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Formel 1-Sportreglement 2021: 10 große Anpassungen

Formel-1 Sport-Reglement 2021 Die 10 großen Anpassungen

Startzeiten, Testfahrten, Rennzeit, Reifenauswahl: Das Sportliche Reglement hat sich gegenüber der Vorsaison in mehreren Punkten geändert. Wir haben uns die 89 Seiten angesehen und die entscheidenden Neuerungen herausgefiltert.

Inzwischen hat die Formel 1 drei große Regelwerke. Zum Technischen und Sportlichen kommt ab dieser Saison das Finanzielle hinzu. Erstmals dürfen die Teams nicht mehr so viel ausgeben, wie der Geldbeutel eigentlich hergeben würde. Der Budgetdeckel – in Englisch "Cost Cap" – schränkt sie in der Fahrzeugentwicklung genauso ein wie das Einfrieren diverser Fahrzeugkomponenten für 2021.

Technisch gibt es fünf große Veränderungen, die Auswirkungen auf die Aerodynamik und das Fahrzeug-Setup haben werden. Das Wegfallen der Slots seitlich am Unterboden im Bereich der Bargeboards. Der dreiecksförmige Ausschnitt vor den Hinterreifen. Die Verkleinerung der Finnen an den hinteren Bremsbelüftungen um ein paar Millimeter. Die kürzeren Diffusor-Stege. Die neuen Pirelli-Reifen.

Doch was sind die wichtigen Veränderungen im Sportlichen Reglement, das die FIA 2021 auf 89 Seiten niederschreibt? Immerhin vier mehr als im Vorjahr. Wir haben für Sie die wichtigsten Punkte herausgesucht.

Mercedes F1 Windkanal
Mercedes
Für die Entwicklung im Windkanal gelten neue Spielregeln.

1.) Neues System für Windkanal – Anhang 8, Punkt 6, Seite 72/89

Erstmals begrenzt die Formel 1 nicht nur die Entwicklungszeit in Windkanal und mit CFD, sondern gestattet dem Weltmeister nur noch 90 Prozent vom Maximal-Kontingent und dem WM-Letzten 110 Prozent. Die FIA zieht hierfür die WM-Tabelle des Vorjahres heran. Mercedes bekommt die wenigsten Windkanalstunden, Williams die meisten. Das soll dabei helfen, die Abstände im Feld zu verringern. Dazwischen wird in Schritten von je 2,5 Prozent gearbeitet.

Heißt zum Beispiel: Red Bull darf 92,5 Prozent der Belegungszeit von 400 Stunden (festgeschrieben auf einen Zyklus von acht Wochen) im Windkanal verbringen, also in Summe 370 Stunden. Zehn mehr als Mercedes. Ferrari stehen in acht Wochen 410 Stunden zu (102,5 Prozent). Ab dem 1. Juli werden die Windkanalstunden nach der aktuellen WM-Platzierung vergeben.

2.) Gekürztes Testprogramm – Artikel 10.5, Seite 8/89

Das Sportliche Regelwerk gestattet nur noch einen dreitägigen Wintertest, der nicht näher als zehn Tage vor dem Startschuss in die Saison terminiert sein darf. Deshalb der Termin vom 12.-14. März in Bahrain. McLaren hätte sich nach dem Umbau vom Renault- auf den Mercedes-Motor mehr Testtage gewünscht. Testfahrten unter der Saison dürfen die Teams in Eigenregie nicht durchführen. Das gekürzte Winterprogramm und das Verbot von weiteren Tests spart ihnen viel Geld, erfordert aber Kompromisse bei der Vorbereitung auf die neue Saison. Das Programm von vorher sechs Testtagen bekommt keiner in nur drei Fahrtagen unter.

3.) 25 Tage für die 18 Zoll-Räder – Artikel 10.5 c.), Seite 9/89

Nicht neu, aber wichtig, weil die Formel 1 im Zuge der Regelrevolution 2022 auch auf neuen Rädern rollt. Und dieser Wechsel will gut vorbereitet sein. Testfahrten unter der Saison finden nur zum Zweck der Reifenerprobung statt. Das Regelwerk sieht hierfür wie zuvor 25 Testtage für Reifenlieferant Pirelli vor, die zwischen dem 1. Februar bis spätestens eine Woche nach dem Saisonfinale stattfinden müssen. Im Vorjahr waren Pirelli wegen Corona die Hände gebunden. Man hofft auf mehr Glück in diesem Jahr. Ein paar Trainingsminuten für Tests mit den 18 Zöllern werden zu wenig sein.

Auf Rennstrecken, wo 2021 ein Grand Prix ausgetragen wird, darf erst nach dem Rennwochenende getestet werden. Für die Erprobung der neuen Reifen auf 18 Zoll großen Rädern schmiedet Pirelli die Planung. Erlaubt sind Autos ab 2018 bis zur aktuellen Generation. Allerdings dürfen nur Reifen, Felgen und Radabdeckungen nach dem 2022er Reglement sein.

Pirelli-Reifen - 70 Jahre F1 GP - Silverstone - Formel 1 - 6. August 2020
Motorsport Images
Keine Auswahlmöglichkeit: Pirelli bestimmt weiter, von welchem Reifentyp es wie viele Garnituren pro Rennwochenende gibt.

4.) Pirelli bestimmt die Reifensätze – Artikel 24.2, Seite 22/89

2020 war es noch eine Notlösung. Aufgrund des umgeschmissenen Kalenders und dem knappen Vorlauf hatte Pirelli den Teams vorgeschrieben, wie viele Reifen man von welcher Sorte bekommt. Keiner hatte die freie Reifenwahl. 2021 wird aus der Not eine Tugend gemacht. Jeder Fahrer erhält pro Rennwochenende zwei Sätze der harten Mischung, drei Garnituren des Mediums und acht weiche Sätze. Spätestens zwei Wochen vor den Rennen informiert die FIA, welche drei der fünf Trockenmischungen für den Grand Prix nominiert sind.

