Lando Norris - Sergio Perez - GP Österreich 2021 - Spielberg xpb
Sergio Perez - Charles Leclerc - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen
Lando Norris - McLaren - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen
Valtteri Bottas - Mercedes - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen 56 Bilder

F1 GP Österreich 2021 - Analyse Rennen

Rennanalyse GP Österreich 2021 Wurde Norris ungerecht behandelt?

Red Bull dominierte mit Max Verstappen auch das zweite Rennen in Spielberg. Mercedes sah sich zwar näher dran, hatte aber wieder keine Chance. McLaren erstarkte. Selbst eine Strafe kostete Lando Norris nicht das dritte Podest der Saison.

Es war der zweite ungefährdete Erfolg im zweiten Rennen in Serie. Red Bull hatte in Spielberg keinen echten Gegner. In unserer Rennanalyse beantworten wir die großen Fragen zum neunten Grand Prix der Formel 1-Saison 2021.

Ist Red Bull in der WM noch aufzuhalten?

Red Bull hatte wieder das beste Paket auf seiner Hausstrecke. Die 4,318 Kilometer lange Piste mit ihren Geraden und zehn Kurven schmeckt dem RB16B. "Wir haben den schnellsten Fahrer, das beste Auto und den besten Motor. Wir waren in allen Rennen siegfähig in dieser Saison", jubelte Sportchef Helmut Marko.

Max Verstappen zitterte nur in der Qualifikation, weil die Runden im dritten Teil nicht passten. Hätte der McLaren von Lando Norris in der Zielkurve nicht untersteuert, wäre der Papaya-gelbe Rennwagen auf Pole gestanden. Das Rennen bestimmte der Niederländer zu jedem Zeitpunkt. Nie trat er die Spitze ab. Der Kommandostand schwitzte nur für einen Moment. Die Adler im Team stellten auf dem harten Reifensatz eine Wunde rechts hinten fest. "Der Schnitt war nicht bedrohlich. Wir hatten die Möglichkeit, Max zum zweiten Reifenwechsel zu holen, weil der Vorsprung auf Bottas so groß war", berichtete Marko. Red Bull wollte unter allen Umständen eine Wiederholung von Baku vermeiden.

Max Verstappen - Red Bull - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen
Wilhelm
Verstappen dominierte in Spielberg von A bis Z.

Sein Hoffnungsträger strahlte nach dem Rennen. "Das Auto fuhr wie auf Schienen durch die Kurven." Red Bull war so schnell, dass man es sich sogar erlauben konnte, Verstappen anzuweisen, die Randsteine nicht so hart zu nehmen. Auch regelte der Pilot früh im Rennen die Motorleistung runter. Nach fünf Siegen in Folge – vier mit Verstappen – ist das Selbstvertrauen riesig. Mit einer Reihe von Upgrades, die Frontflügel, Unterboden und Leitbleche betreffen, und einem gestärkten Motor hat man Mercedes zuletzt ausgestochen. Jetzt will das Team die Moral des Erzrivalen mit einem Erfolg in zwei Wochen brechen. Silverstone wird das Rennen der Wahrheit für Mercedes. Die Highspeedstrecke ist seit sieben Jahren Hoheitsgebiet der Silberpfeile. "Wir haben sie dort letztes Jahr nur geschlagen, weil die Reifen kritisch waren", erinnert sich Marko.

Mercedes wird ein kleines Upgrade nachschieben. Red Bull lässt sich diesbezüglich nicht in die Karten schauen. Toto Wolff richtet seine erfolgsverwöhnte Mannschaft auf. "Alles spricht in der WM derzeit gegen uns. Wir müssen uns überall verbessern und weniger Fehler machen. Aber es sind noch 14 Rennen. Ein Ausfall von Max, und wir sind wieder im Spiel. Die Mentalität stimmt. Und ich bin überzeugt, dass man nicht nur durch neue Teile, sondern auch über die Einstellung Performance gewinnt."

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen
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Ein ramponierter Unterboden kostete Hamilton ab Runde 29 eine halbe Sekunde pro Umlauf.

Wie stark war Hamiltons Auto angeschlagen?

