Sebastian Vettel - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps Motorsport Images
Charles Leclerc - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
Charles Leclerc - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
Schweigeminute - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
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Rennanalyse GP Belgien 2019

Vettel wird zum Wasserträger für Leclerc

Charles Leclerc erlöst Ferrari. Der Rennstall der Herzen feierte in Spa-Francorchamps den ersten Saisonsieg. Sebastian Vettel musste unfreiwillig mithelfen, indem er erst Platz für den Teamkollege machte und dann Lewis Hamilton blockierte.

Ferrari kann doch noch gewinnen. Charles Leclerc fuhr in Spa bis auf einen kleinen Fehler ein tadelloses Rennen. Sebastian Vettel wurde zu seinem Wasserträger. In unserer Rennanalyse klären wir die wichtigsten Fragen.

Warum war Ferrari so schnell?

Ferrari zerrte in Belgien von seinem unglaublichen Vorteil auf den Geraden. In der Qualifikation nahmen die roten Rennautos Mercedes 1,3 und Red Bull 1,5 Sekunden ab.

Auch im Rennen profitierte Ferrari von seinem Leistungsplus. Man sah die Überlegenheit gleich in der Startrunde. Lewis Hamilton setzte sich in La Source gegen Sebastian Vettel durch, drängte ihn in die Auslaufzone, verlor die zweite Position aber auf der Kemmel-Gerade wieder. Der Ferrari überrannte den Mercedes mit der Wucht seiner rätselhaften 40 Zusatz-PS, die der V6-Turbo in Quali und Startrunde freisetzen kann. „Vettel kam maximal schlecht aus der ersten Kurve und hat Lewis trotzdem mit einem Überschuss von 15 km/h überholt“, stellte Mercedes-Teamchef Toto Wolff ernüchtert fest.

Im weiteren Rennverlauf kann Ferrari diese Maximalleistung zwar nicht mehr abrufen, ist auf den Geraden aber trotzdem überlegen. Die Streckenabschnitte eins und drei waren wie gemacht für die roten Raketen. „Wir haben unseren Vorteil gehalten, obwohl Mercedes DRS einsetzen konnte“, hielt Ferrari-Teamchef Mattia Binotto fest.

Eine Teilerklärung für den großen Leistungsunterschied liefert Mercedes selbst. Das Weltmeisterteam betrieb seine neuen Motoren nach Defekten bei den Kundenteams Racing Point und Williams in Training und Qualifying nicht in den heißesten Fahrstufen. „Das hat aber nur leicht und nicht massiv unsere Performance beeinträchtigt“, erklärte Wolff. In den Kurven spielte Mercedes seine Vorteile aus. Genauso beim Reifenverschleiß. Der W10 geht mit den Pirellis pfleglicher um als der Ferrari SF90. Auf den Softreifen herrschte im Rennen bei der Performance Gleichstand, auf den Mediumreifen war Mercedes überlegen. Hamilton wurde zum Schluss immer größer im Rückspiegel. Sieger Charles Leclerc fühlte sich an die letzten Runden des GP Österreich erinnert, als ihn Max Verstappen kurz vor der Ziellinie noch abgefangen hatte. „Das Team hat mich jede Runde über den Abstand informiert. Er wurde immer kleiner. Ich hatte Probleme mit den Hinterreifen und habe den Sieg zum Glück über die Ziellinie gerettet.“

Charles Leclerc - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
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Wie setzte Ferrari Vettel gegen Mercedes ein?

Sebastian Vettel erlebte eine schwere Niederlage. In der Qualifikation und im Rennen. Der Heppenheimer führte den GP Belgien zwar zwischen den Runden 23 und 26 an, wurde dann von seinem Team allerdings zum Helfer für Leclerc degradiert. Ferrari forderte Vettel auf, für den Teamkollegen zur Seite zu fahren. Der vierfache Weltmeister führte den Befehl in der 27. Runde brav vor La Source aus. „Das Team genießt immer Priorität. Das wissen die Fahrer, auch wenn es für sie nie einfach ist. Wir sprechen solche Szenarien aber am Morgen vor dem Rennen durch. Sebastian hat gezeigt, dass er sich im Fall der Fälle in den Dienst der Mannschaft stellt“, lobte Teamchef Binotto.

Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Ferrari-Fahrer auf verschiedenen Strategien unterwegs. Vettel brachte sich selbst in die Bredouille. Der 32-Jährige verheizte seinen Startreifensatz zu schnell. Deshalb holte ihn Ferrari im 15. Umlauf zum Tausch von Soft auf Medium. „Wir mussten auch stoppen, um uns gegen Hamilton zu schützen. Mercedes stand bereit. Wären wir nicht gekommen, hätten sie den Undercut versucht“, glaubt Binotto.

Statt sich die Reifen einzuteilen, die noch 29 Runden halten sollten, legte Vettel los wie die Feuerwehr und drehte schnellste Rennrunden. Dadurch behauptete er sich gegen Mercedes. Dadurch ging er in Führung. Doch er zerstörte durch die harte Gangart auch seine Reifen. „Ich habe gesehen, dass ich schnell aufschloss. Ich wusste, dass das Team reagieren wird. Ein Zweikampf hätte uns nur unnötig Zeit gekostet“, erzählte Leclerc.

Vettel bat um einen zweiten Stopp, doch Ferrari hatte andere Pläne. Er sollte Hamilton abblocken, damit Leclerc sich ein Polster aufbauen kann. Es klappte. Hamilton überholte Vettel mit abgekauten Reifen erst in Runde 32, knabberte in der Folge den Rückstand ab, hätte aber noch ein, zwei Runden mehr gebraucht, um zu siegen.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
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Wer war schuld am Startunfall: Verstappen oder Räikkönen?

Max Verstappen und Kimi Räikkönen rasselten am Start zusammen. Wie schon ein paar Mal kam der Red Bull schleppend vom Fleck. „Meine Reaktionszeit war nicht prickelnd. Als ich die Kupplung einrasten ließ, drehten auch noch die Hinterräder durch“, berichtete Verstappen. Links zogen Sergio Perez und Räikkönen ganz außen am Publikumsliebling vorbei.

Dann versuchte es Verstappen mit der Brechstange. „Er hat etwas probiert, was nicht geht“, findet Alfa-Sauber-Teammanager Beat Zehnder. „Perez erkannte, dass es eng wird und zog zurück. Das hätte Verstappen auch tun müssen. Nur dann hätte er viele Positionen verloren. Das wollte er natürlich nicht.“

Räikkönen konnte den heranbrausenden Red Bull auf der Innenspur nicht sehen. Der Finne lenkte ein und Verstappen hebelte ihn aus. Räikkönens Bruchlandung kostete ein Drittel des Unterbodens und Leitbleche. Verstappen ramponierte sich die Aufhängung. „Die Spurstange war gebrochen.“ In Eau Rouge trafen sich die Unfallpiloten ein zweites Mal. Dieses Mal blieb es bei einer sanften Berührung. „Da haben wir Schwein gehabt. Es hätte auch ein heftiger Unfall rauskommen können“, meint Zehnder. Verstappens Fahrt endete im Reifenstapel.

Was passierte bei McLaren und Giovinazzi?

McLaren verzeichnete einen Doppelausfall. Carlos Sainz parkte seinen MCL34 bereits nach drei Fahrminuten. Lando Norris rollte in der letzten Runde auf der Zielgerade fluchend aus. In beiden Fällen streikte der Motor. „Beide haben plötzlich Leistung verloren“, erklärt Teamchef Andreas Seidl. Es hätten für McLaren zehn Punkte herausspringen können. Norris lag auf einem sicheren fünften Platz, 14 Sekunden vor dem Duett Sergio Perez und Alexander Albon.