Die Anpassung könnte Spannung bringen. Weil die Teams erst Wochen später erfahren, welche Mischungen tatsächlich zum Einsatz kommen. Kürzerer Vorlauf gleich weniger Simulationen gleich weniger Daten, mit denen man an die Rennstrecke reist.

5.) Kürzeres Freitagstraining – Artikel 32.1, Seite 31/89

Die Trainingszeit am Freitag schmilzt. Von drei auf zwei Stunden. Zwischen den jeweils einstündigen Trainings muss mindestens eine Pause von zweieinhalb Stunden liegen. Das dritte Training dauert weiterhin 60 Minuten. Das gekürzte Trainingsprogramm wird vor allem die Teams treffen, die junge Fahrer im Cockpit sitzen haben. In erster Linie Haas, das zwei Neulinge aufbietet.

Es heißt, dass manchen Teams die neuen Einschränkungen erst bewusst wurden, als sie zu Papier gebracht worden waren. Da gab es kein Zurück mehr zum alten System. Weniger Vorbereitungszeit, weniger Möglichkeiten, Abstimmung und Aerodynamik-Konfiguration zu bestimmen, dürfte den erfahrenen Piloten in die Karten spielen. Und den Teams mit Hightech-Simulatoren in der heimischen Fabrik – wie Mercedes oder Red Bull. Die können nach dem Freitagstraining für die Feinjustierung angeworfen werden.

6.) Rennen maximal drei Stunden – Artikel 6.5, Seite 4/89

Die maximale Renndauer wird von vier auf drei Stunden gekürzt. Das verschafft der Formel 1 mehr Luft nach hinten. So läuft man nicht Gefahr, von einsetzender Dunkelheit ausgebremst zu werden. Und man ist variabler mit der Startzeit – vor allem bei Überseerennen, um sie für den europäischen Zuschauer erträglich zu machen. Jeder frühere Start wäre den Teams übrigens willkommen. Insbesondere bei Back-to-back-Rennen und drei Grands Prix nacheinander entlastet jede Minute, die man früher mit dem Abbau beginnen kann. Die Starts erfolgen wieder zur vollen Stunde, und nicht mehr um zehn nach.

Startaufstellung - GP Abu Dhabi 2020 - Rennen
xpb
In der Startaufstellung müssen sich die Teams auf neue Timings einrichten.

7.) Artikel 36 ff, ab Seite 35/89

Die Startprozedur wird etwas angepasst. In Artikel 36.1 fügten die Regelhüter folgenden Satz hinzu: "Sobald die Boxengasse geöffnet ist, dürfen nicht mehr als 42 Teammitglieder eines jeden Wettbewerbers in der Startaufstellung sein." Die FIA setzt hier also ein Limit.

Die Mechaniker müssen die Reifen nun fünf Minuten und nicht mehr erst drei Minuten vor Beginn der Einführungsrunde angeschraubt haben. Danach dürfen die Reifen nur noch in der Boxengasse abgezogen werden. Das Regelwerk schreibt außerdem vor, dass dann die Heizdecken von der Stromversorgung getrennt werden müssen, und das Teampersonal damit beginnen muss, die Startaufstellung zu verlassen. Drei Minuten vor dem Startschuss sind nur noch 16 Teammitglieder im Grid erlaubt.

Sollte Regen vor dem Start einsetzen, gelten andere Regeln. Im Fall eines Schauers sieben (statt fünf) Minuten bevor die Autos losrollen, und mit Erlaubnis des Renndirektors Michael Masi, können die Teams in der Startaufstellung auch die Reifen tauschen. Dann erleuchten die fünf roten Lichter für einen Abbruch, und die Startprozedur beginnt erneut bei der 10-Minuten-Marke.

8.) Grenzen bei Geister-Rennen, Artikel 21.6, ab Seite 15/89

Diesen Passus gab es im Vorjahr noch nicht, obwohl die Mehrzahl der Rennen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Es sind bei Geister-Rennen nur noch 90 Teammitglieder an der Rennstrecke erlaubt. 60 dürfen dabei maximal mit dem Auto zu tun haben. Bei einem normalen Grand Prix mit Zuschauern und Zugang zum Fahrerlager für Gäste ist die Anzahl an Teammitgliedern, die am Auto arbeiten, ebenfalls auf 60 beschränkt, der Rest wie das Marketing, Presseabteilung oder Hospitality-Angestellte aber offen.

9.) Zwei Wochen Ruhe, Artikel 21.8, Seite 17/89

Die Teams müssen unter der Saison für zwei Wochen ihre Fabriken zusperren. Entweder im Juli oder im August. Da im Juli zwei Rennen ausgetragen werden sollen, wird jeder die Zwangspause zwischen den GP Ungarn (1. August) und GP Belgien (29. August) legen. Im Vorjahr zwang das Regelwerk wegen Corona die Teams, ihre Fabriktore sogar für 63 Tage runterzufahren. Es war eine der Kostensparmaßnahmen.

10.) Gebühren für einen Protest – Artikel 17.2, Seite 12/89

Der Passus 17.2 ist neu. Jedes Team, das gegen eine Entscheidung der Sportkommissare in Berufung geht, muss eine Gebühr von 6.000 Euro entrichten. Die Gebühren für einen Protest betragen weiterhin 2.000 Euro.