilton verärgert über Strategie-Fehler

„Hatte genügend in der Hinterhand“

Lewis Hamilton - GP Australien 2018 Foto: sutton-images.com 66 Bilder

Lewis Hamilton dominierte in Melbourne. Und doch reist der 33-Jährige mit nur 18 statt 25 Punkten ab. Entsprechend groß war der Frust beim Weltmeister. Den Mercedes-Bossen kam die unerwartete Niederlage aber nicht nur ungelegen.

Die 12. Saison seiner Karriere begann mit einer Panne. Lewis Hamilton war bis zur 26. Runde auf dem Weg zum Auftaktsieg in Australien. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt mit gut 12 Sekunden Rückstand auf Sebastian Vettel an zweiter Stelle rangierte. Doch der Ferrari-Pilot musste noch stoppen. Üblicherweise kostet das im Albert Park 22,5 Sekunden. Zehn Sekunden weniger allerdings in einer VSC-Phase.

Und genau zu so einer kam es, nachdem Romain Grosjean seinen HaasF1 in Kurve zwei mit wackeligem linkem Vorderrad abgestellt hatte. Vettel sauste in die Box, ließ frische Soft-Reifen aufziehen und sortierte sich wenige Meter vor Hamilton zurück auf der Strecke ein.

Es war der Super-Gau für die Mercedes-Taktiker. Das Strategieprogramm hatte sie in die Irre geführt. Es lieferte falsche Daten. Bei Mercedes war man davon ausgegangen, es reiche, innerhalb von 15 Sekunden mit dem Führenden zu liegen. „Wir hatten sogar drei bis vier Sekunden Sicherheitsmarge“, sagt Teamchef Toto Wolff. Entweder die Strategen versorgten die Software mit falschen Datensätzen. Oder ein Bug zerstörte die Rennstrategie.

Hamilton muss sich gegen zwei Ferrari verteidigen

Lewis Hamilton - GP Australien 2018 Das lief wirklich schief bei Mercedes VSC schenkt Vettel zweimal Zeit

Bis dahin lief alles nach Plan. Hamilton festigte die Spitzenposition am Start und führte im ersten Stint mit über drei Sekunden vor Kimi Räikkönen und über sieben Sekunden vor Vettel. „Sie haben ein schnelles Auto. Es war nicht einfach, sie abzuschütteln“, berichtet Hamilton. Allerdings fuhr Hamilton nicht auf Teufel komm raus. Er managte die Reifen und den Spritverbrauch, der in Melbourne ohne Safety-Car-Phasen kritisch werden kann. „Lewis fuhr genau nach unseren Zielvergaben. Wir brauchten einen Vorsprung, um uns vor einem Undercut zu schützen.“

Es war das einzige taktische Mittel, das Ferrari hatte. Die Italiener opferten Räikkönen, um Mercedes aus der Reserve zu locken. Mit einem Reifentausch in Runde 18. Wobei gesagt werden muss, dass Ferrari keine andere Wahl hatte als den Finnen in die Box zu rufen. Nur Räikkönen lag in Distanz zu Hamilton. Auf Vettel hätten die Mercedes-Strategen nicht unmittelbar reagieren müssen. Der Weltmeister meint: „Kimi ist stark gefahren. Aber ich wusste, dass Ferrari ihn spielen würde, um mich zu schlagen. Deshalb habe ich die ganze Zeit schon auf den Abstand zu Sebastian geschaut. Mir war bewusst, dass er mein wahrer Gegner ist.“

Ferrari spielte die quantitative Mehrheit geschickt aus. Ohne den Rechenfehler auf Mercedes-Seite hätte es aber nicht gereicht. „Lewis hätte mit frischen Softreifen Einiges schneller gekonnt. Wir lagen aber im Fenster nach unseren Berechnungen, mussten nicht schneller fahren und wollten die Reifen schonen. Sie mussten ja bis zum Ende halten“, äußert sich Wolff.

Hamilton: „Ich hatte genügend in der Hinterhand.“ Der Titelverteidiger würde gerne die Formel 1 vereinfachen und nicht praktisch alle Entscheidungen von Kollege Computer berechnen lassen. „Ich würde lieber meinen Instinkten folgen.“

Hamilton ohne Chance im direkten Duell

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Australien 2018 - Melbourne - Rennen Foto: Wilhelm
Vettel ließ Hamilton im Windschatten verhungern.

