Lewis Hamilton - Max Verstappen - GP Brasilien 2021 Motorsport Images
Max Verstappen - Lewis Hamilton - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Max Verstappen - Lewis Hamilton - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen 59 Bilder

Überholen & Verteidigen: Fahrer fordern eine Linie

Fahrer fordern Konstanz bei Strafen „Andere Stewards, anderes Urteil“

Max Verstappens rustikale Fahrweise hat eine alte Grundsatzdebatte neu angestoßen. Unterschiedliche Sportkommissare kommen auf unterschiedliche Urteile. Die Fahrer fordern Klarheit, werden aber auch in Zukunft mit Tatsachenentscheidungen leben müssen.

Der GP Brasilien wurde mit einer Verspätung von fünf Tagen zu den Akten gelegt. Dann war der Fall Max Verstappen gegen Lewis Hamilton endlich geschlossen. Die Sportkommissare bestätigten ihr Urteil von damals, den Red-Bull-Fahrer ohne Strafe davonkommen zu lassen und kassierten den Einspruch von Mercedes, die eine Bestrafung gefordert hatten. Mercedes-Teamchef Toto Wolff versuchte im Nachgang, das Eigentor abzuwehren. Sein Rennstall habe mit dem Gesuch vor allem Klarheit schaffen wollen: was erlaubt ist und was nicht.

Es war ein Manöver mit ausgefahrenen Ellbogen. Da waren sich alle einig. Ein Manöver, bei dem andere Sportkommissare vielleicht ein anderes Urteil ausgesprochen hätten. In Österreich zum Beispiel verhängten die Schiedsrichter jeweils Strafen von fünf Sekunden gegen Lando Norris und Sergio Perez, weil sie ihre Gegner ins Kiesbett geschickt hatten.

Zwei Jahre zuvor hatte sich Verstappen gegen Leclerc in Spielberg den Weg zum Sieg geboxt. Der Ferrari rumpelte über den gelben Abweiser durch die asphaltierte Auslaufzone. Verstappen kam straffrei davon. "Let them race", lasst es die Fahrer auf der Strecke regeln: So war die Auslegung damals, und so war sie es in Brasilien.

Max Verstappen - Red Bull - GP Österreich 2019 - Spielberg
Wilhelm
Verstappen boxte sich in Österreich 2019 gegen Leclerc zum Sieg.

Fahrer debattieren

Eine einheitliche Handhabung ist aus den verschiedenen Urteilen der letzten Jahre nicht herauszulesen. Es gibt nicht wenige im Fahrerlager, die sagen, das ist auch gar nicht möglich. Es sei wie im Fußball. Auch da gäbe es Schiedsrichter, die mit langer Leine strittige Situationen laufen lassen, um den Spielfluss nicht zu stören. Und andere, die die Spieler an die kurze Leine halten, weil sie die Regeln penibel auslegen, und strittige Situationen bereits im Keim ersticken wollen.

Jedenfalls ging unter den Fahrern und bei den Experten die Meinung auseinander. Es gab viele verschiedene Ansichten zu dem Fall. Praktisch jeder hatte seine Meinung zu Verstappens Manöver. Mal hieß es, laufen lassen, mal bestrafen. Mal dass es einen Unterschied mache, ob da in der Kurve eine Mauer stünde, ein Kiesbett liege oder asphaltiert wäre.

Carlos Sainz soll das Thema im Fahrer-Briefing am Freitag in Katar zusammen mit den Teammanagern und der Rennleitung angesprochen haben. Später als die Teammanager gingen, soll noch rund eine Stunde über die Regeln zum Überholen und Verteidigen gesprochen worden sein. Die Fahrer verließen die Sitzung mit einem für sie unbefriedigenden Ergebnis. "Andere Sportkommissare, andere Urteile." Zu einem Gentlemen's Agreement kommt man in solchen Streitfragen ohnehin nie, weil jeder anders tickt. Man sieht es im Kleinen, wenn es darum geht, am Ende einer Aufwärmrunde nicht zu überholen. Wenn in der Qualifikation die Zeit abläuft, schert da der eine oder andere aus.

