F1 Sprint Silverstone 2021 - GP England Wilhelm
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
Red Bull - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
Siegerparade - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021 40 Bilder

Formel 1: Verbesserungsvorschläge für Sprint

Änderungen am Sprint-Format Experiment mit Luft nach oben

GP Großbritannien

Der erste Sprint der F1-Geschichte war ein Experiment mit mehr Stärken als Schwächen. Wenn der Mini-Grand Prix die Ausnahme bleibt, bereichert er das Repertoire wie Nachtrennen. Man könnte aber noch einige Dinge verbessern.

Die Meinungen über die Premiere des Sprintrennens in Silverstone waren geteilt. Komplette Ablehnung fehlte genauso wie überschwängliche Begeisterung. Fernando Alonso war zwar einer der Profiteure des neuen Formats, wollte aber keine Wertung abgeben. "Der Sprint ist eine Abkehr von der Routine. Er wurde für die Fans ausprobiert, also liegt es jetzt an den Fans uns zu sagen, was sie davon halten. Unsere Meinung ist dabei nicht so wichtig. Für uns war es weder besser noch schlechter, nur anders."

Eines muss man fairerweise nach dem Experiment sagen. Der GP England wäre mit einem normalen Ablauf nicht besser verlaufen. Die drei Höhepunkte verteilt auf drei Tage haben dem Wochenende eine besondere Dramaturgie mitgegeben. Mercedes und Red Bull fielen von einem Extrem ins andere. Jubel folgte Enttäuschung und umgekehrt.

Jeder Tag schrieb seine eigene Geschichte. Wenn das für Außenstehende bedeutungslose zweite Training das einzige Problem war, dann ist das geschenkt. Freie Trainingssitzungen sind auch sonst nur für die Ingenieure ein Fest. Und für die Fans, denen fahrende Autos genügen, egal ob es um was geht oder nicht.

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10 Überholmanöver im Sprint, 26 im Rennen

Besser als ein drittes Training war der Sprint allemal. Und genau das hat das Rennen über 17 Runden im Vergleich zum normalen Programm ersetzt. Die Kritik, dass abgesehen von der ersten Runde wenig los war, ist nicht ganz gerecht.

Da gab es die Verteidigungsschlacht von Fernando Alonso gegen die zwei McLaren, die Aufholjagd von Carlos Sainz und das Drama um Sergio Perez. Viel mehr los war am Sonntag im Rennen auch nicht. Wenn 16 der 20 Fahrer am Ende des Qualifikationsrennens eine andere Position einnehmen als vorher, kann man nicht sagen, dass nichts passiert ist.

Im Sprint haben wir zehn Überholmanöver nach der ersten Runde gezählt. Im Hauptrennen waren es 26 bei dreifacher Distanz. Silverstone war in der Hinsicht sowie nicht der ideale Ort für die Premiere eines 100 Kilometer-Rennens. Überholen ist schon seit Jahren ein Problem im Mekka des britischen Motorsports.

Monza wird da nicht viel besser werden. Wer das Experiment gelingen lassen will, müsste damit eigentlich nach Baku, Spa, Austin, Mexiko und Interlagos gehen. Dann hat er eine gute Chance auf viele Platzverschiebungen.

Verstappen, Hamilton & Bottas - Formel 1 - GP England - Silverstone - 17. Juli 2021
Motorsport Images
Der Sprint sorgte für eine Achterbahnfahrt bei den Hamilton-Fans. Nach der Quali-Bestzeit und der Sprint-Niederlage gab es am Sonntag dann den Sieg.

Mehr Chancen etwas falsch zu machen

Mit ein bisschen Abstand muss selbst der größte Traditionalist zugeben, dass der Sprint für ausgewählte Veranstaltungen eine Chance verdient hat. Er bietet den Promotern so wie ein Nachtrennen ein Alleinstellungsmerkmal. Bei einer Flut von 23 Rennen pro Jahr wird man am Ende Highlights brauchen, sonst kann man sich beim 15. Grand Prix nicht mehr erinnern, was im fünften passiert ist. Ein Sport verkauft sich auch über die Stories, die er erzählt. Freie Trainingssitzungen aber schreiben keine Geschichten.

