Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021 Motorsport Images
Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021
Charles Leclerc - Ferrari - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021
Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021
Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021 53 Bilder

GP Mexiko 2021 - Analyse Training & Longrun-Zeiten

Trainingsanalyse GP Mexiko 2021 Verstappen macht alle platt

Red Bull wurde seiner Favoritenrolle am ersten Trainingstag von Mexiko gerecht. Max Verstappen fuhr in seiner eigenen Welt. Mercedes rätselte, warum man erst ab Kurve 8 Zeit auf Red Bull verliert. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse in der Analyse zusammengefasst.

Am Freitag (5.11.) wurde die Papierform bestätigt. Red-Bull-Honda ist auf 2.240 Meter Höhe eine Macht. Max Verstappen zerstörte die Konkurrenz. Sein Vorsprung von 0,424 Sekunden auf Lewis Hamilton ist vielleicht nicht ganz repräsentativ, doch auch bei bester Rechnung beträgt der Unterschied dreieinhalb Zehntel. Nach Analyse des Medium-Longruns von Verstappen fürchtet Mercedes, dass der Holländer noch Reserven hat.

Immerhin konnten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas den zweiten Red Bull mit Sergio Perez in Schach halten. Allerdings nur knapp. Der Mexikaner sucht noch nach der perfekten Abstimmung für eine Runde, war dafür mit der Rennsimulation hochzufrieden. Sie war im Schnitt nur sieben Hundertstel pro Runde langsamer als die seines Teamkollegen.

Mercedes rätselt, warum die ganze Zeit ausschließlich auf dem zweiten Teil der Runde verloren geht, speziell in dem schnellen Geschlängel. Hamilton und Bottas können nicht so aggressiv über die Randsteine fahren wie die Red Bull. Die Autos setzen zu stark auf. Am Ende der Runde in der Stadion-Sektion sind die Reifen zu heiß.

Trotz des erwarteten Power-Vorteils von Honda sind die Mercedes auf der Zielgerade schneller. Das liegt daran, dass Red Bull mit mehr Abtrieb unterwegs ist. Mercedes ist mit dem Anpressdruck am Limit. Die Ingenieure gehen wegen des Setups noch einmal in Klausur. Gesucht ist der beste Kompromiss.

Im Verfolgerfeld macht Alpha Tauri die stärkste Figur. Ferrari und McLaren sehen sich auch noch von Aston Martin und Alpine umzingelt. Beide sind noch auf der Suche nach einem besseren Setup für den limitierten Grip. McLaren wird für Lando Norris möglicherweise den vierten Motor ziehen, was den Engländer ans Ende der Startaufstellung verbannt. Dort trifft er auf seine Leidensgenossen Lance Stroll und Yuki Tsunoda.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021
Motorsport Images
Red Bull ist mit mehr Abtrieb unterwegs als Mercedes.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen...

Hat Mercedes gegen Red Bull eine Chance?

Am ersten Tag löste Red Bull seine Vorschusslorbeeren ein. Oder sagen wir besser Max Verstappen. Der Holländer nahm dem Rest der Welt eine halbe Sekunde und mehr ab. Lewis Hamiltons Rückstand von 0,424 Sekunden hätte etwas geringer ausfallen können, hätte er eine fehlerlose Runde geschafft. Im ersten Sektor hielt er mit Verstappen noch Schritt. Dann verlor er zwei Zehntel im Mittelsektor und drei im Schlussabschnitt. Mercedes-Teamchef Toto Wolff schätzte: "Realistisch war heute ein Abstand von dreieinhalb Zehntel."

Immerhin hielten die Mercedes-Piloten den zweiten Red Bull mit Sergio Perez hinter sich. Der Mexikaner hatte am Morgen bei einem Unfall den Heckflügel und den Unterboden demoliert: "Jetzt wird es knapp mit Ersatzteilen", machte sich Sportdirektor Helmut Marko Sorgen. Am Nachmittag blieb der Lokalheld auf der Strecke. "Ich hatte keine saubere Runde und fühlte mich auf eine Runde mit dem Auto nicht so wohl wie auf dem Longrun", entschuldigte sich Perez für den großen Rückstand zum Teamkollegen.

Die Analyse des Zeitverlustes gibt den Mercedes-Ingenieuren Rätsel auf. Bis Kurve 7 lagen Hamilton und Bottas mit Verstappen gleichauf. Auf dem Rest der Runde verloren sie über alle Kurven verteilt an Boden. Besonders schlimm in den Kurven 9 und 15. Das kann viele Gründe haben. "In der Spezifikation für viel Abtrieb ist Red Bull besser", erinnert Wolff an Monte Carlo.

