Formel 1-Boxenstopps 2011

Mercedes hat die schnellsten Schrauber

Mercedes GP Boxenstopp 2011 Foto: Wolfgang Wilhelm 38 Bilder

In einer Disziplin ist Mercedes schon Spitze. Keiner wickelt die Reifenwechsel so schnell ab wie die Silberpfeil-Schrauber. Der Vorsprung auf McLaren und Red Bull ist allerdings denkbar knapp.

Die Anzahl der Boxenstopps ist seit der Einführung der Pirelli-Reifen rasant nach oben gestiegen. Nicht mehr der eine, superschnelle Reifenwechsel macht nun den Unterschied, sondern die Konstanz über mehrere Stopps. Nach den ersten drei Grand Prix lässt sich bereits ein Trend erkennen, wer die Pflichtübung am besten absolviert.

Red Bull, McLaren und Ferrari fahren in der Regel eine ähnliche Strategie. Alle drei Teams kamen mit insgesamt 17 Stopps für die beiden Fahrzeuge über die Runden. Mercedes, Renault und Force India begnügten sich mit jeweils 14 Stopps. Sauber und Lotus geizen mit Reifenwechseln. Zehn Stopps sind Rekord. Die Fahrer von Williams und Hispania waren zwar noch seltener Gast in der Boxengasse, was aber daran liegt, dass sie nicht alle Rennen zu Ende gefahren sind.

Wer bei der Flut der Boxenstopps den Überblick behalten und die Teams untereinander vergleichen will, muss alle Zeiten zusammenzählen und durch die Anzahl der Stopps teilen. Relevant ist die Spanne vom Eingang bis Ausgang Boxengasse. Da An- und Abfahrtszeiten wegen des Tempolimits nahezu identisch sind, reduzieren sich die Unterschiede auf den Reifenwechsel selbst. Boxenstopps, die ausschließlich dazu dienten, einen kaputten Frontflügel oder andere Schäden am Auto zu reparieren, wurden in der Statistik nicht berücksichtigt.

Formel 1-Reifenwechsel als Wissenschaft

Der Vergleich der Stoppzeiten demonstriert, dass die großen Teams auch hier die Nase vorne haben. Wer mehr Geld in der Kasse hat, muss beim Werkzeug keine Kompromisse eingehen. Boxenampeln, Schlagschrauber und Wagenheber sind Spezialkonstruktionen, die den Wert eines Kleinwagens locker überschreiten.

Auch beim Training gibt es Unterschiede. Red Bull hat einen Psychologen beschäftigt, um herauszufinden, wer der Mann mit dem besten Nervenkostüm ist. Der bedient den Lollipop. Erkenntnisse aus der Nascar-Serie, wo Boxenstopps Hochleistungssport sind, flossen in der Training der Mechanikercrew mit ein.

Mercedes-Boxenstopps sind die kürzesten

Trotzdem tragen die fixesten Schrauber eine silberne Uniform. Das war schon im vergangenen Jahr so. Im Schnitt dauerte jeder der 14 Boxenstopps von Mercedes 22,301 Sekunden. Damit liegen die Männer mit dem Stern auf der Uniform ganz knapp vor McLaren. Die Kollegen zwei Boxen weiter waren im Mittel nur um 0,082 Sekunden langsamer. Auch Red Bull wechselt die Reifen auf Weltmeister-Niveau. 22,589 Sekunden für jeden der insgesamt 17 Reifenwechsel sind ein Wert, der noch alle Chancen offenlässt, am Ende des Jahres auch diese Rangliste anzuführen.

Da hat Ferrari schon mehr Mühe. Die Italiener sind offenbar in allen Disziplinen von der Normalform entfernt. Mit 23,739 Sekunden pro Stopp liegt Ferrari nur auf Platz sieben. Drei verpatzte Boxenstopps haben die Roten zurückgeworfen. Präsident Luca di Montezemolo muss vielleicht bald nicht nur ein Verbot der Aerodynamik, sondern auch der Boxenstopps fordern.

Force India kann sich auf Rang vier verbessern

Dass Sauber in der Boxengasse einen perfekten Job macht, ist seit Jahren bekannt. Force India dagegen hat sich über den Winter deutlich gesteigert. Bei 14 Stopps ging nur zwei Mal etwas schief. Ansonsten liegt die Truppe auf Top-Team-Niveau.

Da müssen die kleinen Teams noch üben. Bei Lotus lagen sechs der zehn Reifenwechsel jenseits der Norm. Virgin stürzte ab, weil es in China insgesamt 33,827 Sekunden dauerte, bis Timo Glock nach seinem dritten Stopp die Boxengasse wieder verlassen konnte. Und bei Hispania fehlt einfach die Übung. Der letzte Reifenwechsel von Vitantonio Liuzzi in Shanghai zeigt jedoch, dass Hispania mit jedem Stopp besser wird.

Red Bull muss Sauber 51 Sekunden abnehmen

Würde man die Gesamtzeit als Maßstab nehmen, läge Sauber weit vorne. Das Reifen schonendste Auto kommt weniger an die Boxen als andere. Kamui Kobayashi und Sergio Perez haben in Melbourne, Sepang und Shanghai zusammen gerechnet 3.50,670 Minuten in der Boxengasse verbracht.

Dagegen nehmen sich die 6.24,013 Minuten für Sebastian Vettel und Mark Webber wie eine kleine Ewigkeit aus. Die Red Bull-Boys müssen pro Rennen deshalb 51 Sekunden auf der Strecke schneller fahren, um mit Sauber Boxenstopp bereinigt gleichzuziehen.

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