Vettel - Perez - Gasly - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen Wilhelm
Max Verstappen - Red Bull - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
Lance Stroll - Aston Martin - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen 57 Bilder

Rennanalyse GP Aserbaidschan 2021

Rennanalyse GP Aserbaidschan 2021 Reifendrama bringt Perez den Sieg

GP Aserbaidschan

Max Verstappen war auf dem Weg zum dritten Saisonsieg. Dann schickte ihn ein kaputter linker Hinterreifen unsanft in die Mauer. Teamkollege Sergio Perez staubte den Sieg ab. Sebastian Vettel und Pierre Gasly rasten sensationell auf das Podium.

Dieses Rennwochenende wird in Erinnerung bleiben wegen vieler Unfälle und einer überraschenden Zusammenstellung des Podests. In unserer Rennanalyse klären wir die wichtigsten Fragen zum GP Aserbaidschan 2021.

Wieso platzte gleich zweimal der linke Hinterreifen?

Die Formel 1 erlebte zwei Unfälle bei Geschwindigkeiten jenseits von 300 km/h, die böse hätten ausgehen können. An Lance Strolls Aston Martin verlor der linke Hinterreifen der harten Mischung am Ende der 30. Runde Luft. Bei Max Verstappen passierte es im 46. Umlauf. Da hatte die harte Garnitur fast 34 Runden auf dem Buckel. Beide segelten mit der Fahrzeugnase voran in die Streckenbegrenzung. Der Kanadier auf der linken Seite der Zielgerade ausgangs Kurve 19, der Niederländer auf der rechte Seite etwa 200 Meter später. Sebastian Vettel kritisierte: "Das ist die letzte Stelle, an der du solche Unfälle haben willst. Da kann viel passieren, weil die Wände so nah stehen und die Boxenstraße auch nicht weit weg ist."

Max Verstappen - Red Bull - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
Wilhelm
Der linke Hinterreifen als Übeltäter: Verstappen verpasste den Sieg.

Stroll kostete der Unfall Punkte, Verstappen den Sieg. In beiden Fällen hatte sich der Schaden nicht angekündigt. Fahrer und Ingenieure wurden überrascht. Keine zu hohen Reifentemperaturen, kein übermäßiger Verschleiß, keine Vibrationen, keine Auffälligkeiten in den Datensätzen. "Max spricht gerade am Funk, da macht es auf einmal Boom. Eigentlich hätten sie locker halten müssen, so wie Max sie gehandhabt hat", erzählt Red Bulls Teamchef Christian Horner.

Ausrüster Pirelli sieht die naheliegendste Ursache, dass Trümmerteile die Reifen jeweils schädigten. Oder im Fall von Stroll eventuell ein unglücklicher Kontakt mit einem Randstein zu einem Druckverlust führte. Bis zu seinem Unfall hatte es keinen Crash gegeben, wo das Carbon splitterte. "Wir schließen aus, dass es an der Abnutzung lag. Die Reifen hatten noch ausreichend Gummiauflage", berichtete Pirelli-Rennleiter Mario Isola. Pirelli schickt die Reifen am Montag per Luftfracht zur Analyse ins Labor nach Mailand. Dort werden auch diverse Vergleichsreifen mit ähnlicher Laufleistung zerpflückt. Bis zum GP Frankreich soll der Report vorliegen, was tatsächlich die Ursache war. "Wenigstens ist der Reifen nicht zerfetzt. Es sollte genug Material da sein, um Aufklärung zu geben", sagt Horner.

Überlastung wäre eine Möglichkeit. Dann würde massiv Kritik auf die Italiener einprasseln, die für 2021 nach einigen Schäden im Vorjahr die Konstruktion stärkten. Zu dieser Vermutung meint Isola jedoch: "In Baku wird das rechte Hinterrad stärker belastet. Außerdem gab es viele Fahrer mit mehr Laufleistung auf dem harten Reifen: Norris, Hamilton, Sainz, Leclerc." Die Theorie mit dem Wrackteil stützt laut Pirelli, dass es das Weltmeisterauto beinahe selbst erwischt hätte. "Wir haben während der Unterbrechung einen Schnitt von sechs bis sieben Zentimetern auf der linken Innenschulter entdeckt. Der war nicht tief genug, um den Unterbau zu beschädigen."

