F1 GP Italien 2018 Analyse Rennen

Fake-Boxenstopps von Mercedes?

Lewis Hamilton - Valtteri Bottas - Mercedes - Formel 1 - GP Italien - 02. September 2018 Foto: sutton-images.com 66 Bilder

Hat Mercedes versucht die Konkurrenz zu linken, indem man einen Boxenstopp angetäuscht hat? Wer war Schuld an der Vettel-Hamilton Kollision? Und wieso hatte Kimi Räikkönen so starke Reifenprobleme? Wir geben die Antworten in der Analyse.

Der GP Italien entwickelte sich völlig überraschend zu einem echten Kracher, der kaum an Spannung zu überbieten war. Lewis Hamilton feierte seinen sechsten Saisonsieg und baute seine WM-Führung aus, Kimi Räikkönen wurde Zweiter vor Valtteri Bottas.

Hat Mercedes versucht, die Konkurrenz mit Fake-Boxenstopps zu täuschen?

Für die Ferrari-Fans war dieses Rennen eine Klatsche. Da hatte man sich so viele Hoffnungen gemacht, nachdem die erste Startreihe in Rot erstrahlte und dann nimmt in Monza ausgerechnet Hauptkonkurrent Mercedes den Sieg mit. Kein Wunder, dass da einige nach dem Rennen außer sich waren. Zum einen wurde eifrig über den Unfall zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton diskutiert, zum anderen verdächtigte der ein oder andere Mercedes, dass man versucht habe, Boxenstopps nur vorzutäuschen. Ist so etwas wirklich der Fall, wäre dies nicht erlaubt.

Hat sich Mercedes in diesem Punkt also schuldig gemacht? Nein. Denn als die Mechaniker aus der Garage liefen und sich zunächst bereit zu machen schienen, war man sich tatsächlich nicht sicher, ob der Stopp nun anstehen würde oder nicht. Man hatte sich bereit gemacht, um reagieren zu können. „Das war kein Phantom-Boxenstopp. Die Ansage war, das Gegenteil von dem zu machen, was Kimi macht. Und deshalb musst du die Boxen-Crew vorsichtshalber schon draußen haben.” Tatsächlich kam Räikkönen in dieser Runde in die Box. Heißt: Man machte das Gegenteil davon und blies den eigenen Reifenwechsel ab. Wäre der Ferrari-Pilot aber nicht reingekommen, hätte man Lewis abgefertigt, um einen Undercut gegen Ferrari zu spielen. Und in diesem Fall hätte schließlich alles bereit liegen müssen. Es war also eine Entscheidung innerhalb von Sekunden dafür oder dagegen.

Auch FIA-Rennleiter Charlie Whiting sah keinen Grund zur Annahme, dass es sich um ein Täuschungsmanöver handelte. “Mein Gefühl bleibt, dass es ein Teil des Spiels ist. Aber in diesem Moment haben sie vielleicht wirklich darüber nachgedacht”, sagte er. Um sich einen besseren Einblick zu verschaffen, hört die FIA auch die Funkmeldungen im Nachhinein ab.

Wen traf die Schuld beim Unfall zwischen Vettel und Hamilton?

Am Ende will es nie einer gewesen sein. So auch bei der Kollision zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton in der ersten Runde in Kurve 4. Die beiden kamen sich so ins Gehege, dass Vettel sich drehte und sich am Ende des Feldes einreihen musst – mit kaputtem Frontflügel, abrasiertem Seitenkasten und kaputtem Unterboden. Er betrieb nach seinem Reparatur-Stopp zwar noch Schadensbegrenzung mit seiner Aufholjagd und Platz 4, doch er hätte sicher auch auf dieses Tete-a-tete verzichten können.

Vettel schildert den Vorfall so: „Ich bin schlecht aus Kurve 2 rausgekommen. Dann war ich in dieser Situation für Kurve 4. Ich wollte innen fahren, aber Kimi hat wieder die Bremse aufgemacht. Da kam der Kurvenscheitel sehr schnell. Lewis hat seine Chance außen gesehen, aber mir keinen Platz gelassen. Da fühlt sich sein Auto besser an als meins, weil niemand vor ihm war. Ich wurde gedreht und hatte einen großen Schaden, aber das hätte auch ihm passieren können.“

Hamilton hält dagegen und ist anderer Meinung: „Es war ein normales Manöver. Fast so wie es Kimi auch mit mir gemacht hat. Ich habe ihm Platz gelassen. Ich war überrascht dass Sebastian innen fuhr. Und da sah ich meine Chance. Es war ein kurzer Moment. Ich habe mein Auto nur ein bisschen beschädigt. Aber es hat mein Rennen nicht sehr beeinflusst.”

Die Sportkommissare untersuchten den Vorfall und kamen zum Ergebnis, dass keiner der beiden bestraft werden sollte. Also auch keinen von beiden klar die Schuld an dem Zusammenstoß trifft.

Sebastian Vettel - Lewis Hamitlon - Ferrari - Mercedes - GP Italien - Formel 1 - 2. September 2018 Vettel vs. Hamilton Drama in der ersten Runde

War die Strafe für Verstappen gerechtfertigt?

