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Trainingsanalyse GP Österreich 2018

Red Bull hadert mit Longruns

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Österreich - 29. Juni 2018 Foto: sutton-images.com 83 Bilder

Mercedes bestimmte das Tempo am ersten Trainingstag zum GP Österreich. Ferrari ist den Silberpfeilen dicht auf den Fersen, im Longrun mehr als auf eine Runde. Red Bull hadert beim Heimspiel: In der Rennsimulation fehlt bis zu eine Sekunde.

29.06.2018 Michael Schmidt

Am ersten Trainingstag zum GP Österreich gab es viele Dinge, die nur schwer zu erklären sind. Lewis Hamilton fuhr die absolut schnellste Runde auf dem härtesten Reifentyp. Seine Bestzeit von 1.04,579 auf dem Soft-Reifen lag um 0,236 Sekunden unter Sebastian Vettels Bestwert von 1.04,815, erzielt mit den Ultrasoft-Sohlen. Dafür wurde der längste Stint auf dem weichsten Gummi gefahren. Brendon Hartley hielt 33 Runden auf dem Ultrasoft-Gummi durch.

Das große Aero-Upgrade von Mercedes funktionierte. Doch der Fortschritt in den schnellen Kurven war größer als in den langsamen. Eigentlich sollte es umgekehrt sein. Auch bei Red Bull war man verwirrt. „Wir sind überraschend schnell auf eine Runde und überraschend langsam im Longrun“, fasste Motorsportdirektor Helmut Marko den ersten Trainingstag aus Sicht der Hausherren zusammen. In der schnellsten Runde fehlten Daniel Ricciardo 0,452 Sekunden auf die Bestzeit. Bei den Rennsimulationen verlor Red Bull auf den Reifentypen ultrasoft und supersoft jeweils eine volle Sekunde auf den besten Durchschnitt. Mit den Soft-Reifen belief sich der Rückstand auf 0,8 Sekunden.

Die Longrun-Tabelle auf den Ultrasoft-Reifen führte Mercedes mit Valtteri Bottas an. Der Finne kam nach 14 Runden auf einen Schnitt von 1.08,394 Minuten. Sebastian Vettel war sieben Runden länger auf der Bahn und im Mittel 0,277 Sekunden langsamer. Dafür setzte der Ferrari-Pilot auf den Soft-Gummis den besten Longrun-Wert. Sein Durchschnitt von 1.07,782 Minuten lag um drei Hundertstel unter dem Mittel von Lewis Hamilton. König auf den Supersoft-Reifen war Valtteri Bottas mit 1.07,874 Minuten. Daniel Ricciardo fiel um eine Sekunde ab, Kimi Räikkönen um 1,2 Sekunden.

Sechs Dinge, die Sie wissen müssen:

1) Hat das Mercedes-Upgrade funktioniert?

Ingenieure und Fahrer waren zufrieden. Allerdings bleiben noch ein paar Fragezeichen. Lewis Hamilton berichtete: „Das Auto fühlte sich vom ersten Moment in speziellen Bereichen besser an. Erst im Verlauf des zweiten Trainings wurde es etwas schlechter, und wir müssen jetzt herausfinden warum. Hamilton klagte wie viele seiner Kollegen über Untersteuern. Valtteri Bottas freute sich: “Das Heck fühlt sich deutlich stabiler an. Wir hatten auch keine Probleme mit Blasenbildung links hinten so wie 2017.„ Damit wäre ein Konstruktionsziel erreicht. Die bessere Umströmung der Seitenkästen sollte den Anpressdruck im Heck stabiler machen. Der größere Fortschritt war jedoch in den schnellen Kurven zu sehen. Mercedes dominierte den dritten Sektor. Eigentlich zielen die Modifikationen eher auf die Schwäche in den langsamen Kurven hin.

2) Wo verliert Ferrari gegen Mercedes?

auto motor und sport durfte die Speedvergleiche der drei Topautos in ihren schnellsten Runden und in den Longruns studieren. Vettel gewinnt auf Hamilton von Kurve 3 bis Kurve 4. Also in den beiden Zweite-Gang-Kurven. Dafür nimmt Hamilton dem Ferrari Zeit in den schnellen Kurven ab. “Die sind schon verdammt schnell„, staunte Vettel. Der Unterschied kann durch den Tankinhalt oder das Setup für die Highspeed-Kurven beeinflusst worden sein. Die Red Bull sind den Mercedes im Scheitelpunkt der schnellen Kurven ebenbürtig, verlieren aber in den langsamen Ecken und im Topspeed. Der Verlust auf den drei Geraden ist mit drei Zehntel human.