Sergio Perez - Red Bull - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
Wilhelm
Sergio Perez ließ Red Bull trotz des Kummers um Verstappen wenigstens doch jubeln.

Warum zitterte Sergio Perez bis ins Ziel?

Sergio Perez befand sich nach der Serie der ersten Reifenwechsel an zweiter Stelle hinter dem Teamkollegen. Verstappen kontrollierte bis zu seinem Abflug das Rennen, der Mexikaner schirmte ihn nach hinten gegen Hamilton ab – obwohl den zweiten Red Bull ein Problem befiel. Der Hydraulikdruck im RB16B sackte in der zweiten Rennhälfte langsam ab. Die Sorge war groß, dass das Auto nicht durchhält.

Für den zweiten stehenden Start des Tages nach Abbruch durfte der spätere Sieger nicht einmal seine Reifen richtig konditionieren. "Das Team hat mir die Anweisung gegeben, keine Schlangenlinien zu fahren. So hatte ich kalte Reifen und Lewis neben mir warme." Hintergrund: An der Hydraulik hängt auch die Servolenkung. Sämtliche Teile sollten so wenig wie irgendwie möglich belastet werden. Perez schleppte sich zum Sieg – und stellte seinen Red Bull direkt ab. "Wir hätten vom ersten Startplatz alles verlieren können und haben zum Glück doch gewonnen."

Auch der drittplatzierte Pierre Gasly quälte sich mit Technikgebrechen. Der Honda-Motor im Alpha Tauri büßte ab Rennhalbzeit an Leistung ein. "Das hat Topspeed gekostet und ihn auf den Geraden verwundbar gemacht", führte Teamchef Franz Tost aus. Vettel konnte er mit dem flügellahmen Motor nicht halten. Mit Charles Leclerc lieferte er sich eine Schlacht in die letzte Runde hinein. Erst überholte der Ferrari auf Mitte der Zielgeraden. Der Konter für den letzten Podestplatz folgte wenige hundert Meter später aus dem Windschatten.

Honda verzichtete auf den Einbau eines neuen Motors in allen vier Autos. Für Paul Ricard ist ein frisches Triebwerk angekündigt. Eine verbessere Zuverlässigkeit soll dazu führen, dass die Sechszylinder mehr Leistung abrufen können.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
Wilhelm
Lewis Hamilton verpatzte den Neustart in das Baku-Rennen völlig.

Warum schoss Hamilton neben die Strecke

Verstappen raus, Perez mit einem verwundeten Auto: Red Bull fürchtete, dass ausgerechnet der große Rivale im Titelrennen einen Big Point landet. Doch der Weltmeister ist in dieser Saison nicht tadellos. In Imola machte er einen Fehler im Regen, in Baku beim zweiten Start im Eifer des Gefechts. "Als Checo mir nach dem Neustart näherkam, drehte ich am Lenkrad, berührte dabei einen Schalter, der die Bremsbalance verstellt, und das hat meinen Verbremser ausgelöst." Die Bremsbalance rutschte zu weit vor und der Mercedes donnerte mit stehenden Vorderreifen in die Auslaufzone der ersten Kurve.

Der Titelverteidiger hätte sonst ein Rennen gewinnen können, das eigentlich für Verstappen reserviert war. Mercedes kämpfte über das ganze Wochenende mit fehlender Reifentemperatur an der Vorderachse. Mit zahlreichen Experimenten und Setup-Korrekturen schoss man wie in Monaco über das Ziel hinaus. Auf eine Runde wurde der Silberpfeil besser. Über die Distanz verwandelte sich das Auto zu einem Reifenfresser. Deshalb hatte Hamilton bereits in der elften Runde die Box aufgesucht. Ähnlich erging es Ferrari, das die Reifen offensichtlich stärker strapazierte als die Red Bull. Mercedes-Teamchef Toto Wolff fordert nach der Pleite: "Wir müssen wieder an unsere Leistungsgrenze. Das Team und die Fahrer. An diesem Wochenende hatten wir kein wettbewerbsfähiges Auto."

