Das Boxenstopp-Geheimnis von Mercedes

Williams schneller, Mercedes konstanter

Lewis Hamilton - Mercedes - Abu Dhabi Foto: Wilhelm 19 Bilder

In der Formel 1 zählt jedes Zehntel. Auch in der Boxengasse. Williams legte wieder die schnellsten Boxenstopps aufs Parkett. Doch Mercedes stellte über das gesamte Jahr die schnellste Reifenwechsel-Crew. Die Weltmeister-Truppe hat auch in der Boxengasse ein paar Tricks auf Lager.

Am Ende des Jahres zieht die Formel 1 Bilanz. Für alles gibt es eine Wertung. Für WM-Punkte, Rennkilometer, Standfestigkeit, Führungsarbeit, Strafen. Und für die Boxenstopps. Sie sind inzwischen so perfektioniert, dass Pannen kaum noch auftreten. Drei Sekunden bedeuten schon einen schlechten Boxenstopp. Gemessen wird in drei Disziplinen. Vom Anhalten bis zum Grünlicht, vom Anhalten bis zum Wegfahren und die Gesamtzeit, die das Auto in der Boxengasse verbringt. Der Unterschied zwischen Grünlicht und Wegfahren ist die Reaktionszeit des Fahrers. Für die Teams ist hauptsächlich die Zeit bis zum Grünlicht auf der Ampel interessant. Die bewertet die Mechaniker.

Seriensponsor DHL misst die tatsächliche Standzeit. Und erstellt anhand dieser Werte eine Rangliste. Nach jedem Grand Prix werden die zehn besten Boxenstopps gekürt. Und dafür gibt es Punkte wie für Fahrer und Teams. Der schnellste Stopp bringt 25 Punkte, der zweitbeste 18 und so weiter. Auch diese Wertung gewinnt Mercedes. Mit 484 Punkten vor Titelverteidiger Williams (468) und Red Bull (361). Ferrari landet mit 277 Zählern nur auf Rang 4. „Unsere Mechaniker mussten an den Trainingstagen so viele Nachtschichten einlegen, dass sie am Sonntag oft müde waren“, entschuldigte Teamchef Maurizio Arrivabene seine Truppe. Als die WM verloren war, wurde es besser. Bei den letzten drei Grand Prix rangierte Ferrari vier Mal in den Top 5.

8 Bestzeiten für Williams, 35 Top Ten-Plätze für Mercedes

Williams räumte wie im Vorjahr die meisten Bestzeiten ab. Der Stopp von Felipe Massa in England war mit 1,77 Sekunden bis zum Grünlicht und 2,02 Sekunden bis zum Wegfahren der schnellste des Jahres. Doch der Klassenprimus von 2016 hatte auch seine Aussetzer. In Baku und Monza. Deshalb lief das Mercedes-Werksteam dem Mercedes-Kunden in dieser Saison den Rang ab. Mercedes beklagte nur in China und Bahrain Pannen. Mit 6 Bestzeiten und 35 Top Ten-Platzierungen reichte es zu Platz 1. Williams gehörte 31 Mal zu den besten zehn Reifenwechslern des Tages.

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich vor allem Toro Rosso und HaasF1 stark verbessert. Obwohl HaasF1 erst im zweiten Jahr dabei ist, klappt die Boxenchoreografie schon exzellent. 21 Top Ten-Platzierungen sind der Beweis. „Wir hatten in diesem Jahr weniger Fluktuation in unserer Reifenwechsel-Truppe als 2016. Das hat geholfen“, erklärt Teamchef Guenther Steiner. Der Südtiroler ergänzt: „Im Vergleich zu den anderen Teams hinken wir mit den Schlagschraubern und Wagenhebern noch hinterher. Da investieren einige Teams viel mehr als wir.“

Lance Stroll - Williams - GP Brasilien 2017 Foto: xpb
Die Boxenstopp-Mannschaft von Williams gehört zu den besten der Formel 1.

Der Aufstieg von Toro Rosso und HaasF1 ging zu Lasten von McLaren und Renault. McLaren zählte 2011 und 2012 zu den schnellsten Crews in der Boxengasse. In diesem Jahr reichte es mit 14 Top Ten-Platzierungen und 68 Punkten nur zu Rang 8. Noch schlechter war Renault. Einsatzleiter Alan Permane schiebt es auf ein Problem mit den Radmuttern und den Sicherheitsstiften. „Wir haben die Räder oft nicht in einem Zug von der Achse gekriegt, weil sich die Radmutter am Sicherheitsstift verhakt hat. Das werden wir für 2018 konstruktiv besser lösen.“ Die Teams betreiben bei der Boxenstopp-Ausrüstung einen ähnlichen Aufwand wie bei den Autos. Die Wagenheber haben den Preis eines Kleinwagens. Mercedes testete in den letzten zwei Rennen eine spezielle Schwenkvorrichtung am vorderen Wagenheber. Sie soll es dem Mechaniker erlauben, dem anfahrenden Auto schneller aus dem Weg zu springen.