Ab dem Restart in Runde 30 setzte Hamilton seinen Rivalen unter Dauerdruck. Er lag zwar im Bereich von 0,8 Sekunden bis eine Sekunde, konnte aber nie einen Angriff lancieren. „Du verlierst beim Hinterherfahren einfach zu viel Abtrieb. Die Autos waren wie zwei Magneten, die sich nicht zusammenführen lassen. In den Kurven war ich schneller. Auf den Geraden ist Ferrari aber sauschnell.“

Die turbulente Luft ließ den Frontflügel des Mercedes weniger wirken. Die Folge ist ein Verlust an Anpressdruck. Das Auto beginnt zu rutschen, die Reifen verschleißen stärker. „Irgendwann haben sie gekocht“, erzählt Wolff. Ein kleiner Fehler warf Hamilton zwischenzeitlich um über 2,5 Sekunden zurück. In ein paar Runden war er wieder dran am Ferrari. Das zeigte die Geschwindigkeit von Mercedes.

Jedoch ließ Hamilton wenig später wieder ab. „Es widerstrebt mir zwar, nicht bis zum Schluss voll auf Attacke zu fahren. Ich gebe immer 110 Prozent für diese sieben Extrapunkte. Aber ich muss auch an die Weltmeisterschaft denken. Ich muss mit diesem Motor sechs oder sieben Rennen bestehen. Ich will mit den drei Motoren für die Saison durchkommen.“

Mercedes redet Ferrari stark

Die Niederlage erinnerte an den verlorenen Sieg beim GP Monaco 2015. Damals vermasselte ebenfalls eine VSC-/Safety-Car-Phase dem inzwischen vierfachen Weltmeister den Sieg. „Es fühlt sich an, als ob über mir dunkle Wolken hängen. Es ist nie einfach wegzustecken, einen Grand Prix zu verlieren. Aber es gibt so viel Positives an diesem Wochenende mitzunehmen. Unser Auto war super schnell. In der Qualifikation und im Rennen. Ich bin so gut gefahren wie eh und je.“

Den deutlichen Vorsprung in der Qualifikation auf Red Bull und Ferrari will Hamilton nicht überbewerten. „Sebastians Runde war keine gute. Meine schon.“ Auch Toto Wolff sieht starke Konkurrenz. „Drei Teams können Rennen und die Weltmeisterschaft gewinnen. Es wird eine Saison mit verschiedenen Siegern.“

Es klingt, als ob Mercedes die Gegner stark rede. Man könnte politisch motivierte Motive hinter den Aussagen vermuten. Die Verzweiflung der Formel 1 angesichts des Mercedes-Speeds war nach der Qualifikation jedenfalls groß. Die Rufe nach einer Angleichung der Motoren und neuen Regularien ab 2021 werden immer lauter. Vielleicht kommt Mercedes die Niederlage deshalb gar nicht so ungelegen.

Neuester Kommentar

"Spannung wenn man genau weiss es kann kein Überholmanöver geben?"

Nach dem Rennen ist es einfach, sowas zu behaupten. Nur weil man vom Endergebnis ausgehend von der SC-Phase nicht überrascht ist, heisst das ja noch lange nicht, dass dazwischen nicht 25+ Runden auf Messers Schneide lagen. Wenn Sebastian Vettel so einen Fahrfehler begangen hätte wie Lewis Hamilton hätte die ganze Welt davon geschwärmt, wie letzterer ersteren in diesen getrieben hat. So war es halt der Verfolger, der an der Aufgabe gescheitert ist.

Melbourne, seit jeher ohne nennenswerte Überholstelle, wenn die Autos nicht deutlich unterschiedliches Gewicht oder verschieden verschlissene Reifen haben. Wenn Sie eine Sache nicht überraschen sollte dann dass es dort Duelle gibt, bei denen am Ende der jeweils vorn liegende Fahrer die Oberhand behält.

btw: Wo sie einen historischen Kampf sehen, sehe ich einen Fahrer, der im schnelleren Auto und trotz erfolgreichem Überholmanöver (auf einer Gerade, wo tatsächlich auch heute Formel-1-Autos überholen können, nur halt nicht in Melbourne, wo es sowas durch die Anlage bedingt schlicht nicht gibt) gleich mehrere Male die Tür derart sperrangelweit auf macht, dass man sich fragen muss, was der alte Ferrari ihm dafür gezahlt hat.

Ich würde behaupten, dass unter identischen Voraussetzungen keiner der aktuellen Topfahrer im schnelleren Renault nur als Dritter ins Ziel gekommen wäre. Nicht wegen der Strecke, nicht wegen der Autos, sondern weil die Qualität des Feldes heute höher liegt.

Proesterchen 28. März 2018, 22:02 Uhr
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