Vettel - Perez - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
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Sebastian Vettel raste vom elften auf den zweiten Platz.

Wie kam Sebastian Vettel bis auf das Podest?

Der Ex-Weltmeister machte es wie in Monte Carlo. Er laß das Rennen perfekt, schonte die Reifen und attackierte bei freier Fahrt. "Ich habe jeweils zu Beginn der Stints die Reifen geschont." Damit gelang nach geglücktem ersten Start der Overcut. Und für den ersten Restart nach dem Safety Car hatte Vettel die frischeren und intakteren harten Reifen als Leclerc und Gasly, die er nacheinander abfrühstückte. Nach Hamiltons Ausrutscher träumte Vettel sogar für einen Moment vom Sieg. Doch Perez war in den letzten zwei Runden zu schnell.

Die beiden Stadtkurse von Monte Carlo und Baku mit ihren kurzen Kurvenradien schmeckten dem AMR21. Das Auto verwandelte sich sogar zu einem Reifenschoner. Sicher half in Aserbaidschan der Mercedes-V6-Turbo. Wie viele Fortschritte Aston Martin tatsächlich gemacht hat seit Saisonstart wird erst Frankreich zeigen. Dort brauchte es eine stabile Aerodynamik.

Fernando Alonso - Alpine - GP Aserbaidschan 2021 - Baku - Rennen
Wilhelm
Fernando Alonso spielte im Final-Sprint seine Klasse und Erfahrung aus.

Wie wurde Fernando Alonso Sechster?

Der französische Werksrenner harmonierte an diesem Sonntag nur mit den weichsten Reifen. Auf den harten Reifen fiel Fernando Alonso zwischenzeitlich aus den Punkten. In der Verzweiflung wechselte Alpine während des ersten Safety Cars auf weiche Reifen in Runde 34 zurück. Der Schachzug brachte nicht den gewünschten Erfolg. Auf den Softs flaute der Sturm im Verkehr schnell ab. Der Spanier drohte hinter Daniel Ricciardo an elfter Position zu versauern.

Die Unterbrechung spielte Alpine eine zweite Gelegenheit zu. Dieses Mal nutzte sie der Rückkehrer. Alonso profitierte von Hamiltons Fehler und stürmte in der 50. Runde an Ricciardo, Carlos Sainz und Yuki Tsunoda vorbei bis auf den sechsten Platz. "Die letzten Runden waren ein großer Spaß. Die acht Punkte haben wir uns verdient."

GP Aserbaidschan 2021: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Runden Rennzeit
1. Sergio Perez Red Bull Racing  51 3:33.686 Std.
2. Sebastian Vettel Aston Martin  51 +1.385s
3. Pierre Gasly Alpha Tauri  51 +2.762s
4. Charles Leclerc Ferrari 51 +3.828s
5. Lando Norris McLaren  51 +4.754s
6. Fernando Alonso Alpine Renault 51 +6.382s
7. Yuki Tsunoda Alpha Tauri  51 +6.624s
8. Carlos Sainz Ferrari 51 +7.709s
9. Daniel Ricciardo McLaren  51 +8.874s
10. Kimi Räikkönen Alfa Romeo  51 +9.576s
11. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo 51 +10.254s
12. Valtteri Bottas Mercedes 51 +11.264s
13. Mick Schumacher Haas  51 +14.241s
14. Nikita Mazepin Haas  51 +14.315s
15. Lewis Hamilton Mercedes 51 +17.668s
16. Nicholas Latifi Williams  51 +42.379s
17. George Russell Williams  48 DNF
18. Max Verstappen Red Bull  45 DNF
19. Lance Stroll Aston Martin  29 DNF
20. Esteban Ocon Alpine  3 DNF
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