Windkanal-Modell - Renault - 2016 Renault

F1-Bosse suchen Windkanal

Test mit 2017er Manor-Modell

Die F1-Bosse machen ernst. Am 31. Oktober wird der Motor der Zukunft vorgestellt. Eine Expertengruppe arbeitet am Auto für 2021. Mit CFD-Simulation, eigenem Windkanalmodell und bald auch einem angemieteten Windkanal. Drei stehen zur Wahl.

Liberty Media überlässt nichts dem Zufall. Die neuen Formel 1-Besitzer wollen nicht nur mit neuen Show-Elementen Fans für den Sport begeistern. Sie arbeiten auch an der Action auf der Strecke. Das Feld soll ausgeglichener, die Rennen unberechenbarer, das Ergebnis weniger vorhersehbar werden.

Dafür müssen die Kosten runter, die Technik simpler, die Auto spektakulärer und die Chancen für alle fairer werden. Deshalb mischt sich eine Expertengruppe unter der Leitung von Ross Brawn auch bei der Renovierung des sportlichen und technischen Reglements ein.

In Zusammenarbeit mit der FIA wurde in den letzten Monaten ein Konzept für den Motor ab 2021 erarbeitet. Es wird den Motorherstellern am 31.Oktober präsentiert. Am 7. November stellen die FIA und die Rechteinhaber ihr Modell der künftigen Budgetdeckelung vor.

Am Auto der Zukunft wird noch gearbeitet. Ein Insider erklärt uns, dass die Eckdaten für 2021 erst Mitte 2019 stehen müssen. Das Techniker-Team baut gerade die Infrastruktur auf, um selbst Testreihen durchzuführen und mögliche Blindgänger früh zu entlarven.

Außerdem will man sich von der Expertise der Teams ein Stück unabhängiger machen. Bis jetzt lief es so: Wann immer die FIA neue Regeln im Sinn hatten, konnten sie die Ingenieure der Teams mit Fakten eines Besseren belehren. Zum Teil aber waren die Einwände jedoch stark beeinflusst von dem, was in der Agenda der einzelnen Teams stand.

Expertenteam sucht nach dem Auto für 2021

Ross Brawn will nun ein Gegengewicht schaffen, um sich selbst besser einen Überblick zu verschaffen, wie man die Aerodynamik vereinfachen kann, um die Kosten zu senken und besseren Rennsport zu bieten. Im Visier ist eine Aerodynamik, die das Hinterherfahren erleichtert.

F1 Vision Concept 2025 - Motorsport - Cockpit-Kanzel - Grafikdesigner
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Schon für die Saison 2009 wurde mit Pat Symonds, Rory Byrne und Paddy Lowe eine Arbeitsgruppe mit dem gleichen Ziel ins Leben gerufen, die ihre Ideen aber hauptsächlich in der Theorie durchspielte. „Wir haben damals unterschätzt, dass unser richtiger Ansatz im Handumdrehen von Hunderten von schlauen Ingenieuren unterwandert wurde“, erinnert sich Pat Symonds.

Das soll nicht noch einmal passieren. Das F1-Management hat im letzten halben Jahr frühere Formel 1-Ingenieure wie Pat Symonds, Nikolas Tombazis und Jason Somerville an Bord genommen. Im Januar soll ein weiterer Aerodynamiker dazukommen.

Brawns Eingreiftruppe hat bereits Rechenmodelle für die CFD-Simulation erstellt und sich mit Computern eingedeckt. Weil für das Technikteam von Liberty Media keine Restriktionen in Bezug auf die Rechenkapazität gelten, können im Gegensatz zu den Teams unbegrenzt Versuchsreihen gefahren werden.

Mit Windkanaltests ist das schwieriger. Sie gehen ins Geld. Das Aero-Team im Auftrag von Liberty wird deshalb nur dann in den Windkanal gehen, wenn Zweifel bestehen oder bestimmte Lösungen aus der CFD-Simulation abgeklärt werden müssen.

Ein Windkanalmodell hat die Mannschaft schon. Es ist der Manor, der 2017 an den Start hätte gehen sollen, dann aber in der Asservatenkammer landete, weil Manor pleite ging. Jetzt sucht das Aerodynamik-Team noch einen Windkanal.

Sauber, Toyota oder Williams?

Weil die Autos der Zukunft weniger schlechter Luft für das hinterherfahrende Auto produzieren sollen, werden an den Windkanal besondere Bedingungen gestellt. „Uns interessiert weniger die Strömung rund um das Auto, sondern 40 Meter dahinter“, erklärt Symonds. Der Kanal braucht wegen des Problembereichs hinter dem Auto eine ausreichend große Mess-Sektion.

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Infrage kommen deshalb nur die Anlagen von Sauber, Williams und Toyota. Sauber bietet die besten technischen Voraussetzungen, doch dafür müsste das Windkanalmodell jedes Mal in die Schweiz transportiert werden. Bei Toyota besteht mit dem Standort Köln das gleiche Problem. Williams wäre die kostengünstigste Lösung.

Die geplante Vereinfachung der Technik soll nicht das Wettrüsten bremsen, sondern nur dessen Effekt. So will man zum Beispiel im Bereich des Unterbodens rund um die Hinterräder die Möglichkeiten so einschränken, dass eine schlaue Änderung nicht mehr gleich 10 Punkte Abtrieb bringt, sondern nur 3 oder 4.

Wenn man in der Lage ist, den möglichen Zeitgewinn in einem vertretbaren Rahmen zu halten, dann könnte man auch großzügiger bei der Budgetdeckelung sein. Ziel ist es, dass ein Unterschied von 50 Millionen Euro beim Budget nicht mehr eine Sekunde abwirft, sondern höchstens 3 Zehntel. Dann könnte man die Budgets bei 150 und nicht bei 100 Millionen Euro einfrieren. Weil die kleinen Teams sich bei einer gerechteren Geldverteilung leichter der 150 Millionen-Grenze annähern würden.

Mit ersten Tests im Windkanal wird in der zweiten Hälfte 2018 gerechnet. Die Teams sehen den Aufwand auch mit Sorge. Die Eigeninitiative von Liberty Media kostet Geld, was ihnen später an Ausschüttungen verloren geht. Die neuen Formel 1-Chefs argumentieren umgekehrt. Wenn die Show besser wird, wird mehr Geld eingespielt. Und das kommt später wieder den Teams zugute.

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