Max Verstappen - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021 Motorsport Images
Impressionen - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
Impressionen - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
Lewis Hamilton - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
Carlos Sainz - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021 51 Bilder

GP Niederlande 2021 - Analyse Rennen: Red-Bull-Wende?

Rennanalyse GP Niederlande 2021 WM-Wende oder nur Strohfeuer?

Mercedes kassierte beim Auswärtsspiel in Zandvoort eine herbe Niederlage gegen Red Bull. In der Rennanalyse klären wir, wie groß der Rückstand der Silberpfeile wirklich war, klären offene Strategiefragen und blicken auf die Probleme bei Ferrari und Haas.

Red Bull vs. Mercedes – wer hatte das schnellere Auto?

Es schien, als begegneten sich Red Bull und Mercedes in Zandvoort auf Augenhöhe. Lewis Hamilton verpasste die Pole Position nur um 38 Tausendstel. Und vom ersten Startplatz wäre das Rennen wohl ganz anders gelaufen. Allerdings vermittelt der geringe Abstand aus der Qualifikation ein trügerisches Bild. Wegen eines Technik-Defekts musste Max Verstappen in der entscheidenden Q3-Runde auf das Öffnen des Klappflügels verzichten. Das kostete 13 km/h Top-Speed oder umgerechnet anderthalb Zehntel.

Hamilton war sich nach dem Rennen sicher, dass er mit stumpfen Waffen kämpfte. "Sie hatten einfach das schnellere Auto. Die Rundenzeiten konnte ich nie mitgehen. Während Max vorne die Pace managte, war ich immer am Anschlag. Um überhaupt eine Minimalchance auf den Sieg zu haben, hätte schon die Strategie, die Boxenstopps und der Verkehr beim Überrunden perfekt passen müssen. Aber leider hat nichts davon gepasst."

So kontrollierte Verstappen das Rennen souverän von der Spitze. Jeder Undercut-Versuch von Hamilton wurde sofort gekontert. Die Reihenfolge im Duell der WM-Konkurrenten änderte sich nicht. "Wir haben unsere Strategie ganz auf Lewis ausgerichtet", verriet Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach der Siegerparty. "Mit ihm hat Mercedes eine aggressive Zweistopp-Strategie probiert, die wir dann mitgegangen sind. Hätten sie das stattdessen mit Valtteri gemacht, hätten wir nicht gekontert."

Max Verstappen - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
Motorsport Images
Trotz nummerischer Unterzahl hielt Verstappen die beiden Mercedes locker in Schach.

Doch warum war Red Bull in Zandvoort deutlich besser aufgestellt als zuletzt: "In Ungarn haben wir das richtige Setup einfach nicht getroffen. Deshalb konnte man dort unsere wahre Stärke nicht erkennen", klärte Horner auf. "In Zandvoort waren wir deutlich konkurrenzfähiger. Im direkten Duell hatten wir einen Vorteil von ein oder zwei Zehnteln pro Runde, die Max im Rennen abrufen konnte, wenn er sie brauchte."

Bei Mercedes bezifferte man den Rückstand sogar auf drei Zehntel pro Runde. Doch schon in Monza will man den Konter setzen: "Diese Saison hat gezeigt, dass wir im Vergleich zu Red Bull besser dastehen, wenn wir mit weniger Abtrieb fahren", hofft Teamchef Toto Wolff. Horner stimmte seinem Kollegen ausnahmsweise zu: "Ich sehe Mercedes sowohl in Italien als auch in Russland im Vorteil. Da gilt es für uns den Schaden zu begrenzen." Hamilton warnt jedoch vor zu viel Optimismus: "Red Bull ist in diesem Jahr auf allen Strecken besser aufgestellt."

Welche Taktik war schneller – ein oder zwei Stopps?

