Sergio Perez - Formel 1 - GP Mexiko 2021 Motorsport Images
Yuki Tsunoda - Formel 1 - GP Mexiko 2021
Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Mexiko 2021
Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Mexiko 2021
Max Verstappen - Formel 1 - GP Mexiko 2021 48 Bilder

GP Mexiko 2021 - Analyse Rennen: Verpasster Doppelsieg?

F1 Rennanalyse GP Mexiko 2021 Doppelsieg mit besserer Taktik?

Max Verstappen feierte in Mexiko den neunten Erfolg des Jahres. Doch für Red Bull hätte vielleicht sogar ein Doppelsieg rausspringen können. In der Rennanalyse blicken wir auf die Optionen von Sergio Perez. Und wir beleuchten die Stallregie-Taktik von Ferrari sowie den Strategie-Fehler von Alfa Romeo.

Warum war Red Bull so stark?

Das Rennen in der dünnen Luft von Mexiko war wie erwartet der Killer für Mercedes. "Red Bull hatte klar das schnellere Auto. Wir konnten nur auf Schadensbegrenzung aus sein", stellte Teamchef Toto Wolff sachlich fest. Doch warum trumpfte Mercedes dann in der Qualifikation so groß auf und sicherte sich die Plätze in der ersten Startreihe? Die Antwort lag in den Reifentemperaturen. Mercedes hatte das Arbeitsfenster optimal getroffen, Red Bull hatte es grandios verfehlt. "Der fehlende Grip macht sich auf einer Strecke, wo Du mit wenig Abtrieb zurechtkommen musst, doppelt bemerkbar", erklärte Max Verstappen.

Am Rennsonntag fanden die Favoriten wieder zurück zu ihrer Normalform. Der erwartete Motoren-Vorteil von Honda spielte im Gegensatz zu allen Prognosen praktisch keine Rolle für Red Bulls Dominanz. "Unsere Motorleute haben einen tollen Job gemacht und eine Kalibrierung gefunden, die uns in der Höhe keinen Nachteil mehr brachte", hieß es im Weltmeister-Team.

Red Bulls Trumpfkarte war das Auto. Wenn maximale Flügel gefragt sind, hat der RB16B einen Vorteil. Um Abtrieb zu generieren ist Mercedes gezwungen, ein tiefes und steifes Setup zu fahren. Sonst funktioniert die Aerodynamik nicht. Das kostet Zeit beim Räubern über die Randsteine. Was in Monte Carlo nicht funktionierte, ging auch in Mexiko nicht besser. Über die Renndistanz machten sich die Defizite von Mercedes mit erhöhtem Reifenverschleiß bemerkbar. 16,5 Sekunden Rückstand auf Sieger Verstappen sprechen eine deutliche Sprache.

Valtteri Bottas - Formel 1 - GP Mexiko 2021
Wilhelm
Nach der ersten Kurve kämpfte nur noch ein Mercedes gegen die beiden Red Bull.

Gab es eine Siegchance für Mercedes?

Max Verstappen legte den Grundstein für den Mexiko-Sieg schon auf dem 811 Meter langen Sprint in die erste Kurve. "Im Nachhinein war die zweite Reihe die bessere Startposition. Wir müssen uns bei Tsunoda bedanken", scherzte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Der Japaner im Alpha Tauri hatte im Q3 beiden Red-Bull-Piloten die Chance genommen, die Mercedes-Zeiten zu unterbieten.

Pole-Setter Bottas geriet schnell unter Druck. Aus seinem Windschatten war Verstappen außen ausgeschert. Innen attackierte Lewis Hamilton den Finnen. "Wir sind zu dritt nebeneinander auf die erste Kurve zugeflogen. Das war etwas haarig. Man kommt mit hoher Geschwindigkeit an. Die Reifen sind kalt, die Bremsen sind kalt. Ich lag aber außen auf der Ideallinie und wusste, dass sie die Kurve nicht bekommen, wenn sie dort bremsen, wo ich gebremst habe", grinste Verstappen.