Mercedes hat keinen Heckflügel im Programm, der so viel Anpressdruck aufbaut. Deshalb muss man die Autos tiefer legen und das Fahrwerk auf hart stellen, um die Aerodynamik im perfekten Fenster zu halten. Das führt unweigerlich zum zweiten Problem. Die Mercedes-Fahrer können in dem schnellen Geschlängel nicht so die Kurven schneiden wie ihre Kollegen von Red Bull. Die Autos setzen auf den Randsteinen ständig auf und werden von ihnen aus der Bahn geworfen.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021
xpb
Mercedes sucht noch nach dem optimalen Setup.

Im letzten Sektor sind dann die Reifen zu heiß. "Da ist noch viel Setup-Arbeit notwendig", stöhnen die Ingenieure. Wolff fasste zusammen: "Du kannst dich nur bis zu einem gewissen Grad strecken, wenn du auf einer bestimmten Strecke ein unterlegenes Paket hast. Irgendwo sind uns da Grenzen gesetzt."

Von Hondas Power-Vorteil in der dünnen Luft von Mexico-City ist beim Studium der Top-Speeds noch nichts zu sehen. Die Mercedes flogen um 6 km/h schneller durch die Messstelle am Ende der Zielgerade. Doch das hat auch damit zu tun, dass Mercedes nicht nur mit weniger Abtrieb, sondern auch mit weniger Luftwiderstand unterwegs ist.

Beim Vergleich der Longruns steht der Titelverteidiger zwar etwas besser da als auf eine Runde, aber erstens sind die Zeiten wegen der unterschiedlichen Mischungen nur schwer gegenüberzustellen, und zweitens notierte Mercedes, dass die Red-Bull-Piloten bei der Rennsimulation viel Lift and Coast betrieben. "Die haben in den Longruns noch Reserven", befürchtete ein Ingenieur.

Lewis Hamilton und Valtteri Bottas mussten nach Verbremsern in Kurve 1 ihr Programm umstellen. Sie hatten sich die harten Reifen eckig gebremst. Bevor sie wieder verwendet werden konnten, mussten die Laufflächen abgefräst werden. In der Zwischenzeit stiegen die Mercedes-Fahrer auf die Soft-Reifen um.

Der Lerneffekt hielt sich in Grenzen. Freiwillig werden nur wenige den Soft-Reifen im Rennen einsetzen. Den Medium-Gummi rührte Mercedes am Nachmittag nicht an. Das ist ein Hinweis dafür, dass man sich drei Garnituren Medium pro Fahrer reservieren möchte. Je zwei Garnituren für das Q2 und ein Ersatz für den Fall, dass im Rennen ein Safety-Car einen Gratis-Boxenstopp ermöglicht.

Genau vor so unvorhersehbaren Szenarien fürchtet sich Red Bull. "Ein Defekt, ein Unfall in der ersten Kurve, ein schlechter Boxenstopp oder ein Safety-Car zur falschen Zeit können uns immer noch stoppen", warnt Marko.

Pierre Gasly - Alpha Tauri - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021
Red Bull
Pierre Gasly konnte das Tempo an der Spitze nicht ganz mitgehen.

Ist Gasly eine Gefahr für Mercedes?

Red Bull-Sportchef Helmut Marko hofft, dass Mercedes in Mexiko auch Konkurrenz von Alpha Tauri-Pilot Pierre Gasly bekommt. Der Franzose ist in diesem Jahr auf jeder Strecke in der Lage sich in den Top 6 zu qualifizieren. Der Honda-Vorteil sollte ihn auf das Niveau der Mercedes bringen, glaubt man im Lager des A-Teams.

Am ersten Trainingstag sah es aber nicht danach aus, als könnte Gasly die Silberpfeile ärgern. Der Abstand zu Hamilton und Bottas betrug über sechs Zehntel. Marko begründet das so: "Der Gasly hatte keine optimale Runde. Er kann aber die Zeiten von Mercedes fahren." Die Rennsimulation gibt das aber auch nicht her. Gasly teilte seinen Soft-Longrun in zwei Portionen auf und war im zweiten Teil immer noch deutlich langsamer als die Mercedes-Piloten.

Wechselt Norris den Motor?

