Hamilton vs. Verstappen - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021 xpb
Lewis Hamilton - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
Lewis Hamilton - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
Charles Leclerc - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
Tom Cruise - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021 46 Bilder

GP England 2021 Analyse Rennen: Strafe gerecht?

Rennanalyse GP England 2021 War die Hamilton-Strafe gerecht?

GP Großbritannien

Der Crash zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton erhitzte in Silverstone die Gemüter. In der Rennanalyse blicken wir noch einmal auf den spektakulären Unfall und beantworten die letzten offenen Fragen zum britischen Grand Prix.

War das Hamilton-Urteil gerecht?

Es war die aufregendste Szene der ganzen Saison. Und nach dem Rennen musste natürlich jeder Experte im Fahrerlager seinen Senf dazu abgeben. Dabei war die Sachlage auf den ersten Blick eigentlich relativ klar. Lewis Hamilton hatte in der Startrunde bei der Anfahrt auf die 290 km/h schnelle Copse-Kurve eine Attacke gegen Max Verstappen gestartet. Auf Höhe der alten Boxenmauer zog der Mercedes längsseits. Kaum hatten beide Autos eingelenkt, touchierte das linke Vorderrad des Weltmeisters das rechte Hinterrad seines Rivalen, wodurch der Red Bull entgleiste.

"Bei einer langsameren Kurve hätten wir wohl gar keine Diskussionen", winkte Mercedes-Teamchef Toto Wolff ab. Doch in diesem Fall schmiss es Verstappen heftig in den Reifenstapel. Die Sensoren am Auto zeichneten eine negative Beschleunigung von 51g auf. Weil die Schwindelgefühle nicht verschwanden, musste der Unfallpilot sogar für zusätzliche Checks ins Krankenhaus geflogen werden. Das Rennen wurde für 36 Minuten unterbrochen, um das Wrack zu bergen und die Reifenstapel wieder zu ordnen.

Noch in der Pause schoss Red Bull die ersten Giftpfeile in Richtung Mercedes ab. Sportchef Helmut Marko sprach von einer rücksichtlosen und gefährlichen Fahrweise und forderte sogar eine Rennsperre. Teamchef Christian Horner warf Hamilton vor, ein Verzweiflungsmanöver gestartet zu haben, bei dem er sich wie ein Amateur verhalten habe. "Das war eines siebenfachen Weltmeisters nicht würdig."

Die FIA-Kommissare veröffentlichten ihr Urteil kurz nach dem Restart. Hamilton kassierte eine 10-Sekunden-Strafe, was aus Sicht von Red Bull viel zu wenig war. "Wenn man einen anderen Fahrer ins Krankenhaus bringt und dann trotz Strafe noch das Rennen gewinnt, dann fühlt sich das nicht sehr nach Strafe an", spottete Horner.

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War die Strafe gegen Hamilton gerecht?
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Nein, Hamilton hätte härter bestraft werden müssen.

Das Urteil hätte aber auch noch milder ausfallen können. Bei einer vergleichbaren Szene hatten sich 2018 an gleicher Stelle Romain Grosjean und Carlos Sainz gegenseitig aus dem Rennen genommen. Damals werteten es die FIA-Schiedsrichter als normalen Rennunfall und verzichteten auf eine Strafe.

Zuletzt hatte Rennleiter Michael Masi die Kommissare auch stets angehalten, in der Startrunde etwas gnädiger zu sein und die Fahrer frei kämpfen zu lassen. "In diesem Fall haben die Stewards aber entschieden, dass Lewis den Großteil der Schuld trägt. Er war aber nicht alleine verantwortlich. Er hätte weiter innen fahren können, aber wir wissen nicht, wie die Szene dann ausgegangen wäre", erklärt Masi das Urteil.

Hamilton selbst bezeichnete Verstappen als einen der aggressivsten Fahrer im Feld. Schon in Imola, in Portimao und in Barcelona hatte der Holländer harte Manöver gegen seinen WM-Rivalen gestartet, bei denen er darauf setzte, dass Hamilton zurücksteckt. Dieses Mal tat ihm Hamilton den Gefallen nicht. Und schon krachte es. Beim Strafmaß spielte es übrigens keine Rolle, dass Verstappen am Ende im Krankenhaus landete. "Die Stewards untersuchen nur den Unfall selbst und nicht die Konsequenzen", erklärte Masi. "Sonst hätten wir zu viele Variablen."

Hamilton vs. Verstappen - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
Wilhelm
Mercedes kämpfte mit Red Bull auf Augenhöhe.

Hat Mercedes gegen Red Bull aufgeholt?

