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Teams spalten sich

Streit um den Budgetdeckel

Die F1-Teams wollen Liberty das Heft aus der Hand nehmen und diskutieren in Eigenregie über einen Kostendeckel und die Geldverteilung. Aus der anfänglichen Harmonie wurde inzwischen ein Streitthema. Die kleinen Teams fühlen sich über den Tisch gezogen.

Seit dem GP Japan treffen sich die Teams regelmäßig zu lockeren Gesprächsrunden im Fahrerlager. Ohne die FIA, und ohne das Formel-1-Management. Auf der Agenda steht offiziell die Frage, wie man die Show verbessern kann. Doch diskutiert wird hauptsächlich über die Budgetdeckelung und die Geldverteilung. Die großen Teams sind unzufrieden mit dem Konzept, das Liberty im April in die Runde geworfen hat und wollen nun eigene Vorschläge auf den Tisch bringen.

Liberty war mit dem Ziel angetreten, die Formel 1 gerechter zu machen und so das Feld enger zusammenrücken zu lassen. Die Zweiklassengesellschaft der Formel 1 lässt sich nicht mehr durch Reglementsänderungen kitten. Da müssen gleichzeitig faire Rahmenbedingungen her. Und das geht am Ende nur dann, wenn alle Teams nicht mehr als ein bestimmtes Budget zur Verfügung haben, das auch für alle Teilnehmer auch erreichbar ist.

Zweite Gewinnwarnung sorgt für Druck

In der Blaupause von Liberty steht der Kostendeckel bei 150 Millionen Dollar. Ausgenommen waren zunächst nur die Fahrergehälter. Die Teams hatten in der Zwischenzeit aber schon viele weitere Ausnahmen erstritten, wie zum Beispiel das Salär der teuersten Angestellten, das auch nicht in die Rechnung eingehen soll. Nach den Plänen von Liberty wird an die zehn Teams künftig der gleiche Betrag ausgeschüttet. Ferraris Extra-Bonus soll von 90 auf 40 Millionen Dollar schrumpfen. Jeder Automobilhersteller, der Motoren für Kundenteams bereitstellt, sollte demnach mit 10 Millionen Dollar extra belohnt werden.

Arrivabene & Marko - GP USA 2018
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Mercedes, Ferrari und Red Bull gingen der Kostendeckel und die Beschneidung ihrer Privilegien aber zu weit. Und weil die Einführung immer näher rückt, machte sich in der Szene eine gewisse Torschlusspanik breit. So wurde in Suzuka ein regelmäßiges Treffen der Teamchefs ins Leben gerufen, um selbst zu einer besseren Lösung zu kommen. Auslöser war die Ankündigung von Liberty, dass die Geldausschüttung 2019 um weitere 3,5 Prozent gekürzt wird.

In Austin kam es innerhalb der Runde mit so unterschiedlichen Interessen zum ersten Mal zu einer Annäherung. Die Teams einigten sich auf einen Budgetdeckel von 175 Millionen Dollar mit vielen Ausnahmen. Doch das wurde nur eine Woche später wieder verworfen und auf 200 Millionen mit etwas weniger Schlupflöchern abgeändert. Da stiegen die kleinen Teams auf die Barrikaden. Bei diesem Modell hätte sich praktisch gar nichts geändert.

Top-Teams wollen mehr Geld von Liberty

In der Zwischenzeit nahm auch die Geldverteilung Gestalt an. Die drei Top-Teams hätten nach dieser Rechnung praktisch gar nichts abgegeben. Ferrari sollte demnach 188 statt 195 Millionen Dollar einstreichen, Mercedes 167 statt 178 und Red Bull 146 statt 154 Millionen. Renault wäre auf 95 Millionen gekommen. Am unteren Ende der Tabelle rangierten Toro Rosso und Sauber mit 67 und 72 Millionen Dollar. Da die Rechnung bei der derzeit avisierten Ausschüttung von 960 Millionen nicht aufgeht, muss das Geld aus einem anderen Topf kommen.

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Knickt Liberty im Streit mit den Top-Teams ein?

