Lewis Hamilton - Formel 1 - GP Monaco - 26. Mai 2019 Motorsport Images

Rennanalyse GP Monaco 2019

Deshalb verzockte Mercedes mit den Reifen

Wie hat sich Mercedes mit den Reifen verzockt? Warum spielten Lando Norris und Lance Stroll Schicksal? Und was ging beim Boxenstopp von Max Verstappen schief? Die Antworten in unserer Rennanalyse.

Wie hat sich Mercedes mit den Reifen verzockt?

Lewis Hamilton hatte sozusagen eine Standleitung zum Kommandostand. Immer wieder zweifelte er an, ob er es mit den Medium-Reifen noch bis zum Ende des Rennens schaffen würde. Schon 28 Runden vor Schluss ging die Diskussion los. „Ich weiß nicht, was ihr erwartet habt, als ihr diese Reifen aufgezogen habt, aber da muss man auf ein Wunder hoffen…”

Die Frage war: Würde Hamilton tatsächlich an die Box kommen oder würde er es schaffen, das schwarze Gummi über die Distanz zu retten ohne von den drängelnden Hintermännern Max Verstappen und Sebastian Vettel überholt zu werden? Für Hamilton war die Antwort klar: “Es ging um Crash oder Ankommen. Ich wäre auf keinen Fall reingekommen.”

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff gibt zu: „Rückblickend wissen wir, dass die Reifenwahl bei Lewis falsch gewesen ist. Wir hätten bei seinem Stopp auf die harten Reifen wechseln müssen. Aber so etwas passiert und zu diesem Zeitpunkt dachten wir, dass der Medium-Reifen die richtige Wahl war. Heute hat der Fahrer den Unterschied ausgemacht und sich das Rennen perfekt eingeteilt.”

Andrew Shovlin, Chefingenieur von Mercedes, erklärt: “Die Safety-Car-Phase kam früher als es uns lieb gewesen ist und rückblickend hätten wir auf den harten Reifen wechseln sollen. Aber wir waren wegen des Aufwärmens der Reifen beim Re-Start besorgt. Deshalb haben wir uns für den Medium-Reifen entschieden, was Lewis das Leben erschwerte. Diese Entscheidung werden wir uns genauso wie die zugrundeliegenden Informationen noch einmal genau ansehen. Wir sind sehr dankbar dafür, dass Lewis das Rennen bis zum Ende so im Griff hatte – er musste richtig hart für den Sieg kämpfen.”

Lewis Hamilton - Formel - GP Monaco - 26. Mai 2019
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War es schlau in der Safety Car Phase zu stoppen?

Für die Spitzengruppe lässt sich diese Frage leicht beantworten. Ja. Auch wenn der Zeitpunkt, als das Safety Car in Runde 10 auf die Strecke kam, nicht ideal war. Aber man wusste, dass man die restlichen 68 Runden mit den harten Reifen überleben kann. Lediglich bei Lewis Hamilton war das Risiko mit den Medium-Reifen etwas höher. Ohnehin musste die vier Autos der Spitzengruppe, also Hamilton, Vettel, Bottas und Verstappen sich gegenseitig covern. Der ideale Zeitpunkt für das Safety Car wäre laut Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff eher Runde 15 oder 16 gewesen.

Daniel Ricciardo im Renault und Kevin Magnussen im Haas mussten direkt dahinter ebenfalls zum Service kommen, weil man nicht wusste, was die Autos dahinter machen würden. Sie liefen nur später in die Falle, weil sie im Verkehr hängen blieben. Bei Sergio Perez war es vermutlich eher eine Verzweiflungstat, in die Box zu kommen, weil er ohnehin keine Position dadurch verlor. Zu denjenigen, die an der Box vorbeifuhren, gehörten Pierre Gasly im Red Bull oder Carlos Sainz im McLaren, weil sie wiederum etwas anderes als Ricciardo und Magnussen machen mussten. Wäre ein zweites Safety Car gekommen, wären sie die großen Gewinner gewesen.

Boxentafel - Hamilton - GP Aserbaidschan 2018
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Warum spielten Lando Norris und Lance Stroll Schicksal?

Sowohl Lando Norris als auch Lance Stroll waren in diesem Rennen für viele Fahrer ein Fluch. Der McLaren-Pilot und der Racing Point-Pilot gehörten zu denjenigen, die in der Safety Car-Phase ab Runde 10 nicht stoppten. Zunächst stahl Norris zum Beispiel Daniel Ricciardo im Renault Zeit, der zum Service kam, dann aber hinter dem McLaren-Pilot festhing. Das gleiche Schicksal teilte Kevin Magnussen im Haas, Sergio Perez im Racing Point und Nico Hülkenberg im Renault. Die Lücke zwischen Norris und dem vorderen Zug klaffte teilweise bis zu 15 Sekunden auf. Für McLaren machte es Sinn. Denn Norris blockte mit seinem späten Stopp in Runde 47 die anderen, um so einen Vorteil für Teamkollege Carlos Sainz herauszuholen, der schon in Runde 30 beim Service war. Später war es Lance Stroll, der die Frühstopper Zeit kostete. Eine Erklärung dafür, warum die Gruppe aus dem Mittelfeld, die eigentlich die Pace hatte, nicht voran kam.

Wie kam Daniel Ricciardo noch an Romain Grosjean vorbei?

Bei der Zieldurchfahrt nach 78 Runden wunderte sich so mancher, wie Daniel Ricciardo noch an Romain Grosjean vorbeikam. Denn in Runde 70 trennten die beiden noch 16 Sekunden. Doch plötzlich brachen die Rundenzeiten von Grosjean ein. Teilweise umrundete er den Kurs über zwei Sekunden langsamer als Ricciardo. Dabei schrumpfte der Vorsprung auf nur noch 4,860 Sekunden. Weil Grosjean noch eine Strafe von fünf Sekunden wegen Überfahren der weißen Linie an der Boxenausfahrt auf dem Konto hatte, ging es um 0,140 Sekunden zugunsten des Australiers aus.

Was ging bei Max Verstappen in der Box schief?

Max Verstappen kämpfte mit Lewis Hamilton um den Sieg – allerdings mit stumpfen Waffen. Denn dabei schleppte er immer noch eine 5-Sekunden-Strafe mit sich herum. Die hatte der Holländer nach dem Boxenstopp in der Safety Car-Phase aufgebrummt bekommen. Als er nach dem Service losfuhr, kam er direkt neben Valtteri Bottas im Mercedes raus und drückte den in die Leitplanke. Der Finne musste eine Runde später erneut an die Box, weil dabei seine Felge beschädigt wurde. Für Verstappen folgte die Strafe wegen „Unsafe Release” auf dem Fuß. Sie wurde nach dem Rennen auf die Zeit addiert. Daneben gab es zwei Strafpunkte für Verstappen. Die Begründung der Sportkommissare: Auch wenn es eng zuging, hätte Verstappen die Möglichkeit gehabt, den Kontakt zu verhindern.

Bei Red Bull sieht man das freilich etwas anders. Red Bull-Berater Dr. Helmut Marko sagte: “Dadurch, dass die Ferrari-Box dazwischen ist, konnten wir es nicht richtig sehen.” Teamchef Christian Horner machte seinen Leuten ebenfalls keinen Vorwurf: „Max hat die Box vor Bottas verlassen, was laut den Regeln in Ordnung ist. Leider wurde alles ein wenig zu eng.” Auch Max Verstappen war der Meinung nichts falsch gemacht zu haben: “Ich fahre dann los, wenn mir das Zeichen dazu gegeben wird.”

Fotos GP Monaco 2019: Die Highlights vom Rennen

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