Statt Jubel herrschte Trauer. McLaren reiste wie Alfa-Sauber ohne einen einzigen Zähler ab. Beim Schweizer Rennstall hatte Räikkönen nach Unfall, zweimaligem Frontflügelwechsel und Abtriebsverlust von mehr als 20 Punkten keine Chance. Teamkollege Antonio Giovinazzi feuerte seinen C38 auf Platz neun liegend in der vorletzten Runde ins Aus. Ein klassischer Fahrfehler. Der Italiener rutschte in der schnellen Pouhon auf den Kunstrasen und legte sich ab. „Ein völlig unnötiger Fehler“, hieß es aus dem Team. Giovinazzi gerät immer mehr unter Druck. Es gibt nicht wenige im Fahrerlager, die seine Tage bereits gezählt sehen.

Alexander Albon - Red Bull - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps
Wilhelm
Alexander Albon überzeugte bei seinem Debüt für Red Bull.

Wie kam Albon so weit nach vorne?

Alexander Albon überzeugte bei seinem Debüt für Red Bull. Kein Fehler, gute Überholmanöver. Dabei sah es bis zur Rennmitte nach einem enttäuschenden Grand Prix aus. Albons Aufholjagd von Startplatz 17 stockte. Der Thailänder strauchelte auf den Medium-Reifen. „Wir konnten ihm nicht helfen, weil wir ihn am Funk nicht verstehen konnten“, schildert Red Bull-Sportchef Helmut Marko.

Auf den weichen Reifen zündete Albon im zweiten Rennteil den Turbo und schnappte sich im letzten Umlauf mit zwei Rädern auf dem Gras bei über 300 km/h den Racing Point von Perez. Die Rennleitung leitete eine Untersuchung gegen den Mexikaner ein, verzichtete aber auf eine Strafe. „Perez hat uns erklärt, dass er überrascht war, dass Albon rechts und nicht links überholte. Es war also keine Absicht von ihm. Wäre der Zwischenfall nicht in der letzten Runde passiert, hätten wir ihm sicher die gelbe Karte gezeigt“, sagt Rennleiter Michael Masi. Damit ist die schwarz-weiße Flagge gemeint.

Das Überholmanöver hatte ein Vorspiel. In der vorletzten Runde schickte Albon seinen Konkurrenten in der Zielschikane durch die Auslaufzone. Dann spielte sich kurioses ab. Perez holte in La Source absichtlich weit aus, um Albon den Vortritt zu lassen. In der Hoffnung, sich auf der Kemmel-Gerade mit Windschatten den Platz zurückzuholen. Albon roch den Braten und verlangsamte selbst. Dann war Perez mit Überschuss fällig.

GP Belgien 2019 - Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Charles Leclerc Ferrari 1:23:45.710
2. Lewis Hamilton Mercedes +0.981s
3. Valtteri Bottas Mercedes +12.585s
4. Sebastian Vettel Ferrari +26.422s
5. Alexander Albon Red Bull +81.325s
6. Sergio Perez Racing Point +84.448s
7. Daniil Kvyat Toro Rosso +89.657s
8. Nico Hülkenberg Renault +106.639s
9. Pierre Gasly Toro Rosso +109.168s
10. Lance Stroll Racing Point +109.838s
11. Lando Norris McLaren + 1 Runde (Defekt)
12. Kevin Magnussen Haas +1 Runde
13. Romain Grosjean Haas +1 Runde
14. Daniel Ricciardo Renault +1 Runde
15. George Russell Williams +1 Runde
16. Kimi Räikkönen Alfa Romeo +1 Runde
17. Robert Kubica Williams +1 Runde
18. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo Ausfall
19. Carlos Sainz McLaren Ausfall
20. Max Verstappen Red Bull Ausfall
Motorsport Aktuell Charles Leclerc - Ferrari - GP Belgien 2019 - Spa-Francorchamps GP Belgien 2019 - Ergebnis Rennen Leclercs Premierensieg vor Hamilton

Charles Leclerc gewann in Spa vor Lewis Hamilton und Valtteri Bottas.

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