Verstappen beschwert sich

Die Piloten wünschen sich Klarheit. Wie dürfen sie sich verteidigen? Und was ist nicht erlaubt? "Die meisten, abgesehen von Max, haben um eine Klarstellung gebeten", führte Lewis Hamilton am Samstag von Katar nach der Qualifikation aus. "Aber es ist nicht wirklich eindeutig aufgeschlüsselt worden. Es ist immer noch nicht klar, wo die Grenze liegt. Wir bitten um Widerspruchsfreiheit. Wenn die Regeln so wie in Brasilien ausgelegt werden, und es für alle gilt, dann ist es auch in Ordnung."

Valtteri Bottas stimmte zu. "Es gab keine wirkliche Erklärung dazu, was wir tun dürfen und was nicht erlaubt ist." Der Finne gibt aber auch zu Bedenken. "Jedes Überholmanöver, jede Verteidigung ist anders. Ich bin mir sicher, die Stewards geben bei der Entscheidungsfindung ihr Bestes."

Max Verstappen beschwerte sich über Indiskretionen. "Was mich stört ist, dass diese Themen an die Öffentlichkeit gelangen. Wir diskutieren intern mit Experten. Das sollte nicht in den sozialen Netzwerken landen. Ich bevorzuge es, mit den Leuten in der Verantwortung zu sprechen, und gemeinsam eine Lösung zu finden."

Max Verstappen - Formel 1 - GP Brasilien 2021
Wilhelm
Das Rennen in Brasilien beschäftige die Formel 1 auch fünf Tage nach Fallen der Zielflagge noch.

System wie im Fußball

Ein Muster ist, dass sich immer der beschwert, der betroffen ist. Mercedes hätte Hamilton mit Sicherheit verteidigt, wenn er es gewesen wäre, der den anderen Fahrer in die Auslaufzone geschickt hätte. Red Bull hätte sicher auf die doppelt-gelb geschwenkten Flaggen in der Qualifikation hingewiesen, wenn Hamilton dort nicht vom Gas gegangen wäre. Es liegt in der Natur des Sports, sich aufzuregen, wenn man sich selbst von der Auslegung der Regeln ungerecht behandelt fühlt.

Eine Stimme aus dem Fahrerlager sagt dazu: "Es wurde 2019 ausgemacht, dass generell das Prinzip "let them race" gilt. Und die Fahrer begrüßen das auch, solange sie nicht selbst im Nachteil sind." Man kann ihre Gefühlslage durchaus mit den Rufen nach Regeländerungen vergleichen. Sie wünschten sich die schnellsten Autos der Geschichte, bekamen sie 2017, klagten aber, dass das Überholen zu schwer geworden ist. Den Fahrern wären auch Autos und Reifen am liebsten, die sie nie schonen müssten. Mit denen sie im Rennen Qualifikationsrunden abspulen könnten. Was aber die Rennen nicht besser machen würde.

Mit dem Problem verschiedener Schuldsprüche werden sie wohl leben müssen. Oder würde es helfen, wenn es vier Sportkommissare für alle Rennen gäbe? McLaren-Teamchef Andreas Seidl winkt ab. "Ich glaube, dass permanente Stewards auch nicht die Lösung wären. Das erste, was die Sportkommissare bei einer Untersuchung machen, ist nach einem Vergleichsfall aus der Vergangenheit zu suchen."

Ein Problem will die Formel 1 lösen. Es soll ein System wie im Fußball her. Die Tatsachenentscheidung soll nicht mehr anzufechten sein. Die Sportkommissare schauen bei strittigen Entscheidungen wie üblich genau hin. Sie bilden sich ihre Meinung, sie kommen zu einem Urteil. Und wenn das steht, ist es mit dem Ergebnis des Grand Prix nicht mehr zu ändern. So sollte das Ärgernis aus dem Weg geräumt werden, dass Rennen ein tagelanges Nachspiel haben können.

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