Der Mercedes-Teamchef ist überzeugt: "Ohne den McLaren vor uns hätten wir heute gegen Verstappen kämpfen können. Ich will nicht sagen, dass wir ihn geschlagen hätten. Aber wir waren diesen Sonntag mit der Rennpace viel besser aufgestellt als letzten."

Lewis Hamilton versauerte 20 Runden hinter Norris. Der McLaren war zwar schnell, hielt den Mercedes jedoch sichtbar auf. Als der Weltmeister endlich einen Weg vorbei fand, war der Verstappen-Zug schon um 9,3 Sekunden enteilt. Immerhin schien der Titelverteidiger einem sicheren zweiten Platz entgegenzusteuern. Das hätte ihm sechs Punkte mehr gebracht, als er am Ende einsammelte.

In Runde 29, kurz vor dem ersten Reifenwechsel, beschädigte Hamilton sein Auto auf dem Randstein der Zielkurve. Es splitterte am Unterboden rund um das linke Hinterrad. "Lewis hat nichts falsch gemacht. Wir müssen uns das anschauen. Unter der Last hat ein Teil nachgegeben", berichtete Wolff. Der Österreicher schätzte den Verlust auf 30 Abtriebspunkte. Das entspricht rund einer halben Sekunde in Spielberg. Hamilton rutschte vor allem in schnellen Kurven mit dem Heck. Er überstrapazierte deshalb die Reifen, und zwang Mercedes in eine Stallregie zugunsten von Valtteri Bottas.

Lando Norris - McLaren - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen
F1/FIA
Lando Norris forderte Red Bull und Mercedes heraus.

Warum war McLaren so schnell?

McLaren war schon am ersten Spielberg-Wochenende gut aufgelegt, forderte die Topteams in der Qualifikation, sah aber im Renntrimm kein Land gegen sie. Das war dieses Mal anders. Die bessere Performance ist auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen: Feintuning am Setup, ein kleines Update für den Unterboden, gleiche Reifenstrategie wie die Topteams und die kühleren Temperaturen am Renntag. Generell fühlt sich der MCL35M damit wohler. "Das Auto war leichter zu fahren", sagte Norris.

Teamchef Andreas Seidl führt aus. "Wir waren über die ganze Runde besser als in der Vorwoche. Vor allem haben wir uns in den Highspeedkurven gesteigert." Das sind in Spielberg die Kurven sechs bis zehn. Durch eine bessere Balance sank auch der Reifenverschleiß.

War die Strafe gegen Norris gerecht?

Das starke Rennen hatte einen Makel. Norris fühlte sich um den zweiten Platz gebracht, den er in der 30. Runde an Bottas in der Box verlor. Die McLaren-Mechaniker mussten fünf Sekunden warten, bis sie die Reifen wechseln durften, weil ihr Pilot von den Schiedsrichtern mit einer Zeitstrafe belegt worden war. "Das hat uns den zweiten Platz gekostet. Oder zumindest die Chance, ihn selbst zu verteidigen." Auf der Strecke hätte ihn Bottas mit identischen Reifen wohl nicht überholt. Dafür war der Finne nicht schnell genug an diesem Rennsonntag.

Deshalb war Norris angefressen – trotz des vierten Podiums der Karriere. "Wir haben es aus eigener Kraft erarbeitet. Und trotzdem fühlt es sich vielleicht am schlechtesten an von den vier." Die Sportkommissare kreideten dem 21-Jährigen an, in der vierten Runde nach dem Restart Sergio Perez neben die Strecke gedrückt zu haben. Der Zweikampf ereignete sich in der vierten Kurve. "Selbst schuld", befand Norris. "Ich habe ihn nicht berührt. Das war normales Racing. Sergio müsste wissen, dass es da bergab geht und ihm auf der Außenseite irgendwann der Platz ausgeht. Dann landet man im Kiesbett. Er hat das Überholmanöver nicht richtig durchgezogen." Perez entgegnet: "Ich hatte das Gefühl, vorne zu sein, und er hat mir einfach nicht ausreichend Luft gelassen." Die Stewards urteilten, dass Norris seinem Nebenmann eine Wagenbreite hätte einräumen müssen.