Vor dem Rennen warnten die Strategen vor bösen Überraschungen. Wegen zahlreicher Unterbrechungen in den Freien Trainings fehlten den Ingenieuren wichtige Daten zum Reifenverschleiß auf der für alle neuen Strecke. Deshalb wurde es am Sonntag eine Fahrt ins Blaue. Mercedes ging auf Nummer sicher und setzte beide Autos auf unterschiedliche Strategien. So wollte man Verstappen in die Taktik-Zange nehmen.

Max Verstappen - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
xpb
Valtteri Bottas konnte Lewis Hamilton im Duell mit Verstappen nicht unterstützen.

Valtteri Bottas bekam den Auftrag, mit einem einzigen Reifenwechsel über die 72 Runden zu kommen und sich dabei immer in Sichtweite zu Verstappen zu halten. Doch schnell wurde klar, dass dieser Plan nicht funktionieren würde. Bottas konnte das Tempo der Spitze nicht mitgehen: "Ich wusste, dass ich die Reifen schonen muss. Das hat vor allem in den schnellen Kurven viel Zeit gekostet. Ich glaube trotzdem, dass es in meiner Situation richtig war, etwas anderes zu probieren", erklärte der Finne.

Obwohl der Zweistopper am Ende auf dem Papier die schnellere Variante war, entschieden sich die meisten Teams dafür, nur einmal die Boxen anzusteuern. Zu groß war die Angst, dass man auf der wenig überholfreundlichen Strecke in den Verkehr zurückfällt und den Vorteil frischer Reifen nicht ausspielen kann. Das zum Attackieren nötige Rundenzeit-Delta lag in Zandvoort bei 1,2 Sekunden. Im Schlussspurt zeigten aber einige Piloten, dass Platzwechsel mit frischeren Gummis möglich waren.

Warum fuhr Bottas die schnellste Runde?

Am Ende ging es für Mercedes nur noch darum, Hamilton den Bonuspunkt für die schnellste Rennrunde zu sichern. Doch dann steuerte überraschend Bottas fünf Runden vor Schluss die Boxen an. "Valtteris zweiter Reifenwechsel war ein reiner Sicherheitsstopp. Wir hatten Angst, dass seine Reifen nicht durchhalten", klärte Wolff auf.

Lewis Hamilton - GP Niederlande - Formel 1 - 5. September 2021
xpb
Ein Drei-Punkte-Vorsprung von Hamilton verwandelte sich in einen Drei-Punkte-Rückstand.

Obwohl Strategiechef James Vowles dem Finnen zwei Mal einschärfte, auf keinen Fall die schnellste Runde zu drehen, blieb Bottas gleich in seiner ersten fliegenden Runde um sechs Zehntel unter Hamiltons Bestzeit. Zur Ehrenrettung von Bottas verrieten die Ingenieure: "Valtteri hat im letzten Sektor den Fuß vom Gas genommen und noch sieben Zehntel liegenlassen. Es hat trotzdem nicht gereicht."

So musste auch Hamilton noch einmal an die Box um nachzulegen. Was er auf Befehl tat. "Diese Runde hat am meisten Spaß gemacht. Mit wenig Sprit auf dieser Rennstrecke ohne Rücksicht auf die Reifen auf Zeitenjagd zu gehen, ist einfach phänomenal", schwärmte der Titelverteidiger.

Warum war ein Ferrari schnell und einer langsam?

Die beiden Ferrari begannen das Rennen in Zandvoort auf den Startplätzen fünf und sechs. Während Charles Leclerc diese Position locker ins Ziel brachte, hatte Carlos Sainz sichtlich zu kämpfen. Der Spanier verlor schnell den Kontakt zum Schwesterauto. Im Ziel betrug der Abstand der beiden roten Autos knapp 31 Sekunden. Zu allem Übel rauschte im letzten Umlauf auch noch Fernando Alonso im Alpine vorbei.

Carlos Sainz - Ferrari - Formel 1 - GP Niederlande - 4. September 2021
Motorsport Images
Ferrari-Teamchef Binotto glaubt nicht, dass die schlechte Pace von Sainz im Zusammenhang mit dem Trainingscrash steht.