Es geht auch in die richtige Richtung, dass die Teams weniger Vorbereitungszeit bekommen. In nur 60 Minuten freiem Training ist die Chance größer, dass einer Fehler macht. Das wird zwar nicht dazu führen, dass ein Red Bull ans Ende des Feldes abrauscht und ein Aston Martin ein Rennen gewinnt, aber es kann in den einzelnen Gruppen für Verschiebungen sorgen.

Ein zusätzliches Rennen öffnet eine weitere Tür etwas falsch oder richtig zu machen. Insofern war es gut, dass sich das Risikospiel von Alpine und Alfa Romeo ausgezahlt hat, Alonso, Ocon und Räikkönen mit weichen Reifen in den Sprint zu schicken.

Max Verstappen - Formel 1 - GP England 2021
Red Bull
Pole Position für den Sprint-Sieger? Für Traditionalisten ein absolutes No-Go!

Sechs Vorschläge zur Verbesserung

Ein bisschen Feintuning muss trotzdem sein. Und diese Möglichkeit hat sich das F1-Management auch eingeräumt bevor man eine Entscheidung trifft, ob und wie es 2022 weitergeht. Wir haben uns da etwas überlegt:

1. Der Start der Qualifikation um 19 Uhr war zu spät. 17 Uhr ist auch noch Prime Time. Da sind am Freitag alle zuhause. Mit der früheren Startzeit würde man die Qualifikation aufwerten, weil sie am nächsten Tag in größerer Breite in den Printmedien und im Netz stattfindet. Irgendwie hatte man das Gefühl, als wollten die Erfinder des Sprints den Freitag nicht überbewerten. Es gab nicht einmal eine Pressekonferenz danach. Das ist kurzsichtig. Jeder Höhepunkt verdient eine ausführliche Analyse.

2. Das Sprintrennen ist fünf Minuten zu kurz. Eine halbe Stunde sollte es schon sein. Bei 120 Kilometer Distanz ist vielleicht auch die Reifenwahl heikler. Weil da je nach Strecke und Optionen der weicheren oder der mittleren Mischung am Ende die Luft ausgeht.

3. Im Hauptrennen gibt es einen Bonus-Punkt für die schnellste Runde. Analog dazu könnte man im Sprint einen Punkt an den Fahrer vergeben, der die meisten Positionen gutmacht. Es wäre diskutabel ob nicht die ersten fünf Fahrer Punkte bekommen. Das wäre ein Anreiz für Überholmanöver.

4. Die Pole Position für die Statistik muss dem schnellsten Fahrer am Freitag gehören. Weil die Qualifikation die exakt konträre Disziplin zu einem Rennen ist. Das ist der schnellste Mann des Wochenendes. Da sind wir ganz Traditionalisten: Dem gehört für die Bücher die Pole. F1-Sportchef Ross Brawn hat das Thema schon auf dem Zettel: "Wir werden darüber mit den Teams diskutieren. Aber wir dürfen uns nicht durch die Tradition vom Fortschritt abhalten lassen."

5. Die freie Reifenwahl am Sonntag schadet dem Hauptrennen. Dann fährt jeder automatisch mit der gleichen Strategie. Bis auf Sergio Perez waren alle mit der Reifenfolge medium-hart unterwegs. Deshalb sollte man die Reifenoptionen für die Qualifikation wieder freigeben. Der Reifensatz, auf dem die Fahrer ihre schnellsten Runde fahren, ist der Startreifen für den Sonntag, egal ob er im Q1, Q2 oder Q3 gefahren wurde. Das würde den Freitag zusätzlich aufwerten und den Ingenieuren eine weitere Denksportaufgabe stellen.

6. Wenn der Bedarf besteht, dem zweiten freien Training eine Bedeutung zukommen zu lassen, dann sollte man die Teams dazu verpflichten, ihre GPS-Daten freizugeben. Das ist kein großes Geheimnis, weil jedes Team die gleichen Werte hat. Dann könnte man eine Geschichte dazu schreiben, die für eine bestimmte Kundschaft interessant wäre. Wenigstens die Nerds wären dann begeistert. Ferrari hat diesbezüglich schon Zustimmung signalisiert.