Mercedes - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019 ams
Ferrari - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019
Ferrari - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019
Mercedes - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019
Mercedes - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019 77 Bilder

Donnerstag-Check GP Russland 2019

Mercedes nicht mehr automatisch Favorit

Donnerstag ist die Ruhe vor dem Sturm. Wir checken die zehn Teams auf Neuigkeiten ab und erklären, warum Lewis Hamilton die Favoritenrolle abtreten will, ob Ferrari an einen vierten Sieg in Folge glaubt und wie Antonio Giovinazzi um sein Cockpit bei Sauber kämpfen will.

Donnerstag ist der PR-Tag vor einem Grand Prix. auto motor und sport stöbert für Sie im Fahrerlager Geschichten und Gerüchte auf. Wir fragen bei den Ingenieuren nach, was neu am Auto ist und bei den Fahrern, wie sie das Rennen einschätzen. Hier ist unser Streifzug durch die zehn Garagen.

Mercedes

Mercedes drängt Ferrari in die Favoritenrolle. Das Sochi Autodrom ist wie Singapur mit längeren Geraden dazwischen. Die Kurven sind fast alle rechtwinkelig. Allerdings wird mit weniger Abtrieb gefahren. Um wie viel weniger könnte das Wetter entscheiden. „Am Samstag wird es ziemlich sicher regnen. Stark regnen sogar. Da könnte es ratsam sein, etwas Abtrieb draufzupacken“, erklären die Ingenieure.

Die Statistik spricht für Mercedes. Die Silberpfeile haben alle Grand Prix in Sotschi gewonnen. Lewis Hamilton fährt nun schon drei Rennen einem Sieg hinterher. Lange für seine Verhältnisse in der Hybrid-Ära. Hamilton sieht Ferrari jetzt überall als wehrhaften Gegner: „Es gibt keine Strecke mehr, auf der Mercedes Favorit ist. Wenn wir Ferrari schlagen wollen, brauchen wir ein perfektes Wochenende. Alles hängt an der Qualifikation. Sobald wir hinter Ferrari liegen, hilft uns auch der bessere Rennspeed nicht mehr. Dann fahren wir hinter ihnen her. Wie in Monza.“

Ferrari - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019
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Teil des Singapur-Updates: Ferraris alte Nase oben, die neue unten.

Ferrari

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto warnt davor, aus dem Sieg in Singapur voreilige Schlüsse zu ziehen. „Es gibt klare Unterschiede zwischen den Strecken. Der Asphalt ist glatter, der Abtrieb geringer.“ Dazu kommen 73 statt 63 Prozent Volllast und andere Reifen als in Singapur. Ferraris Lieblingsreifen, die C5-Mischung von Pirelli, ist nicht dabei. Sebastian Vettel sieht auch keinen Grund dafür, Ferrari nach den drei Siegen in Spa, Monza und Singapur zum Favoriten hochzujubeln. „Mercedes ist im Rennen immer noch schneller als wir. Sie können überall gewinnen, wir noch nicht. Noch sind nicht alle Probleme beseitigt.“

Der Singapur-Sieger räumt aber ein: „Wir sind besser geworden, haben mehr Abtrieb gefunden und ein besseres Verständnis für das Setup. Der Sieg in Singapur, mit dem wir nicht rechnen durften, hat uns viel Vertrauen gegeben.“ Charles Leclerc sieht sich für Sotschi gut gerüstet. Nicht einmal Regen schreckt den zweifachen Saisonsieger. „Immer wenn wir dieses Jahr im Regen gefahren sind, waren wir schnell.“

Red Bull

Die Red Bull-Fahrer werden fünf Startplätze verlieren. Honda baut neue Spec 4-Motoren ein. „Dann werde ich halt Sechster“, scherzt Max Verstappen. Realistisch rechnet er mit einem vierten oder fünften Startplatz – ohne Strafe. Verstappen kennt das Spiel. „Letztes Jahr bin ich von ganz hinten losgefahren und kam trotzdem gut durch das Feld. Überholen ist hier möglich.“ Der Holländer wurde noch Fünfter.