Sergio Perez - Charles Leclerc - GP Österreich 2021 - Spielberg - Rennen
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Sergio Perez erhielt gleich zwei Zeitstrafen.

Der Drittplatzierte sah sich im Recht. "Wo war der Unterschied zu Max und Lewis in Imola?" Dort hatte Verstappen seinen Rivalen am Start mit harten Bandagen von der Idealline geschubst. "In der ersten Runde sind die Stewards seit ein paar Jahren nachsichtiger in der Beurteilung", meint Rennleiter Michael Masi. "Außerdem sind das zwei verschiedene Vorfälle. Die Stewards müssen auch die Streckencharakteristik beachten. Hier gibt es Kies, was viel mehr schadet als eine asphaltierte Auslaufzone." Dennoch: Man hätte auch zugunsten des Angeklagten entscheiden können.

Perez war in den Runden 40 und 46 in der anderen Position. Jetzt verteidigte er sich und schickte Charles Leclerc im Ferrari sogar zwei Mal von der Bahn. Beim ersten Mal war der Fall klar. Der Monegasse hatte am Scheitelpunkt der vierten Kurve die Nase vorn. Perez gestand seine Schuld ein. "Wir fuhren in verwirbelter Luft, mit heißen Reifen und heißen Bremsen. Normalerweise verhalte ich mich nicht so gegen einen anderen Fahrer." Das zweite Aufeinandertreffen ereignete sich in Kurve sechs. Wieder setzte Leclerc auf der Außenbahn an. Wieder geriet er in den Kies. "Das ging vielleicht eher in Richtung Rennunfall", urteilte Ferrari-Teamchef Mattia Binotto. Perez erhielt je zwei Strafen über fünf Sekunden. Sein Chef Marko befand. "Wir wollen enges Racing. Weder für Norris noch für Sergio hätte es den Eingriff gebraucht."

Warum kollidierten Räikkönen und Vettel?

Sie kämpften nicht um Punkte und landeten dennoch im Aus. Kimi Räikkönen nahm seinen Kumpel Sebastian Vettel im Finale aus dem Rennen. Der Finne konnte sich nicht erklären, wie sich sein rechtes Vorderrad mit dem linken Hinterreifen des Aston Martin verhakte. Dabei war der Fall klar. Der Iceman muss ihn gesehen haben und hätte in Kurve fünf einfach weiter links fahren müssen.

Vettel schützte und sprach von einem Missverständnis. Die Stewards sichteten die Videos und zittierten die Unfallgegner zu sich. Ihr Urteil: Räikkönen trägt die volle Verantwortung und erhält 20 Sekunden addiert. Insgesamt verhängten sie beim GP Österreich zehn Strafen gegen acht Piloten: Norris, Perez (2x), Tsunoda (2x, Überkreuzen weiße Linie Boxeneinfahrt), Stroll (zu schnell in Box), Giovinazzi (Überholen unter Safety Car an Alonso), Latifi, Mazepin (jeweils zu schnell unter Doppelt-Gelb) und Räikkönen.

GP Österreich 2021 - Ergebnis Rennen

Fahrer Team Zeit / Rückstand
1. Max Verstappen Red Bull 1:23:54.543 h
2. Valtteri Bottas Mercedes +17.973s
3. Lando Norris McLaren +20.019s
4. Lewis Hamilton Mercedes +46.452s
5. Carlos Sainz Ferrari +57.144s
6. Sergio Perez Red Bull +57.915s
7. Daniel Ricciardo McLaren +60.395s
8. Charles Leclerc Ferrari +61.195s
9. Pierre Gasly Alpha Tauri +61.844s
10. Fernando Alonso Alpine +1 Runde
11. George Russell Williams +1 Runde
12. Yuki Tsunoda Alpha Tauri +1 Runde
13. Lance Stroll Aston Martin +1 Runde
14. Antonio Giovinazzi Alfa Romeo +1 Runde
15. Kimi Räikkönen Alfa Romeo +1 Runde
16. Nicholas Latifi Williams +1 Runde
17. Sebastian Vettel Aston Martin Ausfall
18. Mick Schumacher Haas +2 Runden
19. Nikita Mazepin Haas +2 Runden
20. Esteban Ocon Alpine Ausfall