Bisher kämpften die beiden Werkspiloten stets auf Augenhöhe. Der große Abstand verlangte nach Antworten. Doch nach dem Rennen hatten die Herren in Rot noch keine parat: "Wir haben keine Erklärung dafür", zuckte Sainz ratlos mit den Schultern. "Das ganze Rennen war einfach nur schmerzhaft. Ich hatte eine schlechte Pace und bin nur rumgerutscht, was auch noch den Reifenverschleiß erhöht hat. Das Gefühl im Auto war ganz anders als am Freitag und Samstag. Das habe ich schon auf den Runden in die Startaufstellung gespürt. Die Balance hat auf einmal nicht mehr gepasst."

Teamchef Mattia Binotto versprach, der Sache genau auf den Grund zu gehen: "Wir müssen schauen, ob wir vielleicht beim Zusammenbau des Autos einen Fehler gemacht haben oder ob es ein Problem mit dem Setup gab. Ich glaube nicht, dass es mit dem Unfall von Carlos im dritten Training zusammenhängt, aber wir können nichts ausschließen."

Der Italiener zog trotzdem ein positives Fazit: "Wir hatten ein schwieriges Wochenende wie in Paul Ricard erwartet. Auch in Zandvoort sind die Reifen hohen Belastungen ausgesetzt. Wir konnten am Ende aber wichtige Punkte für die Teamwertung sammeln. So groß war unser Vorsprung vor McLaren die ganze Saison noch nicht, auch wenn dieses Duell für uns nicht oberste Priorität hat."

Warum eskalierte der Streit bei Haas?

Bei Haas war das ganze Zandvoort-Wochenende Feuer unterm Dach. Schon am Samstag kochten die Emotionen hoch, weil Mazepin auf einer Quali-Outlap von Mick Schumacher überholt wurde, was der Russe als Verstoß gegen die teaminternen Regeln empfand. Den Platzwechsel hatte der Kommandostand dem Deutschen allerdings genehmigt, wie sich hinterher zeigte. Mazepin bezeichnete die Aktion dennoch als dreist.

Mick Schumacher - GP Niederlande 2021
xpb
Mick Schumacher musste in Zandvoort einen Reparaturstopp einlegen.

Im Rennen eskalierte der Streit erneut. Schumacher hatte die Führung im internen Duell nach einer harten Attacke in Kurve acht der Startrunde abgegeben. Dann kam der Deutsche aber mit Überschuss aus der Zielkurve. Auf der Innenseite setzte Schumi zum Überholvorgang an, doch Mazepin fuhr dem Angreifer in letzter Sekunde vor die Nase. Bei mehr als 300 km/h kam es zum Kontakt.

Bei Schumacher ging der Frontflügel zu Bruch, was einen Reparaturstopp zur Folge hatte. "Aus meiner Sicht war die Aktion nicht korrekt. Aber es ist eher sein Ding in den Medien rumzuschimpfen als meins", erklärte der Rookie angesäuert. Während Schumacher die Aktion als gefährlich einstufte, winkte Mazepin nur ab: "Wir kämpfen hart, aber so soll es doch auch sein, oder?"

Bei Teamchef Guenther Steiner klingelten sofort die Alarmglocken. "Wir müssen solche Situationen in Zukunft vermeiden. Noch wissen wir nicht, wie die Lösung aussieht, aber wir werden darüber diskutieren." Die alleinige Schuld für den Beinahe-Crash wollte Steiner Mazepin nicht in die Schuhe schieben. "Da gehören immer zwei dazu. Ich würde nicht sagen, dass es eine schmutzige Aktion war."

In der Galerie zeigen wir noch einmal die Highlights der Verstappen-Party in Zandvoort.

Mehr zum Thema Red Bull F1
Max Verstappen - Red Bull - GP Italien 2021 - Monza
Aktuell
Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Italien - Monza - 10. September 2021
Aktuell
Red Bull vs. Mercedes - Formel 1 - GP Italien - Monza - 2021
Aktuell
Mehr anzeigen