Im Rückblick betrachtet Red Bulls Superstar Singapur als verpasste Chance. „Wir haben mit dem Setup etwas probiert, das nicht funktioniert hat.“ Dumm, dass es gerade auf einer Strecke passierte, die dem Red Bull eigentlich liegen müsste. Von diesen pauschalen Einschätzungen hält Verstappen nicht viel: „In Monza haben wir uns wenig ausgerechnet. Wir haben gedacht, dass uns Ferrari eine Sekunde davon fährt. Dann waren wir vom Rennspeed so schnell wie die.“

Racing Point

In Singapur brachte Racing Point das letzte Aero-Paket des Jahres. „Ab jetzt machen wir nur noch Feintuning“, verrät Sergio Perez. Der Mexikaner lobt den jüngsten Schritt: „Der neue Frontflügel war ein Fortschritt. Aber wir müssen ihn noch besser verstehen.“ Perez macht noch einmal Werbung für den Vorstoß der Fahrergewerkschaft GPDA, die vom Formel 1-Management eine gerechtere Geldverteilung verlangen, um das Feld näher zusammenrücken zu lassen. „Das Mittelfeld bietet die bessere Show als die Spitze. Wir haben deshalb auch mehr TV-Zeit verdient. Stellt euch vor, das ganze Feld läge innerhalb einer Sekunde. Das wäre eine noch viel bessere Unterhaltung als jetzt.“ Formel 1-Boss Chase Carey wird es gerne gehört haben.

Williams

George Russell ärgert sich über eine verpasste Chance in Singapur. „Wenn wir dort alles richtig gemacht hätten, wäre das Q2 möglich gewesen. Dann hätte ich auch den Unfall mit Grosjean nicht gehabt. Wir sind im Q1 zu spät auf die Strecke. Deshalb bin ich im Verkehr hängengeblieben.“ Seine Chancen in Sotschi schätzt der Engländer nüchtern ein: „Besser als in Spa und Monza, schlechter als in Budapest und Singapur.“ Seine leise Hoffnung ist, einen der HaasF1 zu schlagen: „Da muss aber bei uns alles perfekt laufen und sie müssen Fehler machen.“

Williams hat noch ein Technik-Upgrade in der Hinterhand. In Suzuka, spätestens in Mexiko kommt ein neuer Frontflügel. Russell ist sich sicher, dass er im nächsten Jahr nicht mehr gesetztes Schlusslicht sein wird. „Ich bin hundertprozentig überzeugt, dass wir nicht mehr die gleichen Fehler wie dieses Jahr machen. Ich verwette das Haus meiner Eltern dafür, dass wir nächstes Jahr das Auto für den ersten Testtag fertig haben. Ich glaube auch, dass wir den Anschluss an das Feld schaffen können.“

Renault - GP Russland - Sotschi - Formel 1 - Donnerstag - 26.9.2019
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Renault will in Sotschi Punkte auf McLaren gutmachen.

Renault

Nico Hülkenberg kam gut gelaunt von einem Zweitages-Trip nach Moskau. „Es war so bitterkalt dort, dass ich mir erst einmal eine Winterjacke gekauft habe.“ Neuigkeiten zu seiner Zukunft gibt es noch nicht. Der Renault-Pilot ist aber zuversichtlich, dass in den nächsten zwei Wochen eine Entscheidung fällt. Ein gutes Rennen in Sotschi könnte den Entscheidungsträgern bei Alfa-Sauber weitere Argumente in die Hand geben.

Hülkenberg ist zuversichtlich, dass er zum vierten Mal in Folge ein zählbares Resultat abliefern kann. „Unser Paket ist gut genug für Punkte in Sotschi. Es ist eine Power-Strecke, und da waren wir zuletzt immer bei der Musik.“ Teamkollege Daniel Ricciardo warnt vor McLaren. „Die sind uns noch in ein paar Disziplinen voraus. Die McLaren sind besser über die Randsteine, deshalb können sie die Strecke besser nutzen als wir. Und sie sind bei gleichem Abtrieb effizienter.“ Obwohl Renault kein Aero-Upgrade nach Russland gebracht hat, sieht Ricciardo Anzeichen der Besserung: „Wir verstehen unser Auto besser. Deshalb sind wir mit der Fahrzeugabstimmung sicherer geworden. Wir müssen von Freitag auf Samstag nicht mehr das ganze Auto umbauen.“

Toro Rosso

Daniil Kvyat freut sich auf sein Heimrennen. Es hält gute und schlechte Erinnerungen für ihn bereit. „Bei meinem ersten Rennen 2015 habe ich mich mit dem Toro Rosso auf Platz 5 qualifiziert. Ein Jahr später wurde ich im Red Bull Fünfter im Rennen.“ Der Tiefpunkt war der Startcrash mit Sebastian Vettel 2016. Es war der Auslöser für seine Degradierung zu Toro Rosso. Teamkollege Pierre Gasly erlebte drei Jahre später die gleiche Demütigung. Nach der Sommerpause war er seinen Sitz bei Red Bull los. Der Franzose ist darüber mittlerweile hinweg und freut sich, dass er sich mit dem Toro Rosso STR14 so schnell angefreundet hat. Sein Plan für Sotschi: „Wir müssen es schaffen, unser Auto gut für die vielen 90-Grad-Kurven abzustimmen. Dann passt auch der Rest der Strecke.“