Mercedes - Formel 1 - GP Österreich - 28. Juni 2018 Mercedes schärft seine Waffen Kampfansage mit Upgrade

3) Warum ist Red Bull in den Longruns so langsam?

Über die Longrun-Schwäche zerbrechen sich alle bei Red Bull die Köpfe. Das gab es noch nie. Verstappen klagte am Funk immer wieder über eine Mischung aus Unter- und Übersteuern. Die Autos fressen auch die Reifen. “Am Vormittag war es ganz schlimm. Es hat sich am Nachmittag nur eine Spur gebessert. Bei uns gibt es nur eine Konstante: Wir hinken auf allen drei Reifentypen hinterher„, bilanzierte Marko sarkastisch und geht ins Detail: “Wir kriegen keine Balance hin und haben deshalb die Reifen auch nicht in ihrem Betriebsfenster.„ Die Fahrer pendelten zwischen zwei unterschiedlichen Setups hin und her und trafen sich in der Mitte. Wie in Paul Ricard ist der Ultrasoft-Reifen für Red Bull der schlechteste im Angebot. Die Red Bull-Techniker vermuten, dass die ungewohnten Schwierigkeiten mit dem Streckenbelag und den tiefen Temperaturen zu tun haben. Vielleicht hilft ja der für Samstag und Sonntag angekündigte Temperaturanstieg.

4) Warum sind die drei Reifentypen gleich schnell?

Ein Mercedes-Ingenieur juxte: “Hier können sie die Farben von den Reifen kratzen. Die sind alle gleich schnell. Wie zum Beweis drehte Hamilton die schnellste Runde des Tages auf dem härtesten Reifen. Hier kurz die schnellsten Runden auf den drei Reifentypen von Pirelli:

Soft : 1.04,579 min (Hamilton)

Supersoft : 1.04,767 min (Bottas)

Ultrasoft : 1.04,649 min (Hamilton)

Pirelli-Technikchef Mario Isola führt die geringen Unterschiede auf die kurzen Rundenzeiten, die rasante Streckenentwicklung nach dem Dauerregen am Donnerstag und den speziellen Asphalt zurück, der seit dem letzten Jahr um 15 bis 20 Prozent rauer geworden ist und für alle Reifensorten guten Grip liefert. Isola erwartet bei steigenden Temperaturen ein Delta von 0,3 Sekunden zwischen den einzelnen Gummimischungen. Die schlechte Nachricht: Es gibt wieder ein Einstopp-Rennen. Die gute: Das Boxenstopp-Fenster könnte ziemlich groß ausfallen. Es ist also noch nicht ganz klar, ob der frühe oder der späte Boxenstopp zum Erfolg führt.

5) Ist HaasF1 die Nummer 4 in der Steiermark?

HaasF1 führte in allen Disziplinen das große Mittelfeld an. Und das ziemlich deutlich. Auf eine Runde nahm Romain Grosjean Fahrer im nächstbesten Team über drei Zehntel ab. Das war Pierre Gasly im ToroRosso-Honda. Auch in den Longruns zeigten die US-Ferrari ihre Zähne. Kevin Magnussen fuhr auf den Ultrasoft-Reifen und den Soft-Gummis praktisch auf Augenhöhe mit Red Bull. Mit dem Ultrasoft fehlten auf Ricciardo nur 0,055 Sekunden bei doppelter Distanz. Auf den Soft-Reifen absolvierte Magnussen zwar 10 Runden weniger als Verstappen, doch da Pirellis härtester Reifen am stabilsten ist, wäre das Delta zu dem Red Bull-Piloten auch bei einem längeren Stint nicht viel größer ausgefallen.

Romain Grosjean - Haas F1 - Formel 1 - GP Österreich - 29. Juni 2018 Foto: xpb.cc
Haas F1 machte am Trainingsfreitag in Spielberg eine ziemlich gute Figur.