Weil die drei großen Teams praktisch nichts abgeben wollen, soll ihrer Meinung nach Liberty den Geldkuchen auf 1,05 Milliarden Dollar aus eigenen Mitteln aufstocken. Ein Teamchef eines kleineren Rennstalls fragt ungläubig: „Warum sollten die das tun? Die haben den Laden gekauft, um damit Geld zu verdienen. Kein Mensch hat die großen Teams gezwungen, so viel Geld auszugeben, wie sie ausgeben.“ Die Etats der drei Top-Teams liegen seit drei Jahren weit jenseits der 300 Millionen Dollar-Marke. Und es wird pro Jahr in 20 Millionen-Schritten mehr.

In Interlagos machte dann ein neuer Vorschlag die Runde. Der Budgetdeckel wurde wieder auf 150 Millionen Euro gesenkt, was derzeit etwa 171 Millionen Dollar entspricht. Die Liste der Ausnahmen wird jedoch immer absurder. Weder die Fahrer, noch die drei teuersten Angestellten sollen dazu zählen. Auch nicht die Firstclass-Flugtickets für das Top-Management. Und die Lackierung der Autos. Und das Boxeninterieur. Und die IT-Kosten. Statt den Daten-Wahnsinn einzudämmen, um die Rennen unberechenbarer zu machen, wollen die Teams das Gegenteil. Dabei war ihr Grundansatz eigentlich, die Show zu verbessern.

Liberty plant 2019 mit ersten Budget-Tests

Interessanterweise haben sich die Interessen in den letzten Wochen verschoben. Mercedes ist noch am ehesten bereit, die von Liberty vorgeschlagene Budgetdeckelung von 150 Millionen Dollar zu akzeptieren, unter der Voraussetzung, der Vorgang des Schrumpfens passiert in mehreren Schritten. Offenbar lässt es sich konzernintern schwer verkaufen, dass man nicht sparen will.

Der ursprüngliche Hardliner Red Bull dagegen treibt plötzlich die Preise wieder hoch. Der Grund liegt auf der Hand. Honda-Motoren gibt es gratis. Damit wird mehr Geld frei, das man in die Chassis-Entwicklung stecken kann. Bei Ferrari ist noch keine klare Linie zu erkennen. Seit dem Tod von Präsident Sergio Marchionne fehlt ein rechter Plan. Renault hätte gerne so viel Geld wie die Großen und profilierte sich zuletzt als großer Störenfried in der Runde.

Frederic Vasseur & Guenther Steiner - Formel 1 - 2018
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Bei den kleinen Teams regt sich Widerstand gegen die Pläne der großen Gegner.

Den kleinen Teams gehen die Absurditäten mittlerweile zu weit. Deshalb trafen sich am Renntag des GP Brasilien nur die kleinen Teams zu einem Partisanen-Gespräch. Renault, McLaren, Williams, HaasF1, Sauber und Force India wollen sich von den Top-Teams nichts mehr gefallen lassen. Sie wissen, dass die Hersteller ohne sie nicht fahren können. Und für sie ist der Vorschlag von Liberty immer noch die beste Lösung.

Die Amerikaner wollen ungeachtet der Störfeuer ihren Plan durchziehen. 2019 wird es erste Budget-Ermittlungen geben, um herauszufinden ob die Kontrollen auch funktionieren. Neun von zehn Teams haben zugesagt. Die Lehren daraus fließen dann in den endgültigen Kontrollmechanismus ein. 2020 wird dann ein großer Feldversuch gestartet, allerdings noch ohne Strafen.

Mit dem Jahr 2021 beginnt die Budgetüberwachung in drei Schritten: 200, 175 und 150 Millionen Dollar in der Saison 2023. Wer sein Budget überzieht, wird bestraft. Um Strafen auszusprechen muss noch die größte Hürde geschafft werden. Die FIA muss die Budgetdeckelung in ihr sportliches Reglement aufnehmen. Mal schauen, ob FIA-Präsident Jean Todt unter dem Druck der Hersteller standhaft bleibt.

Motorsport Aktuell Arrivabene & Marko - GP USA 2018 F1-Teams verbünden sich Budget-Deckel selbst gemacht

Die zehn F1-Teams sind alarmiert.

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