So kam es dann auch. Die Red-Bull-Speerspitze schnappte sich beide Silberpfeile auf einen Schlag und gab die Führung in den 71 Rennrunden nicht mehr ab. Im Lager von Mercedes ärgerte man sich, dass Bottas dem WM-Rivalen die Tür auf der Außenbahn offen hielt. "Vor Max hat sich das Meer geteilt. Wäre Valtteri weiter links gefahren, hätte er Max abblocken können", kritisierte Wolff.

Aber auch wenn Verstappen auf Rang zwei aus der ersten Runde gekommen wäre, hätte er das Rennen wohl gewonnen. Einen Mercedes hätte sich der WM-Spitzenreiter wahlweise über einen Undercut oder Overcut geschnappt. "Wenn der Gegner ein schnelleres Auto hat, kann er tun was er will", gaben die Mercedes-Ingenieure zu.

Nur wenn Bottas und Hamilton ihre Positionen verteidigt hätten, wäre es schwer geworden für Verstappen: "Mercedes war auf der Gerade zu schnell für uns", analysiert Technikchef Adrian Newey. "Man hat es an Perez gesehen. Er war klar schneller als Lewis, aber er kam nicht vorbei. Wir hätten über die Strategie einen Mercedes überholen können, aber nicht zwei. Ein Einstopp-Rennen gibt dir nur eine Chance."

Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Mexiko 2021
Motorsport Images
Lewis Hamilton wurde nach seinem Stopp von Charles Leclerc aufgehalten. Kurz öffnete sich das Fenster für Perez.

Hätte Perez früher stoppen sollen?

Verstappen hätte seinen Vorsprung in der WM auf mehr als 19 Punkte ausbauen können, wenn Perez einen Weg an Hamilton vorbeigefunden hätte. Die erste Möglichkeit dafür schien sich schon in Runde 29 zu bieten, als der Weltmeister nach seinem Boxenstopp kurz hinter dem Ferrari von Charles Leclerc feststeckte und den Vorteil seiner frischen Reifen nicht ausspielen konnte. In der TV-Übertragung wurde die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Overcut mit mehr als 50 Prozent beziffert – wenn der Service perfekt geklappt hätte.

"Nach unseren Berechnungen hätte es für Checo nicht gereicht", winkten die Mercedes-Strategen ab. Und auch Red Bull war es das Risiko nicht wert. Stattdessen stellte der Kommandostand die Strategie um. Perez wurde erst elf Runden nach Hamilton reingeholt. Man hoffte am Ende des Rennens mit dem Reifenvorteil eine Attacke zu starten. Doch diese Rechnung ging nicht auf. Der Lokalmatador konnte zwar aufschließen aber nicht vorbeifahren.

Trotz der 1,2 Kilometer langen Geraden ist Überholen in Mexiko schwierig. Weil der Hintermann immer nur ganz kurz dicht aufschließen kann. "Alle drei Runden musst du wieder Abstand nehmen und eine Verschnaufpause einlegen, damit die Temperaturen der Reifen, der Bremsen und des Motors wieder runterkommen", erklärt Newey.

Charles Leclerc - Formel 1 - GP Mexiko 2021
Motorsport Images
Ferrari zog im Duell mit Pierre Gasly alle Register. Am Ende war der Alpha Tauri aber einfach zu schnell.

Warum tauschte Ferrari zwei Mal die Positionen?

Ferrari konnte das Mexiko-Rennen als Erfolg verbuchen. Die Scuderia profitierte von der McLaren-Pleite und eroberte Platz drei in der WM-Wertung zurück. Ganz zufrieden war man mit den Plätzen fünf und sechs für Charles Leclerc und Carlos Sainz aber nicht. Die Krone im Mittelfeld ging in Mexiko an Pierre Gasly, der locker Rang vier nach Hause fuhr.

"Wir hatten eigentlich gehofft, den Alpha Tauri heute zu schnappen und näher an der Spitze ins Ziel zu kommen", gab sich Mattia Binotto etwas zerknirscht. Der Teamchef hatte das Rennen aus der Firmenzentrale in Maranello verfolgt, um in der heißen Phase der Entwicklung für 2022 keine Zeit mit langen Reisen zu verschwenden.

