GP Italien 2018 Analyse Training

Ferrari gibt das Tempo vor

Kimi Räikkönen - Ferrari - Formel 1 - GP Italien - 31. August 2018 Foto: sutton-images.com 76 Bilder

Monza jubelt. Ferrari feierte am ersten Trainingstag einen Doppelsieg. Sebastian Vettel hängte Mercedes um drei Zehntel ab. Er profitierte in seiner schnellsten Runde vom Windschatten. Im Longrun war der Vorsprung deshalb geringer.

Das erste Training auf zunächst nasser, später abtrocknender Bahn ging an Sergio Perez und Force India. Der Mexikaner war zur richtigen Zeit auf der Strecke. Es war der erste Trainingssieg eines Fahrers in diesem Jahr, der nicht Mercedes, Ferrari oder Red Bull fährt. Im zweiten Training war die Strecke trocken. Und dann zeigte sich, wer wirklich die Hosen an hat. Unter dem Jubel der Tifosi belegte Ferrari die Plätze 1 und 2. Sebastian Vettel nahm Kimi Räikkönen 0,270 Sekunden und Lewis Hamilton 0,287 Sekunden ab. „Ich hatte einen guten Windschatten“, relativierte Vettel seine Bestzeit.

In den Longruns rückten die zwei Spitzenteams etwas näher zusammen. Auf Supersoft-Reifen war Vettel im Schnitt um 0,173 Sekunden schneller als Hamilton. Weil der fünffache Saisonsieger in der Parabolica ins Kiesbett flog, musste er auf einen Dauerlauf auf Soft-Reifen verzichten. Kimi Räikkönen übernahm die Aufgabe und war um 0,120 Sekunden langsamer als der WM-Spitzenreiter. Der Finne fuhr allerdings auch die vierfache Distanz. Nach den Rechenmodellen der Ingenieure heißt das: Räikkönen war zwei Zehntel schneller.

Red Bull beendete den Test mit dem neuen C-Motor von Renault mit einem positiven Ergebnis. Daniel Ricciardos Rundenzeiten deuteten einen Fortschritt an. Deshalb wird Max Verstappen am Samstag ebenfalls auf das Triebwerk wechseln. Anführer des Mittelfelds war wie in Spa Force India. Die Teams konzentrierten sich am Nachmittag ausschließlich auf Supersoft- und Soft-Reifen. Die Medium-Gummis blieben in der Kiste.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen:

1) Ist Ferrari wirklich so überlegen?

Ferrari und Mercedes trennen keine Ewigkeiten, doch der Trend ist klar. Ferrari bestimmt wie in Spa das Tempo. Man konnte es an der Körpersprache sehen. Lewis Hamilton behielt seinen Helm auf, als er im Laufschritt die Stufen hoch in den Technik-Truck nahm. Teamchef Toto Wolff musste einräumen, dass Ferrari wieder die Nase vorne hatte. Und die Ingenieure ließen durchblicken: „Wir haben viel Arbeit vor uns.“

Auf eine Runde war Vettel um 0,287 Sekunden schneller als sein WM-Gegner. Der Ferrari-Pilot relativierte jedoch: „Ich hatte in der Runde einen guten Windschatten. Deshalb auch das große Delta zwischen uns und Mercedes auf den Geraden.“ Im direkten Vergleich auf den Supersoft-Reifen erzielte Vettel über eine Sequenz von 8 Runden eine Durchschnittszeit von 1.24,924 Minuten. Hamilton schaffte 10 Runden mit einem Mittel von 1.25,097 Minuten. Im Longrun schrumpft der Abstand also.

Sebastian Vettel - GP Italien 2018 Foto: sutton-images.com
Sebastian Vettel war im zweiten Training schnellster Mann vor Kimi Räikkönen.

Da Vettel wegen eines Ausrutschers in der Parabolica auf seinen Soft-Longrun verzichten musste, verglichen die Mercedes-Ingenieure Hamilton mit Kimi Räikkönen. Da war Hamilton im Schnitt zwar um 0,120 Sekunden schneller, doch der Engländer legte auf der Soft-Mischung nur vier Runden zurück. Räikkönen war 12 Runden unterwegs, die Abnutzung mit eingerechnet also leicht schneller.

2) Wo gewinnt Ferrari, wo Mercedes?

Ferrari gewinnt auf den Geraden auf Mercedes vier Zehntel. Aber Vorsicht: Da ist Windschatten dabei. Für einen fairen Vergleich muss man 0,2 Sekunden abziehen. Mercedes räumte allerdings ein, dass auch Hamilton von einem Windschatten profitierte. Bei ihm wurde der Zeitgewinn mit einem Zehntel angerechnet. Nur Valtteri Bottas war ständig allein auf der Strecke. Das erklärt seinen unverhältmismäßigen Abstand zu seinem Teamkapitän. Ferrari ist auch in den zwei Lesmo-Kurven schneller als Mercedes. „In Lesmo 2 blasen sie uns weg. Wir haben da zu viel Untersteuern“, berichtet Teamchef Toto Wolff. Die Roten machen in dieser Passage eineinhalb Zehntel gut. Lesmo 1 geht mit 195 km/h, Lesmo 2 mit 185 km/h. Gleichstand dagegen in Ascari und der Parabolica. Dafür gewinnt Mercedes auf Ferrari in den langsamen Ecken. „Besonders in der zweiten Schikane“, präzisiert Vettel. Wolff wundert sich: „In Spa waren wir in den langsamen Kurven schlechter. Hier ist es umgekehrt.“

3) Warum flog Vettel in der Parabolica ab?