Pierre Gasly macht sich Hoffnungen auf eine Top Ten-Platzierung, warnte aber: „Wir haben auch in Frankreich am Freitag gut ausgesehen, dann aber irgendwie den Faden verloren.“ Sauber war mit dem Vormittag zufrieden, mit dem Nachmittag weniger. „Unsere Fahrer sind ständig im Verkehr gesteckt. Sonst müssten wir in den Top Ten liegen“, ärgerte sich Teammannager Beat Zehnder. So steigen die Ansprüche. Die Force India-Piloten klagten über Balance-Probleme. Sergio Perez mehr als Esteban Ocon. Der Mexikaner fürchtet, dass es bei steigenden Temperaturen noch schlimmer werden kann. „Uns steht ein arbeitsreiches drittes Training bevor“, hieß es aus dem Team. McLaren konnte nur beim Ultrasoft-Dauerlauf mit Stoffel Vandoorne einigermaßen überzeugen. Auch die Renault-Piloten kamen noch nicht optimal in das Wochenende. Nico Hülkenberg klagte über viel Untersteuern und Balanceprobleme in den schnellen Kurven. „Dafür liefen die Longruns erstaunlich gut“, wunderte sich der Deutsche. Auf Ultrasoft-Reifen belegt Hülkenberg mit 1.09,529 Minuten im Mittel über 12 Runden den 8. Platz im Sandwich der HaasF1-Fahrer.

6) Wie gefährlich sind die Randsteine?

Stoffel Vandoorne brauchte am Vormittag einen neuen Frontflügel. Pierre Gasly verlor Flügelteile auf den Randsteinen. Am Nachmittag kam es noch schlimmer. Am Toro Rosso knickte links vorne die Aufhängung ein. Max Verstappen und Fernando Alonso hatten wegen Schäden am Unterboden längere Standzeiten in der Box. Die Kerbs auf dem Red Bull-Ring leisten auch in diesem Jahr wieder ganze Arbeit. Sie sollen verhindern, dass die Fahrer zu sehr ihre Ideallinie neben die Strecke legen. Besonders sind die groben Randsteine in den Kurven 9 und 10. Wer sie trifft, hat ein Problem. Dummerweise kann man gerade in den letzten beiden Kurven die meiste Zeit gutmachen, wenn man den Radius so weit wie möglich wählt. Die Kunst ist es, den Killer-Kerbs so nahe wie möglich, aber nicht nah genug zu kommen.

Longrun-Analyse GP Österreich 2018

FahrerØ längster LongrunRundenReifen
1. Bottas1.08,39414ultrasoft
2. Räikkönen1.08,4046ultrasoft
3. Vettel1.08,67121ultrasoft
4. Hamilton1.09,1046ultrasoft
5. Verstappen1.09,30313ultrasoft
6. Ricciardo1.09,35110ultrasoft
7. Magnussen1.09,40620ultrasoft
8. Hülkenberg1.09,52912ultrasoft
9. Grosjean1.09,63117ultrasoft
10. Vandoorne1.09,82713ultrasoft
11. Sainz1.09,84415ultrasoft
12. Ocon1.09,94513ultrasoft
13. Perez1.09,95113ultrasoft
14. Stroll1.10,1148ultrasoft
15. Sirotkin1.10,11712ultrasoft
16. Hartley1.10,25220ultrasoft
17. Leclerc1.10,82310ultrasoft
1. Bottas1.07,8744supersoft
2. Ricciardo1.08,85718supersoft
3. Räikkönen1.09,02015supersoft
4. Grosjean1.08,8998supersoft
5. Gasly1.09,36718supersoft
6. Hartley1.09,3739supersoft
7. Ericsson1.09,4887supersoft
8. Alonso1.09,52712supersoft
9. Sirotkin1.09,61814supersoft
1. Vettel1.07,78214soft
2. Hamilton1.07,80910soft
3. Verstappen1.08,52716soft
4. Magnussen1.08,5526soft
5. Ocon1.09,24610soft
6. Vandoorne1.09,32511soft
7. Perez1.09,51212soft
8. Stroll1.09,52012soft
Neuester Kommentar

Weil das aus seiner Sicht genauso für'n Arsch wäre ;)

Butter_my_Butt 29. Juni 2018, 23:48 Uhr
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