Die Taktiker an der Strecke versuchten Gasly mit einem Strategie-Split in die Knie zu zwingen. Leclerc wurde auf einen frühen Boxenstopp gesetzt, Sainz blieb länger draußen. "Wir wussten, dass der frühe Stopp wahrscheinlich ein Nachteil ist. Aber wir wollten Gasly vorzeitig reinlocken", erklärte Binotto die Taktik.

Das Schicksal traf Leclerc, weil der Monegasse im ersten Stint näher am direkten Gegner dran war. Und wie befürchtet ließ die Pace durch den Reifenverschleiß schnell nach. Sainz hatte seinen Stopp länger rausgezögert und konnte mit den frischeren Gummis die Lücke zum Teamkollegen schnell zufahren. "Wir wollten keine Zeit im internen Zweikampf verlieren. Deshalb hat es die Ansage zum Platztausch gegeben", erklärt Sainz die Stallregie.

Die Hoffnung, dass Sainz am Ende auch noch Gasly einholen kann, erfüllte sich aber nicht. Der Franzose hielt seinen Verfolger um mehr als acht Sekunden auf Distanz. Um den Teamfrieden zu sichern, ließ Ferrari zwei Runden vor dem Ziel die alte Reihenfolge der Schwesterautos wieder herstellen. "Wir hatten dieses Szenario schon in der Taktikbesprechung diskutiert", verriet Leclerc. Sainz hätte sich nur gewünscht, dass der Teamkollege früher zur Seite gefahren wäre: "Als ich zu Charles aufgeschlossen bin, war er gerade mit dem Überrunden beschäftigt. Da habe ich wohl ein paar Sekunden verloren. Wir müssen schauen, wie wir aus solchen Situationen für die Zukunft lernen."

Antonio Giovinazz - GP Mexiko 2021
Alfa Romeo
Antonio Giovinazzi blieb nach seinem Stopp hinter Valtteri Bottas und Daniel Ricciardo hängen.

Warum kam nur ein Alfa in die Punkte?

Die beiden Alfa Romeo fahren meistens an der Schwelle zu den WM-Punkten. In Mexiko war die Chance größer als sonst. Ausnahmsweise qualifizierten sich beide Fahrer für das Q2, was durch die vielen Strafen die Startplätze 10 und 11 einbrachte. Nach einer Runde lagen Antonio Giovinazzi und Kimi Räikkönen schon auf den Rängen 6 und 10. Quasi eine Einladung dafür, ein paar Punkte Rückstand vom WM-Achten Williams abzuknabbern.

Doch nur eines der der zwei Schweizer Autos landete nach 71 Runden in den Punkterängen. Giovinazzi wurde ungewöhnlich früh in der 16. Runde zum Reifenwechsel an die Boxen geholt. Damit fiel er absehbar hinter Daniel Ricciardo und Valtteri Bottas, die nach ihrer Startkollision ein Duell am Ende des Feldes ausfochten. Im Rückblick verlor Giovinazzi hinter dem Duo zu viel Zeit auf die Fahrer, die ihren Reifenwechsel so lange hinauszögerten, bis sie mehr als 22 Sekunden vor dieser Gruppe lagen. Für Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen, Fernando Alonso und Lando Norris zahlte sich das lange Warten aus.

Giovinazzi fluchte bei der Zieldurchfahrt spöttisch: "Danke für die gute Strategie." Teammanager Beat Zehnder erklärte, warum der Italiener so früh an die Box geholt wurde: "Erstens beklagte sich Antonio, dass die Hinterreifen nachlassen. Zweitens dachten wird, Ricciardo und Bottas würden so schnell fahren, dass sie Antonio nicht aufhalten. Wir konnten nicht ahnen, dass Ricciardo so langsam sein würde."

Räikkönen fuhr im Club der alten Männer ein unspektakuläres, fehlerloses und effizientes Rennen. 5,1 Sekunden vor ihm Vettel, 8,5 Sekunden hinter ihm Alonso. Die drei Veteranen neutralisierten sich. Die Abstände blieben fast das ganze Rennen über gleich.

In der Galerie zeigen wir Ihnen noch einmal die Highlights vom Rennsonntag in Mexiko.

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