Fernando Alonso - Alpine - Formel 1 - Testfahrten - Bahrain xpb
Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
Mick Schumacher - Haas - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
Pierre Gasly - Alpha Tauri  - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
Esteban Ocon - Alpine - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021 59 Bilder

Teams mit Programmwechsel bei Testfahrten Bahrain

Teams zu Programmwechsel gezwungen 20.160 Kilometer und kein Ergebnis

Diese Testfahrten haben sich von denen der letzten Jahre unterschieden. Es gab viel weniger Rennsimulationen, dafür mehr schnelle Runden auf den weichen Reifen. Wir erklären, warum die Teams ihre Programme so umgestellt haben.

Was haben die Teams in der Vergangenheit immer über die Testfahrten in Barcelona geschimpft. Zu kalt, zu nass, zu brutal zu den Reifen. Kurzum nicht repräsentativ genug für ein exaktes Urteil vor dem Saisonstart. Nach den drei Tagen in Bahrain wünschte sich so mancher Daten-Analyst zurück nach Barcelona. Noch nie standen die Experten so im Wald. Keiner wollte sich in irgendeine Richtung aus dem Fenster lehnen. Der größte gemeinsame Nenner war, dass Red Bull ein schnelles Auto hat und vermutlich die Rangliste anführt.

Schuld an der geringen Aussagekraft der insgesamt 20.160 Testkilometer in 24 Stunden waren die Rennstrecke und die Umstände. Der Kurs von Sakhir verhinderte jeden vernünftigen Vergleich. Die Rundenzeiten konnten je nach Tageszeit um eineinhalb Sekunden schwanken. Das ist mehr als zwischen Barcelona im Februar und Barcelona im Mai.

Der Testbeginn am Vormittag, das Ende in der Nacht, die damit verbundenen Temperaturunterschiede, der Wind, der jeden Tag eine andere Richtung einnahm, der Sand, die extreme Reifenabnutzung und der große Einfluss der gewählten Motorleistung auf die Rundenzeit machten es den Ingenieuren nahezu unmöglich, ihr eigenes Auto mit denen der Konkurrenz zu vergleichen. Das war eigentlich nur bei zeitgleich stattfinden Longruns möglich. Und davon gab es nicht viele.

Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
xpb
Ferrari simulierte in Bahrain drei Rennen, Mercedes nicht ein einziges.

Nur fünf Teams mit Rennsimulation

Dazu kam der Zeitdruck. Bei drei statt sechs Tagen musste das Testprogramm im Vergleich zu früher komplett umgestellt werden. Jedes Team hatte da seine eigenen Vorstellungen. Nur die Hälfte des Feldes spulte echte Rennsimulationen ab: Ferrari, Alfa Romeo, Alpha Tauri, Red Bull und Williams. Bei Red Bull wurde lediglich Neuzugang Sergio Perez auf ein imaginäres Rennen geschickt, das man im dritten Stint vorzeitig abbrach. Vermutlich um zu verschleiern, wie viel Benzin zu Beginn der Übung im Tank gewesen ist.

Mercedes, McLaren, Alpine, Aston Martin und Haas spielten mehr oder weniger lange Dauerläufe durch. Bei Haas erinnerten diese entfernt an eine Rennsimulation. Mick Schumacher und Nikita Mazepin durften am Samstag und Sonntag jeweils drei Stints mit Unterbrechungen abspulen. Mit einer Gesamtlänge zwischen 35 und 50 Runden blieben die Haas-Piloten jedoch unter einer Renndistanz.

Vettels Longrun: Drei Mal je 14 Runden

McLaren schickte seine Piloten drei Mal über längere Distanzen. Daniel Ricciardo kam mit einer Sequenz von 15, 19 und 8 Runden einem Testlauf für das Rennen am nächsten. Technikchef James Key erklärte die Philosophie, hauptsächlich kürzere Stints zu fahren: "Wir waren in einer besonderen Situation: neues Auto, neuer Motor, neuer Fahrer. Es ging darum, möglichst viele Fragen abzudecken. Deshalb sind wir kürzere Sequenzen gefahren und haben dazwischen längere Pausen eingelegt, um die Daten zu analysieren, bevor wir den nächsten Schritt machen."

Auch einem Fernando Alonso muss man nicht sagen wie ein Rennen geht. Nicht einmal nach zwei Jahren Pause. Alpine ließ seinen Heimkehrer zwei Mal über längere Distanzen ausrücken. Das waren 18 und 12 sowie 18 und 9 Runden. Aston Martin wäre vermutlich mehr gefahren, hätte sich nicht der Defektteufel zwei Mal eingeschlichen. Lance Stroll hängte ein Mal fünf längere Stints über 14, 14, 13, 13 und 15 Runden aneinander, allerdings immer mit längeren Pause dazwischen. Sebastian kam nur auf ein Sparprogramm mit drei Mal je 14 Runden. Dann ging der Ladedruck in den Keller.

Sebastian Vettel - Aston Martin - Formel 1 - Test - Bahrain - 14. März 2021
Motorsport Images
Technische Probleme verhinderten, dass Sebastian Vettel mehr zum Fahren kam.

Die Rundendiät von Mercedes

Mercedes war das andere Extrem zu Ferrari, die drei Mal zu einem Rennen antraten. Lewis Hamilton ist nie länger als neun Runden am Stück gefahren. Valtteri Bottas reihte immerhin zwei Mal 16-Runden-Stints aneinander. Stattdessen versuchte das Weltmeister-Team so viele Testläufe wie möglich in die drei Tage zu packen. Red Bull verfuhr mit Verstappen ähnlich. Die Frage nach Longruns stellte sich nicht, weil das Auto mechanisch gleich geblieben ist und die Fahrer so routiniert sind, dass sie ein Rennen nicht mehr üben müssen.

Jede Ausfahrt war ein neues Experiment mit einer anderen Aerodynamikkonfiguration, einer anderen Fahrzeugabstimmung oder einer anderen Reifenmischung. Also mehr Daten. Hamilton rückte an den drei Tagen 21 Mal aus, Bottas 29 Mal und Verstappen 31 Mal. Die Bestellung bei Pirelli schränkte schon im Vorfeld das Programm ein. "Wir haben mit Absicht überproportional viele weiche Reifen geordert. Hätten wir Longruns eingeplant, wären wir nicht so frei in der Reifenwahl gewesen", hieß es bei Mercedes.

Der Titelverteidiger wollte diesmal nicht Kilometer-Weltmeister werden. "70 bis 80 Runden mehr wäre schön gewesen, aber wir haben trotz des Getriebeproblems bei Bottas unser Programm durchgebracht. Valtteri ist alle 16 Reifensätze gefahren." Sebastian Vettel dagegen trauerte verlorener Fahrtzeit hinterher: "Nach meinem Geschmack hätten es 100 Runden mehr sein können."

Formel 1-Test Bahrain: Statistik Runden + längster Longrun

Auto Runden Längster Stint
Alpha Tauri 422 18
Alfa Romeo 422 23
Ferrari 404 23
Alpine 396 18
Haas 394 19
Williams 379 21
Red Bull 369 19
McLaren 327 19
Aston Martin 314 15
Mercedes 304 16