Das Heimspiel in Silverstone war für Mercedes ein Schicksalsrennen. Nach fünf Anläufen ohne Sieg, nach zwei klaren Niederlagen in Österreich, nach einer Technikoffensive von Red Bull und Honda musste die Wende her. Egal wie. Am Ende konnte Mercedes das Schlüsselrennen gewinnen. Mit 43:3 Punkten. Lewis Hamilton verkürzte den Rückstand zu Max Verstappen auf acht Zähler. Das stellt die Uhren vor dem GP Ungarn fast wieder auf Null und gibt dem Weltmeisterteam Luft zum Atmen.

Was die pure Pace angeht, ist der Mercedes W12 dem Red Bull RB16B ein bisschen näher gekommen. Nach Einschätzung von Teamchef Toto Wolff aber nicht die vollen zweieinhalb Zehntel, die dem Silberpfeil in Spielberg noch fehlten. Neben den Upgrades an den Leitblechen und dem Unterboden spielte Mercedes auch das flüssige Layout der Strecke in die Karten. Es passt besser in das Aerodynamik-Fenster, in dem der W12 funktioniert.

Man konnte wieder einen kleineren Heckflügel auspacken, was den Top-Speed-Nachteil von Österreich ins Gegenteil verkehrte. Der Verzicht auf Abtrieb war weder ein Risiko noch eine Verzweiflungstat. "Die Simulationen haben uns diese Abstimmung empfohlen, und die Realität gab unseren Werkzeugen Recht", erklärten die Ingenieure. Bei Mercedes wunderte man sich, dass Red Bull trotz Baku-Flügel auf den Geraden so weit hinterherhinkte.

In Summe war der Red Bull trotzdem noch das schnellere Auto. Wenigstens bis zum Q1. Dann drehte sich das Blatt. Max Verstappen klagte über Untersteuern, das in den Tagen darauf wieder verschwand. Mercedes dagegen wunderte sich über die plötzliche Steigerung, führte die guten Rundenzeiten im Q2 und Q3 aber nicht auf die kühleren Temperaturen zurück, sondern auf die Vorbereitung. "Wir haben es als einzige geschafft, saubere Aufwärmrunden ohne Verkehr zu fahren. Das war der Schlüssel, dass wir Red Bull im Q3 geschlagen haben."

Charles Leclerc - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
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Charles Leclerc ärgerte sich am Ende über einen zweiten Platz.

Warum war Ferrari so stark?

Ferrari reiste mit Respekt nach Silverstone. Der Traditionskurs hat die Tendenz, die Vorderreifen übermäßig zu beanspruchen, was dem SF21 auf vergleichbaren Strecken dieses Jahr überhaupt nicht schmeckte. Trotzdem startete Charles Leclerc vom vierten Platz und hätte den GP England um ein Haar gewonnen. Ihm fehlten nur drei Runden zu seinem dritten GP-Sieg. Teamchef Mattia Binotto führte das Wunder auf die gute Analysearbeit zurück, die das Team seit dem Fiasko von Paul Ricard geleistet hatte. "Wir sind trotz der knappen Niederlage happy, weil das Team die Schwachpunkte verstanden und richtig darauf reagiert hat. In den letzten drei Rennen hat unser Speed im Rennen immer gestimmt."

Am Kommandostand war man selbst überrascht, dass Leclerc den Vorsprung vor Hamilton im ersten Stint mit Leichtigkeit kontrollierte, obwohl er zwischenzeitlich über Motoraussetzer klagte, die zum Glück via Fernwartung weitgehend gelöst werden konnten. "Auf den Medium-Reifen ist das Auto geflogen", freute sich der Monegasse. "Mit den harten Reifen wurde es dann aber schwieriger, vor allem im Verkehr. Die Hinterachse war nicht mehr so stabil. Ich war absolut am Limit, aber die Zeiten von Lewis waren zu schnell für uns."

Der Pilot zweifelte noch, ob nun mit der Galavorstellung alle Reifenprobleme vollständig gelöst sind. "Wir haben noch nicht Antworten auf alle unsere Fragen bekommen." In Silverstone half Ferrari auch die Hitze. Die hohen Asphalttemperaturen und die schnellen Kurven machten es leichter, dass die Temperaturen auf der Lauffläche des Reifens und im Mantel nicht zu stark voneinander abwichen.

Lando Norris - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
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Norris verliert beim Boxenstopp vier Sekunden und ein mögliches Podium.

Kostete der Boxenstopp Norris das Podium?

Lando Norris hätte nach Imola, Monaco und Spielberg schon wieder auf dem Podium landen können. Beim Restart kam der Lokalmatador besser von der Linie weg als Valtteri Bottas und zog noch vor der ersten Kurve vorbei. Im ersten Stint hielt der Jungspund relativ locker seine Position. Doch in Runde 21 zerplatzte der Traum vom Heimpokal. Beim Boxenstopp klemmte das Rad hinten rechts, was den Stopp um vier Sekunden verlängerte. "Da hat sich leider das Gewinde der Mutter verkantet. Das war ein Problem mit dem Material und kein Fehler des Mechanikers", stellte McLaren-Teamchef Andreas Seidl klar.