Für Kvyat hält der Heim-Grand Prix eine bittere Pille bereit. Er bekommt einen neuen Motor, Turbolader, MGU-H, MGU-K und Steuereinheit. Das heißt für ihn Start von ganz hinten. Bei Gasly wird nur die Verbrennungsmaschine getauscht. Er muss fünf Startplätze zurück.

HaasF1

Der US-Rennstall hat beide Autos mit der Melbourne-Spezifikation ausgerüstet, die in ein paar Details geändert wurde. „Der Simulator hat uns gesagt, dass die Spezifikation in Sotschi besser sein würde wie die letzte Aero-Stufe. Außerdem fühlen sich unsere Fahrer mit dieser Version wohler“, erklärt Teamchef Guenther Steiner. Obwohl die Entwicklungsarbeit von sechs Monaten praktisch wirkungslos verpufft ist, sieht Steiner das Positive. „Das Experiment mit dem alten Auto und der Vergleich mit den neueren Entwicklungsstufen hat uns unser Problem besser erkennen lassen. Der Hund liegt in der Aerodynamik begraben. Als Folge davon treffen wir das Reifenfenster so selten. Wir wissen jetzt wenigstens, was wir tun müssen. Wir müssen es aber noch in die Realität umsetzen.“ Deshalb erklärt HaasF1 den Rest der Saison zur Testphase. „Wir werden auf dieser Basis noch ein paar neue Teile testen.“ Zum Beispiel ein neuer Frontflügel in Suzuka. Platz 8 ist trotzdem noch ein Ziel. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

McLaren

Carlos Sainz hat nach der Sommerpause noch nicht gepunktet. Das will der Spanier in Sotschi korrigieren. „Auf der Strecke sollte unser Auto noch besser als in Singapur sein.“ McLaren fühlt sich auf Platz 4 noch nicht auf der sicheren Seite: „Ein Wochenende kann alles ändern“, sagt Teamchef Andreas Seidl und schaut dabei auf den 22-Punkte Reibach von Renault in Monza.

Alfa Sauber

Antonio Giovinazzi hat sich den großen Moment von Singapur, als er vier Runden in Führung lag, mehrmals im Internet angeschaut. Es wurden sogar T-Shirts produziert mit der Aufschrift „GIO P1“. Ein bisschen ärgert sich der Italiener noch, dass er wegen der Kollision mit Daniel Ricciardo nicht während der ersten SafetyCar-Phase Reifen wechseln konnte. „Ich habe sie um zwei Runden verfehlt. Sonst hätte ich Achter werden können.“

Seine Zukunft bei Sauber ist trotzdem nicht gesichert. „Ich muss weiter alles geben. Wenn ich weiter so gute Rennen wie in Monza und Singapur fahre und Punkte hole, kann mir meinen Sitz im Team keiner nehmen.“ Giovinazzi gibt sich selbst gute Noten: „Der Speed war immer da. Mal bin ich schneller als Kimi, mal ein bisschen langsamer. Meine größte Schwäche war zu Beginn des Jahres das Rennen. Ich bin zwei Jahre lang keine Rennen gefahren und musste mich an Zweikämpfe und Überholmanöver wieder gewöhnen. Dazu kam noch das Reifenmanagement und das Spritsparen. Das war alles ungewohnt für mich. Aber jetzt komme ich da immer besser in Schwung.“

Kimi Räikkönen fährt in Russland seinen 308. Grand Prix. Nur noch zwei Fahrer liegen jetzt vor ihm. Rubens Barrichello mit 323 GP-Starts, Fernando Alonso mit 312. Räikkönen gibt die Zahl nichts: „Mich interessieren nur Ergebnisse.“ Der finnische Veteran sieht in Sotschi bessere Chancen als in Singapur: „Unser Auto ist nicht so gut über Bodenwellen. In Sotschi ist der Asphalt ziemlich glatt. Das sollte uns helfen.“

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Auf das Nachtrennen in Singapur folgt die sechste Ausgabe des GP Russland.

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