Man weiß, dass Max Verstappen kein Kind von Traurigkeit ist. Und deshalb war es klar, dass er Valtteri Bottas nicht einfach ohne Gegenwehr vorbeilassen würde, als der Mercedes-Pilot ihn am Ende der Zielgeraden attackierte. Der Finne war schon auf gleicher Höhe mit Verstappen, doch der ließ ihn auf der Außenseite einfach verhungern beziehungsweise drängte ihn ab. Er musste durch den Notausgang ausweichen. Die Strafe folgte auf dem Fuß. Die Sportkommissare sprachen zurecht eine 5-Sekunden-Strafe wegen Verschulden einer Kollision gegen den Red Bull-Pilot aus, was statt Platz 3 nur noch Platz 5 bedeutete. “Mit Max war das Duell nicht ganz so fair wie erhofft”, sagte Bottas nach dem Rennen.

Der Holländer gab das Unschuldslammm, nach dem er am Funk bereits eine Wut-Tirade von sich gab. „Ich glaube, ich habe Valtteri auf der linken Seite genug Platz gelassen, damit er nicht von der Strecke fahren musste”, so Verstappen. “Die Regel besagt, dass, solange man dem anderen Fahrer eine Fahrzeugbreite Platz lässt, dies ausreichen sollte. Das habe ich auch gemacht, aber er hat mein Rad in Turn 1 getroffen und musste geradeaus fahren. Ich bin mit der Strafe nicht einverstanden, aber die Entscheidung ist gefallen und wir können nichts dagegen tun.”

Wieso wurde Romain Grosjean disqualifiziert?

Die Gerüchte gingen schon kurz nach dem Rennen durchs Fahrerlager. Renault soll gegen Haas Protest eingelegt haben. Um 17.41 Uhr wurde jeweils ein Teamvertreter von Haas und Renault zu den Kommissaren gebeten. Erst am späten Abend trudelte die Entscheidung ein. Um 21.31 Uhr verkündeten die Sportkommissare, dass das Auto von Romain Grosjean disqualifiziert wird.

Worum ging es? Um die Kufe des Unterboden, im Fachjargon T-Tray genannt, muss am vorderen Ende gemäß Artikel 3.7.1d auf beiden Seiten einen Radius von 50 Millimeter einschließlich zwei Millimeter Toleranz aufweisen. Der Haas F1 zeigte in diesem Bereich eine Abweichung auf, die allerdings keinen Einfluss auf die Rundenzeit hat.

Zu diesem Thema gab es bereits mehrere Klarstellungen, weil drei Teams die Regel der FIA anders ausgelegt hatten. Die FIA bat sie in Zukunft der Version nachzukommen, die sie am 25. Juli veröffentlichte. Doch Haas F1 erbat sich Aufschub von der FIA bis Singapur, weil der Lieferant es in der kurzen Zeit nicht schaffen würde. Die Sportkommissare kamen nach Anhörung aller Beteiligten überein, dass die Argumente von Haas F1 nicht ausreichen und keinen Aufschub bis Singapur rechtfertigen würden. Immerhin habe mindestens ein Teilnehmer den T-Tray im Sinne der Regeln bis Monza ändern können.

Warum hatte Ferrari Reifenprobleme und Mercedes nicht?

Vor einer Woche in Spa war es genau andersherum. Da schlug sich Mercedes mit Reifenproblemen herum und Ferrari war immun dagegen. Nun wechselte das Blatt. Auf den Hinterreifen von Kimi Räikkönen bildeten sich Blasen, so dass der Iceman von seinem Team angehalten wurde, extrem vorsichtig zu Werke zu gehen.

Mercedes hat selbst keine Erklärung warum man dieses Mal besser über die Runden kam. Bei Räikkönen kündigte sich das Drama allerdings schon durch den frühen Boxenstopp in Runde 20 an. Die Soft-Pneus mussten 33 Runden durchhalten. Eigentlich kein Problem. Aber zeitgleich musste er Gas geben, damit Mercedes keinen Overcut mit Hamilton hinbekommt.

Pirelli-Sportchef Mario Isola erklärte: „Wenn noch viel Gummi auf der Lauffläche ist und das Auto rutscht, sind die Reifen besonders anfällig für Hitzenester und Blasen. Gerade die härteren Mischungen, weil die nicht so viel Grip entwickeln.“ Sieben Runden später musste er versuchen an Bottas vorbeizugehen, der Hamilton deckte. Das stresste die Reifen ein zweites Mal. „Hinter Bottas ist Kimi noch mehr rumgerutscht, und die Blase ging immer weiter auf. Blasen verschwinden nicht wie die Reifenschnipsel beim Körnen. Du kannst die Blasenbildung kontrollieren und verzögern, aber nicht verhindern.“

GP Italien 2018: Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit/Rückstand
1. Lewis Hamilton Mercedes 1:16.54,484 Std.
2. Kimi Räikkönen Ferrari + 0:08.705 Min.
3. Valtteri Bottas Mercedes + 0:14.501
4. Sebastian Vettel Ferrari + 0:16.669
5. Max Verstappen Red Bull + 0:18.208
6. Esteban Ocon Force India + 0:58.831
7. Sergio Perez Force India + 0:59.781
8. Carlos Sainz Renault + 1:19.026
9. Lance Stroll Williams + 1 Runde
10. Sergey Sirotkin Williams + 1 Runde
11. Charles Leclerc Sauber + 1 Runde
12. Stoffel Vandoorne McLaren + 1 Runde
13. Nico Hülkenberg Renault + 1 Runde
14. Pierre Gasly Toro Rosso + 1 Runde
15. Marcus Ericsson Sauber + 1 Runde
16. Kevin Magnussen HaasF1 + 1 Runde
17. Daniel Ricciardo Red Bull Ausfall
18. Fernando Alonso McLaren Ausfall
19. Brendon Hartley Toro Rosso Ausfall
Romain Grosjean HaasF1 Disqualifikation
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