Charles Leclerc - GP Brasilien 2019 Motorsport Images
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Binotto sauer auf Ferrari-Piloten

„Das war eine dumme Aktion“

Der Crash von Sebastian Vettel und Charles Leclerc sorgte dafür, dass Ferrari mit null Punkten aus Interlagos abreiste. Teamchef Mattia Binotti fand anschließend klare Worte für das Verhalten seiner Fahrer. Die Schuldfrage ist aber noch ungeklärt.

Nach der Motorenstrafe gegen Charles Leclerc lag in Sao Paulo lange Zeit genügend Platz zwischen den beiden roten Rennwagen. Doch dann blieb Valtteri Bottas mit seinem Mercedes liegen und die Rennleitung neutralisierte das Geschehen. Sebastian Vettels Vorsprung von knapp 18 Sekunden wurde eingedampft. Zudem nutzte Ferrari die Chance, um Leclerc frische Reifen aufzuschnallen.

Als das Rennen sechs Runden später wieder freigegeben wurde, musste Vettel erst den Red Bull von Alexander Albon passieren lassen. Dann klopfte auch noch der eigene Teamkollege an. Im Senna-S schob sich Leclerc mit einem kompromisslosen Manöver vorbei. Auf der Gerade danach startete Vettel außen den Konter. Der Heppenheimer war schon fast vorbei, als sich sein linkes Hinterrad mit dem rechten Vorderreifen Leclercs verhakte.

Bei hohem Tempo hatte die kleine Berührung gravierende Auswirkungen. Leclerc musste mit gebrochener Aufhängung in die Auslaufzone. Beim Schwesterauto löste sich der Hinterreifen auf, was ebenfalls zur vorzeitigen Aufgabe führte. Direkt nach der Szene sendeten die Beteiligten wüste Beschimpfungen über Funk ab. Zurück im Fahrerlager hatten sich die Hitzköpfe aber schon wieder beruhigt.

Sebastian Vettel - GP Brasilien 2019
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Die beiden Ferrari kamen sich zu nah. Doch wen traf die Hauptschuld?

Vettel und Leclerc sehen sich unschuldig

„Wir hatten einen aggressiven Kampf in der Schikane. Ich bin besser aus Kurve zwei gekommen und habe versucht auf der Geraden zu überholen. Ich hatte außen nicht viel Platz. Ich dachte, dass ich schon vorbei bin, aber dann haben wir uns berührt“, schilderte Vettel den Vorfall aus seiner Sicht, ohne näher auf die Schuldfrage eingehen zu wollen.

Auch Leclerc verzichtete auf Vorwürfe gegen den Teamkollegen. Er selbst war sich aber keiner Schuld bewusst: „Ich wusste, dass Seb auf der Außenseite angreift und habe ihm etwas Platz gelassen. Ich bin auf meiner Linie geblieben, als er versucht hat, mich etwas nach innen zu drücken. Dann haben wir uns berührt.“

Für den Monegassen war es insgesamt eine unglückliche Situation: „Es ist ja alles sehr schnell passiert. Es war nur ein kleiner Kontakt, aber das Resultat ist natürlich ein Desaster. Ich glaube, dass keiner von uns etwas komplett Dummes gemacht hat. So etwas passiert halt manchmal. Das müssen wir jetzt analysieren. Ich bin mir aber sicher, dass wir reif genug sind, um diese Sache hinter uns zu lassen.“

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Ferrari lässt Fahrer fighten

Die Einschätzung, dass keiner der Fahrer etwas Dummes gemacht hat, wollte Teamchef Mattia Binotto nicht teilen. „Wir haben sie frei kämpfen lassen, weil wir den zweiten Platz in der Konstrukteurswertung schon gesichert haben. Sie konnten also um ihre eigene Position in der Fahrer-WM fighten. Frei kämpfen heißt aber nicht dumme Dinge zu tun. Vor allem nicht, wenn es sich um zwei Ferrari handelt.“

Der Teamchef wollte an der Strecke keinem Fahrer die Hauptschuld an der Kollision geben. Man wolle erst alle Daten analysieren. Die Aufarbeitung des Zwischenfalls soll in der Fabrik in Maranello erfolgen. „Es geht dabei nicht darum, einem von beiden die Schuld zuzuschieben. Aber es ist wichtig, dass jeder eingesteht, wenn er einen Fehler gemacht hat. Nur dann kann man sich weiterentwickeln. Wir müssen jetzt herausfinden, was genau passiert ist. Und das machen wir ganz in Ruhe“, erklärte Binotto.

Die Einschätzung vieler Experten, dass solch eine Kollision nach den kleinen Scharmützeln in Monza und Sotschi unvermeidlich gewesen sei, teilte der Teamchef nicht. „Nach Monza haben wir uns ausgesprochen. Aus meiner Sicht hatten die Fahrer zuletzt eine gute Beziehung. Aber das Rennen heute hat diesbezüglich sicher nicht geholfen.“

Sebastian Vettel - GP Brasilien 2019
Motorsport Images
Kleine Berührung mit großer Wirkung. Ferrari reiste mit null Punkten aus Sao Paulo ab.

Binotto hofft auf Lerneffekt

Kritik am Führungsstil wies der Ingenieur zurück: „Wir wurden in der Vergangenheit kritisiert, wenn wir den Fahrern im Zweikampf zu viel vorgeschrieben haben. Jetzt haben wir sie kämpfen lassen, und es ist auch nicht richtig. Wir haben immer Gründe für unsere Entscheidungen. Und heute war es richtig, sie frei fahren zu lassen. Man muss aber als Fahrer auf der Strecke stets das richtige Maß in Sachen Risiko wählen. Das Risiko war heute unnötig. Für mich war das einfach eine dumme Aktion.“

Am Ende versuchte Binotto in dem Doppel-Ausfall noch etwas Positives zu sehen: „Wenigstens gibt uns das die Gelegenheit, die internen Regeln vor der kommenden Saison noch einmal zu klären, damit das in der Zukunft nicht noch einmal passiert. So etwas darf sich nicht wiederholen.“

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