Vettel hatte für seinen Dreher in der letzten Kurve zwei Erklärungen. „Ich wollte zu viel. Und ich bekam Turbulenzen vom Vordermann ab.“ Der Ausrutscher, bei der Heckflügel des Ferrari leicht beschädigt wurde, kostete Vettel fast 19 Minuten Reparaturzeit. Ferrari musste den geplanten Longrun auf Soft-Reifen abblasen.

4) Was kann der neue Renault-Motor?

Bei Red Bull gingen die Daumen hoch. Die neue Motorenspezifikation von Renault, intern C-Motor gegannt, bringt mehr, als sich Red Bull erwartet hat. Die Ingenieure berechneten einen Fortschritt von eineinhalb bis zwei Zehnteln. Deshalb wird am Samstag auch in das Auto von Max Verstappen der neue Motor eingebaut. Trotzdem bleibt Red Bull auf der schnellsten Strecke im Kalender nur dritte Kraft. „In der Qualifikation verlieren wir eine Sekunde auf Ferrari“, fürchtet Motorsportchef Helmut Marko. In den Longruns sieht es wie üblich besser aus. „Da liegen wir in Reichweite von Bottas“, stellte Marko fest. Dank Mini-Flügeln kann Red Bull im ersten Sektor überraschend gut mit Ferrari und Mercedes mithalten. „Wir zahlen dann in den Sektoren 2 und 3 dafür.“

5) Wer ist die Nummer 4 im Feld?

Force India gibt im Verfolgerfeld den Ton an. Und da Sergio Perez mehr als Esteban Ocon. Auf eine Runde trennten die beiden nur 12 Tausendstel. In Supersoft-Longrun nahm Perez seinem Teamkollegen fünf Zehntel ab, auf der Rennsimulation mit Soft-Gummis drei Zehntel. „Sergio ist in Monza immer besonders stark. Er hat über die Distanz die Reifen besser im Griff“, lobte Technikchef Andy Green. Hinter Force India lieferten sich HaasF1 und Renault ein enges Rennen. Auf den Supersoft-Reifen hatte Nico Hülkenberg die Nase vorn, mit den Soft-Reifen die beiden HaasF1-Piloten. Renault-Einsatzleiter Alan Permane warnte: „Der Longrun von Grosjean war besser als er aussieht. HaasF1 hat die Motorleistung extrem zurückgedreht.“ Trotz der Power-Strecke hielt auch Toro Rosso erstaunlich gut mit. Pierre Gasly lag im Bereich von Renault und HaasF1. Allerdings fährt Honda seine Motoren am Freitag immer mit etwas mehr Power als die Konkurrenz. Ein Trauerspiel ist wieder einmal McLaren. Fernando Alonso und Stoffel Vandoorne lagen auf eine Runde und im Longrun wie schon in Spa hinter den beiden Williams.

Sergio Perez - Force India - Formel 1 - GP Italien - 31. August 2018 Foto: sutton-images.com
Sergio Perez war im Force India am Vormittag derjenige, der den Ton angab.

6) Wie passierte der Unfall von Marcus Ericsson?

Das Ende der Zielgerade von Monza. Dort bremst man aus Höchstgeschwindigkeit auf 75 km/h herunter. Vor 40 Jahren war die Anfahrt auf dieses Nadelöhr Schauplatz einer wilden Startkollision, die Ronnie Peterson einen Tag später das Leben kostete. Auch diesmal sorgte wieder ein schwedischer Rennfahrer für eine Schrecksekunde. Marcus Ericsson kam ganz allein mit 325 km/h von der Fahrbahn ab. Beim Anbremsen der ersten Schikane brach der Sauber plötzlich nach links aus und schlug mehrere Saltos. Der Grund war schnell gefunden. Er ließ sich anhand der TV-Aufnahmen auch nicht leugnen. Das DRS funktionierte beim Schließen nicht. Schuld war offenbar eine zu schwache Rückholfeder für den speziellen-Monza-Flap. Bei den dreifachen Überschlag von Ericsson wurde eine Verzögerung von 24 g gemessen. Der Schwede kam glimpflich davon. Am Samstag wird ihn die Nackenmuskulatur an den Crash erinnern. Physio Jo Leberer steht eine Nachtschicht bevor.

In unserer Fotoshow haben wir alle Bilder zum Ericsson-Crash und die Highlights vom Freitag in Monza.

Longrun-Analyse GP Italien 2018

Fahrer ø längster Longrun Runden Reifentyp
1. Vettel 1.24,924 8 supersoft
2. Hamilton 1.25,097 10 supersoft
3. Ricciardo 1.25,230 5 supersoft
4. Bottas 1.25,648 10 supersoft
5. Verstappen 1.25,762 5 supersoft
6. Perez 1.25,967 10 supersoft
7. Hülkenberg 1.26,259 15 supersoft
8. Gasly 1.26,295 14 supersoft
9. Magnussen 1.26,560 9 supersoft
10. Ocon 1.26,599 8 supersoft
11. Stroll 1.26,720 4 supersoft
12. Grosjean 1.26,818 11 supersoft
13. Vandoorne 1.26,825 10 supersoft
14. Sirotkin 1.27,046 7 supersoft
1. Hamilton 1.24,598 4 soft
2. Bottas 1.24,692 7 soft
3. Räikkönen 1.24,718 12 soft
4. Verstappen 1.25,005 5 soft
5. Perez 1.25,519 7 soft
6. Ricciardo 1.25,748 8 soft
7. Ocon 1.25,846 6 soft
8. Magnussen 1.25,878 4 soft
9. Grosjean 1.26,029 5 soft
10. Sainz 1.26,368 13 soft
11. Stroll 1.26,573 10 soft
12. Alonso 1.26,840 4 soft
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