Der beste Trainings-Stopp in 1,63 Sekunden

Eigentlich sollten die Boxenstopps in diesem Jahr langsamer sein. Schwerere Räder erhöhen den Kraftaufwand, breitere Felgen erschweren den Zugang zur Radmutter. „Wir haben das durch besseres Training und geänderte Abläufe schnell wettgemacht“, erzählt Mercedes-Teammanager Ron Meadows. Nach seiner Kalkulation betrug die durchschnittliche Reifenwechselzeit bei insgesamt 51 Boxenstopps über die 20 Rennen 2,1 Sekunden. Ein unfassbar guter Wert. Vor allem, weil es bei Mercedes viele Rennen gab, bei denen es nicht ums letzte Zehntel ging. Dort, wo man überlegen war, räumte sich der Weltmeister immer eine Sicherheitsmarge ein. „Es bringt nichts, auf Rekorde aus zu sein. Wichtiger sind eine gute Konstanz und die Vermeidung von Fehlern. Die Strafe ist einfach zu groß. Wenn das Rad nicht richtig befestigt wird, ist dein Rennen zu Ende“, sagt Meadows.

Die Beständigkeit auf hohem Niveau kommt nicht von ungefähr. Dafür gibt es gute Gründe, wie Meadows verrät: „Wir haben in diesem Jahr anders trainiert.“ Im Fall Mercedes war weniger mehr. „Wir haben an den GP-Wochenenden weniger Boxenstopps trainiert. Im Schnitt fünf pro Tag. Zu viele Reifenwechsel machen die Jungs müde.“ Lewis Hamilton wurde im Verlauf der Saison 26 Mal abgefertigt, Valtteri Bottas ein Mal weniger. Der intern beste Stopp war Hamiltons erster in Spa mit 1,88 Sekunden bis zum Grünlicht. Von den insgesamt 906 Übungs-Stopps im Vorfeld der Grand Prix sticht eine Bestzeit von 1,63 Sekunden heraus, aufgestellt beim Boxenstopp-Training am Sonntag in Mexiko. Der langsamste war der von Bottas in China mit 11,2 Sekunden. Da versagte der hintere Wagenheber. Auch Nasenwechsel werden geübt. Insgesamt 70 Mal im abgelaufenen Jahr. In Mexiko kam es bei Hamilton zum Ernstfall. Mercedes löste die Übung in 9,1 Sekunden. Schneller als Ferrari, die gleichzeitig Vettel abfertigen mussten. Noch ein Trick: „Unsere Jungs sind in diesem Jahr etwas langsamer auf die Parkbox zugefahren. Das erlaubt präziseres Parken und gibt den Mechanikern mehr Sicherheit.“

Besser Parken bedeutet schnellere Boxenstopps

Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass Mercedes im Vergleich zu Williams auch noch Boxenstopp-Zeit hergeschenkt hat. Freiwillig. Die Mercedes Mechaniker hämmern die Radmutter mit beinahe doppelten Drehmoment auf die Radnaben wie viele Teams der Konkurrenz. Dabei gehen sowohl beim Lösen als auch beim Festzurren bis zu zwei Zehntel verloren. Der Grund dafür ist nicht nur, dass man auf Nummer sicher gehen will. Je steifer der Verbund Rad und Radträger ist, umso stabiler werden Radsturz, Vorspur und Nachlauf eingehalten. Das kann auf der Rennstrecke pro Runde eineinhalb Zehntel bringen. Und einen geringeren Reifenverschleiß.

Doch Mercedes holte das meistens schon wieder in der Boxengasse auf. Durch präziseres Parken der Piloten und schnelleres Wegfahren. Sechs Bestzeiten beim Reifenwechsel stehen zwölf Bestwerte bei der Zeit gegenüber, die das Auto von Boxeneinfahrt bis Boxenausfahrt verbracht hat. Da in der Boxengasse ein Tempolimit für alle herrscht, kann ein Zeitgewinn nur mit dem Anhalten und Wegfahren tun haben. Meadows räumt ein, dass die erste Box, die Mercedes meistens bekommt, ein kleiner Vorteil ist, weil die Piloten gerade auf die Parkbox zufahren können. „Wir standen in Melbourne und Suzuka ganz hinten und in Silverstone in der Mitte, und zählten trotzdem zu den schnellsten.“

Formel 1: Boxenstopp-Statistik 2017

Team Punkte* Platz 1** Top Ten Bester Stopp 2017***
Mercedes 484 6 35 2.15 s (Bottas, USA/Bottas IT)
Williams 468 8 31 2.02 s (Massa,GB)
Red Bull 361 5 26 2.15 s (Verstappen, ABU)
Ferrari 277 1 28 2,19 s (Vettel, MEX)
Force India 167 - 22 2.41 s (Ocon, MYR)
Toro Rosso 155 - 18 2.36 s (Kvyat, B)
HaasF1 130 - 21 2,43 (Magnussen, IT/Magnussen, MYR)
McLaren 68 - 14 2,50 s (Vandoorne, JAP)
Renault 8 - 4 2,83 s (Hülkenberg, JAP)
Sauber 1 - 1 3.05 s (Ericsson, A)
*Punkteschema wie für Teams und Fahrer
**Schnellster Boxenstopp des Rennens
***DHL-Messung von Stopp bis Abfahrt
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