Weder Ferrari noch McLaren sind mit dem ersten Trainingstag zufrieden. Der Rückstand auf Red Bull und Mercedes ist ungewöhnlich groß. Alpha Tauri ist ein echter Gegner. Alpine und Aston Martin sind auf Schlagdistanz. Ferrari probierte viele Abstimmungen aus und landete am Ende wieder dort, wo man begonnen hatte. "Wir werden morgen noch eine andere Richtung ausprobieren und schauen, ob wir uns verbessern können. Einige unserer Mitbewerber sehen ziemlich stark aus. Das wird keine einfache Angelegenheit", fürchtet Carlos Sainz.

Charles Leclerc ergänzte: "Mit mehr Grip auf der Strecke fühlte es sich besser an. Es fällt uns aber immer noch schwer einzuordnen, wo wir stehen." Auch die Longruns geben keine Entwarnung. Kimi Räikkönen war bei vergleichbaren Bedingungen auf dem Medium-Reifen sogar schneller als Leclerc und Sainz.

Lando Norris - McLaren - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021
Motorsport Images
McLaren tendiert dazu, Lando Norris einen neuen Motor zu geben und die Strafe in Kauf zu nehmen.

Der Tag von McLaren begann mit viel Untersteuern, das aber bis zum Nachmittag durch Setup-Änderungen in den Griff gebracht wurde. Trotzdem fehlte noch Rundenzeit. Der McLaren MCL35M ist auf Strecken, auf denen man mit maximalem Abtrieb fahren muss, einfach nicht in seinem Wohlfühlfenster.

Das Team musste sich bei den Longruns auf Lando Norris verlassen. Das Auto von Daniel Ricciardo stand nach nur sieben Runden aufgebockt in der Garage. Ein Getriebeschaden beendete die Fahrt des Australiers und damit auch den geplanten Dauerlauf auf Soft-Reifen.

Norris war mit dem Soft-Reifen auf eine Runde langsamer als Alpine, Aston Martin, Alpha Tauri und Alfa Romeo und konzentrierte sich dann voll auf einen Dauerlauf auf dem Medium-Gummi. Sind das schon Vorboten für einen bevorstehenden Motorwechsel? Teamchef Andreas Seidl meinte: "Ich würde es nicht ausschließen."

Ist Alpine wieder zurück?

Austin war ein Ausreißer für Alpine. Die Ingenieure machen es hauptsächlich an den Bodenwellen auf dem US-Kurs fest. Am ersten Tag im Autodromo Hermanos Rodriguez kehrte Alpine wieder in die Normalität zurück, auch wenn man von der Form von Sotschi und Istanbul noch ein Stück weit entfernt ist. Ferrari und Alpha Tauri sind außer Reichweite, Aston Martin im gleichen Boot. Fernando Alonso fuhr an der Schwelle zu den Top Ten und belegte hinter Sebastian Vettel Platz 10.

Die Longruns bestätigten den Eindruck auf eine Runde. Auf den harten Reifen war Alonso im Schnitt eine halbe Sekunde langsamer als Pierre Gasly. Esteban Ocon konnte auf den Medium-Gummis weder mit dem erstaunlich starken Kimi Räikkönen, den Ferrari-Piloten, Lance Stroll oder Yuki Tsunoda mithalten.

Während der Franzose am Funk klagte, dass sein A521 nicht immer seinen Befehlen folgen wollte, ist Alonso noch unschlüssig, wo Alpine wirklich steht: "Wir haben zwischen den Trainings Änderungen am Auto vorgenommen. Es ist aber schwer einzuschätzen, was sie wert waren, weil die Strecke um so viel schneller geworden ist." Ganz anders im Lager von Aston Martin. Sebastian Vettel fand schnell seinen Rhythmus: "Ich bin happy mit meinem Auto. Wir haben unser ganzes Programm durchgebracht und gute Fortschritte mit dem Setup gemacht."

Yuki Tsunoda - Alpha Tauri - Formel 1 -GP Mexiko - 5. November 2021
xpb
Yuki Tsunoda und Lance Stroll werden am Sonntag von hinten losfahren.

Warum wechseln Stroll und Tsunoda den Motor?