Mercedes reagierte sofort und holte Bottas eine Runde später ebenfalls an die Box, wodurch sich der Finne den Podiumsplatz zurückholte. Doch ganz zufrieden war der Blondschopf nach dem Rennen nicht mit der Strategie. "Natürlich war es wichtig die Position zu gewinnen. Aber durch den frühen Stopp musste ich einen langen zweiten Stint fahren. Damit hatte ich keine Chance den Ferrari von Leclerc zu attackieren."

Die große Frage lautete, ob sich Bottas ohne den McLaren-Fehler überhaupt gegen Norris durchgesetzt hätte. "Bei einem normalen Boxenstopp von Lando wäre Valtteri sicher ewig lange weitergefahren, um am Ende des Rennens mit den besseren Reifen einen Angriff zu starten", erklärte Seidl. "Es ist schwer zu sagen, ob wir in der Lage gewesen wären, ihn hinter uns zu halten. Bei Lewis hat man gesehen, dass er einfach an Lando vorbeigeflogen ist."

Sergio Perez - Formel 1 - Silverstone - GP England 2021
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Sergio Perez musste Hamilton am Ende den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde klauen.

Warum verschenkte Perez einen Punkt?

Sergio Perez nahm sich mit seinem Ausrutscher im Sprint praktisch selbst aus dem Rennen am Sonntag. Red Bull blieb nichts anderes übrig, als den Mexikaner mit flacheren Flügeln für mehr Top-Speed auszustatten, damit er wenigstens noch Schadensbegrenzung betreiben konnte. Die Strafe dafür war ein Start aus der Boxengasse. Die Taktik schien zunächst aufzugehen. Der Abbruch nach nur einer Runde spielte der Nummer zwei im Bullenstall in die Karten. Vor dem ersten Boxenstopp hatte sich Perez immerhin bis auf Rang zwölf vorgearbeitet.

Bereits in Runde 18 veranlassten die Ingenieure den Wechsel auf Medium-Reifen, womit sich Perez zur Rennhälfte bis auf Rang neun kämpfte. Doch dann machten plötzlich die Gummis schlapp. "Ich habe mir leider im Verkehr die Reifen überfahren", erklärte der Pilot später. Ohne zusätzlichen Stopp wäre der Neuling im Team nicht über die Runden gekommen, also wurde erneut gewechselt. Perez fiel auf Rang 16 zurück und hatte die Hoffnung auf Punkte schon aufgegeben. Doch der Dreher von Kimi Räikkönen und der Plattfuß von Pierre Gasly spülten den Routinier unverhofft wieder auf Rang zehn nach vorne.

Doch den WM-Zähler gab Red Bull am Ende freiwillig auf. Vier Runden vor Schluss rief der Kommandostand erneut zum Service. Dieses Mal gab es Soft mit auf den Weg. Mit den weichen Reifen wollte Red Bull Hamilton den Bonuspunkt für die schnellste Runde klauen. Das Manöver gelang. Allerdings bekam Perez für seine schnellste Runde keine Belohnung. Den Extra-Punkt erhalten nur Piloten, die auch in den Top Ten ankommen. Er wurde in Silverstone also nicht vergeben. Den zehnten Platz übernahm übrigens Yuki Tsunoda von Perez. So blieb der letzte WM-Zähler wenigstens in der Red-Bull-Familie.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Highlights des Rennens.

GP England 2021 - Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:58:23.284
2. Charles Leclerc Ferrari +3.871s
3. Valtteri Bottas Mercedes +11.125s
4. Lando Norris McLaren +28.573s
5. Daniel Ricciardo McLaren +42.624s
6. Carlos Sainz Ferrari +43.454s
7. Fernando Alonso Alpine +72.093s
8. Lance Stroll Aston Martin +74.289s
9. Esteban Ocon Alpine +76.162s
10. Yuki Tsunoda Alpha Tauri +82.065s
11. Pierre Gasly Alpha Tauri +85.327s
12. George Russell Williams +1 Runde
13. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo +1 Runde
14. Nicholas Latifi Williams +1 Runde
15. Kimi Räikkönen Alfa Romeo +1 Runde
16. Sergio Perez Red Bull +1 Runde
17. Nikita Mazepin Haas +1 Runde
18. Mick Schumacher Haas +1 Runde
19. Sebastian Vettel Aston Martin Ausfall
20. Max Verstappen Red Bull Ausfall
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