Bei Lance Stroll war schon seit vier Rennen klar, dass er eine vierte Antriebseinheit braucht. Chefingenieur Tom McCullough erklärt, warum man sich für den Wechsel ausgerechnet Mexiko ausgesucht hat. "In Austin war Vettel mit dem Motorwechsel dran. Wir wollten nicht mit zwei Autos von hinten starten. In Brasilien gibt es wieder den Sprint. Das ist für uns eine gute Gelegenheit uns in der Startposition zu verbessern. Lance ist ein guter Starter. Das hätte ihm aber nichts gebracht, weil die Strafen nach dem Sprint genommen werden müssen." Aus dem Mercedes-Camp ist jetzt nur noch Lando Norris mit seinem dritten Motor unterwegs. McLaren will am Freitagabend entscheiden, ob man in Mexiko die Strafe nimmt oder noch wartet.

Auch Yuki Tsunoda traf der Einsatz des vierten Motors nicht unerwartet. Der Japaner weiß seit seinem Crash in der Qualifikation von Imola, dass er mit seinem Motorenkontingent nicht über die Runden kommt. Beim Einschlag in die Mauer ging auch der Antrieb kaputt. Im Team war man sich uneins, wo die Strafe genommen wird. Teamchef Franz Tost plädierte für Brasilien, die Ingenieure für Mexiko. Die Ingenieure setzten sich durch.

Was war mit Williams los?

George Russell hatte sich schon bei Halbzeit des zweiten Trainings in Zivilklamotten geworfen. Der Engländer stellte seinen Williams nach zwei Runden mit Getriebeproblemen ab. Da es sich um das Renngetriebe handelte, muss Russell fünf Startplätze zurück. So lastete die ganze Arbeit auf Nicholas Latifi. Während die Ingenieure versuchten, den Getriebeproblemen auf den Grund zu gehen, wurde auch die Fahrleistung des Kanadiers reduziert, der deshalb am Ende nur auf 17 Runden kam.

GP Mexiko 2021 - Longrun-Zeiten

Fahrer Ø Rundenzeit Runden Reifentyp Stint
Bottas 1.21,670 min 7 soft 1
Hamilton 1.21,742 min 8 soft 1
Schumacher 1.23,278 min 5 soft 2
Vettel 1.23,336 min 13 soft 1
Ocon 1.23,371 min 9 soft 1
Giovinazzi 1.23,960 min 7+13 soft 1+2
Mazepin 1.24,258 min 4 soft 2
         
Verstappen 1.21,092 min 13 medium 1
Perez 1.21,168 min 11 medium 1
Vettel 1.21,905 min 11 medium 2
Räikkönen 1.22,094 min 10 medium 1
Leclerc 1.22,105 min 9 medium 1
Stroll 1.22,273 min 14 medium 2
Sainz 1.22,319 min 10 medium 1
Tsunoda 1.22,411 min 18 medium 1
Ocon 1.22,509 min 18 medium 2
Norris 1.22,551 min 7 medium 1
Latifi 1.23,581 min 12 medium 1
Mazepin 1.24,444 min 9 medium 1
         
Bottas 1.21,084 min 6 hart 2
Hamilton 1.21,429 min 5 hart 2
Gasly 1.21,755 7+9 hart 1+2
Alonso 1.22,252 min 15 hart 1
Stroll 1.22,929 min 14 hart 14
Schumacher 1.24,384 min 10 hart 1
Fahrer Ø Rundenzeit Runden Reifentyp Stint
Bottas 1.21,670 min 7 soft 1
Hamilton 1.21,742 min 8 soft 1
Schumacher 1.23,278 min 5 soft 2
Vettel 1.23,336 min 13 soft 1
Ocon 1.23,371 min 9 soft 1
Giovinazzi 1.23,960 min 7+13 soft 1+2
Mazepin 1.24,258 min 4 soft 2
         
Verstappen 1.21,092 min 13 medium 1
Perez 1.21,168 min 11 medium 1
Vettel 1.21,905 min 11 medium 2
Räikkönen 1.22,094 min 10 medium 1
Leclerc 1.22,105 min 9 medium 1
Stroll 1.22,273 min 14 medium 2
Sainz 1.22,319 min 10 medium 1
Tsunoda 1.22,411 min 18 medium 1
Ocon 1.22,509 min 18 medium 2
Norris 1.22,551 min 7 medium 1
Latifi 1.23,581 min 12 medium 1
Mazepin 1.24,444 min 9 medium 1
         
Bottas 1.21,084 min 6 hart 2
Hamilton 1.21,429 min 5 hart 2
Gasly 1.21,755 7+9 hart 1+2
Alonso 1.22,252 min 15 hart 1
Stroll 1.22,929 min 14 hart 14
Schumacher 1.24,384 min 10 hart 1
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